Pont-y-Monach, die Teufelsbrücke, in Wales

CCCCXXXXVIII. Die Burg Hohenzollern Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band (1844) von Joseph Meyer
CCCCLXXXXIX. Pont-y-Monach, die Teufelsbrücke, in Wales
D. Schloss Wallsee in Oesterreich
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PONT-Y-MONACH
(Die Satans-Brücke)

in Cardiganshire.

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CCCCLXXXXIX. Pont-Y-Monach, die Teufelsbrücke, in Wales.




Im hochkultivirten England tritt die Kunst an die Stelle der Natur. Kaum ist noch eine Landschaft dort aufzufinden, in welcher die große Bildnerin ihre Werke ohne künstliche Zuthat zur Schau stellt. Die Szenerien der Parks, ihre Felsthäler und Wasserstürze, die tiefen Gründe der Wälder, die heimlichen Seen im Schooße der Berge, sie sind öfters nichts weiter, als mehr oder minder geschickte Nachahmungen von Werken der Natur, und man bewundert sie, wie man die Pracht der Dekorationen einer Bühne bewundert. Anders in Wales. Hier zeigt sich noch die Natur in jungfräulicher Herrlichkeit. In den welschen Gebirgen umfängt noch den Wanderer die tiefe Nacht des Urwalds, es strecken die Felsen, wie in meinen lieben Thüringer Bergen, ihm die bemoosten Häupter grüßend aus den Zweigen entgegen, es tosen schäumende Bergwasser aus den Schluchten herab, plaudernde Bäche murmeln durch friedliche Gründe, rieselnde und träufelnde Quellen spielen mit den Blumen der Felswand, glänzende Bergwiesen leuchten durch das Laub der Büsche, und auf goldenen, elastischen Matten weiden läutende Heerden zwischen umhergestreutem Gestein. In Wales kann man noch in stundenlangen, romantischen Gründen schlendern, ohne eine Wohnung anzutreffen, oder auf schmalen Pfaden ein anderes Wesen zu sehen, als das flüchtige Reh oder das aufgeschreckte Birkhuhn. Selten verlassen die sommerlichen Schwärme der dem Pittoresken nachjagenden Touristen die fahrbaren Wege, und die Guides, welche das Ceremonienmeisteramt der welschen Natur ausüben, zeigen dem Fremden nicht den hundertsten Theil der Schönheiten, welche das Land, und namentlich der schwerer zugängliche Theil der Gebirge, in seinem Schooße birgt. Ein Glück, daß es so ist; denn wären dem Gentleman-Touristen Alt-Englands alle Naturherrlichkeiten dort so leicht zugänglich, als in seiner Heimath, so würde er das Land viel häufiger zu seinen Wohnsitzen erkiesen, als bis jetzt geschehen ist; er würde, wie in England, einen Schlagbaum und eine Lodge an jedes malerische Gründchen stellen, jeden schattigen Wald einhägen, und auf jeden Berg und jede Höhe mit freier Aussicht ein Castle bauen. – Bis jetzt ist dies, einzelne Districte ausgenommen, unterblieben. Wales ist zur Zeit weit mehr ein Asyl, als eine fashionable Niederlassung für die britische Aristokratie und den Reichthum. Gentlemen, welche in ihren Vermögensumständen herabgekommen sind, sie domiziliren sich öfters in Wales, wenn sie den Boden von Alt-England zu theuer finden; denn dort lebt man viel [102] wohlfeiler, und so ein Herr kann für jährliche 50 Guineen nicht blos Board und Lodging in anständigen Kreisen finden, sondern auch noch den freien Gebrauch eines Ponny und freie Jagd. –

Nicht weit von dem Knoten des Gebirgs, aus welchem der riesige Snowdon sein Haupt majestätisch in die Wolken hebt, stürzt der Monach, ein reißender Bergstrom, durch ein tiefes, wildes, 2 Stunden langes Felsthal, dessen Stufen sich in schroffen Wänden über einander erheben, dem Küstenplateau zu, von welchem er sich, bei dem Städtchen Awerythwith, in das Meer ergießt. Dieses Thal ist mit den großartigsten Szenerien ausgestattet und es verbindet mit der üppigsten Waldvegetation die erhabensten Ansichten. Der Fluß, welcher es durchtobt, bildet, aus dem hohen Gebirge kommend, in einem 5/4 stündigen Laufe mehr als 20 Wasserfälle, die, wenn sie auch den berühmteren der Schweiz an Höhe des Sturzes und an Wassermasse nachstehen, nichts desto weniger in ihrer Umgebung einen eben so tiefen Eindruck hervorbringen, als jene größere Naturschauspiele neben den viel kolossaleren Bergbildern der Alpen. Die Wasserfälle des Monach haben sich an mehren Stellen kleine Seen aus dem Fels gehöhlt, deren krystallklare, grünlich-schimmernde Fluthen zwar wenig Umfang, aber desto mehr Tiefe haben, und in welchen sich die Schatten der Felswände und alter Buchen und Eichen wiederspiegeln. Auf einigen Punkten zieht sich das Thal zur engen Schlucht zusammen, an deren Wand der Fuß des Menschen kaum einen Halt zum Weiterschreiten findet.

Eine solche Stelle hält uns das meisterhafte Bild vor, welches diese Beschreibung begleitet. Der brausende Strom wühlt sich durch eine mehre hundert Fuß tiefe Bergspalte, deren oberste Ränder der kühn gesprengte Bogen einer Brücke zusammen knüpft. – Uralt ist dieser Bau, und die Volkssage schreibt ihn keiner geringern Person als dem Satan selbst zu. Gewiß mit größerem Rechte als dem Vater des Bösen gehört aber das Verdienst, dieses Werk des öffentlichen Nutzens gegründet zu haben, den Mönchen der Abtei Ystradflur, die schon im 7ten Jahrhundert diese Wildniß anbauten.

Unter der Teufelsbrücke geht ein enger Gang tief in den Berg. Er war einst berüchtigt als der Schlupfwinkel von Räubern, die mit ihren Gräuelthaten ganz Wales in Schrecken setzten. Später schlugen Falschmünzer ihre Werkstätte in derselben auf. Jetzt größtentheils verfallen, dient die Höhle den Hirten der Gegend als gelegentlicher Zufluchtsort bei Wetter und Stürmen. –