Die Münze in Paris
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Die MÜNZE in PARIS
Bis zum Jahre 1771 hatte Paris kein Münzgebäude, das der Hauptstadt eines großen Reichs würdig gewesen wäre. In jenem Jahre brannte die alte Münze ab. Die Regierung taufte damals den Palast Conti, den Tuillerien gegenüber, riß ihn nieder und baute an seiner Stelle das heutige Hôtel des monnaies, eine Hauptzierde von Paris.
Den Plan machte der Baumeister Antoine, welcher auch die Ausführung leitete. Die gegen den Kay und die Seine gerichtete Fronte hat eine Länge von 360 Fuß und eine Höhe von 84. Den Haupteingang im Mittelpunkte der Façade deckt ein herrlicher Portikus, getragen von 6 Säulen ionischer Ordnung; die Entablatur füllen Skulpturen aus von der Hand Lecomte’s, die sich auf die Bestimmung des Palastes beziehen. Die Attike ist von Statuen in kolossalen Verhältnissen gekrönt. Sie stellen das Gesetz, die Weisheit, die Stärke, den Handel, den Ueberfluß und den Frieden dar. Um den 110 Fuß langen und an 100 Fuß breiten innern Hof läuft eine Säulengallerie, und um diese reihen sich die meisten der die Münzfabrikation angehenden Werkstätten. Im Prägsaal, getragen von Säulen toskanischer Ordnung, sind 40 Prägwerke in Thätigkeit. Eine Dampfmaschine von 200 Pferden gibt die Triebkraft. – Für Medaillen sind besondere Prägmaschinen, und es wird da das Schönste hervorgebracht, was die Kunst in diesem Fache leistet. Napoleon pflegte die Anstalt mit persönlicher Neigung, und sie schrieb die Geschichte der Revolution und des Kaiserreichs mit unvergänglichen Lettern. – Das Personal des Etablissements zählt 1200 Arbeiter und Künstler. Es können in 24 Stunden für eine Million Franken Silbergeld, für 8 Millionen Goldmünzen hervorgebracht werden.
Eine kostbare und sehr zahlreiche Münz- und Medaillensammlung aller Zeiten und Länder wird in einem besondern Saale bewahrt. Sie steht dem Publikum täglich offen. Zum Besichtigen der Werkstätten bedarf es einer speziellen Erlaubniß vom Minister des Innern.
Alle Silber- und Goldwaaren, welche in Paris gefertigt werden, unterliegen, bevor sie zum Verkauf angeboten werden dürfen, im Münzhotel der Gehaltprüfung und Abstempelung; eine Einrichtung, die Nachahmung in allen Ländern verdient.