Friedrichshafen am Bodensee

DCCXXI. Die Dardanellen Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Sechzehnter Band (1854) von Joseph Meyer
DCCXXII. Friedrichshafen am Bodensee
DCCXXIII. Das Thor des Niagara
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FRIEDRICHSHAFEN
am Bodensee.

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DCCXXII. Friedrichshafen am Bodensee.




Die Ansichten vorn schwäbischen Ufer des Bodensees haben einen Grundcharakter, der allen gemeinschaftlich angehört. Die nächsten Umgebungen sind freundlich und blühend; der von Dampfbooten und Schiffchen belebte Wasserspiegel des Sees ist nach allen Richtungen breit, ausgedehnt, großartig; gegenüber liegen die Schweizerufer in blauer Ferne: – das Vorland mit den Dörfern und Städtchen, den Klöstern und Schlössern, alte Burgen, welche die rebenbewachsenen Gelände, oder die mit stattlichem Wald gekrönten Höhen überragen, und im Hintergrunde die himmelansteigende Säntiskette, an die sich die Schneegebirge von Glarus anschließen. – Diesseits aber, zur Linken, prangen die bayerischen Gestade, und weiter hin, unter Habsburgs Banner, das umdüsterte, aus Felsen sich vordrängende Bregenz mit seinem Waldgebirge und dem Amphitheater der Vorarlberger Alpen.

Meersburg, – der uralte Thurmwart des Sees, – und das neue, schmucke, aufblühende Friedrichshafen sind die günstigsten Standorte. Während Meersburg, das graue Felsnest, mit seinen, in den Rissen des Gesteins zerstreuten Gräbern und Grabsteinen, und der kühn über eine breite Kluft geworfenen Brücke, deren Alter an die Römerzeit grenzt, den Reisenden durch den Kontrast mit der lachenden Umgebung in eine elegische Stimmung versetzt, erfüllt dagegen das junge Friedrichshafen das Gemüth mit Heiterkeit, befreundet es mit der Gegenwart und läßt die herrliche Aussicht über See und Gebirg froh genießen. Von Friedrichshafen übersieht man den ganzen See auf- und abwärts in seiner ganzen Länge; einerseits bis Konstanz, andererseits bis zu dem breiten Vorlande, durch das der Rhein seine blauklaren Gewässer in den See ergießt. Gegenüber zeigen die Gebirge der innern Schweiz mit ihren Zacken und Jochen ihre Felsenstirnen, und steigen terrassenförmig mit den mannigfaltigsten und reizendsten Staffagen geschmückt, zum Gestade hinab.

Friedrichshafen (das ehemals reichsfreie Städtchen Buchhorn) ist eine Schöpfung des jetzigen Königs von Würtemberg, welcher sein Schooßkind mit Privilegien und kostspieligen Verkehrseinrichtungen reich ausstattete. Ein großes Gedeihen hat die königliche Sorgfalt reich belohnt. Die Stadt ist der Endpunkt der würtembergischen Eisenbahn; sie vermittelt den Verkehr Deutschlands mit der Schweiz und Italien, dessen Vortheile und Wichtigkeit [46] von Jahr zu Jahr besser erkannt und benutzt werden. Der Hafen ist der belebteste am ganzen See; die regelmäßige Verbindung mit den übrigen Städten des Ufers besorgen 9 Dampfschiffe und die Zahl derselben ist beständig im Wachsen.