RE:Kaiserkult
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| göttliche Verehrung der römischen Kaiser | |||
| Band S IV (1924) S. 806–853 | |||
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Kaiserkult. Der K., d. h. die göttliche Verehrung der römischen Kaiser, ist in seinen wesentlichen Normen und Formen unter Augustus ausgebildet und festgelegt worden. Das Dogma von der Göttlichkeit des Herrschers ist jedoch ebenso alt wie die absolute Herrschaft, die, immer von Ausnahmsmenschen begründet, als Institution die Verklärung der Herrscherwürde an und für sich unbedingt braucht. Da Augustus und vor ihm der eigentliche Begründer des römischen Kaisertums, Caesar, bewußte Jünger dieser im hellenistischen Orient uralten Theorie und Praxis waren, muß hier auf die hellenischorientalischen Persönlichkeitskulte näher eingegangen werden.
I. Hellenistische Herrscherkulte.
1. Alexander- und Ptolemäerkult.
Unter allen orientalischen Staaten hat Ägypten in religiöser und politischer Hinsicht den größten Einfluß auf die griechische Kultur gehabt, d. h. kein anderer Einfluß läßt sich so genau nachweisen. Der ägyptische Pharao (,das große Haus') ist Nachkomme des Horus und zugleich Inkarnation des Horus (vgl. z. B, Maspero Hist. anc. des peuples de l’orient 56 und E. Meyer Gesch. des Altert. I² 2, 142). Auch für das altbabylonische und das israelitische Reich will man das Gottkönigtum erweisen (vgl. z. B. Radau Early Babyl. Hist. 307ff. Greß-m a ἡ n Urspr. d. isr.-jüd. Eschatol. 285. 376). Seine zweite Hauptwurzel· hat der hellenistische Herrscherkult in altgriechischen Kultelementen; erst als aus dem festen Glauben an die unerhörte Machtfülle des lebendigen Reichsgottes Ägyptens, höchstwahrscheinlich in Verbindung mit verwandten religiösen Anschauungen der Nachbarvölker, und aus den althellenischen Vorstellungen vom tatkräftigen Weiterwirken des verewigten Helden als eines φως ἠμίθεος (Hom. Hymn. XXXII 18f.) oder ἤρως ἀντίθεος (Pind. Pyth. I 53. IV 58 Schr.) eine unauflösbare Einheit geworden war, konnte die kühne Legitimierung des griechisch-orientalischen Weltreiches, das alexandrinische Herrschertum von Gottes Gnaden, zu jenem lebenskräftigen Organismus erstarken, der weit über die Anfänge der christlichen Kirche hinaus die üppigsten Blüten und Früchte trieb.
Die göttliche Verehrung der Persönlichkeit Alexanders des Großen ist nicht mehr aus dem griechischen Heroenkult allein zu erklären, dessen charakteristisches Merkmal die Verwandtschaft mit dem Ahnen-, Toten- und Seelenkult ist (vgl. Rohde Psvche F 244. 256ff. II 358ff. E itr em o. Bd. VIII‘'S. 1128ff. Deneken Myth. Lex. I 2450H.). Die Heroen, die nach griechischer Religionsvorstellung genau die Mitte zwischen Göttern und Menschen halten (vgl. z. B. Pind. Ol. 2 init. Plat. Symp. 202E. Eur. Hel. 1137. Rohde I³ 153, 2), waren im Leben besonders treffliche, tapfere, starke, edle und verehrungswürdige Menschen (Hcsych. s. ἤρωες und ἤρως), die in mannhaften Kämpfen ihren Untergang fanden (Hes. Erg. 166); erst dann werden sie als gesteigerte Menschenseelen' oder ,depotenzierte Göttergestalten* (vgl. Rohde 1 148, 2 und Meyer II 425ff. Usener Götternamen 247ff. 254L) in ein seliges Dasein entrückt. Ihre Taten werden gepriesen, ihre Grabstätte ist der Hort der [807] Schutz807 Kaiserkult (hellen. Herrseherkulte) flehenden, ihre Gebeine sind wundertätige Reliquien (vgl. Pfister Reliquienkult im Altertum I 156. 3215.) Der Kult des verstorbenen Aus-nahmsmenschen ist uralt (vgl. die archäologischen Funde aus der vormkenischen und mykenischen Epoche: Koerte Athen. Mitt. XXIV 1899, 41 und Sotiriadis Athen. Mitt XXXI 1906, 402S.) und gewinnt natürlich um so größere Bedeutung, je größer der Kreis der Angehörigen des Toten war: zunächst wird er verehrt als Ahnherr der erlauchten Familien, gleich dem römischen Genius generis oder Lar familiaris (vgl. Rohde I³ 253), dann als ἀρχηγέτης, οἰκιστῆς oder κτίστης einer größeren Gemeinschaft, einer Zunft oder einer ςιόλις. Für nahezu sämtliche Helden der griechischen Mythologie lassen sich Heroenkulte nachweisen (vgl. Rohde P ±465.); ebenso werden ruhmvoll gefallene Krieger heroisiert (Rohde II³349),Tyrannenmörder(Demosth. περὶ παραπρ. 280), berühmte Gesetzgeber, Stadtgründer, Könige und Fürsten (vgl. Rohde I³ 165. 176); später wurden auch die großen Dichter und Philosophen und überhaupt irgendwie hervorragende Menschen nach ihrem Tode heroisiert (Material bei Eitrem 11195. 11355.; schöner Überblick bei Wendland Die hellenist.-röm. Kultur in ihren Bezieh, zum Judentum und Christentum 1907, 735.). Aus der Heroisierung entwickelt sich schließlich eine ziemlich allgemeine und willkürliche ,Seligsprechung von auch minder bedeutenden Verstorbenen durch eine Stadt oder eine Genossenschaft oder die Familie des Toten (vgl. Rohde II³ 360).
Der nächste höchst bedeutungsvolle Schritt, die Heroisierung eines lebenden Menschen, ist zweifellos schon früh, wenn auch in etwas verklausulierter Weise, erfolgt: das delphische Orakel begrüßt nämlich den spartanischen Gesetzgeber Lykurgos (für uns freilich eine halbmythische Persönlichkeit, vgl. Hiller v. Gaertringen o. Bd. II S. 186) als einen Liebling des Zeus und aller übrigen Olympier und fährt fort: δίζω ἡ σὲ Φεον μαντενσομαὶ ἡ ἄνθρωπον (Herod. I 65). Von geschichtlich greifbaren Persönlichkeiten wissen wir, daß Dion von Syrakus schon zu seinen Lebzeiten als Heros verehrt wurde (Diod. XVI 20). ebenso ein Nikias von Kos (Paton-Hicks Inscr. of Cos 76). Auch der spartanische Feldherr Lysandros erhielt nach der Schlacht bei Aigospotamoi (405) Altäre wie ein Gott; zu seinen ! Ehren wurden Opfer dargebracht und Paiane gesungen, das Herafest auf Samos wurde in ylvσάνδοεια umgewandelt, in musischen Agonen wurde er gefeiert (FHG II 484) - es ist dies die typische Form der Heroenverehrung. König Philippos von Makedonien hat sich und seiner Familie nach der Schlacht bei Chaironeia einen Götteroder Heroentempel, das Philippeion in Olympia, errichtet, in dem die Goldelfenbeinstatuen des Königs und seiner nächsten Angehörigen aufge- ( stellt waren (Paus. V 20, 10), und bei der Hochzeit seiner Tochter Kleopatra wurde seine Statue als dreizehnte hinter den zwölf Statuen der olympischen Götter einhergetragen (Diod. XVI 92). Der spartanisch? König Agesilaos hingegen scheint die rein hellenische Anschauung von der Heroisierung erst nach dem Tode noch nicht aufgegeben zu haben er weist die ihm von den [808] Kaiserkult- (hellen. Herrscherkulte) 808 Thasiern angebotenen ναοὶ καὶ ἀποθεώσεις ,lakonisch¹ zurück (Plut. apophth. Lac. Ages. 25).
Der Herrscherkult nahm quantitativ und qualitativ einen gewaltigen Aufschwung, als durch Alexanders überragende Persönlichkeit die Legierung griechischer und orientalischer Kultur voll-zogen wurde. War er mit den überschwenglichen Ehrungen seines toten Freundes Hephaistion immerhin noch auf dem Boden altgriechischer Trait) dition geblieben (vgl. Kornemann Klio I 1902, 59 und Droysen Gesch. des Hellenism. 1 2, 314, trotz Lucian. περὶ ἴον μὴ ραδ, πιστ. διαβολή 17f., vgl. Mahaffy The empire of the Ptol. 17f. 26), so ging er in den Ansprüchen auf göttliche Verehrung seiner eigenen Persönlichkeit natürlich viel weiter, wobei das väterliche Beispiel, die eigene Initiative und die devote Schmeichelei seiner Untertanen ungefähr gleich stark mitgespielt haben werden; freilich ist diese Frage 20 bei der so heiß umstrittenen Charakterzeichnung Alexanders (besonders Niebuhr -Grote-Beurlier-Kaerst gegen Droysen-Ho-garth-Niese-Kornemann, vgl. Klio I 56, 3. 58,1-5. XVI1920,209ff.) schwer zu entscheiden. Wollte der Makedonier Ägypten und Persien beherrschen, so mußte er jedenfalls als Nachfolger der Pharaonen und Achaemeniden auftreten, die von ihren Völkern göttlich verehrt wurden; ähnlich war es bei den übrigen asiatischen Völ-30 kern (vgl. Kaerst o. Bd. I S. 1423. 1428Î. und Gesch. d. hellenist. Zeitalt. II 1, 376ff. in der vortrefflichen Beilage ,Der hellenistische Herrscher-kuJV). So mußte er sich, dem Beispiel der Pharaonen folgend (vgl. Ed. M e v e r. O. Hirschfeld S.-Ber. Akad. Berl. 1888, 833ff.), zur Erlangung offizieller Sanktion zum Sohne des Ammon-Re erklären lassen; dieser Gott mußte für Alexanders griechische Untertanen mit Zeus identifiziert werden (Lit. bei Kaerst o. Bd. I a. a. O.). 40 Wie eng sich Alexander an die orientalische Tradition anschloß, beweist neben der orientalischen Tracht und Hofhaltung (Diod. XVII 77, 4) die VorschrPt der προσκυνησις, die er nicht nur von den unterworfenen Stämmen, sondern auch von Makedoniern und Hellenen verlangte (Diod. XVIII 60f. Plut. Alex. 45).
Wenn es auch kaum angeht, mit Bestimmtheit zu behaupten, daß dem Sohne Philipps und dem Schüler des Aristoteles ,der orientalische Be-50 griff der Monarchie näherstand als das makedonische Volkskönigstum* (Kaerst 1426), so ist es doch andererseits, wie Ferguson (Americ. Hist. Rev. 1912, 18/1,83,7) richtig sagt, ein ,cardinal error* von Kornemann, wenn er den Alexanderkult nur aus dem griechischen Heroen -kult abzuleiten sucht, obgleich er zugibt, daß Alexander ,daran gelegen sein mußte, für Orientalen und Griechen das gleiche Verhältnis zu seiner Person zu schaffen* (a. a. O. 59, vgl. die >0 gute Zusammenfassung der ägyptischen Politik Alexanders bei Ma h aff y 16f.): wenn ihm Gesandtschaften griechischer πόλεις göttliche Ehrungen darbrachten, so taten sie dies gewiß mehr .der Not gehorchend als dem eigenen Triebe’ (vgl. z. B, Diod. XVII 48, 6. Aelian. var. hist. II 19. V 12). In scharfer Polemik gegen Kornemann erklärt Kaerst (Geschichte d. hellenist. Zeitalters II 380ff.) den [809] Alexanouy AaiseiKuiL (neuen. nerrscnerKuite)
derkult für den Kult eines Lebenden (Diod. XVI 11 60f.); ob die Bezeichnung Alexanders als Σωτήρ aus rein griechischen Vorstellungen (vgl. Höfer Sotoira u. Soter im Myth. Lex. und Wendland Σωτήρ, Ztschr. f. neutest. Wies. V 1904, 3351t) oder mit Zuhilfenahme orientalisch-messianischer Vorstellungen (vgl. z. B. Reitzenstein Poimandr. 176 und Lietzmann Der Weltheiland, Bonn 1909, 10) zu erklären ist, muß dahingestellt bleiben, jedenfalls hat bereits sein Vater diesen dem Heroenkult angehörigen Ehrennamen geführt (Demosth. de cor. 43). Im übrigen ist die Tatsache, daß Alexander der Große schon bei Lebzeiten göttlich verehrt wurde, überhaupt gar nicht auffallend und absonderlich, sondern läßt sich aus der ganzen Stimmung des beginnenden Hellenismus (schön charakterisiert bei Kaerst 202ff.), aus der bezwingenden Persönlichkeit Alexanders (vgl. Droysen I 93fL), ferner aus dem historisch feststehenden Einfluß Ägyptens (nach der Osirisreligion können auch Götter sterben, Lit. bei Kaerst 222) und aus den politisch notwendigen Zugeständnissen an die Denkungsart der unterworfenen Völker wohl verstehen. Sehr stark müssen auf die Entstehung des persönlichen Alexanderkultes die Einflüsse euhemeristiseher Literatur gewirkt haben, deren Lieblingsgestalt Dionysos mit dem Welteroberer Alexander genug Ähnlichkeit auf weist (vgl. Kern o. Bd. V S. 1039). Alexander wird von den Athenern geradezu als Dionysos gefeiert (vgl. Diog. Laert. VI 2, 148), nach ihm führen den Götternamen Ptolemäer, z. B. Euergetes (vgl. W. 011 o Priester u. Tempel II 266, 2) und Ptolemaios XIII. νέος Διόνυσος (Otto I 139, 1), und Seleukiden, z. B. Antiochos VI. ἐπιφανῆς Διόνυσος (Wilcken o. Bd. I S. 2478) und Antiochos XII. (Wilcken 2485). Dionysos erscheint mit Zeus und Herakles als Stammgott des Ptolemäerhauses (CIG III 5127), als alleiniger Schutzherr der Ptolemäer wohl erst seit Philopator (vgl. v. Wilamowitz Die Textgeschichte der griech. Bukoliker 153, 1). Die euhemeristische Mythendeutung als Satire auf den Herrscherkult aufzufassen (E. Schwartz Griech. Roman 106), geht nicht an, vgl. Sam Wide (Griech. Kel. 235S. bei Gercke-Norden II), der auf den Zusammenhang der Mythenrationalisierung mit der Fülle von ,großen Persönlichkeiten und Übermenschen¹ in der hellenistischen Zeit hinweist, die er mit der Renais-sancezeit vergleicht.
Es fragt sich, wann der offizielle Reichskult Alexanders, der ja streng genommen erst als Vorbild des römischen K. in Betracht kommt, eingeführt wurde. Die erste diesbezügliche Nachricht (Revillout Rev. Eg. I 15ff.) stammt aus der Regierungszeit des Ptolemaios Phila-delphos, und zwar aus seinem 21. Regierungsjahr = 265/4 (vgl. die Liste der Alexander· pricster bei Otto I 176): der genannte Priester (Name ergänzt von v. Wilamowitz Gott. Gel. Nachr. 1894, 30, 1) führt den Titel ἰερεῦς Ἀλεξάνδρου καὶ θεῶν ἀδελφών..Aus dieser Tatsache wollte man erstens den Schluß ziehen, daß der Alexanderkult erst von Philadelphos eingeführt sei, zweitens, daß dieser Kult der Go-schwistergötter in Verbindung mit Alexander [810] MiserKuit (neuen. Herrscüerkuite) »iv erst im Zusammenhang mit dem Kanephorat der Arsinoe (zum ersten Male nachweisbar für 267/6, für das 19. Jahr des Königs, o. Bd. II 1284) geschaffen worden sei (v. Prott Rhein. Mus. LIII 463ff. Kornemann 70ff.), und zwar anläßlich ihres Todes (Zweifel an dieser Behauptung äußert Otto I 144, 3. II 274). Abgesehen davon, daß Arsinoe möglicherweise schon nach ihrer Hochzeit, also spätestens 274, ihren Kult 10 als θεὰ ΦΛάδελφος zugebilligt erhielt, was sehr wohl zu ihrem äußerst ehrgeizigen Charakter und dem großen Einfluß auf ihren jüngeren Brudergemahl passen würde (ἤν γὰρ δεινὴ περιελθεῖν FHG III 531), das eponyme Priestertum Alexanders kann, wenn es sich auch vorläufig nicht früher nachweisen läßt, doch recht gut schon früher vorhanden gewesen sein. Jedenfalls hat der tote Alexander - sein Tod war ja nur eine μεταλλαγή oder μετάσταοις (Belege bei 20 K o r n e m a ἡ n 61, 1) - bereits mehr als bloß ,heroische⁴ an sein σήμα (a. a. O. 62) geknüpfte Ehrungen erfahren, wenn auch Ptolemaios I. klug genug war, zunächst von βυσίαις ἠρωῖκαῖς ausgehend, sich Götter und Menschen zu verpflichten (vgl, Diod. XVIII 28, 4ff.). Von einem jährlich wechselnden eponymen Priestertum erfahren wir allerdings nur durch den ,Roman⁴ des Ps.-Kalli-sthenes (III 33, Müller 149). Um sich Makedoniens Krieger willfährig zu machen, geht 30 Eumenes im Alexanderkult noch weiter: Alexander erhält Kultbild und Räucheraltar und gemeinsam mit den anderen Offizieren verehrt der berechnende Stratege den verewigten König ,wie einen Gott⁴ (Diod. XVIII 61, 1f-, vgl. Plut. Eum. 13. Polyaen. IV 8, 2. Nep. Eum. 7). Wie Soter (?) und Eumenes werden alle Diadochen in ihrem eigensten Interesse den Heros Alexandros zum Gott gesteigert haben, eine Ausnahme bildet nur Antipater, der es für gottlos hielt, Alexander 40 einen Gott zu nennen (Suid. s. θυτιπάτηρ).
Die zweite Etappe des hellenistischen Herrscherkults beginnt mit der Einsetzung des Reichskultes der θεοὶ Ἀδελφοί (zwischen 274 und 267;6), d. h. mit. dem offiziell vorgeschriebenen Kult eines Lebenden. Es ist sehr wahrscheinlich, daß Ptolemaios II. den Übergang zu diesem offenen Bruch mit der griechischen Tradition dadurch zu finden suchte, daß er sich, den Lebenden, zugleich mit der ihm so nahe verbundenen 50 Toten verehren ließ. Noch bevor Arsinoe ah Göttin, teils in eigenen Heiligtümern (vgl. Plin. n. h. XXXIV 148. XXXVI 68. XXXVII 108) teils als ovwao: θεά in ägyptischen Tempeln (Theocr. XVII 45ff. XV 106ff., vgl. Strack Rh. Mus. LV 1900, 164f.) verehrt wurde, war ja die Konsekration der Eltern des Königspaares als θεοὶ Σωτήοες erfolgt (vgl. das Dekret der Nesioten von Nikurgia in Sylt³ 390 und IG XII 7, 506 mit den Bemerkungen von Delamarre); der 60 Zeitpunkt läßt sich allerdings nicht genau fixieren (vgl. Wilcke n o. Bd. II S. 283). Über den Sotertitel und den Grund seiner Verleihung an den ersten Ptolemäer hat sich schon die Antike Ion Kopf zerbrochen (vgl. Curt. IX 8, 22. Paus. I 6, 2 mit den Bemerkungen von Hitzig-Bluemner I 1, 152 und 172, ferner Paus. I 8, 6 und Diod. XX 100). Daß Ptolemaios I. zunächst mit Herakles, dem hellenischen ,Heiland⁴ [811] κατ' cfo/v, owaoji des Zeus wird, begreift sich leicht (vgl. Theoer. XVII IßS.). Die Festprozession in Alexandreia 275/4, bei der die Kultbilder der Ptoiemaier in der Reihe de* höchsten Götter erscheinen, zeigte eine unsinnige Verschwendung, durch die sogar die Üppigkeit eines Antiochos Ἐπιφανῆς, der den Spottnamen Ἐπιμονῆς trug, in Schatten gestellt wurde (vgl. den Bericht des Kallixeinos v. Rhodos bei Athen. V 1965.). Das Gespräch bei Athenaios erinnert an die tatsächlich bestehende Rivalität zwischen Ptolemäern und Seleukiden, die natürlich auch in der Ausgestaltung der Herrscherkulte zum Ausdruck kam (vgl. v. Prott Rh. Mus. LIII 467 und die Gegenüberstellung des Ptolemäer- und Seleukidenkultes bei Korne-mann 825.). Wie weit und wie oft die Dia-dochenkulte sich gegenseitig beeinflußten, darauf kann hier nicht eingegangen werden; sicher haben die Seleukiden, da ja ,in Syrien die asiatische Weltherrschaft des Großkönigs fortgesetzt wird* (v. Wilamowitz Staat u. Gesellschaft der Griechen 154), die Ptolemäer an »Gottähnlichkeit* dauernd zu überbieten getrachtet: der zweite Antiochos heißt bereits ,Gott* (vgl, Kornemann 81) und jeder einzelne Seleukide führte wenigstens »einen offiziellen, sacralen, seine Göttlichkeit illustrierenden Beinamen* (Wilcken o. Bd. I S, 2487). Am deutlichsten offenbart der Titel Ἐπιφανῆς den Glau- ί ben an den menschgewordenen Gott auf dem Königsthron, der Titel, der in Kappadokien noch älter ist ab in Syrien (vgl. Strack Dynastie der Ptol. 114f.), erscheint in Ägypten erst ab Symptom einer orientalisierenden Richtung (vgl. Strack Rh. Mus. LV 1900, 167ff.). Ob bei der Idee der Epiphanie mehr altgriechische oder mehr orientalische Einflüsse mitwirkten, ist-meines Erachtens nicht zu entscheiden, da wir es hier mit einer allgemein menschlichen Vor- 4 Stellung zu tun haben, die im Heroen-, Dionysos-und Pharaonenkult und im Messias- und Heiligenglauben ihre bezeichnendsten Äußerungen gefunden hat.
