RE:Ixion 1
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
|---|---|---|---|
| |||
| Sohn des Phlegyas, König der Lapithen | |||
| Band X,2 (1919) S. 1373–1383 | |||
| Ixion (König der Lapithen) in der Wikipedia | |||
| GND: 1102380962 | |||
| Ixion in Wikidata | |||
| Ixion bei Trismegistos | |||
| Bildergalerie | |||
| Register X,2 | Register i | ||
| |||
1) Sohn des Phlegyas, des mythischen Vertreters des thessalischen Stammes der Phlegyer (s. d.), Eurip. frg. 428 N. (Φλεγύαντος vU, δέσποτ ἼθΙων) bei Schol. Apoll. Rhod. III 62. Schol. Hom. II. I 268. Schol. Pind. Pyth. II 39 p. 316. Tzetz. Chil. IX (273) 385. Serv. Aen. VI 601. Schol. (Lact. Plac.) z. Stat. ïheb. IV 539 p. 232, 2 Ric. Jahnke. Myth. Vat. II 106 p. 110, 37 Bode (wogegen I. bei Strab. IX p. 442. Eustath. Il. II 738 p. 333, 26 des Phlegyas Bruder heißt) oder des Antion, Aiscb. frg. 84 Bind. 89 N. bei Schol. Pind. a. O., des Antion, des Sohnes des Lapithen Periphas und der Astyagyia, und der Perimela, der Tochter des ·Amythaon, Diod. Sic. IV 69, 3, oder des Peision, Pherekydes frg. 103 (FHG I 96) bei Schol. Pind. a. O., vgl. auch Schol. Apoll. Rhod. a. O., wo Wesseling (zu Diod. IV 69 p, 314, 54) statt Φερεκύδης θὲ Αἰτωνος vorschlägt: Φερεκύδης δὲ (Πείσωνος (sic), Αἰσχύλος) Ἀντίωνος, vgl. Höfer in Roschers Myth. Lex. s. Peision III 1794, 25ff., oder des Alton, Pherekydes bei Schol. Apoll. Rhod. a. O., oder des Ares, Schol. Pind. a. O., oder des Zeus, Schol. Od. XXI 303, oder des Leonteus, Hyg. fab. 62 p. 61, 19 Sch., selber König der Lapithen, Gatte der Dia. der Tochter des Eioneus θΗιονεύς Pherekydes bei Schol. Apoll. Rhod. a. O., ferner Schol. Eurip. Phoin. 1185, wofür die Codices auch Δηιονεύς überliefern, Schol. Hom. Il. I 268. Schol. Pind. Pyth. II 39. Tzetz. Chil. IX (273) 386f. [Δίαν Δηῖονέως, | ἄλλοις Ἠιονέως δὲ, παρεξ γραφῆς τοῦ δέλτα], Ἠσιονεύς Diod. IV 69, ὈΙονεῦς Schol. Luk. dial. deor. 6 p. 56 Jacobitz, vgl. auch Hyg. fab. 155 p. 13, 10 Sch. [Pirithous ex Dia Oeni fdia. was Muncker korrigiert hat Dion ei filia]), des geschlechtlichen Gegenstückes zu Zeus (Usen er Götternamen 35; Kl. Schr. IV 275, s. o. Bd. V S. 299, 58ff. 300, 10ff.), daher auch Vater des Peirithoos (welcher der Sohn der Dia und des Zeus, s. Peirithoos), z. B. Ephoros frg. 37 (FHG I 243) bei Suid. s. Περιθοῖδακ Apost. XIV 19 (11611, 10 Leutsch). Diod. IV 63, 1. 69, 3. Apollod. I 68 W. Hygin. fab. 14. 79 p. 46, 3. 81, 1f. Sch., Tzetz. Chil. VII (99) 3, durch Nephele (das Hera-Eidolon, die personifizierte Wolke) Vater des Kentauros, wofür der älteste Zeuge Pind. Pyth. II 36ff, weshalb nun einerseits Peirithoos Ixivnides heißt, Ovid. met. VIII 567. Prop. II 1, 38, Ixione natus Ovid. met. XII 210, anderseits auch die Kentauren als maire dea el Ixione nati bezeichnet werden, [1374] Ovid. met. XII 504, als Ixionidae Lucan. Phars. VI 386, als nubigenae Verg. Aen. VII 674. VIII 293. Ovid. met XII211.541. Stat Theb. V 263, daher auch der Kentaur Chiron hingestellt wird als I.s Sohn (und Bruder des Peirithoos), Suidas im 1. Buch seiner θεσσαλικά frg. 1 (FHG II 464) bei Schol. Apoll. Rhod. I 554. II 1231, s. o. Bd. III S. 2302,63ffi, ebenso Eurytion als Ixionie (et Nubis) filius, Hyg. fab. 33 p. 66, 14f. Sch. Schob (Lact. lOPlac.) zu Stat Theb. V 263 p. 275, 19 Jahnke, s« o. Bd. VI S. 1358, 37ff., ebenso Nessos Hyg. fab. 34 p. 66, 22 Sch.; dagegen ist Myth. Vat. II 74 p. 99, 37f. ab Epapho (Epaphos statt Ἔρο· peus) Ixionis et lovis nato zu emendieren nach Schob (Lact Plac.) zu Stat. Theb. IV 570 p. 235, 12f. Jahnke Epaphus autem fuit ex Ione (Ixione cod. Monac. 19482) et love natus. Im Anschluß an Hom. 11. II 738ff., wo die Bede ist von den Lapithenstädten Argissa, Gyrtone, Orthe, Elonet 20 Oloosson und von Ls Enkel Polypoites als Teilnehmer am troianischen Krieg, im besondern an v. 744, des Inhalts, daß Peirithoos die Kentauren (φηρας v. 743, φηρες ὄρεσκφοι II. I 268) verjagte und zu den Aithikern trieb, gedenkt auch Strab. IX p. 439 des I.: I. und sein Sohn Peirithoos, die Lapithen, hätten die Perrhaiber geschwächt und deren Gebiet besetzt, nämlich den am Meer und am Peneios liegenden Teil Thessaliens bis zu dessen Mündung und zur perrhaibischen Stadt Gyrton, vgb auch Strab. VII p. 329 frg. 14. 16. I. und seinesgleichen heißen Ἰξίονες, Aristot. poct 18, 2. Plut de facie in orbe Iunae 24, 4, oder ol περὶ τὸν ἼξΙονα Schob Demosth. XXIV 104 p. 771, 24f. Dind.
