Die Dardanellen

DCCXX. Das Kosciusko-Denkmal zu Westpoint Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band (1854) von Joseph Meyer
DCCXXI. Die Dardanellen
DCCXXII. Friedrichshafen am Bodensee
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DIE DARDANELLEN-EINFAHRT
VOM AEGÄISCHEN MEER AUS.

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DCCXXI. Die Dardanellen.




So heißt die Meerenge, welche den ägeischen See mit dem Marmormeer verbindet. Es ist das westliche Thor von Constantinopel. Die Breite der Meerenge wechselt von einer Viertelstunde bis zu 1½ Meile. Sie ist ihrer ganzen Länge nach mit theils neuen, theils alten verfallenen Befestigungen gepanzert, unter denen die Schlösser und Castelle: Sedd-el-Bahr auf europäischer und Kum-Kalaasi auf asiatischer Seite, als die neuen, und die 4 Meilen nordwärts gelegenen, Kilid-El-Bahr und Boghasi Hissar als die alten Dardanellen bekannt sind. Je näher dem Marmormeer, je schmäler wird der Kanal: er verengert sich zuletzt fast bis zur Breite des Rheins bei Mainz – bis auf 2000 Fuß; und diese, die eigentliche Dardanellenstraße, über welche Xerxes mit seinem Heere auf einer Brücke setzte, und Soliman der Große mit seinen Schaaren auf Flößen passirte, ist erst in neuester Zeit mit Strandbatterien unter der Leitung preußischer Ingenieure versehen worden, und hat auch Vorrichtungen, um die Straße mit Ketten zu sperren, erhalten. Die jetzigen Befestigungen machen es unmöglich, die Durchfahrt zu erzwingen; eine Flotte würde unter dem Kreuzfeuer von 1400 Geschützen, die auf beiden Ufern postirt sind, unfehlbar zu Grunde gehen.

Früher war es anders. Die Fahrlässigkeit der Türken und ihr Glaube an die Unüberwindlichkeit der berühmten alten Befestigungen hatte die Erhaltung derselben versäumt, und sie wurden nicht eher aus ihrem Traume aufgerüttelt, als im Jahre 1807 der Admiral Duckworth mit einer englischen Flotte von 8 Linienschiffen und 4 Fregatten nebst Brandern und Bombenschiffen die Passage erzwang und plötzlich vor dem Serail Anker warf, um der Pforte die Diktate Englands in derselben Weise aufzudringen, wie es Menschikoff in unseren Tagen versucht hat. Doch auch mit nicht besserem Erfolge. Denn die Türken, von französischen Ingenieuren unterstützt, schanzten und bauten, während die engl. Flotte sich zum Bombardement Stambuls anschickte, Tag und Nacht an ihren Schlössern und setzten sie in so furchtbaren Vertheidigungsstand, daß Duckworth, aus Furcht, es möge ihm wie der Maus in der Falle ergehen, an einem schönen Morgen plötzlich die Anker lichtete, und nur froh war, wiewohl mit schwerem Verlust, glücklich zu entschlüpfen. Der Versuch, die Dardanellen durch Flotten zu gewältigen, dürfte wohl schwerlich so bald wiederholt werden. –