Das wichtige Dekret von Kanopos aus dem J. 239/8 zeigt bereits, wie weit der ägyptischgriechische Herrscherkult unter dem dritten Ptolemäer, dem ,großen König* und .Wohltäter* gediehen ist; aus der langen, schwülstigen und pedantischen Priesterverordnung (vollständig 5( abgedruckt bei Strack Dyn. d. Ptol. 2275., sonstige Quellenangaben bei Kornemann 72), sollen nur die wichtigsten Bestimmungen - ihr Einfluß auf die Ausgestaltung des römischen K. wird weiter unten deutlich hervor-treten - angeführt werden: 1. die allmonatliche Feier bestimmter für das Herrscherpaar wichtiger Tage (besonders Geburtstage, Regierungsantritt), 2. sämtliche Landespriester προσονομάζονται .Priester der Euergetengötter*, 60 3. für die Euergetengötter wird eine eigene Prie-sterphyle geschaffen, 4. wie die übrigen ,größten Götter* erhalten auch die Euergeten ein öffentliches fünftägiges Jahresfest, und zwar am Tage, »an dem der Stern der Isis aufgeht*, d. h. zum ägyptischen Jahresbeginn, 5. alle vier Jahre wird vor dem neuen Jahr noch ein eigener Schalttag für die Euergeten hinzugefügt, zur [812] Erinnerung an ihre Kalenderreform, 6. die jung verstorbene Tochter des Königspaares, die βασίλισσα Berenike, wird von der Priesterschaft feierlich konsekriert. (Es ist dies, wie Kornemann mit Recht betont, der erste authentische Bericht von einer hellenistischen Konsekration!) Die junge ,Königin' wird hier der Tochter des Helios-Ra gleichgesetzt, sie soll in Hinkunft als ,Berenike Herrin der Jungfrauen' in Tempeln, 10 bei Prozessionen und Festen figurieren, eigene Lieder sollen für sie verfaßt, gesungen und in die heiligen Bücher eingetragen werden; Priesterjungfrauen sollen zur Zeit der Frühsaat dem Kultbild Berenikes einen Ährenkranz aufsetzen; die Töchter der Priester sollen aus Tempeleinkünften ihren Unterhalt beziehen und die Frauen der Priester sollen Brot mit dem Stempel ,Berenikebrot' erhalten.
Diese Urkunde und die Inschrift von Rosette 20(Dittenberger IOG I 90) lassen es begreiflich erscheinen, wenn v. Wilamowitz (Gött. Gel. Nachr. 1894, 28f.) den alexandrinischen Herrscherkult, in Analogie zur Geschwisterehe, einfach für einen ,Ägyptismus‘ erklärt; über die ausgleiehende Rodle, die in der alexandrinischen Religionspolitik der ,rätselreiche' Serapis spielt, vgl. Kornemann Klio XVI 229. Auf dem Stein von Rosette erscheint der ptolemäische Reichskult vollständig ausgebaut mit dem ver-10 göttlichten Alexander an der Spitze und dem lebenden Herrscher am Schluß, so daß der Königspriester den Titel führt: Ἰερεῦς Ἀλεξάνδραν καὶ ὕεων Σωτήριον καὶ ὕεθν Ἀδελφῶν καὶ θεῶν Φιλοπατόρων καὶ ὕεον Ἐπιφανοὺς Εὐχάριστου. Die Bestimmungen des Ediktes von Rosette zeigen den unbestrittenen Sieg des ägyptischen und priesterlichen Einflusses auf die endgültige Ausgestaltung des ptolemäischen Königskultes (vgl. z B. am Anfang der Inschrift die Titulatur des 0 Königs), die klar ausgesprochene Gleichsetzung mit Horus, dem Sohne des Osiris, also dem früheren Pharao, und die ihm zugesprochene ägyptische Krone Ψχέντ (vgl. Dittenberger 123 mit den Erklärungen von Letronne und C h a m p o 11 i o n). Von Epiphanes an entwickelt sich-nicht mehr der Kult, sondern nur das ,Gottkönigtum' weiter, dessen Titelprunk mit der Erlahmung seiner Macht zunimmt (vgl. Strack Dyn. d. Ptol. 120fl.).
2. Seleukidenkult.
Die Stellung der Seleukiden zum religiösen Problem und daher auch zum Herrscherkult war schwieriger als die der Ptolemäer, da ja ihr Reich nicht so einheitlich war. Der persönlich fromme und politisch tüchtige Seleukos (vgl. Diod. XIX 90, 2ff.) wird zunächst an den griechisch-makedonischen, d. h. seinen Soldaten geläufigen Vorstellungen festgehalten haben, was ja alle Diadochen in der ersten Generation im großen und ganzen taten, doch durften auch die ganz entgegengesetzt fühlenden semitischen Untertanen, so besonders Chaldäer und Syrer, nicht vor den Kopf gestoßen werden (vgl. Diod. XIX 91. Paus. 116, 3. App. Syr. 55. 58). Der erste Antiochos wurde wohl im allgemeinen noch bloß als Σωτήρ verehrt wie der erste Ptolemaios (vgl. Kornemann Klio I 78); den Namen θεός, der ihm im dritten Teil der großen Oxforder Inschrift des Seleukos Pogon [813] gegeben wird (CIG II 3137, 100 = Ditten Berger IGO I 229, 100 = Hicks Manual 176 = Michel Recueil 19, 83 u. 70), führt er natürlich erst nach der Konsekration. Wie Alexander für Ammons Sohn gelten wollte, wie Ptolemaios I. seine Herkunft in himmlische Sphären rücken ließ (Theocr. XVII 133.), so nannte sich wohl Seleukos I. einen Sohn Apollons (vgl. Stähelin o. Bd. II A S. 1231f.). Nach ihrem Tode werden die ersten zwei Seleukiden als Götter verehrt, und zwar mit bestimmten Namen: Seleukos I, als Zeus Nikator und Antiochos I. als Apollon Soter (auf Inschriften und Münzen, z. B. D i t -tenberger 245, lOfî. u. 343. Babelon Rois de Syrie LUIf., vgl. Wilcken o. Bd. I S. 2453). Einen wesentlichen ,Fortschritt* auf dem Gebiete des Herrscherkultes bedeutet die oben erwähnte Verehrung des lebenden Antiochos II. als θεός durch das für die Geschichte des Seleukidenkultes so wichtige Dekret (Paris -H oll eaux Bull. hell. IX 1885, 3243.) bestimmt der König eine Oberpriesterin für seine Schwester-Gemahlin, die Königin Laodike, in der Satrapie oder Provinz (ὑπαρχία) mit dem Hauptort Eriza (vgl. Bull. hell. XV 1891, 556), also im Grenzgebiet von Phrygien und Karien. Dieser Provinzialkult soll nach dem Muster des für den lebenden König bereits in allen Satrapien eingeführten Kultes eingerichtet werden, denn der König hat beschlossen, von nun an in den gleichen Heiligtümern (?), wo er von Oberpriestern verehrt wird, einen entsprechenden Kult für seine Gemahlin anzuordnen (Bull. hell. IX 213.). Stets haben die apotheosierten Könige zusammen einen Priester, und der lebende König hat ebenfalls einen (vgl. Kornemann 81). Mit Recht weist Kornemann mit U. Köhler (S.-Ber. Akad. Berl. 1894, 448f.) auf die große Bedeutung hin, die das Dezentralisationssystem im seleukidischen Herrscherkult für die Entwicklung des provinzialen K. im Römerreich hatte. Kornemanns Vermutung, daß es Antiochos L war, der durch den zunächst für die Provinzen angeordneten Kult seines zum Gott erhobenen Vaters dieses System begründet habe, hat viel für sich, ebenso der Vergleich mit Kaiser Tiberius, der den Divus Augustus in den Provinzen verehren ließ. Nach Antiochos Theos liât sich im Seleukidenkult nichts mehr geändert.
3. Die Attaliden.
Die Attaliden haben offenbar auch im Herrscherkult die Vermittlerrolle zwischen dem Orient und Griechenland gespielt, die schon durch die Lage von Pergamon gegeben war. Die verstorbenen Herrscher wurden wohl als faol in eigenen Tempeln verehrt, die lebenden hingegen blieben bis zum Aussterben der Dynastie und Anheimfall des Reiches an die Römer (133 v. Chr.) nur ovwaot der Götter (vgl. Kornemann 863.).
4. Die Antigoniden.
Die größte Zurückhaltung Übten unter allen Diadochen in der Verehrung ihrer Persönlichkeit die Antigoniden (vgl. Kornemann 84f. und v. Wilamowitz Staat u. Ges. 154). Sie übertrafen darin nicht nur ihre Vorgänger, namentlich Demetrios den Belagerer, der sich von den Athenern überschwenglich ehren ließ (vgl. Diod XX 46, 1–3. Plut. Dem. 10.12), und Lysimachos, der auf eine philosophisch freie Meinungsäußerung Bann und Kreuzigung setzte [814] (vgl. Cic. Tuse. I 43. V 40. Athen. XIII 610D.E), sondern sogar auch die hellenistischen Führer des Mutterlandes, wie Aratos von Sikyon (vgl. v. J a n o. Bd. II 8. 389) und Philopoimen von Megalopolis (vgl. Deneken 2546). Antigonos Gonatas, der kraftvolle Reorganisator der makedonischen Königsherrschaft, hat die göttliche Verehrung seines Hauses und seiner Person gewiß aus philosophischen Gründen zurückgewie-10 sen, denn für ihn war Königsherrschaft nichts als Ruhmvolle Knechtschaft* (Aelian. var. hist. II 20); stoische Lehre, derzufolge nur der Weise der wahre König ist, hat ihn offenkundig beeinflußt (vgl. Kaerst o. Bd. I S. 2417. Beloch Griech. Gesch. III 1, 466ff.). In ganz ähnlicher Weise scheint sich Hieron II. von Syrakus der ganzen Schwere des verantwortungsreichen Herrscherberufs bewußt und dabei von persönlicher Eitelkeit frei gewesen zu sein (vgl. Beloch III 20 1, 378), vielleicht ebenfalls philosophisch beeinflußt.
5. Kommagene.
In krassem Gegensatz zu diesen energisch wirkenden und maßvoll denkenden Herrschern steht die Selbstvergötterung des syrischen Fürsten Antiochos (I. ? 69–34) von Kommagene, einer ursprünglich seleukidischen Provinz (vgl. Beloch III 2, 291). Dieser Duodezfürst hat das prächtigste Denkmal des Herrscherkultes mit den anmaßendsten Kultnamen und Ti-30 teln hinterlassen, nämlich das große Grabmonument vom Nemrud-Dagh (Humann u. Puchstein Reisen in Kleinasien u. Nordsyrien, Berlin 1890, 2625., vgl. Mommsen Athen. Mitt. I 1876, 27ff. E. Norden Antike Kunstprosa I 1405.), dessen Erbauer, ,der große König Antiochos*, sich die Titulatur ,Theos Dikaios Epiphanes Philorhomaios Philhellen* leistet. Der ,greisenhafte Tenor der Inschrift* (Wilcken o. Bd. I 8. 2488) ist nicht minder charakteristisch als der 40 überladene Figurenschmuck, der ein trauriges Mischprodukt griechischer und persischer Religion und chaldäischer Astrologie darstellt (vgl. Puchsteins schöne Interpretation 329ff.). Dem Beispiel der Seleukiden folgend macht dieser Antiochos auch keinen Unterschied zwischen dem Kult des lebenden und dem der toten Herrscher; auch er, der Beherrscher eines lächerlich kleinen Gebiet-es, hält am Dezentralisationssystem, also der Einteilung in Kultprovinzen. 50 fest- Persischen Anschauungen Rechnung tragend. erscheint* er als ,neue Tyche‘ (Hvarêno), ferner als eine Art Mithras und drückt als Theos Dikaios Epiphanes den orientalisierten Griechengöttern Zens, Apollon-Helios und Herakles (= Oro-masdes, Mithras, Artagnes) die Hand (vgl. H u -mann-Puchsteîn Taf. XXXVIII und XXXIX). Aber dieser gefeierte Kleinfürst, dessen Ahnen-galcrie bis auf Alexander den Großen und Da-reios I. zurückzulaufen bemüht ist, unterwirft 60 sich bereits dem Lucullus, dem Sieger von Tigranokerta, bewirbt sich um die Freundschaft des mächtigen Pompeius und sucht sich beim Statthalter Kilikiens, Cicero, beliebt zu machen (vgl. Wilcken a. a. O.).
II. Römischer Kaiserkult.
1. Ehrungen Roms vor Caesar.
Schon im 2. vorchristl. Jhdt. haben die hellenischen und hellenisierten Staaten, die Roms [815] Macht direkt oder indirekt zu fühlen bekamen, das Bedürfnis gehabt, dieser Macht als einer gräzisierten Personifikation, den griechischen Stadt göttinnen entsprechend, ihre Verehrung darzubringen. Zur gleichen Zeit machte sich ja die allgemeine Hellenisierung im Römerreich, namentlich auf dem Gebiete der Religion, der Literatur und der Kunst geltend, so daß eine Τύχη Ῥωμαίων oder Ῥώμη bereiteten Boden finden mußte. Dazu kam, daß selbst Römer die Frage nach der Schutzgottheit ihrer Stadt nicht beantworten konnten (vgl. Wissowa Rei. u. Kultus der Römer 338) und daß andererseits die "ffizielle römische Staatsgewalt, der souveräne Populus Romanus, für die mehr oder minder despotisch regierten hellenistischen Provinzen ein leerer Name bleiben mußte. Nach streng römischen Religionsbegriffen ist eine Dea Roma freilich ein Unding (vgl. Preller Röm. Myth. II³ 353), wenn es sich auch einzelne antike Schriftsteller sehr angelegen sein lassen, die Gestalt der römischen Stadtheroine glaubhaft zu machen (so besonders Plut. Romul. 1 und 2, vgl. Solin. 1, 1, der Ῥώμη für die Übersetzung des ursprünglich lat. Namens patentia* erklärt, und Festus-Paulus 363 Thewr., der sich bemüht darzutun, warum Romulus die Stadt ,Roma und nicht Jtomula* genannt habe!). Den ersten Tempel für die Dea Roma hat, soviel wir wissen, im J. 195 v. Chr. die Stadt Smyrna gestiftet (Tac. ί ann. IV 56); ihrem Beispiel folgte 17Û v. Chr. Alabanda in Karien (Liv. XLIII 6, 5). Aus Kappadokien und Syrien erhält die Dea Roma kostbare Kränze; Spiele zu Ehren der Dea Roma, Ῥωμαία, wurden gegen Ende des 2. Jhdts. von vielen griechischen Inseln und Städten gefeiert, so auch von Athen, wo der Kult der Stadt Rom an den des Demos und der Chariten angeschlossen ist (CIA III 1, 265: unrichtig zitiert bei Richter). Das hellenistische Rom faßt seine 4 Stadtgöttin künstlerisch als eine Gestalt, die etwa die Mitte hält zwischen Athene Polias und Parthenos (vgl. Richter 132fL), aber auch mit Nike-Victoria wird sie gelegentlich nahezu gleichgesetzt (Dio XV 2, 3). Zur Staatsgöttin wurde die Stadtgöttin erst, als sie mit Venus zusammen ein Doppelkultbild und einen Tempel bekam, das von Kaiser Hadrian am 21. April 121 gegründete templum Urbis (vgl. Wissowa 293. Hülsen-Jordan Topogr. I 3, 17ff.). Der 5’ Kult der Dea Roma war ebenso gut eine .Hilfsform’ des beginnenden K. wie die Verehrung des Genius Augusti, der Par Augusti und der Fortuna Redux (vgl. L. R. Taylor The Wor-ship of Aug. in Italy during his lifetime, Trans-act. Am. Phil. Ass. LI 1920, Adelbert College. Cleveland: mir nur zugänglich in der kurzen Besprechung von A. Klotz Berl. Phil. Woehensc.hr. XLIII 1923. 641). Außer der römischen Stadtgöttin genoß die Fides Ramana eine 60 Art von göttlicher Verehrung: es war im Grunde nichts als eine Verklärung des Verhältnisses der .auf Gnade‘ (in fidem) ergebenen Gemeinden zum römischen Staat (vgl. Mommsen St.-R. IIP 1. 651). Die Fortuna (Τύχη) and Fides (Πώτις) der Römer waren natürlich untereinander innig verbunden (vgl. die Darstellungen auf Münzen der italischen Lokrer: Head HN 88). [816] Die Bewohner von Chalkis waren, soviel ich weiß, die ersten, die einen lebenden Römer göttlich verehrten, und zwar T. Quinctius Flamininus, den ,Befreier Griechenlands' (Plut. Tit. 16, vgl. Niese Gesch. der griech. u. mak. Staaten II 664), zum Lohne für die wiedererlangte Freiheit, freilich, ,nicht mehr die nämliche Freiheit, für die ihre Väter bei Marathon und Salamis gekämpft hatten' (Kaerst Gesch. 10 d. hell. Zeita.lt. 69), vielmehr eine sehr ähnliche ,Freiheit' wie jene, die seinerzeit einem Demetrios und Antigonos göttliche Verehrung eingetragen hatte (s. o. S. 813 und U. Köhler Hermes V 350). Die echt hellenistische Ehrung der Stadt Chalkis für Fîamiiiinus besteht darin, daß der Soter Titos zugleich mit dem großen Zeus, der Roma und der Ῥωμαίων Πίστας in einem Paean angerufen wird, daß ihm öffentliche Gebäude gemeinsam mit Herakles und Apollon 20 geweiht werden und daß er einen eigenen Priester bekommt (Plut.). Im Laufe des 2. und 1. Jhdts. wurden die den römischen Feldherren und Statthaltern erwiesenen göttlichen Ehren im Osten etwas durchaus Gewöhnliches, wenn wohl auch zunächst, wenigstens offiziell, behauptet worden ist, daß die betreffenden Auszeichnungen nicht der Persönlichkeit des einzelnen Romers, sondern ,dem römischen Volke und den unsterblichen Göttern' zugedacht seien (Cic. ad Ï0 Qu. fr. I 1, 26); zur Zeit des Augustus war es jedoch schon selbstverständlich, daß die Prokonsuln Tempel erhielten (Suet. Aug. 52). Daß der ,große', persönlich so eitle Pompeius sich derartige Ehrungen gefallen ließ, darf als sicher gelten (vgl. Hirschfeld S.-Ber. Akad. Berl. 1888, 836).
2. Caesar.
Caesar hat für das römische Reich ungefähr dieselbe Bedeutung wie Philipp II. für das makedonische: jeder dieser beiden Man-Oner mußte seine gewaltige Vorarbeit mit dem Tode büßen, deren Früchte dann von dem glücklichen Nachfolger in unerhörter Fülle geerntet wurden. Erst Alexander und Augustus sind dann auch so gut wie allgemein als Götter in Menschengestalt verehrt worden.
