Die Franzensveste in Tyrol
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FESTUNG BRESSENONE
(FRANZENVESTE)
Die hohlen, tönenden Worte der Eitelkeit und Schmeichelei – wie oft reißt sie die Geschichte stammelnd auseinander! Auch Deutschland hat solcher Namen die Menge, neue wie alte. Es hat Heilige Allianz-Citadellen, Nikolaus-Forts, Kongreß-Basteien, und seit einem Jahrtausend plaudert es der Schuljugend vor von einem deutschen Meere, auf dem alle Flaggen zu finden und geschützt sind, nur die deutsche nicht. Oder ist es eine Fabel, daß von der deutschen Nation selbst, von ihrem Daseyn, bis vor 6 Wochen der deutsche Bundestag nichts gewußt hat? Daß ein Kaiser von Oesterreich den Schatten eines Königs von Jerusalem hinter sich herschleift zum Gelächter der ganzen Welt und bis auf den heutigen Tag den Fürsten von Sachsen das Gespenst eines „Herzogs von Engern und Westphalen“ nachläuft? In solchen Dingen könnten wir an den Franzosen ein Beispiel nehmen. Haben Zeit und Geschichte einen Namen oder Titel zum Gespött gemacht, so streichen sie ihn weg ohne Weiteres und machen einen passenden daraus. Wie viele Orleansville’s sind in den letzten Februartagen von den französischen Karten geschwunden und wie viele Royal-Namen von den Straßenecken und Palastpforten,
[76] von den Brücken und Kanälen, von Schauspielhäusern und Monumenten, von Anstalten, Körperschaften und Vereinen! Alles Namen, welche die Herrlichkeit des abgeschafften Königthums künftigen Zeiten erzählen sollten, und Zeugniß ablegen von der Schmeichelei und dem Knechtsinn der Menschen.
Die Franzensveste mag ihren Namen immerhin behalten. Die beste Seite der Regierung Kaiser Franz II. von Oesterreich – diese Regierung, welche so viel verschuldet hat, was die Gegenwart schwer büßen muß, – war ihre Sorge für materielles Volkswohl. Auf Straßenbau, allezeit eines der wichtigsten Förderungsmittel des öffentlichen Wohlstands, – wendete Oesterreich über 200 Millionen. Die Wege, welche es über die Alpen führte, über Höhen, wo der ewige Winter haust, übertreffen Alles, was die Alten Großes der Art ausgeführt haben – und selbst die Bauten Napoleons, die Straßen über den Simplon und den Cenis, können sich nicht mit jenen messen.
Zum Schutz der Wege, welche, aus Kärnthen und Italien kommend, unweit Brixen, bei dem Dorfe Vahrn, im Eisackthale zusammenstoßen, wurde auf einem Granitkegel in den Jahren 1833–38 von Oesterreich eine Citadelle erbaut und Franzensveste geheißen. Sie beherrscht den Vereinigungspunkt der Straßen vollkommen und von solcher Stärke sind ihre Werke, daß sie für uneinnehmbar gelten. Vollständig armirt führt sie 130 Kanonen von schwerem Kaliber und 1200 Mann Besatzung. Die Batterien erheben sich staffelnweise am Berge, eine über der andern, bis zum Gipfel. Alle Kasematten und Vorrathsräume sind bombenfest und meistens in den Felsen selbst gehauen; die Werke sind durch unterirdische Gänge mit einander verbunden. Kürzlich sind noch Befestigungen an der Eisack-Brücke dazu gekommen, und es wird dadurch die Stärke des Platzes, der, nach dem Abfall Italiens, für Oesterreich die größte strategische Wichtigkeit hat, sehr vermehrt.