Hohen-Eppan in Tyrol

Triest (Meyer’s Universum, 1859) Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band (1859) von Friedrich Hofmann
Hohen-Eppan in Tyrol
Mursuk
  Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
[Ξ]

SCHLOSS HOHEN-EPPAN
bei Botsen

[105]
Hohen-Eppan in Tyrol.




In frühen Jahrhunderten war um den Bodensee, an den Ufern des Lech, im Innthal bis in’s Wälschland hinein das Geschlecht der Welfen mächtig. Ethiko, ein berühmter Welf aus der Zeit Ludwigs des Frommen, war der Ahnherr der Eppaner. Die Geschichte der Grafschaft Tyrol erzählt viel von dem wilden kriegerischen Leben und den langen blutigen Fehden mit den Bischöfen von Trient, welche die Grafen von Eppan in dem 11. und 12. Jahrhundert führten. Wurden sie damals für ihre Raufsucht und ihren Uebermuth schon schwer gezüchtigt, so fanden sie in ihrem unversöhnlichen Streit mit den Grafen von Tyrol endlich ihren Untergang. Letztere waren ghibellinisch, die von Eppan welfisch. In Tyrols Thälern lagen die Güter und Burgen beider Häuser durcheinander verstreut, und die Herrschsucht und Mißgunst beider schienen die einen erst dann des Lebens froh werden zu lassen, bis die anderen gänzlich vernichtet waren. Kaiser Barbarossa, als er auf seiner ersten Römerfahrt in Tyrol erschien, konnte die feindseligen Nachbarn zwar nicht versöhnen, aber zwang sie, den Landfrieden zu halten. Kaum hatte er jedoch den Rücken gewendet, so entbrannte der Streit auf’s Neue; und als gar 1158 zwei Grafen von Eppan, Strauchgesellen von ächtem Schrot und Korn, den Bischof von Trient und zwei päpstliche Kardinale, die mit kostbaren Geschenken in’s kaiserliche Lager gesandt waren, aus dem Hinterhalt überfielen, beraubten und in’s Verließ warfen, zog Heinrich der Löwe aus, um die frechen Welfen zu züchtigen, stürmte und verbrannte ihnen eine Burg nach der andern, ließ sie ihren Frevel mit dem Strang büßen, gab einen Theil ihrer Güter an den Bischof von Trient und zwang ihre Nachkommen zum Vasallendienst der Grafen von Tyrol. Graf Friedrich von Eppan starb aus Gram über seines Hauses Verfall und Schande noch in demselben Jahr, und von da an eilte das Geschlecht der Eppaner seinem Untergang unaufhaltsam entgegen.

Der letzte der Eppaner, von dem die Geschichte erzählt, war Egno, der 1244 den bischöflichen Stuhl zu Trient bestieg, ein Mann voll Muth und Thatkraft, in dem der alte Geist des Hauses, der lange geschlummert, noch vor seinem Verschwinden zu Glanz und Thaten aufflammte. Damals war Ezzelino da Romano, der dämonische Ghibelline, als kaiserlicher Hauptmann und Reichsvikar im Besitz der Stadt Trient. Bischof Egno erlauerte eine günstige Gelegenheit und vertrieb dessen Reisige. Ein Jahr darauf erschien Ezzelino mit einem Heere und nahm die Stadt wieder, in der er nach seinem Brauch schauerlich wüthete. Er wußte sie auch, [106] obwohl nicht unbestritten, zu behaupten, bis er durch seinen Tod (1259) Trient und die ganze Lombardei von dem Schrecken seines Namens befreite. Bischof Egno aber war nach Padua entflohen, erkrankt und in einem Kloster gestorben.

Dies war das Ende des letzten Eppaners, der noch selbst die Infel getragen, gegen die seine Ahnen solange in Streit gelegen. Die Güter des Geschlechts fielen alle an die Erbfeinde, die Grafen von Tyrol, – das Schloß zu Eppan auf seiner ragenden Höhe blickte verlassen und traurig in das herrliche Thal der Etsch hinab. Und so ist es seit jenen Tagen geblieben, eine prächtige Ruine, jetzt ein Wallfahrtsort romantischer Pilger oder spürsamer Alterthümler, die in dem Bauwerk die Hand der römischen Eroberer erkennen wollen. Seine Hallen, seine Stuben und Gänge sind aber im Laufe der Jahrhunderte so verfallen, daß kaum der Baumann noch eine sichere Stelle findet für seinen bescheidenen Herd und sein ärmliches Lager.

Von Botzen gelangt man, das Etschthal aufwärts, in zwei Stunden dahin.