Caesar knüpft bewußt an hellenistische Tra dition an: er ist darin der tatkräftigste und großzügigste Repräsentant seiner Zeit, in der dit* hellenistischen Bestrebungen so erfolgreich mit) den nationalrömischen kämpften. Zugleich kämpfte (vgl. die oben zitierte Charakteristik der hellenistischen Zeit von Sam Wide) die große Persönlichkeit gegen die immer kläglicher versagende Institution des Beamtenstaates; Caesars Ziel mußte die Vernichtung des Senates und die Errichtung einer hellenistisch-römischen βασιλεία sein (vgl. Ë. Schwartz Hermes XXXII 573f.). Die Anknüpfung an Alexander wird wesentlich erleichtert durch den noch in römischer Zeit i fortbestehenden und hochgeachteten Alexander-kult (vgl. Otto Priester und Tempel I 154, 1). Wie die staatsklugen Ptolemäer, so erkannte auch Caesar den Wert der Toleranz gegenüber der ägyptischen Religion, die ja auf dem Wege über Sizilien längst auch in Italien eingedrungen war (vgl. Cumont-Gehrich Die oriental. Reli gionen im röm. Heidentum 97); die Skrupellosig keit der ägyptischen Priesterschaft (vgl. Otto [817] 238ff.), die Vorstellung von der Inkarnation des höchsten Gottes in der Person des Herrschers, verbunden mit der noch ununterbrochenen Tradition des Alexander-und auch des Ptolemäer(?)-kultes mußten seinem Plane von einer hellenistisch-römischen Weltherrschaft sehr willkommen sein. Dasselbe gilt natürlich von allen übrigen orientalischen Kulten, die den Gottkönig zum Mittelpunkt hatten und infolge der religiösen Indifferenz in Rom ungehindert Einzug halten konnten (Wege der Orientalisierung römischer Anschauung zeigt sehr gut Cumont -Gehr ich 29. 193; vgl. auch Baumstark o. Bd. III 8. 2O59f. Schwartz o. Bd. III 8. 20250. Otto Priestern. Tempel II 216). Die Kultsynthese für die Kultursynthese und diese wieder für den Ausbau eines einheitlichen und einigenden Herrscherkultes auszunützen, war der geniale Grundzug der ptolemäischen Religionspolitik (vgl. Otto 276), die sich Caesar als erster römischer Kaiser und letzter hellenistischer König (vgl. v. Domaszewski Gesch. d. röm. Kaiser 1 15) zu eigen machte. Wie die hellenistische πολιτεία, so war das römische ius mit der religiösen Entwicklung eng verbunden (vgl. z. B. P. Krüger Gesch. d. Quellen u. Lit. d. röm. Rechts² 1912, 1200.). Caesar mußte sich also bei seiner Verfassungsreform oder seinem Verfassungsbruch -- denn die dictatura perpetua widersprach an sich der Idee des Freistaates - gleich den Diadochen auf sakralen Boden stellen; dabei machte er natürlich sowohl von griechisch-orientalischen als auch von nationalrömischen Religionsvorstellungen Gebrauch (vgl. namentlich die Ausführungen von Ed. Meyer Caesars Monarchie und das Principat d. Pom-pejus 4400. 5010).
a) Hellenistische Ehrungen.
Zunächst mußte nach hellenistischem Muster, dem übrigens auch andere Geschlechter der römischen Nobili tat folgten (vgl. unten S. 820 und etwa Plut. Aem. Paul. 2. Suet. Galba 1), die göttliche Abstammung der gens Iulia erklärt werden. Diese Erklärung hat Caesar selbst bereits im J. 67 v. Chr. gelegentlich der Leichenrede für seine Tante Iulia, Marius’ Witwe, gegeben, deren Familie sich väterlicherseits auf Venus, mütterlicherseits auf Ancus Marcius zurückführen lasse; damit hatte er seiner Familie sanctitas regum und caerimonia deorum zugesprochen (Suet. Div. lui. 6. 1). Als Patronin und Ahnfrau seines Geschlechtes verehrte er also die Venus Genetrir. die ihm im Bedarfsfall als Venus Victrir zur Seite stand: ihr Bild erschien auf Münzen und auf seinem Siegel, sie erhielt ein Forum, einen Tempel und Spiele, gemeinsam mit ihrer Statue fährt das Bild des Diktators nach seinem Tode bei den Zirkusspielen auf (Literatur bei H. Heinen Klio XI 1911, 129f. in seiner chronologischen Zusammenfassung der Belegstellen ,Zur Begründung des römischen Kaiserkultes* von 48 v. bis 14 n. Chr.. vgl. Drumann-Groebe Gesch. Roms III 5550. 5990. und Groebe o. Pd. X S. 2490.).
Schon nach Pharsalus und mehr noch nach Zela genoß Caesar im Orient göttliche Ehren: so verehrten ihn z. B. die Ephesier als ,Nachkommen des Ares und der Aphrodite, deor rm- [818] φανὴ καὶ κοινὸν τοῦ ἀνθρωπίνου βίου ἄωτηρα (CIG 2957), die Bewohner von Mytilene als εὐερ γέτα καὶ [κ]τ[ί]οτα (IG XII 2, nr. 165 b). Griechische Nesioten, die ja auch im Ptolemäerkult tonangebend vorangegangen waren, priesen Caesar im J. 45 als ,Weltheiland⁴ (σωτὴρ τῆς οἰκουμένης), ja geradezu als Gott (Heinen 132, 3). Nach der Schlacht bei Munda soll Caesar als Θεὸς ἀνίκητος (Deus invictus, also unter dem 10 Kultnamen, den man in Rom von den verschiedenen aus dem Osten eingewanderten solaren Göttern her gut kannte), und σύνναος des Quirinus verehrt werden (vgl. v. Domaszewski Abh. zur röm. Religion 1909, 1945. Heinen 131, 8); in Caesar und Drusus sah man neue Epiphanien des Gottes (vgl. v. Domaszewski 178). Einen Römer und Republikaner mußte dies freilich zum Spott reizen (vgl. Cic. ad Att. XII 45, 3). Seine Statue erschien neben Göttersta-20 tuen in allen Tempeln Roms und Italiens (Sue-tons iuxta deos ist Übersetzung von σύνναος, Div. lui. 76). Auch seine Elfenbeinstatue auf einem ,ganzen⁴, d. h. eigenen Prozessionswagen bei der Auffahrt der Götterbilder im Zirkus erregte Anstoß (Dio XLIII 45, 2. Cic. ad Att. XIII 44, 1: acerba pompa). Daß in Rom ein lebender ἠμίθεος noch verfrüht war, scheint Caesar selbst empfunden zu haben (vgl. Dio XLIII 14, 6. 21, 2). Meines Erachtens darf die Nachricht, er 30 habe sich Juppiter Iulius anreden lassen (vgl.
die ganz vereinzelte Bezeichnung deus Caesar CIL X 1271),[1] nicht wörtlich genommen werden; es sieht so aus, als ob Dio (XLIV 6, 4, vgl. Zon. X 12) zu dieser seiner Notiz verführt worden wäre, einmal, weil so das Kapitel über die Ehrungen des lebenden Caesar mit einer unüberbietbaren Wirkung schließen kann - daß Dio auf rhetorenhafte Ausschmückung oft mehr Wert legt als auf historische Treue, zeigt Schwartz 40 in seinem trefflichen Artikel o.Bd.Ill S. 16855. -, dann auch, weil ihm (Dio), dem ergebenen Anhänger des Septimius Severus, das Gottkönigtum etwas Selbstverständliches ist (vgl. Schwartz), und endlich, weil sich nach zwei Jahrhunderten auch in Rum das Gefühl für den Unterschied zwischen hellenistisch-östlicher und nationalrömisch-westlicher religiöser Anschauungsweise verwischt hat. Es war jedoch zu Caesars Zeil ein großer Unterschied, ob ein lebender Mensch 50 mit einem der persischen Religion entlehnten Kultnamen als Deus Invictus, also als neuer Mithras, oder auch von griechischen Provinzialen (IG XII 2, nr. 35 Mytilene und nr. 531 Eresos) als .Gott¹ bezeichnet wurde oder aber, ob ihm Römer den Namen des höchsten römischen Na tionalgottes gaben. Sollten ihn seine Mitbürger ,am Ende* wirklich so angesprochen haben, st» gehörte diese Ehrung nach allem, was wir sonst wissen, sicherlich zu den von Dio gleich imnäch 60 sten Kapitel (7, 2) erwähnten ,einigen wenigen¹
Ehren, die der Diktator nicht angenommen hat. Die vota und ludi, die ihm zu Ehren vom Senate dekretiert wurden (Heinen 1325.), entsprechen vollkommen hellenistischem Brauch, eben so die Aufnahme persönlicher Festtage (besonders des Geburtstags und der Siegestage) unter die Staatsfeiertage (selbstverständlich wird in der Folge sein Todestag als Staatstrauertag erklärt [819] vgl. Heinen 131, 7) und die Benennungen eines Stadtteiles, einer Kolonie, eines Hafens, einer Wasserleitung nach seinem Namen (Dio XLIV 5, 2. Verg. Georg. II 161ff. Frontin. de aquis I 9). Auch die Tatsache, daß auf Octavians Veranlassung nach seinem Tode ein Komet, der angeblich eine ganze Woche lang bei den zu Ehren des Toten veranstalteten Spielen Qudi Victoiiae Caesaris, verbunden mit ludi funebres Caesaris, vgl. Heinen 134, 5) geleuchtet hat (Suet.. Div. lut 88), als sidus Iulium, d. h. als Symbol der von Venus selbst gewünschten Aufnahme des Verewigten unter die Götter (μθτάοταοις), gedeutet wird, ist ebenso ,hellenistisch¹ wie Ovids Verherrlichung dieser Metamorphose* (XV 745ff.), vgl. Hiller v. Gaertringen o. Bd. II S. 184ff· Mit der wunderbaren stella läßt Octavian dann auch die Caesarstatue im Tempel der Venus Genetrix zieren; die Statue trug die Inschrift Divo Irdio (ΚαΙααρὶ ἤμιθεῳ, vgl. Heinen 135, 2). Der ί verewigte Caesar weilte nun nicht nur nach dem lebendigen Empfinden des ganzen Volkes unter den Göttern (vgl. Suet. a. a. O. App. III 2, 3 [Caesaraltar des Amatius Pseudomarius auf dem Forum] und die Inschrift von Nola CII X 1271). Seit jeher hatte der Senat neue Götter in den Staatakult aufnehmen dürfen (vgl. Tertullian. Apol. 5); in Hinkunft Wird jede Konsekration auf Antrag des Kaisers vom Senate durchgefuhrt (vgl. Mommsen St.-E. IF 849f. III1050,8. Beurlier 3 Le culte imp. 55ff). Der zum Gott erhobene Caesar erhält auch einen eigenen Priester, eine Art flamen Dialis (Dio a. a. O., vgl. Beurlier Le culte impérial 6ff., über die flamines Dirorum vgl. Sam ter o. Bd. VI 8. 2491ff.); dieses Amt soll Antonius versehen (Dio a. a. O.), der mit seinem Rivalen Octavianus natürlich auch in ehrenden Anträgen für Caesar wetteifert, um sich die Volksgunst zu sichern (vgl. Heinen 133, 10. 134, 2. 185, 3. 4, vgl. Groebe o. Bd. I S. 2599f.), doch 41 hat er es mit der Durchführung dieser Ehrungen nichts weniger als ernst gemeint (vgl. Cic. Phil. II 43, 110. XIII 19, 41), ja gelegentlich sogar mehr oder minder spontan erfolgte Ehrenbezeugungen gegenüber dem Verewigten sehr energisch zu verhindern getrachtet (Heinen 134, 1. 3).
b) Nationalrömische Ehrungen.
Die meiston und wichtigsten Ehren, die dem lebenden und dem toten Caesar erwiesen wurden, sind somit hellenistischem Brauche entnommen 5( oder mutatis mutandis angeglichen, wie etwa die Bezeichnung seines Göburtsmonats als Iulius (auch auf Antrag M. Antons, vgl. Macrob. Sat. I 12, 34), die Feier der Parilien als Siegesfesttag (Heinen 131, 4), seine Verehrung als σύνναος des Nationalgottes Romulus-Quirinus, die Zuerkennung des pulvinar (Heinen 133, vgl. Beurlier 69).
Als echtrömisch hingegen darf wohl der Ehrenname Parens Optimus Maximus (Cic. ad fam. eo XII 3, 1) gelten, der an den Namen des kapitolinischen Iuppiter anklingt und an den Titel Parens Patriae, den Caesar übrigens auch, und zwar ebenso wie den ersten auf Antrag des M. Anton erhielt (Suet. Div. lui. 85. Cic. Phil. II 42, 107). Seine Würde als Oberhaupt der Staatsreligion liât der Diktator klug betont (vgl. Ed. Mey er a. a. O.505ff.). Eine Schöpfung Octavians ist offenbar der Kultname [820] Divus Iulius, der wohl im J. 42 staatsrechtlich anerkannt wurde (vgl. Mommsen Π³ 7551); unter diesem Namen erhält der neue Gott einen Tempel an der Stelle seines Scheiterhaufens (Dio XLVII 18, 4; vgl. die Münzbilder bei Babelon II 49), ein eigenes Priesterkollegium, die Luperci luttant, und eine jährliche supplicatio (Heinen 132, 11. 135, 3). Römischen Verhältnissen entspricht auch die Verfügung, 10 daß sein Bildnis nicht mehr unter den Ahnen-bildnissen aufgeführt werden dürfe (Dio XLVII 19, 2). - Eine spezifisch römische Religionsentwicklung schuf bekanntlich eine Unmenge per-sonifizierter und vergöttlichter Abstraktionen (vgl. Wissowa Rel. u. Kult. 52ff. 327ff.); aus dieser Tatsache ergibt sich die Verehrung gewisser Eigenschaften und Wirkungsarten eines deus, somit auch eines divus. So erhalt Caesar zwar den Ehrentitel liberator (hellenistisch ἄλευθερωΪθ τῆς), aber nicht ihm wird ein Tempel zuerkannt - das würde hellenistischer Praxis entsprechen-, sondern seiner Libertas (vgl. Wissowa 139); ebenso wird der ,neuen*, d. h. von ihm geschaffenen Concordia ein Tempel erbaut (Dio XIIV 4, 5). Ob der Tempel der Clementia auch für ihn bestimmt war, laßt sich nicht ganz sicher entscheiden (Dio XLIV 6, 4, vgl. die Münzen des Sepullius Macer bei Eckhel Doctr. num. VI 9).
Sehr wichtig für die Ausgestaltung des K. 0 war neben der von Octavian offiziell gestatteten gemeinsamen Verehrung dés Divus (ἤρθς) mit der Göttin Roma (Dio LI 20, 6) die Erhebung seines Genius, dieses urrömischen religiösen Begriffes, (den die Griechen sich bald als τύχη, bald als δαίμων zu erklären suchten, vgl. Wissowa 175f.) in die Reihe der Gotter: man sollte in Hinkunft bei seinem Genius schwören können (Dio XLIV 6, 1. Zonar. X 12).
3. Augustus.
Wohl hat M. Antonius, der sich die orientalische Gottkönigs würde viel williger gefallen ließ als Caesar und Octavian zusairmengenommen, die kriecherische Torheit seiner Scluneichler in höchst raffinierter Weise auszunützen verstanden; ob es dem Nachkommen des Hercules (Plut. Ant. 4) - Sex. Pompeius nannte sich einen Sohn des Neptun (vgl. B e u r-lier 10L)! -, der sich als ,neuer Dionysos⁴ mit der alten Göttin Athena und als Osiris mit Kleopatra-Isis vermählte (Lit. bei Heinen 138).) bei seinen ἰεροῖς γάμοις mehr nuf die sehr be nötigte und außerordentlich reiche Mitgift an-kam oder aber auf die Ehre, als Nachfolger Alexanders und der Diadochen zu gelten, wird eich kaum entscheiden lassen (vgl. Blumenthal Der äg. Kaiserkult, Arch. f. Papyrusforschg. V 1913, 317). Jedenfalls ist die eigentliche Begründung des römischen Herrscherkultes erst seinem großen Gegner, dem Kaiser Augustus, zuzuschreiben.
Caesars Genius wies ihm den Weg: das hat der ohn‘ des göttlichen Vaters offen ausgesprochen (Cic. ad Att. XVI 15, 3). Aber zugleich mußte ihm die Ermordung des Diktators stets als warnendes Beispiel vor Augen schweben, daß man im ἐλληνίζειν, wie es Caesar verstand, nicht zu weit gehen dürfe; der ganze Prinzipat des Augustus ist in diesem Sinne eine ,Reaktion des Römertums gegen den Hellenismus⁴ [821] Kornemann 96). Seine besondere Stellungnahme allen βασιλείς θεοὶ ἐπιφανείς der abgewirtschafteten Dia-dochenreiche gegenüber hat Augustus anläßlich seines Besuches in Alexandreis, klar formuliert: Alexanders Leichnam läßt er aus seiner Gruft hervorholen und ehrt ihn durch eine goldene Krone (eine solche hatte auch der verewigte Caesar erhalten, vgl. Beurlier 6) und Blumenschmuck, aber von den Ptolemäern will er nichts wissen: regem se voluisse ait videre, non mortuos (Suet. Aug. 18). Er will also hellenische Tradition fortsetzen, nicht hellenistische; er fühlt sich als Erbe eines Heros, der für seine Verdienste in den Götterhimmel aufgenommen worden ist, nicht als der einer Menge von schwachen Menschen, die im Leben zwar ,Götter*, im Tode aber Leichen sind. Da jedoch die Reiche des Ostens aus ihren im Laufe der Jahrtausende so tief eingefahrenen Geleisen nicht mehr herauszubringen waren, so mußte der junge Princeps sich darauf beschränken, den nationalgriechischen Gedanken vom Heroentum, verbunden mit seinen nationalrömischen Reformen, in Rom und Italien durchzusetzen. Anders als die italischen, die griechischen und die orientalischen Untertanen, alle mehr oder minder kriegsmüde, degeneriert und devot, mußten die starken barbarischen Westprovinzen behandelt werden.
a) Der Kult des Augustus in der östlichen Reichshälfte.
α) Ägypten.
