Haus Habsburg

Harper’s Ferry Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Neunzehnter Band (1857) von Friedrich Hofmann
Haus Habsburg
Las Posas auf Cuba
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Das Haus
HABSBURG

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Haus Habsburg.[1]
Bei der Nachricht vom Tode des alten Radetzky.




Das war das Bild vom alten Oesterreich
In des Jahrhunderts letztem wildem Brande!
Vom Himmel fuhr der Blitz, es schlug zugleich
Die eine Lohe auf durch alle Lande.
Zerbröckelnd stand der Bau, die Flamme brach
Sich Bahn durch alle Fugen, alle Ritzen!
War’s Gottes Zorn, der in dem Donner sprach?
War es vom Sinai ein zweites Blitzen?
Ward, was zur ew’gen Richtschnur ER gesetzt,
Von Völkern und von Königen verletzt?

Die Mauern wankten an dem Kaiserbaue.
Wo ist der Meister, der sie stützen kann?
Da hebt im wetterdunklen welschen Gaue
Sein Richtmaß hoch empor ein alter Mann.
Und er beginnt zu werken an der Wehre:
Und eh’ der Feind es sieht und achtet kaum,
Baut er die Mauer neu vom welschen Meere
Der Adria bis zu der Alpen Saum,
Wo mit den Deutschen die Lombarden hadern,
Die Männer welschen Bluts in deutschen Adern.

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Zum Gnadenstrahle ward des Himmels Blitz!
Statt auszubrennen ganz und zu verfallen,
Der Nachbarn Raub und der Verödung Sitz,
Sind fest gebrannt die einst so morschen Hallen.
Das eine Reichspanier weht auf dem Thurm,
Ein frischer Hauch durchströmet alle Räume,
Und wo am Boden kroch manch’ schlimmer Wurm,
Da blühen stolz der Hoffnung grüne Bäume.
Die Luft, so schwül und drückend einst, wird klar,
Aufathmet kühn und frei der Doppelaar.

Und wie vom Brande schwindet Spur um Spur,
Erkennt das Volk das Ziel des neuen Kampfes:
Frisch auf, Ihr Männer, kämpft mit der Natur!
Ergreift die Wehr des Geistes und des Dampfes!
Mit Pflug und Hammer, Senkblei, Schrift und Wort
Durchforscht der Erde und des Lebens Tiefen
Und hebt die Schätze, die, zu lange dort
Für Millionen Glück, verborgen schliefen;
Ist Euer Land doch, dem kein andres gleich,
Der deutschen Zukunft großes Morgenreich!




  1. Das Stammhaus der Habsburger steht noch heute. Es krönt den Wülpelsberg im Schweizer-Kantone Aargau. Am Fuß des Bergs, der von der Aar bespült wird, ist jetzt das Bad Schinznach ein vielbesuchter Ort. Gegründet wurde das feste Schloß von dem Bischof Werner von Straßburg zum Schutze des Klosters Muri um 1020. Radeboto, Graf im Aargau, des Bischofs Bruder, leitete den Bau und überraschte, nach der Vollendung der kleinen Burg, den Bauherrn mit einer ähnlichen „lebendigen Mauer“, wie sie Ludwig der Springer einst um seine Neuenburg seinem kaiserlichen Gast zeigte. „Lebendige Mauern habe ich Dir erworben, tapferer Mannen Treue ist die beste Burg“, sagte damals Radeboto. Der Bischof aber nannte die Burg, weil sie auf seinem „Eigen“ lag, seine „Habe“ an Land und Gütern beherrschte, die „Burg seiner Habe“, die „Habsburg“.