MKL1888:Samenhandel
[255] Samenhandel, in der Hauptsache sich mit Gartensämerei befassend, beschäftigt sich auch mit den Wald- und landwirtschaftlichen Samen. Der gärtnerische S. ist teils der Absatz der eignen Produktion, teils Groß- und Zwischenhandel. Die forstlichen Samen werden von besondern Samenhändlern geliefert, welche namentlich in Thüringen und am Mittelmain (Gegend des Spessart) wohnen. Die landwirtschaftlichen Samen, hauptsächlich Futterkräuter, aber auch neue Getreidesorten, liefern Landwirte an die Großhändler, Grassaat aber auch die forstlichen Samenhändler aus Franken, Darmstadt und Thüringen, den größten Handel in Kleesamen treibt Preußisch-Schlesien. Der meiste Raigrassame kommt aus Schottland. Nordamerika liefert viel Holzsamen, England und Frankreich sowie in Deutschland hauptsächlich Ulm, Erfurt, Quedlinburg viele Gemüse. Der größte Handel mit Blumensamen hat sich in Erfurt und Quedlinburg vereinigt; doch ist er auch anderwärts, z. B. in Arnstadt, Aschersleben, nicht unbeträchtlich. Samen, welche bei uns nicht vollkommen oder unsicher reifen, bezieht man jetzt allgemein aus Südfrankreich, seltener aus Italien (Neapel). Bei der kurzen Dauer mancher Samen und der Überfüllung durch Sorten fehlt dem S. noch sehr die solide Grundlage (vgl. Samenkontroll-Stationen).[WS 1]