Ägypten stand bekanntlich von Anfang an in einem ganz anderen Verhältnis zu seinem römi-schenHerrn als die übrigen hellenistischen Reiche: seit Kleopatras Tode in der Gewalt Roms, wurde es unmittelbar vom Princeps, als dem Nachfolger der Ptolemäer, durch dessen Präfekten, dem, Vizekönig*, verwaltet; der Senat hatte an der Verwaltung keinen Anteil, ja ein Senator durfte ohne kaiserliche Erlaubnis nicht einmal ägyptischen Bodem betreten (vgl. MommsenSt.-R. III 753). An eine Verehrung des Kaisers mit der Dea Roma, den römischen Staatsgöttern oder dem Senat war also hier nicht zu denken. Ob aber Augustus als unmittelbarer Nachfolger der Ptolemäer im Kult anzusehen ist, muß nach der Nachricht bei Sueton (Aug. 18) zweifelhaft erscheinen, trotz des Versuches von Otto ,Augustus-Soter* einfach als Ersatz für ,Ptolemaios-Soter* und die Stadt Ptolémaïs in der Thebaïs als Ausgangspunkt des ägyptischen Augustus-Soter-Kultes hinzustallen (Priester u. Tempel I I54ff.; Herm. XLV 1910, 44811. 6325.). Ihn bekämpft Plaumann, der im θεὸς Σωτηρ des in Frage kommenden Papyrus von Krokodilopolis (Lond. Pap. III 604 A u. B, p. 70 u. 76) den alten Stadtgott von Ptolémaïs, Ptolemaios-Soter, sieht (Ptolemais in Oberägypten, Diss. Leipzig und Heim, 1911). Bei der im Osten so allgemeinen Verehrung der hellenistischen und römischen Machthaber als σωτήρες kann man meines Erachtens in dieser Frage durchaus keine Entscheidung treffen. Ich glaube nur, selbst wenn die Verehrung des eigentlichen Stadtgründers in Ptolémaïs in augustischer Zeit fortgeführt worden wäre (wie Blumenthal 324 mit Bestimmtheit behauptet), für die Gemeinde wäre doch nur der neue χτίστης und σωτηρ als lebendiger Kultgegenstand ' in Betracht gekommen! [822] Andererseits ist es wieder zuviel gesagt, wenn Otto (Priester u, Tempel I 156, 2) meint, daß das Fortbestehen des Ptolemäerkultes in der Kaiserzeit natürlich ganz ausgeschlossen ist⁴. Der Ptolemäerkult war staatlich, der römische K- in Ägypten hingegen städtisch organisiert (was Blumenthal 325ff. mit ziemlicher Sicherheit nachgewiesen hat, ihm folgt A. Stein Untersuchungen zur Geschichte und Verwaltung Ägyptens, Stuttgart 1915, 31); eigentlicher Provinzial-K. war in Ägypten ausgeschlossen, weil es nie eine offizielle Städtevertretung hatte (vgl. Mommsen R. G. V 317. 558 und A. Stein 31ff. 81S.). Daher läßt sich auch die Kultkompetenz des ἄρχιερευς Ἀλεξανδρείας καὶ ἈΙγύπτου πόσης, dem Augustus die religiösen Befugnisse Ägyptens übergab, kaum mit Sicherheit feststellen; im Titel unterscheidet er sich nicht von den in den übrigen Provinzen eingesetzten ἀρχιερείς, die die vom Princeps geschaffenen Landtage zu leiten und für den K. zu sorgen hatten (vgl. Brandis o. Bd, II S. 473f. Beurlier 120ff.). P. M. Meyer (Dioikesis u. Ἴδιος λόγος, Festsahr. f. Hirschfeld 1903, 157ff.) nimmt einen den besonderen Verhältnissen Ägyptens entsprechenden, besonders straff organisierten Provinzial-K. an (dagegen Blumenthal). Auch an die Identifizerung des ἄρχιερευς mit dem obersten Finanzbeamten, dem Idiologus, ist 30 gedacht worden, allerdings ohne hinlängliche Begründung (vgl. Wilcken Herm. XXJII 1888, 605 und Plaumann o. Bd. IX S. 900). Erst aus badrianischer Zeit ist der Name eines solchen ἄρχιερευς überliefert (Suid. s. Οὐεστῖνος). Über die Kaiserfeste, Im besonderen über die umstrittenen ἤμεραι .Σεβαστοί, höchstwahrscheinlich Gedenktage der Kaiserfamilie, handelt Blumenthal (337ff., mit einem Verzeichnis der mit einem bestimmten Datum versehenen Kaisertage bis auf Traian). Auch der monatlich gefeierte Geburtstag und der dies imperii der verstorbenen Kaiser oder wenigstens des verstorbenen unmittelbaren Vorgängers gehört nach hellenistischem Brauch zu den ἠμέραι Σεβαστοί (a. O. 3395.). Sogar ganze Monate führen in Ägypten Ehrennamen nach dem römischen Kaiser; so hieß z. B. der erste ägyptische Monat, der Thoth, Augustus’ Geburtsmonat, (der im August beginnt), Σεβαστός, der Mesore (August) Kaisareios, der Hathyr 50 Neos Sebastos (nach Tiberius), der Phaophi Do-mitianos, weil diese Kaiser in diesen Monaten geboren sind; auch nach Drusus, Germanicus (vgl. Tac. ann. II 59ff.), Claudius, Pius und Hadrian sind ganze Monate genannt worden (Blumenthal 344f.).
Selbstverständlich ist Augustus als ägyptischer Pharao und Sohn des Sonnengottes συνναος der ägyptischen Götter geworden (vgl. z. B. Dittenberger OG I 56, 22ff. und Strab. XVII 820; offizielle ägyptische Titulatur bei Mommsen R. G. V 565 A. und Gardthausen Aug. u. seine Zeit II 1, 241, 18; dazu Spiegelberg Ztschr. f. ägypt. Spr. u. Alt. II 1911, 85–87). Die Stadt Alexandreia baute den prächtigen Tempel (Καισαρείαν; Malalas 217 leitet den Namen fälschlich vom Sohne Kleopatras ab) für Octavian fertig, den Kleopatra für Antonius begonnen hatte (vgl. Suid. s. ἠμίεργον). Der Kaiser [823] (Mommsen, meint Caesar: CIL III Suppl. 6588)[2] wird hier als Ἐπιβατήριος verehrt (Phil, leg, ad Gai. 22), als Schützer der Reisenden (vgl. seine Verehrung in Kilikien in Verbindung mit Ποσεώῶν Ἄσφαλειος und Ἀφροδείτη Εὐπλοιά = Isis Pelagia (IG 4443). Die folgenden Augusti sind dann ovvvaot geworden. In einem vom Präfekten P. Rubrius Barbarus erbauten Tempel in Philae (vgl. Heinen 161), dem durch das Isis-heiligtum berühmten Wallfahrtsort, wurde Augustus als Σωτηρ und Εὐεργέτης verehrt; auch diese griechische Verehrungsform hat sich auf die späteren Kaiser als σύνναοι fortgesetzt (vgl. Blumenthal 3190.). Alle Sebasteen (bezeugt für Arsinoe, Oxyrrhynchos, Hermopolis, Elephantine) deshalb als ursprüngliche Augustustempel anzusehen, geht wohl zu weit.
β) Die übrigen Ostprovinzen.
Kurz nachdem Octavian durch die Konsekration des Tempels (29 v. Chr.) für seinen Vater, den Divus Iulins (nicht den Deus Iulius!), bewiesen haben wollte, daß er nur der Divi filius sei, mußte er dem religiösen Empfinden des Orients das erste offizielle Zugeständnis machen: die Provinzen Asia und Bithynia erhielten, o0en-bar auf eine Eingabe hin (Kornemann 98), die Erlaubnis, ihm Tempel zu errichten (Dio LI 20, 6ff.). Augustus unterscheidet dabei scharf zwischen Römern und ,Hellenen': die Romer dürfen in Ephesos und Nikaia für Roma und Caesar (natürlich unter dem Namen ἤρως Ἰούλιος) Tempel erbauen, die hellenisierten Asiaten in Pergamon und Nikomedia (vgl. Heinen 167) ,für ihn selbst*, wie Dio sagt, der zu seiner wichtigen Nachricht noch hinzufügt, daß mit dieser Tat des Augustus der Anfang des römischen K. nicht nur für die gräzisierten, sondern für alle römischen Provinzen gegeben sei. Zu dieser richtigen Bemerkung muß nur noch ergänzend gesagt werden, daß höchstwahrscheinlich auch in Pergamon und Nikomedia die römische Stadtgöttin mitverehrt wurde, worauf Tac. ann. IV 37, die zitierte Suetonstelle (Aug. 52) und die Münzen mit Rom. et Aug. schließen lassen (vgl. Mommsen Res gestae Div. Aug.² X). Das J. 29 ist somit durch die Konsekration des Tempels für Divus Iulius und die Tempelgründungen in. Asien und Bithynien mit der von Augustus geschaffenen Differenzierung im Kult die erste entscheidende Etappe des römischen K.
Als der Princeps am 13. Januar 27 den vorsichtig gewählten Ehrentitel Augustus angenommen hatte (Romulus hatte schon zu sehr nach einer neuen Monarchie geklungen, vgl. Fitz-ler-Secck o. Bd. X S. 343), wurde diese Bezeichnung, die ja stark an hellenistische Herr-scherbeinamen erinnert, in den K. auf genommen: man errichtete von nun an Tempel Romae et Augusto (Ῥώμη καὶ Σεβαστω). Den Anfang machte der Kult von Pergamon, da in dieser Stadt der oben erwähnte Tempel noch im Bau war; der Kult war, wie der in Ägypten, durchaus hellenistisch organisiert, in diesem Falle also nach dem Vorbild des pergamenischen Königskultes, mit einem eigenen Hymnodenverein für die musikalischen Aufführungen (vgl. Kornemann 99f. und Fraenkel Inschr. v. Pergamon II 374). Zahlreiche solche Tempel für Roma [824] und Augustus sind in den hellenistischen Provinzen erbaut worden, so z. B. in Mylasa in Karien (CIG 2696, wobei Σεβαστός an erster Stelle -Steht: αὐτοκράτορι Καίσαρι θεου νιω Σεβαστω ἀρχιερεὶ μεγίστῳ καὶ ἄεθ Ῥώμη) und in der von Herodes neuerbauten Stadt Caesarea in Palästina; da er die Stadt (ihr alter Name ist Στράτωνος πύργος, vgl. Benzinger o. Bd. III S. 1292), die dem syrischen Statthalter unter-10 stellt gewesen war, von Augustus wiedererhalten hatte, nannte Herodes sie dem Kaiser zu Ehren Καισαρεία Σεβαστή und weihte sie im J. 9 v. Chr. mit glänzenden Festspielen ein, darunter einem eigenen Agon für den Kaiser, der alle Arten von Spielen enthielt und alle 4 Jahre wiederholt werden sollte (Joseph. ant. Iud. XVI 5, 1); der Kaisertempel befand sich in herrlicher Lage (Joseph. ant. Iud. XV 9, 6); das kolossale Kultbild des Augustus glich dem olympischen Zeus, 20 die Göttin Roma der argivischen Hera (bell. Iud. I 21, 7, sonstige Belege s. Heinen 155. 164; über Tempel lür Augustus und Roma im Osten vgl. auch Richter Art. Roma Myth. Lex. 157ff.). - Der wichtigste von allen denn Augustus und der Roma geweihten Tempeln ist das berühmte Heiligtum von Ankyra in Galatien, auf dem uns der Rechenschaftsbericht des Kaisers, die Res gestae Divi Augusti, erhalten ist (CIG 4039 und OG II 533 mit den Erklärungen von Dittenberger, Lit. bei Heinen 172, 2). Wieder ist der ·θεός (!) Σεβαστός der θεὰ Ῥώμη vorangestellt (vgl. Kornemann 101, 1); nach Ditten berger (a. a. O.) heißt der lebende Augustus θεός, ,quia is eui divini honores tribuuntur deus appellandus est¹. Diese Begründung wiegt ebenso leicht wie seine vorhergehende für die Behauptung, daß der lebende Augustus gemeint sein müsse, weil das benachbarte Galatien dem Beispiele Pergamons 40 brevi post gefolgt sei. Die Inschrift zerfällt in zwei Teile, die Widmung und das Spendenverzeichnis; dabei handelt es sich um Festspiele. Weihungen und Opfergaben verschiedenster Art, von einem paphlagonischen Fürsten, der wie sein Ahnherr den homerischen Namen Pylaimencs trägt (II. II 851. V 576. XIII 643), und einem galatischen ,Dynasten¹ (Strab. XII 37 p. 560), der Statuen des Caesar (Augustus?) und der Iulia Augusta (Livia) stiftete. Da Livia bekannt-50 lieh erst nach dem Tode des Augustus durch sein Testament adoptiert wurde und den Namen Augusta erhielt (vgl. Willrich Livia, Leipzig-Berlin 1911, 56), wird der Tempel dem Θεὸς Σεβαστός, also dem Divus Augustus unter Tiberius geweiht worden sein; es Ist mir sehr wahrscheinlich, daß auch die Bildsäule nicht dem Augustus, sondern dem Tiberius gehört, wie auch Franz meint (CIG 4039, von Dittenber-ger bekämpft). Daß die verschiedenen Spiele 60 von homines prirali gestiftet seien, und daß die eponymen Beamten die Jahre der Widmungen bezeichnen, ist wohl richtige Auffassung D i t -tenbergers, während Franz mit Anlehnung an Suet. Aug. 59 an ludi quinquennales denkt. Ihm folgt Kornemann 101, 1; Heinen spricht sich höchst unklar über die Datierung aus, ohne auf das Spendenverzeichnis Rücksicht zu nehmen. – Im übugen erhält die [825] Augustusverehrung in der östlichen Reichshälfte bald mehr orientalische bald mehr griechische Färbung; die Göttin Roma bleibt nicht selten weg · die Voransetzung des Sebastostitels bildet den Übergang dazu -, wie z. B. in Samaria Sebaste und Caesarea Philippi (Panias), wo Augustus von Herodes prunkvolle Tempel erhielt (Joseph. bell. lud. I 21, 2 und ant. XV 10, 3), ferner in Caesarea Mauretaniae (Ἰοί), wo König Iuba II. dem Augustus einen Hain mit einem Altar weihte und einen Tempel errichtete (vgl. L. Müller Numism. de Tanc. Afrique III 105 nr. 55. 106 nr. 56 und Krascheninnikoff PhiloL LIII 150, 13). Den Orientalen und Griechen ist Augustus bald eine Gottheit und wird als solche überschwenglich gefeiert (vgl. die obigen Beispiele und etwa die Inschrift CIG 4923), bald gilt es als σωτηρ und κτίστης im hellenistischem Sinn, so z. B. in Amisos am Pontus (Äthen. Mitt. XXIV 1899, 173 nr. 16; vgl. Hirschfeld o. Bd. I S. 1839), ähnlich in Mytilene als Ἐλευθέριος (IG XII 2 nr. 156), in Thespiae als Σωτήρ und Εὐεργέτης (IG VII nr. 1836) usw.
Die ägyptischen Kalenderehrungen wurden in Asien bei weitem überboten: so beschloß wohl noch vor 8 v. Chr. der Landtag der Provinz Asia, dem Vorschlag des Prokonsuls Pauline Fabius Maximus entsprechend, das asianische Jahr mit dem Geburtstag des Augustus (23. September) und alle Monate mit diesem Datum, d. h. den Tagen a. d. IX. Kal. der Römer, beginnen zu lassen und den ersten Monat Kaisar zu nennen (vgl. Groag o. Bd. VI S. 1782f.). Die Bewohner von Kypern haben in dem von Boll und Usener entdeckten Kalender (vgl. v. DomaszewskiAbh. zur röm. Rei. 1909, 235 = Arch. f. Rel.-W. XII 335ff.) gleich in den Namen aller 12 Monate dem Kaiserhause gehuldigt; die Monatsnamen hießen: Aphrodisios (Mai), Anchisaios, Romaios, Ainea-deios, Kapitolios, Sebastos, Agrippaios, Libaios. Octabios, Iulaios, Neronaios, Drusaios. Nach v. Domaszewski läßt der Name Agrippaios erkennen, daß dieser (von Usener für syrisch gehaltene) Kalender vor 12 v. Chr, entstanden sein müsse; später hätten die Kyprier den anderen kyprischen Kalender geschaffen, in dem alle Verwandtennamen fehlen: dies lasse auf 2 v. Chr. schließen, ,wo Augustus in völliger Vereinsamung allein an der Spitze des Staates steht* (vgl. Hei-n e n). Die Monatsnamen dieses Kalenders, dér am 23. September beginnt, lauten: Ἀφροδίσιος., Ἀπογονικός, Αἰνικός, Ἰούνιος, Καισάριος, Σεβαστός, Αὐτοκρατορικός, Δημαρχεςάσιος, Πληθύπατος, Ἀοχιερεύς, Ἤσκιος, 'Ῥωμαίος. ,Man verwindet kaum die Geschmacklosigkeit der Monatsnamen, deren Reihe, in einem Satze interpretiert, heißt: Veneris suboles Aeneas (et) Iulius Caesar Augustus Imperator trib. potestatis cos. saepissime pontifex maximus (ex) familia Romanorum¹ (vgl. Kubitschek österr. Jahreeh.VIII1905. lllff.). - Vielfach wurden im Osten Tage und Monate nach Augustus benannt (vgl. Gardt-h a us en Aug. u. s. Zeit II 564, 56 und 57).
b) Augustuskult in Rom und Italien.
α) Offizieller Kult.
Augustus war, wie oben gesagt, bemüht, mit der verunglückten hellenistischen Religionspolitik Caesars [826] wenigstens in der Hauptstadt aufzuräumen und dafür nationalrömische Kultelemente einzuführen, die er äußerst geschickt mit den Interessen des Kaiserhauses zu verbinden wußte. So konnte die Form der Augustusverehrung, wie sie sich unter persönlicher Einflußnahme des Herrschers in Rom ausgestaltet hatte, für die westlichen Provinzen vorbildlich werden, die von der hellenistischen Kultur nahezu unberührt waren.
Augustus als Divifilius. 42 v. Chr. war die Konsekration Caesars und der Name Divus Iulius offiziell bestätigt (CIG IX 2628), 29 v. Chr. der Tempel des vergötterten Caesar eingeweiht worden; dem Tempel wurde das Asyl-recht beigelegt (Dio XLVII 19). Dies wurde für die Folgezeit maßgebend: man konnte zu den Statuen und Bildern der Divi seine Zuflucht nehmen wie zu denen der Götter (vgl. Mommsen St.-R. II³ 760, 1). Da der Divus offiziell vonden Göttern aufgenommen worden war (vgl. Tac. ann. XV 74), gestattete der Divi filius auch die sichtbare Bestätigung dieses Gedankens, nämlich die Aufnahme Caesars unter die Götter des Pantheons, das Agrippa erbaut hatte; Augustus und Agrippa selbst aber ließen ihre Statuen bloß im Pronaos aufstellen (Dio LIII 27, 3). Man sieht, wie abschreckend das Beispiel Caesars und besonders auch das des Antonius gewirkt haben muß (vgl. Dieckmann Der Kaiserkultunt. Ang., Stimmen d. Zeit 96, 1918, 1. u. 2. Heft, 130). Was aber Augustus nicht einschränkte, sondern außerordentlich erweiterte und vertiefte, waren die Beziehungen zu den göttlichen Ahnen der gens Iulia, zu der zu gehören der Kaiser stets betonte, während er sich seiner eigenen väterlichen Ahnen geradezu schämte (Suet. Ang. 2. Cic. Phil. III 15). Wenn er seinen leiblichen Vater auch liebte, so verklärte er doch Caesars Persönlichkeit, hob die Wahlverwandtschaft mit 40 ihm eindringlich hervor und suchte zu erklären, warum ihn Caesar nicht schon früher, sondern erst in seinem Testament adoptiert habe (vgl. Blumenthal Wien. Stud. XXXV 1913, 123L 280f.). Als Iulier förderte er somit den Kult der Venus Genetrix und des iulischen Stammgottes Mars; diesen beiden und dem Divus Iulius wird ja offiziell Agrippas Pantheon geweiht (25 v. Chr.). nachdem der Kaiser es abgelehnt hatte, σύνναος zu werden (vgl. Heinen 153). Münzbilder illustrieren seine Abstammung von Aeneas und Anchises (vgl. Eckhel VI 73. Babelonll 42 nr. 83). Mars Ultor erhielt 19 v. Chr. einen kleinen Rundtempel auf dem Kapitol zur Aufbewahrung der parthischen Feldzeichen (Dio LIV 8, 5; abgebildet auf Münzen, vgl. Cohen P 90 nr. 202) und 2 v. Ohr. den berühmten Marstempel auf dem Forum Augustum (Res gest.² 21: in privato solo Martis Ultoris templum forumque Augustum ex manibiis feci, vgl. Momm-seu CIL I² p. 323, sonstige Literatur bei Diehl Lietzmanns kl. Texte 29/30, 24ff.), den Augustus schon vor der Schlacht bei Philippi gelobt hatte (Heinen 169); hier stand die Doppelstatue der Stammgötter (Ov. Trist. II 295). Merkwürdigerweise konnte neben dieser schon so verbreiteten genealogischen Tradition auch noch eine zweite entstehen: Augustus sei der Sohn Apollons (Suet. Aug. 94, 4. Dio XLV L 2); jedenfalls verehrte [827] Augustus den Apollon als seinen besonderen Schutzgott und weihte ihm den vielverherrlich-teil Tempel, den Aufbewahrungsort der sibyllinischen Bücher (Suet Aug. 31, 1), auf dem Palatin mit der Bibliothek (vgl. Prop. III 31 = IV 6, 11: Musa, Palatini referemus Apollinis aedem: res est, Calliope, digna favore tuo). Er läßt alle seine eigenen Statuen einschmelzen und daraus goldene Dreifüße für Apollon herstellen (Suet. Aug. 52).
