Der große Geyser in Island
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DER GROSSE GEYSER AM HEKLA
Wir treten aus dem düstern Grabe einer Stadt, um die herrlichste Fontaine der Erde zu betrachten. Welcher Gegensatz! Und doch sind beide Kinder derselben Mutter. Dieselben Kräfte, welche das Eine machten, schufen auch das Andere.
Ohne die vulkanische Thätigkeit in seinem Innern würde Island längst nicht mehr bewohnbar seyn. Dort heizt ein unermeßlicher Feuerherd die Erdkruste und die meisten Quellen sind daher mehr oder weniger warm. Es ist dies von Vortheil für die Bewohner dieses dem Polarkreise nahen Landes. Viele Brunnen sprudeln kochend aus der Erde, viele bilden intermittirende Fontainen. Diese heißen Geyser; sie sind die merkwürdigste Eigenthümlichkeit Islands.
In der Umgebung des Hekla kommen die meisten Geyser vor. Man kennt dort eine Gegend, in welcher, auf dem Raum einer Geviertmeile, sich über 50 vorfinden.
Der große Geyser, das Erstaunen aller Reisenden, die ihn gesehen, befindet sich in einer Ebene in einer schüsselförmigen, sanftgeneigten Vertiefung, in deren Mitte ein rundes Loch, einem Schacht ähnlich, von 10 Fuß Durchmesser senkrecht hinab geht. Wenn der Geyser nicht springt, steht das Wasser etwa 90 Fuß tief in seinem Schachte.
Kein Maler vermag das glänzende und große Schauspiel genügend wiederzugeben, welches die Natur dem Beobachter hier vorführt, und keine Worte haben die Macht, nur annähernd den Eindruck hervorzubringen, welchen die unmittelbare Anschauung verursacht.
Denke dir, Leser, du ständest in Erwartung des periodisch wiederkehrenden Ausbruchs etwa 50 Schritte vom Rande der Oeffnung. Dein Führer sagt dir, daß du sicher stehst; also kann dir auch keine Angst den Genuß verkümmern. Zuerst hörst du ein Gepolter in der Tiefe und ein Zischen; ein Heraufrauschen des Wassers im Schachte und ein Wiederhinabfallen; Dampfwolken, erst dünn und schwach, dann dichter, siehst du aus der Oeffnung steigen, der Boden zittert und du merkst den Krampf in dem Leib der Erde. Mit jedem Augenblick steigt die Gewalt und Anstrengung und wird die Spannung heftiger. Es folgen Detonationen und stärkere Erschütterungen, du fühlst ein beständiges Zittern unter den Füßen, siehst blendendweiße Dämpfe, wie sie bei einem großen Brande aus dem Flammenherde steigen, wenn er mit Wasser übergossen wird, empor wirbeln, kreißeln, sich weit ausbreiten und in den Lüften verschwimmen: – noch wenige Sekunden, da öffnet sich der Erde Lippe und mit fürchterlicher Gewalt schießt ein [16] 10 Fuß dicker, kochender Wasserstrahl 90 bis 100 Fuß hoch in die Luft, indem er zugleich große Felsstücke heraus schleudert, mit denen er spielt, wie ein Knabe mit dem leichten Ball. In allen Regenbogenfarben glänzen und schillern die Dampfwolken im Sonnenstrahl. Das dauert ein paar Minuten, bis die Gewalt die Wassergarbe zu tragen versagt. Sie sinkt dann zurück, verbirgt sich einen Augenblick im Schacht; doch nur um im nächsten wieder empor geschleudert zu werden. Dies prächtige Spiel wiederholt sich so lange, bis die Kraft ermüdet und ungenügend ist, die Wassermasse auszustoßen. Allmählig hört dann auch das Zittern der Erde auf. Die unterirdischen Mächte ruhen aus, um neue Kräfte zu einem neuen Ausbruch zu sammeln.