Erstes Tafellied Erzgebirgischer Gartenbauverein 1884
Ich weiss nicht, was soll es bedeuten.
Dass ich so traurig bin;
Gedanken an alte Zeiten,
Die kommen mir nicht aus dem Sinn;
Wir schmaussen und sitzen beim Weine,
Rings duften die Blumen umher,
Und doch geht mir’s gerade wie Heine,
Ich weiss nicht, das Herz ist mir schwer.
Und fragst du: „Was trübt dir die Laune
Hier mitten im frohen Verein?“
Dann sag’ ich voll Wehmut: Ich staune,
Sollt’s wirklich so lange schon sein?
Wahrhaftig, wir feiern ja heute
Ein seltenes Jubiläum.
Drum fühl’ ich halb Trauer, halb Freude,
Es geht mir im Kopfe herum.
[2]
Ein reichliches Vierteljahrhundert
Ward alt heute unser Verein,
Da frag ich natürlich verwundert:
Wie alt müssen wir denn da sein?
Gar Manchem ergrauten die Haare
Inzwischen, ’s ward runzlich die Stirn,
Doch machte die Reihe der Jahre
Ihm matt nicht und schwach das Gehirn.
So geht es auch unserm Vereine,
Sein Geist bleibt jugendlich frisch,
Er gleichet dem goldenen Weine,
Je älter, je besser bei Tisch;
So mag er auch ferner gedeihen
Und blühen noch viele Jahr,
Lasst unsere Herzen ihm weihen,
Hoch lebe der Jubilar!
P.