Der Augustuskult als Mittelpunkt der nationalrömischen Religion. Zu den schon erwähnten griechisch-römischen Schutzgöttern treten noch folgende national-römische: der Genius dos Kaisers, die Vesta, die Penaten und die Laren des Kaiserhauses. Etwa 14/13 v. Ohr. wird der Genius Augusti offiziell in den Staatskult einverleibt (vgl. Hör. epist. II 1,15f.: praesenti tibi maturos largimur honores I iurandasque tuum per numen ponimus aras; carm. 1V5, 34: et (quisque) laribus tuum miscet numen. Vgl. Mommsen Heim. XV 1880,103ff.). In Zukunft wird der Genius des Augustus (wie der Caesars) in die Eidesformel aufgenommen (dies wurde für die Folgezeit maßgebend, vgl. Beurlier 43ff. Mommsen St.-R. II³ 809) und zusammen mit den kaiserlichen Laren verehrt, die an Stelle der lares compitales getreten sind (Ovid. fast. V 145L: mille lares geniumque ducis qui tradidit illos / urbs habet et vici 3 numina trina colunt, vgl. Dio LV 8, 6–7. Suet. Aug. 30). Ungefähr 2 Jahre später, nach seiner Wahl zum pontifex maximus, weihte er der Vesta einen Tempel, der mit seinem palatinischen Palast in Verbindung stand (CIL I² p. 236, Fast. Praenest zum 28. April 12 v. Ghr.); da auch schon Phoebus habet partem (Ovid. fast. IV 951), .thront der Kaiser auf dem Palatin zwischen Vesta und Apollo, der alten Herrin des Staatsherdes und dem göttlichen Schirmherrn des Herr- 4( sehenden Hauses, zum Zeichen, daß das Kaiserhaus der sakrale Mittelpunkt des Staates ist* (Wissowa Rei. u. Kult. 69f., vgl. Heinen 161). Augustus hat von 82 gestifteten Tempeln mit Ausnahme des kapitolinischen nur die der Haupt Schutzgitter seiner Familie mit dann er manibiis (Res gest. 21) beschenkt (Divus Iulius, Apollo, Vesta und Mars Ultor, wobei Venus Genetrix natürlich mitverstanden ist).
Daß die römischen Kulte der Abstraktionen 50 und Personifikationen indirekte Träger des K/ von großer Bedeutung sind, wurde oben erwähnt: für die terra inculta im Westen waren sie ein geradezu unerläßlicher Behelf zur Einführung des Herrscherkults. In Rom wurde so z. B. in der iulischen Kurie die Victoria des Kaisers verehrt, irrt nag' ἄντης τὴν ἀρχὴν ἐκτήοατο (Dio LI 22, 1); seiner Fortuna Redux wurde im J. 19 v. Chr. nach seiner Rückkehr aus dem Orient auf Senatsbeschluß ein Tempel an der Porta Capena 60 beim Heiligtum ven Honos und Virtus errichtet, der Tag (12. Okt.) sollte Augustalia heißen und von Priestern und Vestalinnen alljährlich gefeiert werden (Res gest. 11). Amiternum im Sabinerland weiht einen Altar pro reditu imp. Caesaris Augu[sti] Fortunei (CIL IX 4182).[3] Besonders wichtig neben Victoria und Fortuna (man vergleiche die ,neue Tyche" vom Nemmd-Dagh, [828] o. S. 814) wurden im staatlichen Kulte des Friedensfürsten begreiflicherweise Salus, Concordia und Pax (Ὑγίεια, Ὀμόνοια, Εἰρήνη, Dio LIV 35, 2). Alle 3 Eigenschaftsgottheiten erhielten z. B. Statuen und Altäre anläßlich der beabsichtigten Schließung des lanustempels (vgl. Wissowa 278). Am wichtigsten für item, Italien und die Westprovinzen wurde die Pax Augusti. 13 v. Ohr. errichtet der Senat nach der 10 Rückkehr des Kaisers aus Spanien und Gallien rebus in his provinciis prospere gestis (Res gest. 12) einen Altar des Augustusfriedens auf dem Marsfeld mit der Bestimmung, daß Beamte, Priester und Vestalinnen hier jährlich opfern sollen (vgl. die Acta fratr. Arvai. 38 n. Chr. CIL VI 466[4] nr. 2028 Z. lOff. CIL I² p. 320, ferner Heinen 160, 3. Seeck-Fitzler o. Bd. X S. 357; über die noch erhaltenen Reste der Ara vgl. Petersen Röm. Mitt. 1894, 171 und Ara Pacis Augustae, Wien 1902).
Als Divi filius (θεον νιος) und Träger der Namen Caesar (ins Salierlied aufgenommen, Res gest. 44) und Augustus (dessen dignitas ihm wohl bewußt war, Res gest. 34, vgl. Heinen 166, 2; über die Götter mit dem Beinamen Augustus, Wissowa Religion und Kult, der Römer 85; sonstige Ehrentitel o. Bd. X S. 365; über Imperator vgl. Beurlier 21f. und Mommsen St.-R. II³ 781f. 845f.) stand der Kaiser der Ver-0 götterung auch offiziell nahe genug. Dazu kommt, daß der kaiserliche Genius auf den Münzen porträtgetreu gebildet war, und daß der Kaiser sehr oft darstellenden Künstlern zu Heroen- und Göttergestalten Modell stand; schon im J. 29 v. Chr. trägt z. B. Apollon Augusts Züge, während seine Schwester Octavia als Lucina gefeiert wird (Serv. Bue. IV 10; vgl. Heinen 150).
β) Inoffizieller Kult.
Huldigungen, wie die letztgenannten, tragen gewiß halboffi-) zielten Charakter, d. h. sie werden vom Princeps nicht angeregt, in seinen res gestae nicht erwähnt, wohl aber mehr oder weniger gerne geduldet. Ähnlich mag er sich auch den italischen Gemeinden gegenüber verhalten haben, die ihn gegen seinen offenbar doch deutlich ausgesprochenen Befehl (vgl. Suet. Aug, 52. Tac. ann. IV 37) ohne die Dea Poma verehrten: so setzt Neapel für Augustus einen pentetorischen Agon ein (Σεβαστὰ ἐν Νεαπόλι IG XIV 11102, 23; vollständiger Name IG XIV 748: Ἰταλικὰ Ῥωααῖα Σεβαστὰ Ἰσολύμπια); Augustusprie-ster (vgl. Beurlier über die Priester des lebenden Augustus 24ff. und Neumann o. Art. Augustales) gab es in sehr vielen Städten Italiens, z. B. in Bononia (CIL XI 804),[5] Pisae (CIL XI 1420.[6] 1421; über die sog. Pisanischen Dekrete vgl. Mommsen St.-R. II³ 757, 1). Cosa (XI 2631), Polimartium (XI 3040), Falerii (XI 3083). Nepet (XI 3200), Veii (XI 3782). Asisium (XI 5424). ferner z. B. in Verona (V 3257), in Sulmo (IX 3099), in Pompeii (X 890. vgl. 823. 799). In Tibur (CIL XIV 3665.[7] 3679. 3679a. 3681) und Grumentum (X 230) schloß man an den bestehenden Herculeskult den Augustus -kult an (vgl. Neumann). Eine gewaltige Zahl von ἤμεραι ΣεβασταΙ bietet das Festverzeichnis von Cumae (CIL I2 p. 229[8] und die Besprechung von Mommsen Hermes XVII [829] 1882, 6310.); das Imperium des Kaisers erhält eine eigene supplicatio!
Wenn die devote Gesinnung ganzer Gemeinden, wie wir sahen, kaum Grenzen kannte, so war dies bei Privatpersonen, wenn möglich, in noch stärkerem Maße der Fall. Keinesfalls aber darf an bloßen Servilis mus gedacht werden, sondern Augustus’ Persönlichkeit erfüllte tatsächlich die bestehende Sehnsucht nach einem ,Weltheiland‘. Wie und warum diese Sehnsucht gerade zur Zeit des ersten Princeps entstehen mußte, erklären die bekannten politischen Geschehnisse; die religiösen Voraussetzungen ergeben sich aus der Beeinflussung der Zeitstimmung durch griechische Soter- und orientalische Messiasvorstellungen (besonders aufmerksame Behandlung findet diese religionsgeschichtlich unvergleichliche Epoche seitens der katholischen und protestantischen Theologie, vgh. z. B. Dieckmann in der oben zitierten 2 Schrift ,Der K. unter Augustus* und H. Lietzmann Der Weltheiland, Bonn 1909, außerdem z. B. Wendland Die hellenist.-röm. Kultur 875. und Norden Rh. Mus. LIV 4660., neuerdings unter eingehender Berücksichtigung großer Zusammenhänge in seiner Arbeit ,Die Geburt des Kindes*, Geschichte einer religiösen Idee, Berlin-Leipzig 1924. F. Boll Sulla quarta ecloga di Virgilio, Bologna 1923). Der Gedanke der Errettung aus Krieg und Elend tri0t sich, mit 3 dem altitalischen, wohl aus Etrurien stammenden Ritus der Säkularfeier. Seit dem ältesten Saeculum, das nach der großen Pest im J. 463 v. Chr. begann, waren wiederholt Säkularfeiern abgehalten worden, wobei die Abstände nach Jahrhunderten* sehr roh bemessen wurden; Zweck war ja immer nur die .Bestattung* einer unglücklichen und die Begründung einer glücklichen Periode (vgl. Wissowa Rei. u. Kult. 430ff.). 146 v. Chr. (statt 149) hatte nach 4 der Beendigung der panischen Kriege die letzte Säkularfeier stattgefunden (Wissowa 431, 1); nach Varros Berechnung eines Saeculums mit 110 Jahren - hier spielen griechische und ägyptische Vorstellungen mit (Wissowa a. a. O. Reitzenstein Nachr. Gött. Ges. 1904, 324) - fällt also der Beginn des neuen ‚Weltalters‘ in das J. 40/39.
In diesem Jahr schrieb Vergil seine IV. Ekloge, deren Deutung die größten Rätsel aufgibt: wer f ist der puer, der ein Ende der eisernen und den Anfang der goldenen Zeit bringt (8f.) und vom Dichter cara deum suboles, magnum Ioris incrementum (49) genannt wird ? Die Literatur ist ungeheuerlich (vgl. Schanz Röm. Lit. II³48f. und die bei Boll und Norden zitierten Arbeiten), die Deutungen bewegen sich von einem Gottwesen oder Messias über eine allegorische Figur bis zur Beziehung auf ein Menschenkind, dessen Geburt erwartet wird; dies kann Asinius Pollios oder ( Marcellus’ Sohn sein, aber auch das erwartete Kind des Augustus und der Scribonia, die Prinzessin Iulia. Unserer Zeit liegt die allgemeine Deutung mehr: für Norden ist puer ein son-nenhaftes Kind, der ,Bringer eines goldenen Zeitalters* (137, er findet ähnliche Auffassungen bei anderen Gelehrten 13f.), für Boll ,un bambino favoloso*. dessen .essere divino* sich deutlich [830] kundgibt (17). Das Jovis incrementum würde zur Properzstelle IV 6, 13 passen: CaesarI dum canitur, quaeso, Juppiter ipse vaces; sonstige Identifizierungen Augusts mit Iuppiter (vgl. die hellenistischen Schmeicheleien, o. S. 825) sind bei zeitgenössischen Dichtern nicht selten (vgl. bes. Hör. carm. I 12, 49Æ. Ovid. met. XV 858f.; auch carm. III 5, 1ff. und Ovid. trist. IV 4, 20). So scheint die Deutung des puer auf einen Sohn des 0 Princeps immer noch wahrscheinlich und naheliegend: er selbst hat Fortuna, Pax, Salus usw. gebracht (vgl. z. B. Horat. carm. IV 15, 4ff. IV 2, 37ff. 5, 18ff.; carm. saec. 57ff.; epod. XVI 411), sein Sohn und Nachfolger möge dieses Werk krönen und das - ,Paradies auf Erden‘ bringen! Eine endgültige Lösung des (von Norden 4ff. scharfumrissenen) religionsgeschichtlichen Problems wird wohl kaum gefunden werden.
Schon im J. 41 hatte Vergil in der ersten Ekloge (7f.) Augustus ganz allgemein als ,Gott‘ bezeichnet: namque erit ille mihi semper deus, illius aram | saepe tener nostris ab ovilibus imbuet agnus. Mit diesen Worten gehört Vergil zu der großen Schar von Privatleuten, die dem Augustus in Italien Tempel, Altäre, Inschriften usw. solo et pecunia sua weihen, so z. B. die Priesterin Mamia in Pompeii (CIL X 816),[9] der Augur M. Tullius ebd. (X 820), der Bitter und Kaiserfreund 0 P. Veidius Pollio in Benevent (CIL IX 1556),[10] die Private Vibia in Praeneste (XIV 2903). - Außerordentlich zahlreich sind natürlich die Dich-terstimmen, die zum Preise des Princeps ertönen. Die Dichter der augusteischen Zeit zeigen Verständnis- und hingebungsvolles Eingehen auf die vom Herrscher inaugurierte Wiederbelebung nationalrömischer Religion. In ihren Dichtungen finden sich bekanntlich alle jene altitalischen Götter, deren Kult wieder erneuert werden sollte: Vesta, die Penaten, die Laren, der Genius, die Lucina-Genitalis (Carm. saec. 15), Quirinus-Ro-mulus (vgl. z. B. Verg. Georg. 1 498: di patrii indigetes et Romule Vestaque mater), ferner die alten Flurgötter Tellus, Silvanus, Ceres, Pales usw. - Die Beziehungen dieser Götter znm Princeps ergaben sich leicht. Ebenso verhielt es sich mit den .indirekten Trägern des K.‘, den außerordentlich zahlreich in den Gedichten erscheinenden Abstraktionen, so z. B. Spes, Fides. Forti tuna (besonders häufig), Pax, Pudor, Justitia, Veritas, Honor, Virtus; die Verbindung mit den alten Flurgöttern, besonders Ceres, wird namentlich durch Pax und Virtus (auch z. B. Faustitas und Fides, Mos und Lœx, vgl. Hör. carm. IV 5, 18) hergestellt (vgl. z. B. Tib. I 10, 45. 67. Cann. saec. 57ff.). Der Kaiser selbst wird nicht nur als der göttliche Begründer einer neuen ,goldenen¹ Friedenszeit gefeiert, sondern die Dichter, Vergil und Horaz an der Spitze, herückeich-)0 tigen selbstverständlich auch in weitestgehendem Maße seine genealogischen Tendenzen und verherrlichen seine Persönlichkeit durch schmeichelhafte Identifizierungen mit göttlichen Helden; dabei wird im ganzen auf seine prinzipielle und offizielle Stellungnahme zum Herrscherkultus, nämlich erst nach dem Tode als Gott gelten zu wollen, Rücksicht genommen (vgl. Hör. carm. I 2, 45ff.). Daher war die Gleichsetzung des [831] Augustus mit Heroen von selbst gegeben, ebenso mit dem den Heroen, namentlich dem ragus Hercules, so nahestehenden Dionysos (vgl. Alexander!). Hercules, Mercurius, Castor und Pollux, Romulus-Quirinus und Bacchus-Liber sind somit des Kaisers Schicksalsgenossen, sie erwarten ihn im Olymp (z. B. Hör. carm. III 3, Sff. Verg. Aen. VI 801ff.). Aber im Grunde ist der Mann, der Rom zur Herrin der Welt, gemacht hat (vgl. z. B. Tib. II 5, 57. Prop. III 11, 57. Hör. III 3, 43ff.), 1 der Gefährte der Göttin Roma, doch mehr als die erst nach dem Tode zu den Göttern entrückten Heroen: er ist der praesens deus (Hör. epist. II 1, 5ff.). der θεὸς ἐπιφανῆς)
c) Augustuskult im Westen.
Zunächst war wohl für die westlichen Provinzen, die nuper pacatae waren, von der Einführung des K. abgesehen worden. Ei st Drusus, der Stiefsohn des Augustus und Bruder des Tiberius, hat - allerdings wohl nur als Werkzeug des Kaisers selbst - bahn- 2 brechend gewirktdurch die Errichtung und Weihung der Ara Romae et Augusti in Lugudunum (Lyon) 12 v. Chr., als er als Statthalter der très Galliae (Dio LIV 25, 1) dort weilte und die wegen des Census erregte Bevölkerung beruhigen mußte: tumultus qui ob censum exortus in Gallia erat componitur; ara Caesari ad confluentem Araris et Rhodani dedicata, sacerdote creato C. Iulio Vercondaridubno Aeduo (Liv. epit. 139, vgl. Dio LIV 32). Strabon liefert eine Beschreibung 3 des Altars (IV 3, 2 p. 192; vgl. hierzu Kra-sch en i ἤnikof f a. a. O. 151, 19). Spätere Inschriften lehren, daß sich dann in der Nähe auch ein Tempel Romae et Augusti oder Augustorum befand (Hirschfeld CIL XIII 227).[11] Wenn die genannten antiken Autoren auch nur von einem Tempel des Augustus sprechen, so ersieht man doch aus den Inschriften und Münzen, daß er, wie die offiziell bewilligten Kaiseitempel der Ostprovinzen, d m Kaiser und der Roma ge- 4( weiht war (vgl. Hirschfeld a. a. O. und Heinen 162, 2). Der Tag der Einwe:hung war der 1. August. der Geburtstag des Kaisers Claudius (Suet. Claud. 2); das Geburtsjahr des allerdings in Lyon geborenen Kaisers Claudius stimmt aber nicht mit dem Jahre der Weihung zusammen (vgl· Hirschfeld 227ff. mit näheren Untersuchungen über das Wesen und die Entwicklung des Kultes und Stein o. Bd. III S. 27O9f.). Der Lyoner Altar wurde in der Folge der religiöse 5C Mittelpunkt Galliens und zugleich der Sitz des Landtages (concilium, vgl. Korne in ann o. Bd. IV S. 809ff. und Weiss Art. Gallia o. Bd. VII S. 657.) der drei Gallien. Der Priester, zugleich der Vorsitzende des Landtages, amtierte nur ein Jahr und war stets ein gebürtiger Gallier; sein voller Titel lautete: sacerdos Romae et Augusti ad aram ad confluentes Araris et Rhodani.
