Die Aukirche in München

DXXVI. Freiburg im Breisgau Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band (1847) von Joseph Meyer
DXXVII. Die Aukirche in München
DXXVIII. Cetara in der Bai von Salerno bei Neapel
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DIE NEUE AU-KIRCHE IN MÜNCHEN

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DXXVII. Die Aukirche in München.




König Ludwig der Erste von Bayern befahl diesen Tempel zu errichten. Er ist groß und prachtvoll; er ist mit verschwenderischer Kunst ausgeschmückt; es ist nichts daran gespart worden, weder Geld, noch Zeit, noch Geschicklichkeit, und doch ist er gegen die großen Kirchenbauten des Mittelalters nur ein Armuthszeugniß unserer Zeit. Neben Wiens Sankt Stephan, neben der Antwerpner Kathedrale, neben den Münstern Straßburgs und Freiburgs stehend, würde die Aukirche jeden Anspruch auf Bewunderung verlieren, sie würde plump und kleinlich, kahl und seelenlos erscheinen. Nein! mit jenen versteinerten Lobgesängen zum Preis des lebendigen Gottes ist sie gar nicht zu vergleichen.

Die Kirche steht auf dem Mariahilfplatz der Vorstadt Au. Oelmüller, der den Plan entworfen, leitete auch den Bau, welcher ihn sechs Jahre (von 1831 bis 37) beschäftigte. Das dazu verwendete Material ist ein weißer Sandstein, der sich für die Bearbeitung der Ornamente besonders gut eignete. Das Sehenswertheste im Innern der Kirche sind die Glasgemälde. Sie nehmen sieben Fenster des Presbyteriums ein. Es ist wohl das Beste, was unsere Zeit in der Kunst geleistet hat. Die Compositionen – ein Cyklus aus dem Leben der Maria – sind von Schraudolf, Fischer und Ruben; die Malerei führte Stöckel mit seinen Schülern aus. – Der Gründer, welcher die Kosten des Baus allein bestritten hat, war auch für die artistische Ausstattung des Gotteshauses bedacht und noch vor wenigen Wochen traf er weitere Anordnungen zu diesem Zwecke. Wechselschnelle Zeit! Während die Künstler über die Ausführung der königlichen Befehle berathen, steigt der König selbst vom Thron herab, bekennend: „Ich bin ein König des alten Bundes und die neue Zeit ist nicht die meinige. Sie widerstrebt meiner Natur und daher breche ich mit ihr ganz und gar; ich – resignire.“ Das ist unerquicklich, aber ehrlich gesprochen, und doch tausendmal besser, als das Thun eines andern Königs zu der nämlichen Stunde, über welches die entrüstete Nation ihr gerechtes Urtheil schon gefällt hat.