Literarische Überlieferung zum Ixion-Mythos.
Hom. Il. XIV 317f. ist in der Aufzählung von Liebschaften des Zeus (die hier zur Unzeit erfolgt und daher als Zusatz eines Interpolators, der seine Kenntnisse in diesem Kapitel 40 der Mythologie dartun wollte, von den meisten alten und neuern Kritikern verworfen worden ist) auch gedacht Ἴξιονιης ἀλόχοιο, § τέκε Πειρίθοον κτλ., also der Dia, die nachher Ls Gemahlin ward, vgb Schob z. St. (zu II. XIV 317ff. vgl. die Reminiszenz bei Nonn. Dion. XVI 2341b, insbesondere V. 240 Ζηνὶ οὐναπτομενην Ἰξίονος οἰσθὰ γυναίκα); dagegen kennt der Schluß der Nekyia (Od. XI 568ff., übrigens .eine der homerischen Poesie vollkommen fremde Partie* G. Finsler 50 Homer² I 303) bloß die drei Büßer Tityos, Tan-talos, Sisyphos, nicht aber den I., desgleichen des Polygnotos Nekyia in der Lesche der Knidier zu Delphi, was sich wohl begreift, da ja der auf das Rad gespannte I. zunächst durch den freien unendlichen Luftraum rollend gedacht, erst später (seit der alexandrinischen Dichtung) den Büßern in der Unterwelt beigesellt ward, vgb D. Comparetti Philol. XXXII 1873, 237. Rohde Psyche² I 309, 1. Usener Kl. Schr. 60IV 275. Gruppe Griech. Myth. 1019, 1. L. Radermacher Rh. Mus. n. F. LXIII 1908, 532f. Waser Schweiz. Arch. f. Volksk. XX 1916, 490 A., s. u. Alt dürfte der Mythos von I. und seiner Strafe gleichwohl sein (vgl. auch Preller-Robert Griech. Myth. 1 823), auch wenn er uns erst bei Pindar (Pyth. II 21–48 = 39–89) und Aischylos (Eum. 441. 718. TGF ed. Nauck S. 22f.) zum erstenmal entgegentritt. Den Stoff haben, wie [1375] es scheint, alle drei großen Tragiker in gleichnamigen Tragödien behandelt, überdies noch einige geringere Dramatiker, und bei Aristoteles poet 18, 2 sind als Beispiele für die Gattung der .pathetischen Tragödie* οἱ « Αἰαν«; καὶ οἱ Ἰξίονες angeführt, während Horaz (de arte poet. 124) bei I. als Hauptzug das Treulose fordert (sit... perfidies hion, vgl. dazu Porphyrio); kaum zehn Verse sind uns von all diesen Tragödien erhalten. Von Aischylos gab es vermutlich eine I.-Trilogie (zuerst wahrgenommen von von K. O. Müller Gott. gel. Anz. 1827, 670), der außer I. jedenfalls die Περραιβίδες angehörten, vgl. Aisch. a. O. Welcker Aeschyl. Tril. 547ff.; Griech. Trag. (I) 30. 52f.; für Sophokles vgl. Schol Apoll. Bhod. IV 14. TGF 154, 274 (Soph. Philokt. 677ff.); möglicherweise aber ist Sophokles verwechselt mit Aischylos, vgl. Welcker Griech. Trag. (I) 402 (zu I 62). Einzeltragödien mit dem Titel I. gab es von Euripides, vgl. Enr. frg. p. 95 Dind. frg. 428–430 N. TGF 8. 389f. 651f. (Plut. de aud. poetis 3 p. 18e). Welcker Griech. Trag. (II) 439. 749ff. J. Vogel Scenen eurip. Trag. 8. 114–116 (Eur. Herakles 1297f.; Phoin. 1185), von Timesitheos, nach dem Zeugnis des Suid. s. Τιμησίθεος, vgl. Welcker a. O. (III) 1046. 1048, und von einem unbekannten Dichter laut athenischer Inschrift aus 01.108, 3, Welcker a. O. (III) 1095, vgl. noch die Übersicht bei Welcker 1496. Gruppe Gr. Myth. 1019, 1. Eine vergleichende Nebeneinanderstellung von Schriftquellen bietet E. Bethe Quaest. Diod. myth., Dies. Gott. 1887, 54ff., eine chronologische Übersicht über die hauptsächlichsten hat P. Weiz-säcker seinem I.-Artikel in Roschers Myth. Ler. vorangestellt II 766f., 43ff., um weitere Belege hat diese Übersicht ergänzt Wagner in Roschers Myth. Ler. s. Nephele III 180f., 64ff. Nach Aischylos galt I. als der erste Ἰκέτης (σεμνὸς προοῖκτωρ h> τρόποις Ἰξίονος Eum. 441), ja auch als der erste Mörder: seinem Flehen um Sühne des ersten Mordes (πρεοτοκτόνοισι προστροπαις Ἰξίονος Eum. 718) gab Zeus ἰίκετήσιος, Ἰκέσιος, der sich der Schutzflehenden annimmt) Gehör (vgl. Pind. Pyth. II 32 ἐμφύλιον αἰμὰ πρώτιστος ἐπέμειξε θυατοῖς), vgl. Preller-Robert Griech. Myth. I 145. 828; Pindar aber kennt ihn als Typus des Undankbaren, dessen Strafe allen Sterblichen ein warnend Beispiel gab und die gemeingültige Lehre: ,Dem Wohltäter soll man mit Dank vergelten!* (Pyth. II 24, wozu v. 41 τὰν πολνκοινον ἀγγελίαν, vgl. Schol. Eur. Phoin. 