Von dem in Gallia Narbonensis begründeten 60 Augustuskult. dessen Einsetzung sich nicht genau datieren läßt, gilt bezüglich der Mitverehrung der Dea Roma das öl en Gesagte. Die Taiel von Narbonne (CIL XII 6038.[12] vgl. XII 4 333) handelte nach Mommsen de officiis et honori-bus flaminis Augustalis Narbone (vgl. Beur-lier 19ff.). Als ,Gegenstück des Lyoner Altars¹ (Kornemann 101) wurde zwischen den J. 9 [832] v. Chr. und 9 n. dir. die Ara Ubiorum in der Stadt der Ubier gegründet (vgl. Tac. ann. I 39. 57), die auf Inschriften und Münzen als römische Kolonie auch Cla(udia) ara Agrippfinens is) und C(oloma) C(laudia) a(ra) A(grippinensis) heißt (vgl. Borghesi Oeuvr. VI 281, 3). Der Kult galt auch hier Augustus und Roma, wenn man sich auf Suet. Äug. 52 verlassen darf. Im J. 9 n. Chr. hat bekanntlich Segimundus, Segestes’ .0 Sohn, der zum sacerdos apud aram Ubiorum gewählt worden war, se:n Priesteramt energisch nicdergelegt ruperat vittas) und sich seinen aufständischen Landsleuten angeschlossen (Tac. ann. I 57). Für die drei nach Augustus benannten spanischen Orte Asturica Augusta, Bracava Augusta und Luens Augusti (über Tarraco s. u. S. 833) sind sacerdotes Romae et Augusti mehrfach überliefert. Nach den unbedingt verbindlichen Ausführungen Kornemanns (I17ff. Inschriftmaterial 119f., übernommen von Heinen 158, 1) sind hier augustische Kultgründungen anzunehmen. K o r n » m a ἡ n gelangte auf Grund seiner Untersuchungen zu folgenden Thesen: 1. Wo eine der Roma und dem Augustus zugleich geweihte Ara in einer Landschaft, zumal einer provinzial nicht geschlossenen, erscheint, mit einem sacerdos Romae et Augusti als Kultleiter, ist a priori, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, eine augustische Kultgründung anzunehmen. 2. Wo ein provinzialer K. mit einem templum Divi Augusti und einem flamen Diri Augusti oder flamen Augustalis provinciae, bezw. aus späterer Zeit einem flamen Divorum Augustorum provinciae oder allein flamen provinciae sich nachweisen läßt, ist die Gründung in die Zeit 15 69 n. Chr. zu verlegen. 3. Wo endlich in einem Provinzialkult ein sacerdos Augusti provinciae oder sacerdos provinciae auftritt, ist, soweit nicht die frühere Begründung des betref-) fenden provinzial* n K. ans anderen Indizien erwiesen ist, an eine Organisation der flavisch-trajanischen Epoche zu denken (117ff. Tabelle von Augustus bi$ auf Hadrian und die spätere Zeit 118; vgl. Beurlier 77ff., besond. 120ff.). - Eine besondere Stellung als KaLerverehrer nehmen die νεωκόροί ein; vor der Epoche des K. führten diesen Namen (der ursprünglich einen Tempeldiener bezeichnet, vgl. Eurip. Ion 776. 794) solche Gemeinden, die ,d'une manière particu-) laire‘ (Beurlier 238) einer bestimmten Gottheit dienten, so hießen z. B. die Epbcsier νεωκόροι der Artemis (Apostelgesch. XIX 35), die Juden νεωκόυοι Jehovahs (Joseph. bell. lud. V 9). In der Kaiserzeit wird das Neokorat, dessen Verleihung an die Errichtung eines Tempels geknüpft gewesen zu sein scheint - diese Cacsaren-tempel dienten offenbar nicht dem provinzialen, sondern nur dem munizipalen K. (vgl. Beurlier 240f.) - zum Ehrentitel; ohne ausdrückliche Nennung eines Göttcrnamens versteht es sich von selbst, daß das Neokorat der Caesaren gemeint ist (vgl. z. B. die Mühzaufsehrift: Ἐφεσίων τρις νεωκ'ρων καὶ Ἀρτέμιδος, Beurlier 239, vgl. das Verzeichnis der νεωκόροι und die Erklärungen 244ff). - Wie schon am Eingang des Artikels bemerkt wurde, ist die Entwicklung des antiken Herrscherkults im großen und ganzen mit d'-m Tode des Augustus abgeschlossen. Wesentlich [833] Tiberius (14–37). Am 17. September 14 n. Chr. erfolgte die Konsekration des Augustus (vgl. Fast. Amit. CIL 12 p. 244 und Fast. Antiat. p. 246. 329. Suet. Aug. 100. Vell. II 124, 3) Bei der Verbrennung der Leiche hatte man einen Adler auffliegen gesehen (Dio LVI 42, 3) nec defuit vir praetorius, qui se effigiem cremati euntem in eae-tum vidisse iuraret (Suet. Aug. 100 mit der genauen Beschreibung der Leichenfeierlichkeilen; vgl. das von Suet. Aug. 97 erzählte Wunder). Seitdem ließ man später regelmaß:g von der Spitze des Scheiterhaufens eines Kaisers einen Adler auffliegen (vgl. Wissowa Art. Consecratio o. Bd. IV S. 902). Der Adler auf den Konsekrationsmünzen und anderen Denkmälern (bei Frauen auch der Pfau) ist daher Symbol der Apotheose (vgl. Eckh el VIII 46Hf. Beurlier 67f.). Das templum Divi Augusti in Palatio wurde erbaut (vgl. Kornemann 104, 4), auch in Nola weihte Tiberius dem Augustus einen Tempel, gleichzeitig mit dem Iuppit rtempel in Capua (Tac. ann. IV 57). Den Spaniern in Tarraco gestattete er, dem Divus Augus us cim n Tempel zu erbauen und einen Provinzialkult einzurichten (Tac. ann. I 78. Eck hel I 57fj; 26 v. Chr. hatte Augustus dort bereits eine Ara erhalten (vgl. Quint. VI 3, 77. Anth. Pal. II p. 62 Dübner; Münzbilder: Eckhel VI 124ff. Cohen I² 158. nr. 728. Willers Wien. Numism. Ztschr. 19 3, 34 nr. 104). Dieser Kult war jedoch kein provinzialer, sondern nur ein munizipaler (vgl. Kra-scheninnikoff 175, Li2). Tiberius versaute dem Divus Augustus überhaupt keine göttliche Ehre, sondern nahm ihm gegenüber genau die gleiche Stellung ein wie Augustus selbst gegenüber dem Dirus Iulius (Einzelheiten bei Geizer o. Bd. X S. 524). Nach dem Muster der sodales Titii setzte er die sodales Augustales ein, für den Dicus Augustus einen flamen (vgl. den von Augustus ernannten flamen Dialis o. S. 819, Beurlier 30); Germaniens bekleidete als erster dieses Priesteramt (CIL VI 909.[13] 910. Tac. ann. II 83). Neue Wege aber ging ,der konstitutionellste aller Kaiser* (Kornemann 103) bezüglich des Kults seiner eigenen Persönlichkeit als die Bewohner der Provinz Baetica ihm und seiner Mutter einen Tempel errichten wollten, antwortete er energisch ablehnend in seiner berühmten Rede (Tac ann. IV 37f., ähnlich Suet. Tib. 26). Einem Berliner Papyrus zufolge wies Germanicus Akklamationen, die ihn Göttern gleich-stellten und nur seinem Vater, dem ,Heiland der Menschen⁴, Tiberius und seiner Großmutter Livia zukämen, zurück (v. Wilamo witz-Zucker Akad. Berl. 1911 S.-Ber. 79–1 ff.). Auch in Asien (Smyrna) ließ er sich bloß unter der Bedingung verehren, daß seinem und Livias Kult noch der des Senates hinzugefügt werde (Tac. ann. IV 15). Er verbot auch die Konsekration seiner Mutter (Tac. ann. V 2) und den Kult des Seian (Dio LVIII 8, 4).
Gaius (37–41), das gerade Gegenstück zu dem zurückhaltenden und nüchternen Tiberius, hat auf dem Gebiete des K. einschneidende [834] Änderungen veranlaßt: er ließ sich in Rom selbst als Gott verehren (vgl. Phil. leg. ad Gai. 79f. 149–151. D = o LIX 26, 6. Suet. Cal. 22, 3), und zwar sozusagen als wechselnde Hypostase aller möglichen Götter (Suet. 52, vgl. Geizer o. Bd. X S. 389. 409 und Willrich Klio III 441f.); sogar den Namen des altehrwürdigen Latiner-gottes Juppiter Latiaris legte er sich bei (Suet. Cal. 22, 2) und die Kultbeinamen des kapitoli-10 nischen Iuppitcr Optimus Maximus (Suet. 22, 1). Unter Gaius - etwa 40 - wurde den Römern der Kult des lebendigen Kaisers zur Pflicht gemacht (vgl. Dio LIX 26, 8f. 28, 2. Suet. a. a. O.). Der Senat bestimmte ihm einen eigenen Tempel (Geizer 410); sein Ku’tname war vielleicht Caesar deus noster (vgl. Willrich 447). Gaius baute sich selbst einen Tempel innerhalb des Palatiums; der Zeus von Olympia sollte dahin geschafft werden und statt des eigenen Kopfes 20 den des Kaisers erhalten, aber einstweilen wurde ein goldenes Standbild Caligulas dort verehrt, das täglich mit einem anderen jeweils auch vom Kaiser selbst getragenen Götterkostüm bekleidet wurde (Suet. Cal. 22). Er hielt sich offenbar für eine Inkarnation sämtlicher Gottheiten (Willrich 476, I vergleicht ihn sehrtreffend mit Antiochos von Kommagene (s. o. S. 814), und seine von ihm hochgeschätzte und tiefbetrauerte Drusilla ließ er als »Pantbea', Verkörperung aller weiblichen 30 Gottheiten, verehren (Dio XLIX 11, 3) Die Pros-kynesis (offiziell eingcführt erst von Diocletian, vgl. Seeck Gesch. d. Untergangs d.antiken Weltl 6, Quellen 410f.) wurde von Caligula gerne gesehen (vgl. Geizer 4U9f.). - Dieser Kaiser hat für die Konsekration seines Vorgängers keinen Finger gerührt, dagegen ehrte er aus naheliegenden Gründen die Familie des Germanicus, und den von Tiberius erbauten Augustustempel ließ er unter rausihendcn Festlichkeiten einweihen (Dio LIX 7. 40 Suet. Cal. 17. 18. Joseph. antiq. lud. XIX 130, vgl. Cohen I 238, 9, näheres bei Geizer 389, vgl. auch Beurlicr 133). Daß Caligula in Jerusalem als Zeus Epiphanes Neos Gaios verehrt werden sollte, konnten die Juden nicht verwinden; der Kaiser verharrte auf seinem Standpunkt und verlangte die Opfer (Belege bei Geizer 399ff. Willrich 467).
Claudius (41–54). Die Regierung dieses so lange zurückgesetzten Sonderlings und Ge-50 lehrten stellt im allgemeinen eine Reaktion auf Caligulas caesarenwahnsinniges Treiben daj; über den verstorbenen Kaiser wurde die Infamie verhängt (vgl. Mommsen St.-R. II³ 1135, 2). So geht er auch in den Formen des K. auf Augustus zurück; er teilt mit ihm die Vorliebe für Nationales und Altertümliches im Kult (Tac. anu. XI 15, vgl. Bormann Österr. Jahresh. II 1899, 134. Groag o. Bd. III S. 288öf.), andererseits auch die bewußte Anknüpfung an hellenistische 60 Tradition in den Provinzen (Korncmann 104 steht in Caesar das Vorbild des Claudius), sowohl in kultureller Beziehung (er verlangt, daß die barbari ,beide Sprachen' können, Suet. Claud. 42, dazu 16), als auch in kultlicher: wie Augustus in Frankreich, Deutschland und Spanien - in den Ostprovinzen dürfte er auch Augustus und Tiberius gefolgt sein (vgl. Plin. epist. ad Traian. 70. 71 über den verfallenen Clandiustempel in [835] Prusa) - ließ sich Claudius im neueroberten England verehren: er erhielt einen Tempel in Camulodunum, dem heutigen Colchester, doch wohl ohne die Dea Roma; die Zeit der Gründung steht nicht ganz fest, wohl zwischen 50 und 54 (Kornemann 102, 2. Tac. ann. XIV 31, vgl. Sen. apocol. 8). Erst Claudius ließ die Konsekration der ersten Augusta durchführen, die nun an Drusillas Stelle trat (vgl. Willrich Livia 69f.).
Nero (54–68). Zunächst waren die Regierungshandlungen des jungen Kaisers bekanntlich von seinem Erzieher Seneca diktiert und dementsprechend maßvoll: dazu gehört seine feierliche Leichenrede auf den konsekrierten Adoptivvater (Tac. ann. XIII 3. Suet. Nero 9, vgl. Beur-lier 33). Der Senat hatte die Konsekration offenbar auf Grund der Bemühungen Agrippinas verfügt die nun die flaminica des Divus Claudius ward, an dessen Erhöhung zur Gottheit sie selbst so tatkräftig mitgeholfen hatte; die Apotheose des Claudius bot den Stoff für die köstliche Satire des Pseudo-Seneca, die Ἄηοκολοκυντωσις (neuerdings ausführlich behandelt von O. Weinreich Senekas Apokolokyntosis, Berlin 1923.) Der Clau-diuskult wurde mit dem des Augustus vereinigt; die Priester hieben nunmehr sodales Augustales Claudiales. Doch ließ Nero den Kult seines Adoptivvaters bald eingehen und den von Agrippina begonnenen Claudiustempel zerstören (vgl. Groag o. Bd. III S. 2816). So bescheiden und menschenfreundlich war der junge Monarch, daß man ihn wie Augustus als den Begründer einer goldenen Ära feierte (Sen. apocol. 4. Lucan. de bell. civ. I 33ff., vgl. Dio LXI 4, 1). Aber schon anläßlich seines ,Parthersieges*, noch im Jahre seines Regierungsantrittes, ließ er sich durch die Aufstellung seines Bildes, das die gleiche Größe wie das Kultbild hatte, im Tempel des Mars Ultor göttlich verehren (Tac. ann. XIII 8). Als seine Tochter, wenige Monate alt, starb, ließ er sie vom Senate als ,Diva Claudia¹ feierlich kon-sekrieren (vgl. Stein o. Bd. III S. 2887). Poppaea hatte anläßlich der Geburt des Töchterchens den Titel Augusta erhalten (Tac. ann. XV 23). Die Frau, die der Kaiser durch einen Fußtritt getötet hatte (ann. XVI 6i, erhob er nachher zur Diva und weihte ihr einen Tempel (CIL VI 2044[14] S. II Z. 7. XI 1331. Cohen I² 314f.). Der Monat April sollte nach ihm Neroneus heißen (Tac. ann. XV 74. XVI 12. Suet. Nero 55), auch der ägyptische Monat Νερώνειος Σεβαστός war wohl nach ihm so benannt worden (vgl. Hohl o. Suppl.-Bd. III S. 385). - Um wie Flamininus (s. o. S. 816) als ,Befreier Griechenlands* verehrt zu werden, gab er der Provinz Achaia volle Freiheit, eine Maßregel, die schon von Vespasian wieder rückgängig gemacht wurde (Hohl 389). Der eitle Virtuose ließ sich auf Münzen als Apollo Citharoedus abbilden (Suet. Nero 25, 2). Im J. 65 brachte der designierte Consul C. Anicius Ceria-lis den Antrag ein, dem Kaiser schon bei Lebzeiten als Divus Nero einen Tempel zu errichten; nur wegen des darin enthaltenen (beabsichtigten?) bösen Omens wurde der Antrag abgelehnt (Tac. ann. XV 74, vgl. Hohl 385. Kornemann 105). Der Kaiser hatte nicht nur wie der ihm kongeniale Gaius den Haß der Juden [836] erregt (im Jahre nach dem oben erwähnten unerhörten Antrag brach bereits der jüdische Krieg aus, vgl. z. B. Mommsen R. G. V 529ff. Schürer Gesch, d. jüd. Volk. I³ 60Off.), sondern auch die Christen mußten in ihm ihren ersten Verfolger kennen lernen: beim Brande Roms wurden diejenigen ergriffen, qui fatebantur (Tac. ann. XV 44; zu ergänzen ist natürlich se esse Christianos, nicht se incendium fecisse; über die einschlägige Literatur, »deren Ertrag in umgekehrtem Verhältnis zu ihrem Umfang steht*, vgl. Hohl 382f.).
Vespasian (69–79). Wie für das ganze, durch Neros .Regierung* und die Wirren des Vierkaiserjahres schwer erschütterte Reich, so hat Vespasian auch für den K. Wichtiges geleistet. Die Majestätsprozesse schaffte er ab (Dio LXVI θ 1)» göttliche Verehrung seiner Persönlichkeit duldete er nicht, wenn er sich auch gelegentlich 20 als »Heiland* betätigte: er soll in Alexandreia einen Blinden und einen Lahmen geheilt haben (Suet. Vesp. 7. Dio LXV 8, 1), und gleichzeitig fanden sich in Tegea in Arkadien instinctu vaticinantium... sacrato loco vasa operis antiqui atque in iis assimilis Vespasiano imago (Suet. a. O.). Den großen Sieg über das jüdische Volk, das dem römischen Imperator das Opfer verweigert hatte (Joseph. bell. lud. II 408–456), feierten er und sein Sohn Titus durch einen 30prächtigen Triumph (vgl. Weynand o. Bd. VI S. 2650). aber die Siegesmünzen zeigen durchaus nur Abstraktionen wie: devicta ludaea, ludaea capta, Horna Victrix, Mars Victor, Mars Conservator, Mars Ultor, Victoria Augusta, Victoria imp. Vespasiani (Belege bei Weynand a. a. O.). Überhaupt förderte er den Kult der Abstraktionen, so kam Fortuna Redux (neben Neptunus Redux und Redux Felicitas) wieder zu besonderer Ehre; wie Augustus ließ er sich die Verehrung von 4$ Fortuna, Pax, Victoria, Aequitas, Concordia, Libertas, Fides, Salus, Securitas, Spes, Tutela, Honos und Virtus (Honos- und Virtustempel bei der Porta Capena, vgl. o. S. 827, wiederhergestellt, Plin. n. h. XXXV 120) besonders angelegen sein, ebenso den Kult nationalitalischer Gottheiten, wie Ceres,· Diana Tifatina (vgl. CIL X 3828).[15] Mars, Roma und Vesta (vgl. Weynand ‘2648. 2690). Fortuna hat er vielleicht als Heeresgöttin eingeführt (vgl. v. Doma-50szewski Rei. d. röm. Heeres 40); als Friedensbringer (vgl. Suet. Vesp. 1, 1. 8, 1. Aur. Vict. Caes. 9, 1) stiftete er 71 ein Templum Pacis, wo er die Prunkstücke aus dem Tempel von Jerusalem unterbringen ließ (Beschreibung und Quellen bei Weynand 2664f.). Als Neugründer Roms (vgl. Plin. n. h. III 65–67) sah er die Wiederherstellung des Iuppitertempels auf dem Kapitol, (der 80 wieder abbrannte und von Titus und Domitian wieder erbaut wurde, Weynand 60 2553, ebenso wie das templum Divi Augusti auf dem Palatin, 2591). als seine vornehmste Aufgabe an (vgl. Tac. hist. IV 4. 9); auch ein templum sacrae urbis hat er gegründet (vgl. Weynand 2669). Die Kolossalstatue Neros wurde in eine Statue des Sol-Apollo, des Schutzgottes der Flavier (vgl. Augustus!), umgeschaffen und an der Via sacra aufgestellt (Dio LXVI 15 und Hieron. z. J. 2091 Abr) . Vespasians Frau, Flavia [837] Domitilla, war weder Augusta noch Diva ; die Diva Domitilla Augusta ist dea Kaisers Tochter (vgl. Mommsen St.-R. Π³ 822, 1). Dem Divus Claudius hat Vespasian den von Agrippina begonnenen, von Nero wieder fast ganz zerstörten Tempel auf dem Caelius aufbauen lassen (Suet. Vesp. 9). Es ist kein Wunder, daß die Stadt ihm dankbar war: auf Münzbildern aus den J. 70–73 kniet die Dea Roma vor dem Kaiser, der ihr die Hand reicht (Cohen 12 424–427, Aufschrift: Roma resurgens); die sodales Titii preisen ihn als conservator caerimoniarum publicarum und restitutor aedium sacrarum (CIL IV 934).[16] - Für den provinzialen K, hat Vespasians Regierung doppelte Bedeutung: erstens schuf der Kaiser im J. 74 durch die Gründung der Arae Flaviae an der Stelle des heutigen Rottweil am Neckar einen ähnlichen Mittelpunkt für Obergermanien, wie es die Ara Ubiorum für Untergermanien war (ygl. Mommsen R. G. 138ff. Ihm o. Bd. II S. 340); zweitens wurde durch Vespasian 70–72 der provinziale K. in Afrika begründet (vgl. Kornemann 113ff. Weynand 2653), das bis dahin bloß munizipale K. hatte, einen Kult des Divus Iulius (in Cirta in Numidien), einen der Diva Augusta aus dem Jahre ihrer Konsekration 42, einen der Roma und des Tiberius. Augustus hatte bei Lebzeiten in Afrika keinen Kult gehabt, (weil er sich so wenig für diese Provinz interessierte und die Schwierigkeit ihrer Romanisie-rung überschätzte ? So urteilt Gardthausen I 2, 701 auf Grund von Suet. Aug. 47). Trotzdem hält Kornemann mit großer Wahrscheinlichkeit den Munizipalkult des Divus Augustus und zwar den von Karthago für den ältesten, zeitweilig einzigen und ausschlaggebenden, so daß er bis auf Vespasian geradezu quasiprovinzial war (114).
Titus (79–81). Wie in allem übrigen, wird er auch in Kultfragen dem Beispiel seines Vaters gefolgt sein, was z. B. neben den gemeinsamen Münzen sein Glaube an seine Τύχη (Fortuna) beweist, für die er drei Türme der Stadtmauer von Jerusalem (der ,Davidsturm* ist noch erhalten) stehen ließ (Joseph. bell. lud. VI 409–413. VII 1–4). Seine Milde (ποζάτης, Belege: Weynand 2703), sein menschenfreundliches Wesen (τὸ φάάνθνωπον), seine Freigebigkeit (liberali-tas) und sonstige treffliche Eigenschaften (vgl. Weynand 2727ff.) verschafften ihm den einzig dastehenden Titel amor et deliciae generis humani (Suet. Tit. 1. Vict. Caes. 10, 6. Epit. 10, 6. 16).
