Festgesang (Kunsthütte 1880)
Zu der frohen Feierstunde,
Die das Stiftungsfest uns bringt
Liederschall aus jedem Munde
Daß es zu den Herzen dringt.
Kunst und Frohsinn sind im Bunde
Und ein Lebensquell entspringt;
Wie aus eines Gottes Schale
Ist der Labetrank gereicht;
Und es wird mit einem Male
Das erwärmte Herz uns leicht.
Was uns blühte, was uns reifte,
Was zur Erde fiel als Frucht,
Was an höh´re Sphären streifte
Aufwärts steigend sich versucht
Und ins Grenzenlose schweifte
Kraftlos fort in steter Flucht
Zieht an uns belebt vorüber
In verklärtem Festgewand,
Und die Herzen wallen über,
In der Künste Zauberland.
Auf des Lebens rauhem Wege
herrscht die Mühe, gilt der Fleiß
Aber bei der Künste Pflege
ist die Arbeit schon der Preis
Immergrün ist das Gehege,
Das umfriedigt unsern Kreis.
Kunst der Töne, Kunst der Farben,
Kunst der wirklichen Gestalt
Bringt herbei die vollen Garben
Eh´ das letzte Wort verhallt.
Im Olymp bei Göttermahlen
Weilt der Schönheit Herrscherstab
Und von Hella´s lichten Strahlen
Blinkt ein Wiederschein herab.
Was wir bilden, dichten, malen
Sprosset aus der Vorzeit Grab.
Wurzelt, wächst und treibt zu Blüthen,
Grün und farbig prangt der Baum,
Den wir schützen, den wir hüten
In bescheidner Hütte Raum.
Bis die Hütte abgetragen
Und die Halle strebt empor
Die nach arbeitsvollen Tagen
Aus der Zukunft geht hervor.
Laßt uns schaffen, wirken, wagen,
Frende, in geschloßnem Chor!
Auch die Halle wird ertönen
Einst von festlichem Gesang.
Jetzt der Kunst, dem Waren, Schönen
Lebehoch und Becherklang!
T.