1185. Schol. Luk. dial. deor. 6 p. 56 Jacobitz λέγοντα χρὴ τιμάν τοὺς εὐεργέτας). Zwei Versündigungen waren es, die I.s schwere Strafe herbeiführten (v. 30): er hat zuallererst (πρώτιστος) nicht ohne Tücke (οὐκ ἄτερ τέχνας, darüber s. n.) Stammesblnt (ἐμφύλιον αἰμά) vergossen, Verwandtenmord unter die Sterblichen gebracht (v. 31f.; vgl. Schol. Apoll. Rhod. III 62 πρώτος ἐμφύλιον ἄνδρα ἀπέκτεινεν); sodann, wie er bei den gnädigen Eroniden ein angenehm Leben erlangt, hat er rasenden Sinnes (μαινομέναις φρασίν v. 26, nektarberauscht bei Luk. d. d. 6, 2t; epist. Sat 38) nach der Hera begehrt (v. 25ff., 33f.); ihm schufen des Zens Hände eine liebliche Täuschung (ψευδὸς γλυκυ V. 37. καλάν πήμα v. 40): statt der Hera umarmte er eine Wolke (v. 36ff.), [1376] die ihm dann den Kentanros gebar (v. 42ff.), der seinerseits wieder am Pelion mit Stuten von Magnesia ein Geschlecht gezeugt, das unten der Mutter, oben dem Vater gleichschaute (v. 44ff.); L aber erfuhr seine Strafe: in unentrinnbaren Fußfesseln hängt er am beflügelten, überallhin rollenden, vierspeichigen Rad (z. v. 22f. w πτερόεντι τροχφ παντή. κυλινδόμενον vgb Schol. Eut. Phoin. 1185 und Schot Luk. d. d. 6 νποπτέρῳ τροχῳ, πύρινος ἤν ὁ τροχός, ferner Nonn. Dion. XXXV 294 εἰς τροχὸν αὐτοκύλιστον, zu v. 40 τὸν τετράκναμον δεσμόν vgl. Schot Apoll. Rhod. a. O. τετράκνημον τροχόν). Soviel gewinnen wir bereits aus Pindar, und einer Ergänzung bedarf sein Bericht eigentlich bloß hinsichtlich des Verwandtenmordes, d. h. dessen, was offenbar in der Hauptsache den Inhalt von Aischylos’ Tragödie ausmachte: I. habe seinem Schwiegervater Εἰοneus, dem Vater der Dia, reiche Brautgaben versprochen, als dieser aber sie holen kam, den Ahnungslosen in eine mit feinem Holz und Staub verdeckte Feuergrube gestürzt, Pherekydes frg. 10$ (FHG I 96f.) bei Schot Apoll. Rhod. a. O. Diod. IV 69, 8. Schot Pind. a. O. p. 316. Schot Eur. Phoin. 1185. Schob Luk. d. d. 6. Schot Hom. B. I 268 usw. Wahnsinn befiel deshalb I., Schob Apolt Rhod. a. O. Schot Pind. a. O. Schot Hom. 1t I 268, und wegen der Größe des Frevels wollte niemand den Mord sühnen, keiner der 30 Götter, keiner der Menschen, schließlich jedoch ward I. durch Zeus von der Schuld gereinigt καὶ ἄγνιοθεις ἠράσθη τῆς Ἤρας, so fast übereinstimmend Diod. und Schot Apolt Rhod. a. O., vgl. die Nebeneinanderstellung der Texte bei Bethe a. O. Wie Tantales ward I. der Ehre teilhaft, Tischgenosse der Götter zu sein (παράσιτος, ἀξιωθείς κοινῆς τραπέζης Luk. epist. Sat. 38 p. 417; auch Unsterblichkeit ward ihm verliehen, Schol. Luk. d. d. 6. Schol. Hom. Od. XXI 303), und wie Tantalos hat er sich der Ehre unwürdig erwiesen. L wagt es, zu Zeus’ Gemahlin die Augen zu erheben, wie dann nicht minder verwegen sein Sohn Peirithoos dem Pluton die Persephone entführen wollte. Über den ,olym-pischen Hausfreund¹, seine dreiste Schwerenöterei gegenüber der Himmelskönigin und darüber, wie er zu täuschen, zu überführen und zu bestrafen sei, unterhalten sich Hera und Zeus im 6. von Lukians »Göttergesprächen'. Und wie in den Μεγάλοι Ἠοῖαι des Hesiodos Endymion, von Zeus in den Himmel erhoben, daselbst, in die Hera verliebt, an ihrem Wolkenabbild (εἰδώλῳ νεφέλης) sich vergriffen habe und dafür ausgestoßen in den Hades gelangt sei (vgl. Hesiod. Eoien frg. 167 Rzach aus Schob Apoll. Rhod. IV 57; o. Bd. V S. 2558, 12ff. Usener Göttern. 71. Gruppe Griech. Myth. 146, 10. 1124, 10. 1135, 2), so will Zeus den I. auf die Probe stellen, εἰδωλον ἐκ νεφέλης πλασάμενοι αὐτὴ σοὶ δμοιον, sagt er zur Hera bei Luk. a. O. 4 p. 218f. Hera selber schafft das Bild Schob Luk. pisc. 12 p. 94 Jacobitz p. 132, 23ff. H. Rabe. Serv. Aen. VI 286. Fulg. myth. II 14 p. 55, 16f. R. Helm. Myth. Vat III 4, 6 p. 167, 41f. Bode (vgl. auch II 106 p. 110, 40f.). Daß I. statt der Hera eine Wolke umarmt, ist sprichwörtlich und dient bei passender Gelegenheit zum Vergleich, so Plut. Agis 1; amat. 20, 6; cum princ. philos. 