Domitian (81–96). Im Verhalten dieses Herrschers zum K. zeigen sich die beiden Haupttendenzen seiner Regierung: Stärkung der flavi-schen Dynastie und der absoluten Regierung. Er ließ Titus, hinter dem er sich stets zurückgesetzt gefühlt hatte (s. o. Bd. VI S. 2546), konsekrieren und hielt ihm einen rührseligen Nachruf (Dio LXVII 2); er erbaute den berühmten Titusbogen, den senatus populusque Romanus Divo Tito weihte (vgl. Weynand 2706. 2722), und einen Tempel für Vespasian, der sich über seine eigene Divinisation Iustig gemacht haben soll, vgl. Suet. Vesp. 23, und Titus (CIL VI 2065),[17] von dem noch drei Säulen stehen, ferner eine Divorum porticus (darüber Kornern an ἡ 117). Es waren [838] dies gewiß nicht Akte der pietas, denn seine ganze Regierung war ein Protest gegen Vater und Bruder, sondern ausschließlich der dynastischen Politik, der auch die Umwandlung seines Geburtshauses ad malum Punicum in ein templum gentis Flaviae (Suet. Dom. 1, 1) zuzuschreiben ist. Die Deszendenz von Augustus zu betonen, war ihm offenbar wichtig: er restaurierte das templum Dim Augusti und die Bibliothek 10 (Plin. n. h. XII 94) und feierte im J. 88 Säkularspiele, wobei er nicht der Rechnung des Claudias (Groag o. Bd. III S. 2802), sondern der des Augustus vom J. 17 v. Chr; folgte (Suet. 4, 3). Aber die von Augustus so sorgfältig bewahrte Form der Dyarchie durchbrach er vollständig (sein Wahlspruch: οὐκ ἀγαθὸν πολυκοιρανίη Hom. II. II 204 = Suet. Dom. 12, 3). Durch Häufung von Konsulaten, Schwächung des Senats zugunsten der Hofbeamten (s. Weynand 2581f.), die censura perpetua, die er im Titel führte (Euseb. Hieron. z. J Abr. 2102), Mehrung der Herrscherinsignien (24 Liktoren, Triumphaltoga in der Kurie, Dio LXVII 4) und ganz besonders durch die unerhörte Bezeichnung dominus und deus, die er sich zulegte (Euseb. a. a. O.) bewies er klar sein Streben nach dem Gottkaisertum. Dazu paßt die Tatsache, daß es im Reich eine Fülle goldener und silberner Kaiserstatuen gab (Dio LXVII 8), daß er den Namen des Monates September (Monat seines Regierungsantrittes) in Germanicus (sein Siegerbeiname nach dem Chattenkrieg, vgl. Frontin. strat. II 11, 7) änderte, den seines Geburtsmonates Oktober in Domitianus (Weynand 2565), und daß er sich von Statius als genitor deorum feiern ließ (silv. I 61 ff.). Ferner führte er in seinem goldenen Diadem (corona) das Bild der kapitolinischen Trias; dieselben Götterbilder, vermehrt um das Bild des Kaisers, trugen auch die coronae der sodales Flaviales (Suet. Dom. 4, 4f.). Es zeigt sich unter Domitian trotz der römischen und griechischen Neigungen des Kaisers (vgl. Weynand 2592f.) überhaupt eine orientalisierende Richtung im K. (vgl. Kornemannll5). In diesem Kaiser, dem qualecumque factum dictum-que adversus maiestatem principis genügte, um jemanden hinrichten und seine Güter konfiszieren zu lassen (Suet. 12, 1, vgl. 15, 1), erstand den Christen der zweite Verfolger (Euseb. Hieron. 50z. J. Abr. 2110 = 93/94, p. 160 Sch.: secundus post Neronem Domitianus Christianos persequitur et sub eo apostolus Johannes in Patmum insulam relegatus apocatypsin vidit). Dio spricht (LXVII 14) von dem ἔγκλημα ἀθεότητος, auf Grund dessen viele ἐς τὰ τῶν Ἰουδαίων ἤθη ἐξοκέλλοντες hingerichtet oder ihrer Güter beraubt wurden; zweifellos ist hier das Christentum als jüdische Sekte gemeint (vgl. Hergenröther-Kirsch Handb. d. allgem. Kirchengesch.⁵ I 109). 60 Domitian, als Christenverfolger Neros Nachfolger, fühlte sich ihm auch sonst verbunden (Dio LXVII 14, 4) und erlitt ein ähnliches Schicksal; nach seinem Tode traf ihn die damnatio memoriae. (Weynand 2580, vgl. Stein o. Bd. IV S. 136).
Traian (98–117). Nach Nervas milder Regierung, den man wieder einmal als Bringer einer neuen Friedens- und Freiheitsära verherrlichte (vgl. Stein o. Bd. IV 153f), ist Traian [839] bestrebt, auf den Pfaden seines Vorgängers weiterwandernd. die republikanische Staatsformfestzuhai ton: sein Interesse gilt dem Staatswohl, er selbst fühlt sich als civis, den Bürgern ist er der parens (Plin. paneg. 2, 1ff) , conservator, pater patriae (vgl. die zahlreichen Münzen Cohen II 17ff.), der optimus princeps (Plin. paneg. 2, 7; auf die Bezeichnung ,Optimus ist er stolzer als auf alle übrigen Ehrennamen: Dio LXVIII 23, 2, vgl. v. Doma-szewski Die politische Bedeutung des Traians-bogens in Benevent, Abhan dl. zur röm. Relig. 25 = Österr. Jahresh. II 173tf.), der divinitus constitutus (Plin. paneg. 1, 5), castus et sanctus et dis simillimus (1, 4) ist. Sein vornehmstes Ziel ist die bewußte Reaktion auf Domitians dominatio, sein Motto heißt ,nihil quale antea (paneg. 2, 2, vgl. 22–24. 45. 88, 7). Wenn er sich auch mit einem Gotte, vornehmlich mit Iuppiter Optimus Maximus, nicht ungern vergleichen läßt (z. B. paneg. 4, 4fi. 11, 3. 88. 8), so lehnt er doch göttliche Verehrung ab (cgi. v. Domaszewski 30) und geht bewußt auf altrömischen religiösen Brauch zurück: die Abstraktionen, wenn auch nicht eben als Gottheiten, treten im plinianischen Panegyrikus ebenso häufig auf, wie auf den Münzen (Cohen); besonders berücksichtigt erscheinen dabei die unter Augustus beliebten, wie Aequitas, Concordia, Fides, Fortuna, Justitia, Fax (Felicitas), Salus, Securitas‘, außerdem werden auf Grund seiner militärischen Tugenden (Paneg. 10, 3) altberühmte Römer, wie Fabricius, Scipio, Camillus (13, 4), die Pisones, Laelii und Metelli (88, 6), dem Kaiser zur Seite gestellt, der selbst dux unus ex iliis veteribus et priscis (12, I) ist. Von Göttern scheint er besonders die auch von Augustus verehrten nationalrömischen wie Roma, den Genius, Ceres, Vesta, Mars, daneben die unter Augustus beliebten Heroen Hercules und Mercurius begünstigt zu haben (vgl. Cohenb Die durch ihn veranlaßte Konsekration Nervas hat ebenso wie die des Divus Iulius unter Augustus eine erhöhte Bedeutung (paneg. 11, 2). Er wird mit Augustus in Verbindung gebracht (pan. 88, 10), die Akklamation für seine Nachfolger lautet: felicior Augusto, melior Traia.no (Eutrop. VIII 2). - Abgesehen von seiner persönlichen Stellungnahme ist Traians Regierung außerdem noch wichtig für die Entwicklung des K. durch die Begründung neuer Provinzialkulte und durch die Maßnahmen in der Christenfrage. Traian, der per stipendia decem mores gentium, regionum situs, opportunitates locorum cognovit (paneg. 15). hat gewiß die kulturellen Aufgaben des K. in der Provinz (vgl. Krascheni ἡ n tko ff) besonders klar erkannt: er ist der Begründer des Provinzialkultes in dem von ihm eroberten Dakien (vgl. die Reliefs der Traiamäule. Cichorius I. II) und auch wohl in Unterpannonien (mit der Ara Augusti in Stuhlweißenburg) und Untermösien (Kornemann 133ff.) mit dem Kultzentrum in Öescus (so Kor n emann gegen Kalo pothakes, Patsch und v. Premerstein, die Troesmis als Sitz des Provinzialkultes annehmen. Kornemann 135, 3). - Die von Plinius im Panegyrikus vielfach gerühmte mansuetudo des Kaisers zeigte sich in seinem Verhalten gegen die Christen, dokumentiert in den Briefen 96 und 97 des [840] Briefwechsels zwischen Plinius als Statthalter Bithynicus und dem Kaiser. Da er nicht wie Domitian göttliche Verehrung seiner Person, sondern nur die der nationalrömischen Götter verlangte, konnte es bei ihm zu keiner unsachlichen Gereiztheit kommen; die kosmopolitisch gesinnten Christen waren für ihn nur Feinde der maiesias populi Romani und des römischen Götterkreises, nicht aber Majestätsverbrecher (vgl. Mommsens grundlegenden Aufsatz ,Der Religionsfrevel nach röm. Recht⁴, Syhels Hist. Ztschr. LXIV [XXIII] 1–90, 389ff. = Ges. Schr. 111 3, 389ff. Beurlier 2711Ï. Schanz Gesch. d. r. Lit. III² 242f. 247). Sein klarer Bescheid lautet: Conquirendi non sunt; si deferantur et arguantur, puniendi sunt, ita tamen, ut qui negaverit se. Christianum esse idque re ipsa manifestum fecerit, id est supplicando dis nostris, quamvis suspectus in praeteritum, veniam ex poenitentia impetret. Die Annahme anonymer Klageschriften verbot er.
Hadrian (117–138). Dieser Romantiker auf dem Kaiserthron suchte seiner eigenen Veranlagung gemäß (varius, multiplex, multiformis. Vict. Epit. 14, 6) die größten Gegensätze zu überbrücken. Bei den Römern war er nicht besonders beliebt Hist. aug. Hadr. 7, 6 17, 8. Fronto p. 25 Nab.), die Gunst der Griechen sicherte er sich durch unerhörte Spenden (v. Rohden o. B. I S. 509).die Orientalen schmeichelten wie bisher, nur die Juden erhoben sich infolge d«r Neugründung von Jerusalem, das der Kaiser nach seinem eigenen Gentilnamen und dem römischen Iuppiter, dem die Juden seit Vespasian die Tempelsteuer entrichten mußten, Aelia Capitolina nannte, zu dem letzten und furchtbarsten Aufstand (vgl. Schürer Gesch. der jüd. Volkes I 562ff.). - Er (selbst als Privatmann sodalis Augustalis und Arvale, vgl,v. Rohden 499.502) erbat IraiansKonse-kration vom Senat (Hist. aug. 6, 1 2), ernannte einen flamen Clpialis (CIL VI 1383),[18] setzte die Asche des Verewigten in goldener Urne in der Traianssäule bei (Dio LXIX 2) 'und führte Traians Bildnis im Triumphe auf (Hist. aug. 6. 3, vgl. C o h e ἡ II² 78 nr. 585) Der Tempel für Roma und Venus, die Stammutter der Iulier, wird erneuert und ge· .»eiht (Athen. VIII 361 f). Damit werden Traians j Intentionen deutlich fortgesetzt. Die drei Augustae, j die um Traian lebten, seine Gattin Plotina, seine ]Schwester Marciana und seine Nichte Matidia, wurden von Hadrian konsekriert (vgl. Kahrstedt 1 Klio X 1910, 3U4f.; über die teilweise erhaltene 1 laudatio funebris, die Hadrian seiner Schwieger- j mutter Matidia hielt, vgl. Mommsen Ges. Sehr, I I 1, 422ff.). Auch weihte der Kaiser seinem .gött- 1 liehen Elternpaar¹ (diris parentibus) goldene Kon- j sekrationsmünzen (Cohen II² 24 6; vgl. CIL VI 906).[19] | Ein Plotinatempel zu Nemausus in Gallien (Hist. | aug. 12, 2) und sein eigenes Mausoleum in Rom (ebd. 19. 11. Dio LXIX 23, 1J dienen dem Ruhm des Kaiserhauses (Hist. aug. 16, 1. Dio 3, 2). - In Griechenland hat sich Hadrian überschwengliche Ehren gefallen lassen: schon 111/2 Archon von Athen 1 (FHG III 623), förderte der griechenbgeisterte Kaiser die Stadt auf mannigfachste Weise und beteiligte sich lebhaft an ihrem religiösen und künstlerischen Leben; unter den von ihm gestifteten Bauten sind besonders das Olympieion [841] (vgl. Judeich Topographie von Athen 96 f.) und das Panhellenion (Paus. I 18, 9. Dio XLIX 16, 2) zu erwähnen, die ihm im Orient die Beinamen Olympios (oder Zeus Olympios) und Panhellenios eintragen (neben Zeus Helios u. a. vgl. v. Rohden 500; auch den Beinamen Zeus Dodonaios hat er geführt: CIG 1822). In Tarraco gab es so viele Bildsäulen des Kaisers, daß zu ihrer Beaufsichtigung ein eigener Beamter bestellt werden mußte (CIL II 4230).[20] Ihm zu Ehren wurde die athenische Ära geändert (vgl. v. Rohden 507). Über Hadrians Kultehren ausführlich Wilh. Weber Untersuch. zur Geschichte des Kaisers Hadrian; mir zurzeit nicht zugänglich.
Die Gattin des Kaisers, Sabina, die mit ihrem Gemahl in so schlechter Ehe gelebt hatte, daß das Gerücht fabelte, Hadrian habe sie vergiftet (Hist. aug. Hadr. 23, 9), ist wohl 139 konsekriert worden (Mommsen zu CIL VI 984,[21] anders Eckhel VI 522; sonstige Belege s. Vibia Sabina). Als auf der Ägyptenreise 122 der kaiserliche Liebling Antinoos auf rätselhafte Weise gestorben war, erbaute ihm der trauernde Hadrian die Stadt Antinoupolis (vgl. Pietschmann o. Bd. I S. 2442) und hieß ihn als Θεός, als σύνθρονος τῶν ἐν Αἰγύπτῳ θεῶν oder als νέος θεος Ἐρμάων (s. v. Rohden o. Bd. I S. 2440) göttlich verehren. Über künstlerische Darstellungen des Antinoos mit Attributen verschiedener Götter vgl. Wernicke 2441.
Antoninus Pius (138–161). Den besonderen Ehrennamen ,Pius‘ (Εὐσεβῆς) erhielt der Kaiser - unter Angabe verschiedener Gründe - vom Senate (vgl. v. Rohden o. Bd. II S. 2498) oder ὑπὸ πατρίδος καὶ πάντων (CIG 6185), auch sonst eine Fülle schmeichelhafter Bezeichnungen, darunter optimus princeps (später durchaus üblich), sogar dominus noster (auf einer stadtrömischen Inschrift! CIL VI 2120;[22] sonstige Ehrentitel vgl. v. Rohden 2499). Seine Pietas äußert sich in großartigen Ehrungen für seinen Vorgänger: nach der Konsekration idie er vom Senat erbitten muß !) setzt er flamines und sodales Hadrianales ein, erbaut dem Verewigten einen Tempel in Rom und einen bei Puteoli, vollendet das Mausoleum und stiftet Spiele (sacrum certamen); auch für Antonin werden vom Senate Spiele und sonstige (nicht ungewöhnliche) Ehien beschlossen (vgl. v. Rhoden 249!*ff.). Nach seinem, eines Philosophen würdigen, Ende wurde der Kaiser unter außerordentlichen Lobsprüchen konsekriert; decreti etiam sunt omnes honores, qui optimis principibus ante delati sunt (Hist. aug. Anton. Pius 13, 3). Auch Antonins Gemahlin, die ältere Faustina, wurde vom Senate konsekriert; unter ihren Ehrungen (Bildsäulen, Tempel, Priesterinnen usw.) sind als neuartig die puellae Fautiniauae, d. h. zum Andenken der Kaiserin errichtete Mädcheninstitute, zu erwähnen (vgl. v. Rhoden o. Bd. I S. 2312L).
Marcus Aurelius (161-ISO) setzt die milde Regierung fort: auch er wird nach seiner Konsekration Pius genannt (Belege bei v. Rohden o. Bd. I S. 230 1) und propitius deux (Hist. aug. M. Aur. 18, 3); da er außerdem Philosoph ist (vgl. die Reihe seiner Lehrer, unter denen der Stoiker Q. Innius Rusticus den größten Einfluß auf ihn ausübte, bei v. Rohden 2285f.), konnte er [842] übertriebene Formen des K. nicht dulden - schon der Siegerbeiname Parthicus Maximus war ihm unangenehm (vgl. v. Rohden 2295) - und sein Vorgehen gegen die Christen (es handelt sich namentlich um das, auch auf seiner Säule abgebildete, .Regenwunder' im Markomannenkrieg, das sich daran schließende kaiserliche Schreiben und die Christenverfolgung von Lyon, die möglicherweise auf ein Reskript des Kaisers zurück-10geht; Lit bei Schanz Gesch d. rötn. Lit ΠΙ 252) entspringt nur seiner philosophischen Stellungnahme (vgl. εἰς ἐαυτόν 11, 3 - p. 144 Stich). Im übrigen wird seine Regierung (im Vergleich zu der des Commodus) als eine χρυσὴ βασιλεία gepriesen (Dio LXXI 36, 4). Die Gemahlin M. Aurels, die energische Faustina iunior erlangte als erste Kaiserin den Titel einer mater castrorum (Belege v. Rohden o. Bd, I S. 2314). Zahlreiche Münzen preisen ihren Kinderreichtum. Als sie 20 starb, wurde sie auf den Antrag ihres Gatten, der sie sehr liebte, konsekriert und nicht nur Diva, sondern auch Pia genannt; darüber und die sonstigen nicht gewöhnlichen Ehrungen v. Rohden a. a. O. 2313t Von 161 bis 169 ,regierte* mit ihm sein Bruder Verus, der nicht seine Verdienste, wohl aber die Ehren mit ihm teilte (s. v. Rohden - Stein Bd. III 8. 1837ff.); selbstverständlich wurde er konsekriert und erhielt sogar einen Kult, den die sodales Antoniniani Veriani besorgten (ebd. 1854).
Commodus(180-192). Der hervorstechendste Charakterzug dieses Kaisers (neben seiner schon früh bewiesenen Grausamkeit: Hist. aug. Comm. 1, 9). seine Eitelkeit, konnte sich vor allein in der Annahme der hochtrabendsten Ehrennamen ausleben. Um als selbständige Persönlichkeit zu erscheinen, legte er zunächst den Namen M. Antoninus ab (vgl. v. Rohden 2470, nahm ihn allerdings später wieder an, vgl. Cohen 300ff. 784ff.). 40 Die Namen Pius und Felix, so deplaciert als möglich (vgl. auch CIL XIV 3449:[23] omnium virtutum exsuperantissimus'.), riefen den Spott des Senates hervor (Hist. aug. 8, 1). Im letzten J. seiner Regierung nahm er verstiegene Namen an. wie Amasonius (seiner Geliebten Marcia zuliebe, die er oft als Amazone darstellen ließ), Invictus (unter dem Einfluß der Mithrasreligion, der er angehörte, Hist. aug. 9, 6. Dio LXXII 15, 3. 20, 2), Pacator orbis [εἰρηνοποιὸς τῆς οἰκουμένης. Dio LXXII 15, 5. CIL a. a. O.), Exsuperatorius (Ὑπεραίρων). Πρωτόπαλος σεκουτούρων tauch Κύριος und Πρώτος, Di» a. a. O.), daraus ,Palus prtmus1, (Hist. aug. 18, 5; Belege und sonstige Ehrenbezcichuungen bei v. Rohden 2470f.). Sogar als ,Gründer Roms* ließ er sich feiern. als nach einer Feuersbrunst Rom neu aufgebaut werden mußte (Dio LXXII 24 Cohen 18liL); Rom selbst und das Lager ließ er nach seinem Namen benennen, der Tag. an dem dies geschah, sollte Commodiana heißen (Dio LXXII 15, 2). Am liebsten ließ er sich gegen Ende seiner Regierung als Hercules Komauzis (vgl. seine Titulatur bei Die a. a. O.) feiern und daMcllen (Belege bei v. Rohden 2478). Dio (LXXII 15, 1) spricht mit größtem Abscheu von ihm, zum Hohn habe man sein Zeitalter das goldene genannt (15, 6). Sein Andenken wurde getilgt (vgl. v. Rohden 2479). [843]
Die severische Dynastie (193 bis 235).
