Elbogen (Meyer’s Universum)
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ELBOGEN
Wer je die alte Landstraße gereist ist, welche aus Bayern zwischen Fichtelgebirge, Böhmerwald und Erzgebirge in’s Böhmerland führt, wird sogleich das reizende Bildchen wieder erkennen, das einem köstlichen alten Schmuck in neuer Fassung gleicht: so malerisch ist der burggekrönte Hügel zwischen Fluß und Waldesgrün gebettet, aus dem der zugefügte Zierrath moderner Kunst: Brücke, Bauwerk und Anlagen kokett hervorschimmern. Elbogen ist die nächste Poststation hinter Eger. Eine Biegung des Weges öffnet unerwartet den Blick in das tiefe Thal der geräuschvollen Eger, welche in einem Dreiviertel-Bogen den 25 Klafter hohen Felskegel umfließt, von dem Schloß und Stadt herabschauen. Ersteres erinnert durch das Altersgrau seiner Mauern, die Mächtigkeit seiner Thürme, die Erhabenheit und Isolirtheit seiner Lage an den Hradschin. Die Stadt umfängt im Halbkreis den Schloßfelsen. Ueber eine elegant und kühn gespannte Kettenbrücke rollt der Wagen durch ein doppeltes gothisches Thor in die Stadt. Von dem zwiefachen Mauergürtel, der dieselbe umgab, ragen noch einzelne Streitthürme. Auf dem schlechten Pflaster des mit alterthümlichen Brunnen und hohen Giebelgeländen dekorirten Marktplatzes werden die Pferde umgespannt. Die Reisenden schlendern gern den steil ansteigenden Weg durch die Stadt und hinter dem Schloß zu Fuße hinauf, während die Pferde langsam nachkeuchen. Sie gelangen in einer langen Rampe auf den Platz, den unser Zeichner einnahm, und erfreuen sich bei diesem Rundgang eines sich fortwährend verändernden Anblickes des von jeder Seite malerisch gruppirten Aufbaues von Elbogen.
Die verfallene Burg, welche in den vielerlei dynastischen und konfessionellen Kämpfen, an denen Böhmens Geschichte so reich ist, eine Rolle spielte und durch ihre von Natur und Kunst außergewöhnlich befestigte Lage vorzugsweise zu schwerem Kriegsleiden ausersehen war, wurde in neuerer Zeit zu einem Kriminalgefängniß hergerichtet, wobei schonungslos mit den Alterthümern umgegangen wurde. Aus der ehemaligen gothischen Kapelle, deren Rippenkreuze noch mit dem Wappen der Schlick, des berühmten und heute noch blühenden, seit 1409 auf Elbogen seßhaft gewesenen Grafengeschlechts, prangen, hat man eine Küche für den Kerkermeister gemacht, und Ketten rasseln jetzt in den Räumen, die sonst von ritterlichen Spielen ertönten und dem Klang der kreisenden Silberbecher.