2, 8. Luk. pisc. 12 [1377] («ατά tw ἼξΙονα εἰδωλφ Ἀντὶ Ἤρας ξυνείναι), wozu Schol. ed. Jaeobitz IV p. 94. Babe p. 132, 23ff-, vgl. O. Schmidt Metapher and Gleichnis in den Schriften Lukians 46; zweimal spielt auf den I.-Mythos an Dion Chrysost. in der 4. seiner Königsreden IV 123. 130f. Vereinzelt ist die Notiz, I. habe gleichzeitig mit dem beflügelten Pegasos in derselben Nacht einer Magd (δουλίς, s. d., Tzetz. Chil. VII [99] 36. 41. IX [273] 467–473) beigewohnt; aus dieser Verbindung 10 sei Kentauros hervorgegangen, von dem hinwieder das ganze Geschlecht der Kentauren stamme, Schol. Hom. Il. I 266. Welcker Kl. Schr. III 11, 29. Roscher H 1033f., 561 F. Hannig De Pegaso, Dies. Breslau 1901 (Bresl. philoL Abb. VEH) 8. Die gewöhnliche Version indes ist die pindarische, daß Nephele mit I. den Kentauros hervorgebracht, den Vater der Hippokentauren, vgl. Schol. Pind. Pyth. II 39 p. 317. Apollod. epit. I 20 W. Etym. M. s. Κένταυροι p. 503, 50ff. 20 Schol. Hom. D. I 266. 268 (ἔσλe πα2δὰ Κένταυρον, ἄῳ ου τὸ τῶν Κενταύρων γένος); ebenso, doch mit Auslassung des Namens Κένταυρος, Scholl, zu Eur. Phoin. 1185 und zu Luk. d. d. 6 p. 56 Jacobitz (ποιεὶ παῖδα τὰ μὲν ἀνθρώπου ἔχοντα, τά Ôè Ἴππου, Ἄῳ' ου Ἰπποκένταυροι), wogegen nach Diod. IV 69 aus dem Bund von Nephele und I. gleich in Mehrzahl die Kentauren hervorgegangen in Menschengestalt, darauf aus der Vereinigung dieser mit Stuten die zweigestaltigen 30 sog. Hippokentauren, vgl. auch Hyg. fak 62 p. 61, 21 Sch. Daher heißen denn die Kentauren Ixio~ nidae, Nubigenae usw., s. ὁ., Κένταυροι aber sollen sie genannt sein παρὰ τὸ τθν αὐρά? κεντειν τὸν Ἰξέονα ἐπὶ τ% γενέσει Schol. Luk. pisc. 12 p. 132, 27f. Rabe. Etym. M. 503, 51f. Etym. Gud. 314, 49f. 51f. 54. Eustath. II. I 268 p. 102, 19f. Tzetz. Chil. VII (99)42. IX (273) 468. Welcker Kl. Schr. III 11, 29. 18. Übereinstimmung herrscht im allgemeinen über die Art der Strafe, 40 nicht aber Über die Örtlichkeit. Auf ein glühendes Rad geflochten wird I. in ewigem Wirbel um die Erde getrieben, in diesem Sinn äußern sich alle ältern und auch manche späten Berichte wie z. B. Philostr. Vita Apoll. Tyan. VI 40 («LT ἐκεῖνος τροχψ εἰκασμένος [Roscher vermutet εἰλιγμένος, ἐγκείμενος] δὶ ὄνρανου κυάμπτεται). VII 12 (ἡ εἰ τις ὤσπερ φασὶ τὸν Ἰξίονα, μετέωρος ἐπὶ τροχου κυάμπτοιτο). Gelegentlich auch wird nüchtern rationalistisch erklärt, I. sei von Wirbel- 50 wind und Windsbraut erfaßt worden und auf diese Weise umgekommen, Asklepiades Trag. (FHG III 302, 5) bei Schol. Pind. Pyth. II 39 p. 316. Für die Lokalisierung im Hades ist der erste sichere Zeuge nicht, wie v. Wilamowitz Hom. Unters. 203, 4 angenommen, Diod. IV 69, sondern Apoll. Rhod. Arg. III 61f.. vgl. Rohde Psyche2 I 309, 1. G. Ettig Acheruntica (Lpz. Stud. XIII) 317f., 2. Usener Kl. Schr. IV 275. Gruppe Gr. Myth. 1019, 1. Radermacher Rh. Mus. LXIII 1908, 532f. Waser Schw. Arch. f. Volksk. XX 1916, 490 A., vgl. z. B. auch Luk. diaL deor. 6, 5; Menippos 14 (wo aufgezählt werden I. Sisyphos Tantalos Tityos); Tragodop. 11f. (Tantalos I. Sisyphos). Schol. Demosth. XXIV 104 p. 771, 24ff. Dind. (Tantalos Tityos 1.1. Schot Eur. Phoin. 1185 (ἰταρτάρωσεν αὐτὸν, zum Verbum ταρταροω Waser bei Roscher Myth. Lex, V 128, [1378] 31ff.), und das blieb für die spätere Zeit, bei römischen Dichtern zumal, die übliche Lokalisierung, vgl. Verg. georg. III 38. IV 484; Aon. VI 601 quid memorem Lapithas, kewna Piri-thoumque (vgl. Serv. z. St. Fulg. Viig. cont. p. 101, 5ff. Helm. Norden Aen. B. VI² 8. 285f. Badermach er a. O.). Ovid. met IV 461. 465 (v. 457ff. nacheinander erwähnt Tityos Tantalos Sisyphos I. Danaiden). Tib. I 3, 73f. (v. 73ff. I, Tityos Tantalos Danaiden). Prop. V 11, 23 (v. 23f. Sisyphos I. Tantalos). Sen. apocol. 14 p. 236, 5ff. Buecheler (Sisyphos Tantalos I.) usw., und im Sprichwort sagte man Τιτυου σὲ περιμένει καὶ ἼξΙονος κολαστήρια Apost. XVI 76 (II p. 680, 10. 15ff. Leutsch; ungefähr derselbe Wortlaut App. narrat. 73 in d. Μυθογρ. cd. Westermann p. 386, 4ff. Suid. s. Ἰξίων, einigermaßen auch Apollod. epit. I 20 W.).
