Cetara in der Bai von Salerno bei Neapel

DXXVII. Die Aukirche in München Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwölfter Band (1847) von Joseph Meyer
DXXVIII. Cetara in der Bai von Salerno bei Neapel
DXXIX. Der Obelisk von Luxor in Paris
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CETARA
(Bay von Salerno)

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DXXVIII. Cetara in der Bai von Salerno bei Neapel.




„Ein Stück aus dem Garten Gottes!“ wie es Tasso genannt hat, der in dieser Gegend geboren war. Kein Garten im Styl des le Notre, der die Athleten des Waldes zu niedrigem Heckendienst zwang und die Schönheit und Freiheit der Formen zerstörte: sondern ein Park, in dem sich auf jedem Schritt der große Meister offenbart, „in dessen Schöpfung die Herrlichkeit ohne Grenze ist und die Mannichfaltigkeit ohne Zahl.“

Cetara (ein kleiner Flecken zwischen Salerno und Amalfi) liegt auf einem Plateau, daß von allen Seiten senkrecht abstürzende Felsschluchten umgeben und unzugänglich seyn würde, hätte man nicht vom Meerufer herauf einen Fußsteig gebahnt, der sich zwischen Klippen und an tiefen Abgründen hin aufwärts windet. Es war ein mühsames Werk; auf langen Strecken mußten Treppen in die Steinwände gemeißelt werden. – Oefters führt der Pfad auf Felsvorsprünge hinaus mit Blicken auf das Meer und die Küste, welche die spielende Hand der Natur in abenteuerlichen Formen ausschnitt. Trotz der Wildheit der Scenerie fehlt es ihr nicht an Anmuth. Oleanderbüsche klammern sich in jede Ritze, Kaktus und Aloe recken ihre hohen Blüthenkronen von den Felsplatten auf, die Ranunkel kleidet selbst im Winter das Gestein in Purpur, und zahllose Kräuter, die unserm rauhen Himmelsstrich unbekannt sind, erfüllen die Luft mit Wohlgerüchen: wilde Rosen blühen den größern Theil des Jahres hindurch und das Veilchen und die Primel sind Kinder der Monate, welche uns Nordländern nur Eis und Schnee als Gaben reichen.

Hat man die Höhe erstiegen, so wird man überrascht durch Etwas, was man in diesem verborgenen Winkel und nach einem solchen Wege am wenigsten erwartet: die sorgfältigste Bodenkultur erfreut das Auge. Jedes Plätzchen ist benutzt, aus jedem zugänglichen Stückchen Felsboden hat der Mensch durch seine Mühe einen kleinen Garten geschaffen, an jeder Felswand klettern, wie es bei Rüdesheim im Rheingau zu sehen ist, Weinstöcke, und die größern Plätze bedecken Oelbaumpflanzungen, um deren Arme sich Baumreben ranken, die sich in reichen Festons von Stamm zu Stamm verschlingen und ihre Traubenfülle in den Lüften wiegen. Feigenbüsche stehen an den sonnigsten Stellen des Gesteins und ihre saftigen, süßen Früchte sind als die besten der [42] Gegend geachtet. In den schattigen, winterlichen Lagen hingegen sieht man Aepfelbäume ihre Kronen ausbreiten, die Pflaume, die Pfirsiche, die Kirsche und die Maulbeere gedeihen, während Citronen- und Orangenhaine mit der goldenen Fruchtlast und den weißblühenden Zweigen den Süden keinen Augenblick vergessen lassen. – Wie jedes Haus seinen Garten besitzt, so hat auch jede Familie ihr Stückchen Feld, wo sie Mais baut. Was aber die Bevölkerung sonst bedarf, das holt sie sich in Neapel und überläßt dafür der Hauptstadt ihren Ueberfluß an Obst und Südfrüchten. Milch geben die Ziegenheerden des Fleckens, welche in den mit Stauden und Gräsern üppig überwachsenen Felsschluchten eine gute Weide finden.

Cetara ist berühmt wegen seiner gesunden Luft, welche der Seewind auch im heißen Sommer kühlt. Dieß, dazu die Eigenthümlichkeit seiner Lage und die Schönheit einer berühmten Aussicht auf das Meer, die Inseln des Neapeler Meerbusens und die Küste Siciliens, wo der Aetna mit seinem weißen Haupte Wache hält – macht es zum Ziele häufiger Ausflüge aus der Gegend und der Touristen, welche die Hauptstadt besuchen.