Moline

Der Drachenfels am Rhein Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Einundzwanzigster Band (1860) von Friedrich Hofmann
Moline
Innsbruck
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MOLINE
(ILLINOIS)

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Moline.




In dem blanken Geschmeide, mit dem der Gewerbe und Kunstfleiß, der Erfindungs- und Spekulationssinn der jungen amerikanischen Republik den „Vater der Ströme“ geschmückt hat, ist das im Sonnenlicht schimmernde Moline eine reizende Perle – ein Bildchen, so recht geeignet, zum Auswandern und Ansiedeln zu verführen. Keiner der Städte-Embryo’s, welche so zahlreich aus dem nährenden Schooß des amerikanischen Westens entsprossen, hat sich so lieblich gebettet als das kleine Moline, und kaum eines seiner Geschwister hat solche ausgezeichnete Anlage, ein Riese in der Industrie zu werden, als dieses.

Drei Meilen oberhalb des Einflusses des Rock-River und des unseren Lesern schon bekannt gewordenen Rock Island City[1], theilt ein langer bewaldeter Rücken den Mississippi in zwei Arme, deren einer in gewaltigen Schnellen über eine Felsbank herabstürzt. Schon die frühesten Ansiedler des Westens, Franzosen, legten hier Mühlen an, daher der Name des Ortes (Moulin), und den Nachkommen galt es geringe Mühe, dieses natürliche Wehr kunstgerecht zu verbessern und so die ganze Fluth des gewaltigen Stromes, vielleicht die größte Wasserkraft der Welt, sich dienstbar zu machen. An den Brüsten dieser kolossalen Schenkamme erstarkt denn das junge Moline, erst vor 15 Jahren gegründet, dergestalt, daß es seine um das Mehrfache älteren Nachbarn an industrieller Bedeutung bereits überflügelt. Sogar Eisenbahnarme strecken sich schon nach dem entlegenen Städtchen aus und werden dafür sorgen, daß bald kein Tropfen des Mississippiwassers mehr über die „Rapids“ stürzt, ehe es die Schaufeln eines Triebrads bewegt, oder – durch die Tasche eines spekulativen Yankee sich ergossen hat.