Bildliche Darstellungen.
In Betracht kommen folgende Denkmäler:
a) Ein etruskischer Spiegel unter den Er* Werbungen des Britischen Museums im J. 1899, vgl. Arclu Ἄπζ. XVI 1901, 158; die eingravierte Zeichnung stellt I. dar in enganliegendem Gewand, befestigt an ein geflügeltes Bad mit acht Speichen; die mehr oder weniger archaische Zeichnung weist ins frühe 5. Jhdt. v. Chr. Dazu Skarabaios mit etruskischer Borte aus Sizilien, ehemals in Sammlung Castellani, heute im Britischen Museum, mit Inschrift ixsiun, vgl. Heydemann Bull. d. Inst. 1869, 55. Fabretti Primo suppl. alla race, delle ant iscr. ital. I 81 nr. 465. Deecke Bezzenb. Beitr. II 1878, 167 (58). Corssen Üb. d. Spr. d. Etr. I 817. II 85. 236. 267. 388. Br. Mus. Cat. of gems nr. 334.
b) Eine allerfeinste rf. Vasenscherbe vom Forum Romanum im neuen Forumsmuseum mit Darstellung des an ein sechsspeichiges Rad gebundenen I., nicht genügend abgeb. Nuova Antologia 1900 CLXXII 436 (Giac. Boni), vgl. Petersen Arch. Anz. XVI 1901, 64 A. 15.
c) Ein Kantharos aus Nola im Stil des Epigenes mit Darstellung der Bestrafung des I. und einer weitern, wahrscheinlich gleichfalls dem L-Mythos entnommenen Szene, aus Sammlung Pourtalès im Brit. Mus., vgl. Raoul-Rochette Mon. ined. pl. XL p. 205ff. Panofka Cab. Pourtalès pl. VII p. 37. Rh. Mus. II 1828, 452f. Klfigmann Memorie delF Inst. II 1865, 388- 392. Klein Arch. Ztg. XXXVIII 1880, 189f. C. Robert Thanatos (39. Berl. Winckelm.-Progr. 1879) 43; Bild u. Lied (Phil. Unters. V 1881) 210 –212. Vogel Sc. eurip. Trag in gr. Vasengem. (1886) 116,1.141f. Foerster Verh. d. 40. Philol.-Vers., Görlitz 1889, 306, 23. Milchhöfer Arch. Jahrb. IX 1894, 75. Cecil Smith Class. Bev, IX 1895, 277–280 Cat. of vases in the Brit. Mus. III 143f. (E 155). Höfer in Roschers Myth. Lex. s. Orestes III 993, 32ff. 1012, 32ff. Reinach Rép. des vases I 429, 1. Auf einen Altar im Mittelpunkt der ersten Darstellung hat sich ein bärtiger Mann geflüchtet, der von einer Schlange in die linke Schulter gebissen wird, mit Schwert in der ausgestreckten Rechten und Schwertscheide in der Linken, nackt bis auf das Wehrgehänge; er hat soeben den Jüngling ermordet, den der von links genahte Thanatos in seinen Armen auffängt; von rechts eilt ein Bärtiger [1379] herbei mit Zepter (?) in der vorgeetreckten Linken, mit der Rechten zum Stein warf ausholend. Man hat in dem Schatzflehenden Orestes, Laokoon oder I. vermutet, auf jeden Fall scheint er identisch mit dem nackten Missetäter, der auf der andern Seite von Ares und Hermes an den Handgelenken festgehalten vor die rechtshin thronende Hera geführt wird, während Athena rechts das geflügelte vierspeichige Rad (τετράκνημος τροχός) bereithält, nach Panofka wieder Orestes, nach Klugmann L; Robert zuerst hat im Hinblick auf die beidemal entsprechend gestaltete Hauptfigur beide Darstellungen demselben I.-Mythos zugewiesen, weiteres zumal Smith beigebracht.
d) Die bekannte Unterweltsvase (Voluten-Amphora) des 8. Jhdts. aus Ruvo, seinerzeit im Besitze des Kunsthändlers Pacileo zu Neapel, aus Sammlung Campana in der Ermitage zu St, Petersburg (nr. 424), vgl. Raoul-Rochette Mon. inéd. pl. XLV p. 179 A. 3. Elite IV 2. Gerhard Mysterienbilder t. II. Arch. Ztg. I 1843, 199. II 1844, 225f. Taf. XIII. Panofka Zufluchtsgottheiten, Abh. d. Berl. Ak. 1853, 285f. z. Taf. IV 7. Müller-Wieseler Denkm. d. a. K. II 69, 863. (L. Stephani) Vasen-Sammlg. d. k. Ermitage I 223ff. (226f.) nr. 424. Vogel Sc. eurip. Trag. 114–116. Baumeister D. d. kl. A. (I) 766. (III) 1930, Roscher Myth. Les. II 343, 29ff. 772, 4ff. Reinach Rép. I 355, 1. Das Schulterbild zeigt in der Mitte I., bekleidet, mit ausgespannten Armen und Beinen bereits an das (wie aus den Strahlen ringsum erhellt, feurige) Rad gefesselt, das eine Erinys links mit beiden Händen in Bewegung setzt, während rechts Hephaistos steht, an einen Baum gelehnt, das linke Bein über das rechte geschlagen, mit Hammer in der das Rad fassenden Rechten, weiter rechts Iris, beflügelt, mit kurzem Gewand und hohen Stiefeln angetan, wie die Erinye, gekennzeichnet aber durch das Kerykeion in der gesenkten Linken, mit der erhobenen Rechten den Baum berührend, an den Hephaistos lehnt; der linkshin schreitenden Iris rechts entspricht links der thronende Zeus der Unterwelt mit Zepter in der Rechten, Hades (oder Aiakos).
