Perava-Malva in Central-Indien
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PERAWA MALWA
Despotismus ist die fruchtbarste Mutter der Revolutionen. Deshalb sind die auf Gewaltherrschaft gegründeten Reiche selten von Dauer. Es bestätigt dies die Geschichte in tausend Beispielen und zu allen Zeiten.
Die Staaten in Indien und Centralasien hatten von jeher den Despotismus der Alleinherrschaft zum Fundamente und Einsturz und Wiederaufbau folgen hier rasch auf einander. Mächtige Reiche und gewaltige Dynastien kommen und verschwinden wie Meteore. Ein kraftvoller Arm erhebt sie; ein schwächerer läßt sie sinken; ein anderer stärkerer stürzt sie nieder und errichtet auf den Trümmern eine neue Herrschaft, einen neuen Staat. Als im Mogulreiche, das unter Aurungzeb ganz Indien umfaßte und über 110 Millionen Unterthanen zählte, das Zepter von schwachen und unfähigen Tyrannen gehalten wurde, da geriethen die entfernteren Provinzen in den Zustand permanenter Empörung. Auflodernd und mit Blut gelöscht, flammte sie immer von Neuem auf so lange, bis sie gelang und die Abtrennung vom Reiche erfolgte. Furchtbare Erpressungen brachten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch die gedrückten Gebirgsvölker der Ghauts zum Aufstand, an dem sich des Mogulreichs beste Kraft fast ein Jahrhundert lang verblutete, ohne ihn zu bewältigen. Die Gebirgsstämme vereinigten sich gegen den gemeinschaftlichen Feind und unter dem Namen Mahratten spielen sie fortan in der Geschichte Centralasiens eine hervorragende Rolle. Ihr Held war Sewajih, der, anfänglich als erwählter Heerführer, ihre Schlachten schlug und dem sie sich, nachdem er viele Siege erfochten, freiwillig unterwarfen. Sewajih eroberte die schönsten Provinzen des Mogulreichs, schlug in Poonah seine Residenz auf und erbaute sich in Malva einen Palast, der als ein schönes Denkmal der indischen Baukunst dieser Periode noch jetzt Bewunderung erregt. Er liegt auf der Insel eines Sees, von dessen Ufer eine Brücke zum Hauptthore führte, die jetzt abgebrochen ist. Das ungeheuere Gebäude, dessen Errichtung zwei Millionen Rupien kostete, steht seit der Vernichtung der Mahrattenherrschaft durch die Engländer zu Anfang dieses Jahrhunderts öde und eilt seinem gänzlichen Verfall entgegen. Der Mahratte, jetzt beherrscht von einer Fürstin eines andern Erdtheils, die wie ein Nebelbild in seiner Vorstellung schwebt, und gehorchend einem Statthalter, welcher ihn mild und gerecht regiert, sieht zwar in dem verlassenen Königshause ein Grab der Ehre seines Landes und seines Stammes; aber nichts desto weniger fühlt er, daß die neuen Gesetze der fremden Herren besser sind als die alten der angestammten [128] Fürsten. Diese waren Helden; aber sie waren Tyrannen. Die Helden wurden besiegt, getödtet, gefangen; dadurch konnte jedoch das Volk nicht seine Freiheit verlieren, denn es hatte keine. Es wechselte nur seine Gesetze und blieb unterwürfig; Unterwürfigkeit war seine Gewohnheit. –
Gegenwärtig sind die Mahratten der tapferste Kern der indobritischen Armee, und das Motto von Englands Politik für sein indisches Reich:
findet in den Mahratten eine starke Stütze.