e) Die schlanke campanische Amphora aus Cumae zu Berlin (nr. 3023), vgl. Klugmann Ann. d. Inst. XLV 1873, 93/95 tav. d'agg. I. K. Furtwängler Beschr. d. Vasens. im Ant. II 840f. nr. 3023. Vogel a. O. 116. 1. Baumeister a. O. (I) S. 767 Abb. 821. Roscher Myth. Lex. II 769f. S. Reinach Rép. I 330, 3. Hoeber Griech. Vasen 127 (129) Abb. 78. Das polychrome Hauptbild stellt Ls Bestrafung dar in einer Komposition, die anmutet wie eine Vorstufe. das Vorbild christlicher Kreuzigungsszenen. Oben in der Mitte, im freien Luftraum also, hängt I. ausgespannt (in der Weise wie Andreas an der Crux decussata in Form des X) am Feuerrad ἰπνρίΜ τροχός Schol. Eur. Phoin. 1185) mit vier 'größtenteils von I. verdeckten) Speichen; »impressionistisch von Wirkung züngeln lebendige Flammen um das sich ewig drehende Rad¹ (Hoeber); befestigt ist I. mittelst vier Schlangen, die seine Hände und Füße umwinden, während zwei größere von den Schultern herab um Leib und Beine sich schlingen (tortos Ixiθnis anguis immanemque rotam Verg. georg. III 38f.); völlig [1380] von vom gegeben, ist I. bärtig dargestellt, mit wildem Gesichtsausdruck. Die zwei geflügelten Frauengestalten, die links und rechts vom Bad sitzen (an der Stelle, die in christlichen Kreuzigungsbildern Engel einnehmen) pflegt man als Nephelai zu deuten, Personifikationen von Wolken, in deren Region ja Frevel und Bestrafung vor sich gingen; unmittelbar unter dem Rad ragt mit halbem Leib eine beflügelte Erinye aus dem 10 Boden empor; links von ihr steht der jugendlich unbärtige Hermes mit Kerykeion im rechten Arm, rechts der bärtige Hephaistos, kenntlich am Hammer in der gesenkten Linken und an der Mütze in Pilosfonn, beide nackt, beide emporschauend zu I. (Hephaistos die Rechte erhebend mit Gestus des ἀποσκοπεῖν), in Stellung, Ausrüstung und mit Gebärden der Wächter am Kreuze.
f) Ein pompeianisches Wandbild vierten Stiles im Haus der Vettier, vgl. Mau Röm. Mitt. XI 20 1890, 51f.; Pompeji in Leben und Kunst S. 332 Fig. 174 Taf. VJIL Herrlich Arch. Anz. XI 1896, 206. Roscher Myth. Lex. III 183f. Engelmann Pompeji (Ber. Kunstst. nr. 4)2 S. 87 (91) Fig. 130. Herrmann-Bruckmann Denk, d. Malerei d. A. Taf. 39. Rodenwaldt Die Komp. d. pomp. Wandgem. 176ff. Links nur zu kleinem Teil sichtbar L mit ausgestreckten Armen aufs Rad gespannt, dahinter Hephaistos, der ihn soeben angeschmiedet (links im Vorder-30 grund am Boden noch das Handwerkszeug: Zange, Hammer und Amboß); neben dem Rad, seine Rechte daran legend, mit der Linken das Kerykeion an den Oberarm lehnend, der nackte Hermes, im Typus des (skopasischen) Herakles Lansdowne, weiter rechts am Boden sitzend eine dicht verhüllte weibliche Gestalt mit über den Kopf gezogenem Gewand, das Antlitz klagend und flehend, die Linke mit gespreizten Fingern wie abwehrend erhebend (in Kopfhaltung, Ausdruck und Hand-40 gebärde durchaus entsprechend der Ge der perga-menischen Gigantomachie), kaum, wie Mau meinte, ,der Schatten einer Verstorbenen zur Bezeichnung des Lokals, der Unterwelt¹, auch nicht, wie Herrlich vermutete, eine Erinys oder die Nemesis, vielmehr (vergleichbar der Mater dolorosa unter dem Kreuz des Sohnes) Ls Mutter (Peri-mela) oder (wie unter dem geräderten Rudolf V. Wart sein getreues Eheweib Gertrud) I.s Geliebte und Gattin Nephele in dichter wolkiger 50 Gewandhülle (an »Mutter oder Gattin* dachte Engelmann, für Nephele vgl. Wagner bei Roscher Myth. Lex. III 182, 12ff. und Rodenwaldt a. O.); rechts endlich auf Erhöhung vor Säulenarchitcktur Hera thronend und bei ihr stehend (links) die Iris, mit ausgestreckter Rechter hinweisend auf die am Frevler vollzogene Strafe (wohl als eine der Lichtgottheiten mit dem Nimbus ausgestattet, wozu vgl. Stephani Nimbus und Strahlenkranz in d. Werken d. a. K., Mém.de l'Ac. des Sciences de St.-Pétersb. VI. s., T. IX 1859, für Iris S. 423f.). Alles in allem ist eher an die Oberwelt zu denken als Schauplatz, trotz Hennes, der nach Hyg. fab. 62 p. 61, 2lf. Sch. auf Zeus' Befehl den I. ,ad inféras in rota constrinxit quae ibi adhuc dicitur verti'.
g) Der Protesilaos-Sarkophag in der Kandelabergalerie des Vatikan, vgl. Visconti Museo Pio-Clem. V 19a (p. 38 A. d.), darnach Wiener [1381] Vorlegebl. Serie B Taf. XI 3c und Roscher Myth. Lex. IV 83f. Abb. 3. K. O. Müller Hdb. d. Arch.® S. 641. Reinach Rép. de reliefs III 891f., 3. Helbig Führer® I 248f. nr. 385. Auf der Schmalseite rechts vom Hauptrelief ,die Darstellung von drei für die Unterwelt bezeichnenden Gestalten, des Sisyphos, der sich mit dem Felsblock abmüht, des auf das Rad (mit sieben Speichen) geflochtenen I. und des Tantalos, der vergeblich das labende Wasser zum Munde zu führen versucht* (Helbig).
Deutung von Name und Mythos.
Deutungsversuche gibt es in großer Zahl, vor allem aber legt einem der Mythos zwei Erklärungen nahe. Einmal wird man in I., dem Gatten der Dia, die ja das weibliche Gegenstück zu Zeus (Usener Güttern. 35f.), mit der Zeus selber buhlt und. den Peirithoos zeugt (Hom. II. XIV 317f.), in I., der auch nach der Hera begehrt, vielleicht auf Grund ehemaligen Anrechts (Usener 71), wie einen συΛλεκτρος des Zeus (Luk. d. deor. 6, 5), so direkt auch seinen Doppelgänger erkennen können, vgl. Usener a. O.; KL Schr. IV 242. 274t 342. Anderseits wird das durch die Luft rollende Feuerrad, an das I. gefesselt ist, der Sohn des Phlegyas, des .Brenners* (Gruppe Gr. Myth. 741, 4), ohne weiteres den Gedanken an den feurigen, ewig umlaufenden Sonnenball Lvolueris Phoebi rota* Stat. silv. V 1, 17) und für I. die Erklärung als Sonnengott aufkommen lassen, und so haben denn auch die meisten neuern Erklärer I. auf dem Rad als Symbol der Sonne aufgefaßt, so schon Kuhn Ztschr. f. vgl. Spracbf. 1 1852, 535t; Die Herabkunft des Feuers und des Göttertranks (1859) 48ff. 69. Panofka Zufluchtsgottheiten, Abh. Akad. d. Wiss. Berl. 1853, 285f., nach welchem ,der Eigenname I. mit dem für Apollon auf Rhodos geltendgemachten Beinamen häos offenbar in eins zusammenfällt* (vgl. für den rhodischen Sonnengott Ἴξιος ΜπολIw zu Ixiai auf Rhodos Artemidoros bei Steph. Byz. s. Ἰξίαι p. 333. 1ff. Meineke, s. o. Bd. II S. 54, 221t). Preller-Plew Gr. Myth. Π® 13 (»ursprünglich bedeutete dieser auf das beflügelte Rad geflochtene und in ewigem Wirbel durch die Luft getriebene I. vielleicht nur das Rad der Sonne, welches von Indien bis Deutschland den Sagen und Gebräuchen der Völker bekannt ist; in welchem Falle erst dieses mißverstandene Bild der Vorzeit zu dem Glauben an Frevel und Buße geführt hätte*). Gaidoz Ét. de myth. gauloise I (1886) 48; mit andern Helios-Heroen I. zusammennennend bezeichnet ihn Tümpel bei Roscher Myth. Lex. II 1089 A. als ,aiolischen Helios neben der Hera*. L ist der erste Mörder, der ,Kain der griechischen Sage* (Robert) und der erste Ἰκέτης (Aisch. Eum. 441. 718), ist der Typus geworden des ἀχάοθστος und ἀκόλαστος (Schot. Luk. d. d. 6, vgl. perfidus I. Hör. ars poet. 124), geradezu sprichwörtlich, und einer der großen Büßer der Unterwelt (nach v. Wilamowitz Lect. epigr., Ind. schol. Gott. 185/1886, 14. Fick-Bechtel Gr. Personennamen2 262. 405 bedeutet auch der Vatername ΠεισΙων, von neun-aiol. = τειαί-, ,Büßer*, und Polypoites ,Viel-büßer* heißt noch des I. Enkel, der Sohn des Peirithoos, man möchte meinen ,nach seiner Vorfahren Buße oder Strafe*, dagegen Gruppe 638, [1382] 7), wie im Gegensatz zu ihm ein anderer I. (s. Nr. 2) der Vertreter des Satos φόνος geworden ist. Unter dem Gesichtspunkt des Märchens betrachtet schließt sich die I.-Fabel der Kategorie der Traummärchen an. v. d. Leyen Das Märchen (»Wissenschaft und Bildung* nr. 96, 1911) 38f. 96. Waser Schweiz. Arch. f. Volksk. XX 1916, 490, 1, und in den größern Zusammenhang der Alpsagen hat sie bereits Ludw. Laistner gerückt, Das Rätsel der Sphinx (1889) I 293ff. 303ff.; die Geschichte vom Mörder I., der verdammt ist, auf oder in einem wirbelnden Rad durch die Luft zu fahren und dabei beständig den Ruf auszustoßen: »Wohltäter muß man ehren ’* entspricht in ihren Einzelzügen den Vorstellungen, die sich auch in unzweifelhaften von Laistner a. O. besprochenen deutschen Alpsagen nachweisen lassen. Eine rationalistisch - euhemeristische Erklärung des Ursprungs der Kentauren von I. und Nephele bietet Palaiphatos π. ἀπίστων 1 (Apostol. IX 73 = II p. 476ff., 14ff. Leutsch), eine allegorische Auslegung des L-Mythos schon Fulgentius Myth. II 14 (wozu Myth. Vat. II 106f. III 4, 6), wobei er den Namen zusammenbringt mit ἄξιος ἀξίωμα (vgl. Luk. epist. Sat. 38) = dignus dignitas, und von der Deutung des Namens gehen die meisten aus. Das Etym. M. s. v. p. 471, 51 (desgleichen das Etym. Gud. p. 279, 39ff.) leitet den Namen her von ἴκω ἴξω ἴξιος, Welcker Aesch. Tril. 549 von ἴκειν im Sinn von Schutz suchen, Ἰκέτης (vgl. προσίκτωρ Aisch. Eum. 441), worauf auch der Name des Vaters Ἀντίων, von ἀντ(ι)άειν bitten, oder Πεισίων, von πείῦειν bittend bewegen, hinweise (wogegen A. Dieterich Die Göttin Mise, Philol. LII 1893, 2 = Kl. Schr. 126, 1 Ἀντίων des I. Vater zusammenbringt mit Ἀνταία, Hekate Antaia, συνάντημα = Erscheinung, Gespenst usw., Gruppe 483 A., für Πεισίων »Büßer* s. o.). Pott sodann hat in Kuhns Ztschr. f. vgl. Sprachf. VII 40 1858, 81ff, (85) Ἰξίων zurückgeführt auf W. ἴκ-ἰκμάς Feuchtigkeit), vgl. auch G. Curtius Grundzüge d. grieeb. Et. 5 137, ähnlich Fick-Bechtel Gr. Personennamen² 427: ,Ἰξίων, der mit der Νεφέλη den Kentauros zeugt, ist der heroisierte ,Regen* Zeus: Zeus-Dia: Ixion - Nephele; der Name gehört zu Ἴξαι · διηθσαί Hesych.* In den »Regenzauber* werden von Gruppe Gr. Myth. 830, 5 die Kentauren verwiesen, (mit Berufung auf Fick-Bechtel) I. als der »Benetzer*, eigent-50 Hoh Zeus selbst erklärt; das feurige Rad aber in seinem Mythos stamme wahrscheinlich aus dem Ritual des Notfeuers; abgelehnt wird da die Deutung des I. als »Achsen-* oder »Radträger*, die Kuhn, Bréal, Mannhardt, Usenet u. a. vertreten. Kuhn hat zunächst in der Ztschr. f. vgl. Sprachf. I 1852, 535f. A. auf ὀκτίν ἀκτίς sowohl Strahl wie Speiche (vgl. lat. radius) hingewiesen, später (Herabk. 69 A.) angeknüpft an skr. axa Auge, Achse, Rad, lat axis: Ἴξιλον- bedeute somit den Achsenträger, vielleicht auch den Radträger. Diesen Gedanken hat Bréal aufgenommen, Le mythe d' Oedipe (Rev. arch. 1863) in den ,Mélanges de myth. et de ling.* (1882) 168ff. (169, 2), Ἰξίων zurückführend auf ein vorausgesetztes akshwan, das den »Wagenmann*, den »Radmann*, d. h. den Sonnengott bezeichnen soll, was Curtius zweifelnd anführt, Grdz.⁵ 713A., Usener Kl. Schr. IV 275. 342 als wahrscheinlich [1383] übernimmt. Ferner vgl. Mannhardt Ant. Wald- und Feldkulte (1877) 84, 1, der Kuhn und Bréal zitierend seinerseits im Namen Ἰξίων das ,Hypokorisma einer zweistämmigen Form, etwa Ἄ(1στροφος aut" dem Rade, mit der Achse herumgedreht' vermutet; Mannhardt und ihm folgend E. Hugo Meyer erklären I. als den .Wirbelwind' (den Iltiçl-ôoos nach Pott Ztschr. f. vgl. Spr. VII 1858, 92f. als den .Ringsumläufer·), vgl. E. H. Meyer Indogerm. Mythen I, Gandharven-Kentauren (1883) 190 (über I. S. 40ff. 190ff;). Pape-Benseler Wörterb. d. gr. Eigennamen a v. bieten an erster Stelle die Herleitung des Namens 2ξίων von ἰξύς (Weichen) als dem Sitz ungeschwächter Mannskraft und so auch der Geilheit, was also die Übersetzung ,Geiling' ergäbe. An Laistners Deutung schließt Roscher (Myth. Lei. II 771, 17ff.) die Ableitung des Namens von W. Ἴκ oder In, vgl. Ἰποῦσθαι = ἄκοθλΙβισθαι, πιέζισῦαι, ἴπτομαι schädige usw. (Curtius Grdz.5 S. 461), zufolge dessen I. eben den .drückenden' schädlichen Alp bezeichnen konnte. Und endlich ist nach Cook Class. Rev. XVII 1903, 420f. und Folklore XV 424ff. (vgl. Gruppe Myth. Lit 1898–1905, 374) I. der Gott ,von der Mistel' (ἰξό?), die ebenso wie die Eiche als Stätte des Zeus gegolten haben soll; dies wird erschlossen einmal aus Dia, dem Namen von I.s Gattin, sodann daraus, daß I. der irdische, Zeus der himmlische Vater des Peirithoos ist und daß der erstere auch mit Hera buhlen will; Zeus I. ist aber zugleich Sonnengott (wie es Cook überhaupt annimmt für diesen Typus von Baumkulten): in dieser Eigenschaft wird er von Zens auf ein glühendes Rad geflochten. Cook sieht darin eine Bestätigung für die Kombinationen Frazers, der aus mitteleuropäischem Sonnenzauber, bei dem man ein brennendes Rad einen Berg hinunterlaufen ließ, geschlossen, daß man in der Mistel eine geheimnisvolle Beziehung zur Sonne voraussetzte. Unter andern findet in diesem Zusammenhang auch Leonteus als Vater I.s (Hyg. fab. 62 p. 61, 19 Sch.) eine Erklärung, und wie schon Panofka an den Apollon Ixios erinnert hat (s. o.), wird von Cook auf die Mistel auch der Name der Apollonkultstätte Ixiai auf Rhodos bezogen (ebenso o. Bd. II S. 54, 23tf.), ferner derjenige der Fortuna Viscata (Plut. quaest Rom. 74; de fort. Rom. 10) usw.