Septimius Severus (193–211) hatte seine Macht auf die Provinzen und das Heer aufgebaut (vgl. de Ceuleneer Essai sur la vie et le règne de Sept. Sévère, Bruxelles 1880, 169ff. M. Plat-nauer The life and reign of the emp. Lucius Septimius Severus, Oxford 1918, 195ff. Über die erhöhte Bedeutung der Provinzen seit Hadrian vgl. v. Domaszewski Abh. zur röm. Rei. 52ff. 1 140; Münzen mit Fidei militum bei Cohen IV² 20, vgl. 31f.); außerdem wollte er sich die Kaiserwürde dadurch sichern, daß er Iulia Domna, die Tochter des Sonnenpriesters Bassianus von Ernesa, zur Frau nahm, quae id geniturae habere ut regi iungeretur (vgl. G. Herzog Art. Iulia Domna o. Bd. X S. 926ff.), ferner legte er in kluger Voraussicht Wert darauf, die verwandtschaftlichen Beziehungen mit dem allverehrten Kaiser Marcus (Hist aug. Ant. phit 18, 6) her- 2 vorzuheben: er nannte sich einen Bruder des Commodus und brachte sein Andenken wieder zu Ehren (s. v. Rohden o. Bd. II 8. 2479), seinem Sohne Bassianus-Caracalla gab er die Namen Aurelius Antoninus (Hist. aug. Sept. Sev. 10, 3). Doch will er sich auch den Namen Pius verdienen: er stellt daher 4en verfallenen Augustustempel in Tarraco o. S. 833) wieder her (Hist. aug. 3, 2), läßt Pertinax, dessen kurze, aber treffliche Regierung eine Reaktion gegen Commodus ge- 3 wesen war, prunkvoll begraben (vgl. die schöne Darstellung bei v. Domaszewski Gesch. d. röm. Kaiser 241ff.) und nimmt seinen Namen an, der ihm freilich später unbequem wurde (Hist. aug. 14, 13). In Rom zunächst verhaßt (ebd. 7, 3), wird er bald wegen seiner im Vergleich zu Commodus so guten und umsichtigen Herrschaft sehr geehrt; er heißt nicht nur Pius und Felix (Felicissimus, seine Gattin Pia und Felix, vgl. Cohen 3ff. 99), sondern z. B. auch rector orbis 4(. und restitutor urbis (Cohen 63), seine Zeit wird als besonders glücklich gepriesen (Cohen 19. 30. 36, Säkularmünzen mit der Aufschrift saeculi felicitas 65ff., vgl. Ceuleneer 151). Zahllose Ehreninschriften. Altäre, Bildsäulen und Tempel werden ihm in den Provinzen errichtet, namentlich in seiner Heimat Afrika (vgl. Ceuleneer 170ff. Platnauer 201ff.), sein Kult ist für die religiöse Entwicklung von weittragender Bedeutung (Platnauer 148). Seine 50 Gattin, die syrische Priestertochter, wird mit zahlreichen Göttinnen identifiziert (vgl. G. Herzog 928f. Platnauer 144. 151f.), auch sein mächtiger Günstling Plautianus wird göttlich verehrt (Dio LXXV 14). Unter vielen prächtigen Bauten dient namentlich das »Septizonium* dem Ruhme des Kaisers (vgl. Hist aug. 19, 5. 24, 3. v. Domaszewski Gesch. d. röm. Kaiser 257). Persönlich zurückhaltend (Hist. aug. 19, 7ff.) ging er hart gegen Juden und Christen vor (ebd. 17, 1). 60 Nach seinem Tode folgt ihm der beste Ruf (ebd. 19, 6); er erhält ein ehrenvolles Begräbnis, die Konsekration (ebd. 24, 2), zwei Triumphbogen (vgl. Ceuleneer 169).
Caracalla (211–217), der als Enkel Marc Aurels gelten wollte und seine Ahnenreihe bis auf Nerva zurückführte (vgl. v. Rohden o. Bd. II S. 2436), führte neben zahlreichen Sieges- und [844] Ehrennamen (z. B. pacator orbis, numen praesens) auch den Beinamen Magnus nach seinem ,Verbilde' Alexander dem Großen, dem er krampfhaft nachstrebte (vgl. v. Rohden 2437f. 2448. 2452. Dio LXXVII 9, 1: φάαλεξανδρότατος). Aber gerade in der Stadt, die Alexanders bedeutendste Schöpfung ist, in Alexandreia, wurde er von den Einwohnern mißachtet, wofür er blutige Rache nahm (Belege a. O. 2449). Neben Alexander ahmte er (wie Commodus) den Hercules nach (Hist. aug. Carac. 5, 9; er führte selbst Löwen mit sich: Dio LXXVIII 7, 2f., seine Leibwache hieß auch ,die Löwen': Dio LXXVIII 6, 1), ferner den Achilleus (vgl. v. Rohden 2448), was nur eine Folge seiner Alexanderverehrung war; seinen Freigelassenen Festus ließ er wie Patroklos bestatten (Herodian. IV 8, 4). Dem Commodus glich er auch darin, daß er seinen Namen nicht oft genug verewigt sehen konnte: die Truppen hießen - 0 unter Commodus war dies zum Teil auch schon der Fall gewesen - nach dem Kaiser (vgl. z. B. CIL III Suppl. 11482.[24] 11934, dazu Mommsen St.-R. II³ 848). Neben den legiones Antoninia-nae tragen auch die unter ihm geprägten Münzen diesen Namen (v. Rohden 2452); berühmt machte ibn die im J. 212 erlassene constitutio Antoniniana, durch die allen Untertanen das römische Bürgerrecht verliehen wurde (Digest. I 5, 17. Mitteis-Wilcken Chrestom. II nr. 377. v. Rohden 2446) und die großartigen Thermae Antoninianae (o. Bd. I S. 2567f.). - Auf dem Zuge gegen die Parther wurde er im 32. Lebensjahr getötet (äußerliche Ähnlichkeit mit Alexanders Schicksal!); seine Asche wurde im Grabmal der Antonine beigesetzt, bereits unter Opellius Macrinus wurde er konsekriert (Hist. aug. Carac. 11, 5f.; Macrin. 5, 9. 6, 8). Unter Ela-gabal und Alexander Severus, die als seine Söhne gelten wollten, heißt er offiziell Divus Magnus I Antoninus (Pius, Belege: v. Rohden 2437), dagegen lebten im Volke neben seinem alten syrischen Namen Bassianus bloß die Spitznamen Caracalla oder Caracallus (nach einem gallischen oder germanischen Gewand, das vom Kaiser in besonderer Weise getragen wurde, vgl. v. Rohden 2436) und Tarautas (nach einem kleinen, häßlichen, frechen und grausamen Gladiator dieses Namens, vgl. Dio LXXVIII 9, 3). - Sein jüngerer Bruder Geta, den CaracaUa nicht hatte neben sich dulden können, war konsekriert worden, worüber sich der Kaiser lustig machte (Hist. aug. Get. 2: Sit Divus, dum non sit vivus!).
M. Opellius Macrinus (April 217 bis Mai 218), der die Reihe der, Soldatenkaiser' eröffnet, .unter welchen das Bewußtsein dynastischer Erbfolge auf lange Zeit verloren geht' (H. Schiller Gesch. d. röm. Kaiserzeit I 2, 755), suchte nach dem Muster des Septimius Severus (das dann allgemein maßgebend wurde), seinen Zusammenhang mit dem adligen Geschlechte seiner Vorgänger zu fingieren, indem er, obgleich humili natus loco (Hist. aug. Macr. 2, 1, s. Mommsen St.-R. II³ 789), den Namen Severus annahm und seinen Sohn Diadumenian, der Patrizier, Caesar und princeps iuventutis wurde (Belege bei Dessau Prosop. II 433, 70, über die rechtliche Bedeutung dieser Titel vgl. Mommsen St.-R. II³ 826ff.), Antoninus nennen ließ (vgl. Hist. aug. 5, 7: sic [845] Macrinus est Severus quomodo Diadumenus Antoninus).
Elagabal (218–222). Ein Eunuch und eine alte Frau (seine Großmutter Maesa, vgl. Herzog o. Bd. X S. 94 1f.) hatten ihn auf den Thron gebracht; die Schönheit des vierzehnjährigen Knaben, der Priester des Sonnengottes von Emesa war, seine fiktive Abstammung von Caracalla, die Tempelschätze, die der Familie der Bassiani jedenfalls zur Verfügung standen, sollten die Regierung stützen (vgl. Schiller 760ff.). Elagabal verachtete offenkundig den römischen Staatskult (Herodian. V 5, 7), baute dem syrischen Baal einen Tempel und nannte sich selbst offiziell sacerdos amplissimus dei invicti Solis Elagabali (CIL III 892);[25] dieser Sol wird mit der syrischen Astarte, der Stadtgöttin von Karthago (auf Münzen Venus Caelestis, vgl. Eckhel VII 265; uber Domna als Virgo Caelestis vgl. Herzog 929), auf Reichskosten vermahlt vgl. Schiller 763). Der Kaiser trug stets ein diadema gemmatum (Hist. aug. 23, 5) und ließ sich nach Art der Perserkönige verehren (Hist* aug. 18, 3). - Die eigentliche Regierung führte Maesa, die eine für eine Frau beispiellose Macht innehatte (s. Herzog 942); ihre Schwester Domna hatte als erste römische Kaiserin den Titel mater Caesaris geführt (Herzog 928).
Severus Alexander (222–235). Wie seine Vorgänger suchte auch dieser orientalische Kaiser seine Abstammung auf die Antonine, ja auf Hadrian zurückzuführen (CIL III 709),[26] d. h. genau genommen ist es seine Großmutter, die ehrgeizige Maesa (vgl. Herzog o. Bd. X S. 918), die ebenso wie von ihrer älteren, so auch von ihrer jüngeren Tochter das Gerücht verbreitete, sie habe von Caracalla einen Sohn geboren. Mit der fingierten Abstammung von Caracalla hängt die Annahme des Namens Alexander zusammen (der ursprüngliche Name ist Alexianos Bassianos), Severus heißt er nach dem »Großvater* Septimius Severus (vgl. v. Rohden o. Bd.II S. 252öf.). Von den übertriebenen Ehrentiteln wären besonders dominus, optimus und sanctissimus, δεσπότης γης καὶ ὑαλάττης und invictus zu erwähnen (vgl. v. Rohden 2527); den letzten Titel möchte ich nicht mit v. Rohden (2538) auf den Perserkrieg zurückführen, sondern wie bei Caracalla, der ja auch diesen Titel führte und dem .Sohne* auch sonst maßgebend war (vgl. den Namen Alexander*!), auf das gemeinsame Vorbild des Mithrasanhängers Commodus (vgl. o. S. 842); im übrigen ist es leicht erklärlich, daß gerade dieser Kultname orientalischer Sonnengötter von den emesinischen Bassiani bevorzugt wird. In religiösen Dingen war Alexander Severus infolge des Einfiusses seiner Mutter (vgl. Herzog 923) persönlich durchaus indifferent; in politischer Beziehung stellt seine Regierung eine Reaktion auf Elagabals wüsten Absolutismus dar (vgl. v. Rohden 252$ff.); dazu gehört auch die Wiederaufnahme der Kaiserkultpolitik des Septimius Severus. Eine Erneuerung des republikanischen Systems bezweckt auch der Wiederbelebungsversuch altrömischer Religion (Herod. VI 1, 3. Cohen IV² 527: sacerdos urbis). Im vergeblichen Bemühen, sich [846] gleich seinem großen Vorgänger Septimius Severus auf das Heer zu stützen, läßt er Auxiliarkohorten und Alen seinen Namen annehmen; im Alter von 27 Jahren wird er von den Truppen, deren fides und pietas auf seinen Münzen verherrlicht wird (Cohen 49ff. 200), erschlagen.
Maximinus Thrax (235–238) und die beiden Gordiane (238). Wie Macrin Angehöriger des Ritterstandes (Hohl o. Bd. X S. 854ff.), 10 kann auch Maximin (voller Name: C. Iulius Verus Maximinus) trotz seiner hervorragenden militärischen Qualitäten auf die fingierte Verbindung mit der Severerdynastie nicht verzichten (vgl. Val. Max. 29, 1–4). Maximinus und sein schöner Sohn Maximus werden als Σεβαστοί und Ἀντοκράτορες verehrt (vgl. Hohl a. a. O. 869, ebenda über die Entwertung dieser Titel); auf die ,frohe Botschaft* von der Erhebung des princeps iuvenfutis zum Caesar wird in Ägypten eine kultische Feier 20 angeordnet, wie ein Berliner Papyrusfragment lehrt (darüber Hohl a. a. O.). Die Christenverfolgung Maximins hat wohl keine prinzipiellen, sondern politische Gründe (vgl. K. J. Neumann Der röm. Staat u. die allgem. Kirche I 21 Off.). Die beiden Gordiane, die von der Provinz Afrika und vom Senate als Gegenkaiser aufgestellt wurden, führten sich auf die Gracchen (Beiname Sempronianus) M. Anton und Traian zurück (s. v. Rohden o. Bd. II S. 2628ff.) und wünschten 30 namentlich die Verherrlichung der Antonine (Hist. aug. Gord. 3, 3f. 4, 7), was für die Anknüpfung an die Tradition des senatsfreundlichen Severus Alexander charakteristisch ist (vgl. auch die Ehreninschrift auf Gordian II.: Lanckoroński Städte Pamphyl. und Pisid. I, Wien 1890, 168 nr, 38). Der Senat hatte das Volk bis zu einem Sturm gegen Maximins Denkmäler aufgehetzt (vgl. Hohl 863) und die damnatio memoriae des Kaisers beschlossen (vgl. Mommsen St.-R. 40 II 3 1133, 1. 2).
Gordian III. (238–244). Der Senat hatte zwei Kaiser, Pupien und Baibin, aus seiner Mitte aufgestellt, mußte aber, dem Willen des Volkes weichend, den jungen Gordian III. zum Caesar erheben: dieser erscheint auf Inschriften als nobilissimus Caesar neben den zwei Augusti (v. Rohden 2621). Von Ehrentiteln wäre außer den schon ganz abgebrauchten (wie restitutor urbis und σωτηρ τῆς ὀΙκουμένης) her-50 vorzuheben: magnus invictus und invictissimus (CIL VIII Suppl. 11169.[27] CIL VIII 10079;[28] ygl. Commodus, Elagabal !). Diese Ehrenbezeichnungen wirken lächerlich, wenn man bedenkt, daß alle vernünftigen Entschlösse und Taten während seiner Regierungszeit auf seinen Schwiegervater TimesitheuB zurückgehen (vgl. v. Rohden 2626). Bei der Belagerung von Aquileia war Maximin mit seinem Sohne den aufrührerischen Soldaten zum Opfer gefallen; bei dieser Gelegen-60 heit hatten die Empörer das Bild Maximins von den Feldzeichen gerissen (Herodian. VIII 5, 9) und die Anhänger des Maximin, in erster Linie Pannonier und Thraker, hatten den Bildern der beiden Senatskaiser und des Gordianus, die mit Lorbeerkränzen geschmückt waren, wohl oder übel ihre Reverenz erweisen müssen (Herod. VIII 6, 1. 2).
Hier mögen einige Bemerkungen über die [847] Verehrung des römischen Kaisers im Heere Platz finden. Grundlegend hat über diese Frage v. Doinaszewski gehandelt (Rei. des röm. Heeres, Trier 1895). Die offiziellen dii militares (be'torum dei bei Tac. hist III 10) waren Juppiter Optimus Maximus, Mars und Victoria (vgl. v. Doinaszewski 4. 115ff). Im Zusammenhang mit Iuppiter werden auch die zwei Göttinnen der kapitolinischen Trias verehrt. Iuno und Minerva (23ff.), ferner die römischen 1 Götter Diana, Liber, Silvanus und eine Fülle ausländischer Götter, die hier nicht aufgezählt werden können; am wichtigsten sind wohl der germanische Donar-Hercules, der persische Mithras und die übrigen orientalischen Götter. Von Personifikationen neben Victoria sind hervorzuheben: Fortuna, Virtus, Pietas, Bonus Eventus (40ff.), namentlich aber der Oenius, und zwar der Genius des Heeres und der Heeresteile, des Lagers und der Lagerteile, der Genius einer Provinz, einer 2 Stadt usw. (vgl. Register!), vor allein aber seit Augustus der Genius des Kaisers. Die Statue des kaiserlichen Genius, porträtgetreu gebildet, wird, mit den signa und den di militares vereint, im Fahnenheiligtum verehrt; das Bildnis eines Divus mußte nicht unbedingt an seinem Orte bleiben (10ff.). Die Statuen der Dm bilden gewissermaßen im Lager die Ahnengalerie des jeweiligen Kaisers. Der Genius der Kaiserin wurde erst durch Iulia Domna eingeführt (72f). 3( An erster Stelle wurden jedoch die signa verehrt (vgl. Tertnllian. apol. 16: Religio Romanorum tota castrensis signa veneratur, signa iurat, signa omnibus deis praeponit), an zweiter die unsterblichen Götter und an dritter der Genius des Kaisers (68). Unter den Gordianen wurde der kaiserliche Genius (bei den Auxiliartruppen) die erste Gottheit des Lagers (vgl. CIL VII 1030);[29] diese Tatsache paßt zu der obigen Schilderung Herodians, aus der wir auch ersehen, daß das 4€ Heer neben den großen und schwer transpor-tabeln Kaiserstatuen auch imagines der Kaiser mitführte, die zu den signa gehörten und von den imaginiferi getragen wurden (vgl. v. Domaszewski 11 und ders. Die Fahnen im römischen Heere, Arch.-epigr. Abhandl. Wien V 70, 1). Seit Postumus führen die Heeresgötter Mars und Victoria, die als comites des kaiserlichen Genius erscheinen (vgl. Taf. II Fig. 4), auf Münzen den Beinamen comes (77), Gallie- 50 nus geht noch weiter: der Kaisergenius erhält einen besonderen Altar (CIL III 3424[30] Aquincum). Wie sich die christlichen Heeresangehörigen zum K. stellten oder stellen sollten, zeigt TertuHians berühmte Schrift De corona (das Aufsetzen des Kranzes bedeutete die Teilnahme am Opfer); vgl. Beurlier 271ff.
Philippus Arabs (244–249). Der Kaiser und sein Sohn führen den Titel invictus (CIL VIII 8809,[31] vgl. E. Stein o. Bd. X S. 75 7), 60 der junge Caesar erscheint als reo; Ἤλιο; (IGR I 1480). Philipp, der im Verdacht stand, seinen Vorgänger ermordet zu haben, erklärte offiziell, Gordian sei an einer Krankheit gestorben; er ließ ihn konsekrieren und seine sterblichen Reste nach Rom bringen, doch werden die literarischen Nachrichten weder durch Münzen noch durch Inschriften bestätigt (vgl. v. Rohden o. Bd. I [848] S. 2628; die ,Grabschrift* in der Hist aug. Phil. Ar. 34, 2). Gegen die Annahme, Philipp sei Christ gewesen, macht Stein u. a. mit Recht geltend, daß er den tausendjährigen Bestand der Stadt an den Palilien in echt heidnischer Weise feierte (763), und vor allem, daß er seinen Vater, einen Privat mann, konsekrieren ließ, wofür es (außer dem Dious Traiauus pater, vgl. Beurlier 326 nr. 14) keinen Präzedenzfall gab (769). In den Provinzen 0 Makedonien und Dakien wurde der Kaiser nach hellenistischer Weise geehrt (Spiele und kaiserliche Ära. vgl. 760f). Seine und seines Sohnes Konsekration ist trotz Eutrop. IX 3 aller Wahrscheinlichkeit nach nicht erfolgt.
Decius (219–251). Der Name des Kaisers (Imperator Caesar C. Messius Quintus Traianus Decius Augustus) ist symbolisch für den Einbruch der Barbarei und das Streben des aus den Donauprovinzen stammenden Herrschers (Vict. 0 Caes. 29, 1; Epit. 29, 1. Eutrop. IX 4), den nationalrömischen Staat wiederherzustellen. In derselben Weise ist die Wiederbelebung der altrömischen Zensur aufzufassen (vgl, E. Herzog Gesch. u. Syst. d. röm. Staatsverf. II 521f.), und bei seiner Christenverfolgung, der schrecklichsten und allgemeinsten seit der Begründung der christlichen Kirche, war es ihm nicht (wie etwa Maximian bei der diokletianischen Verfolgung, vgl. Beurlier 281) um einen Sieg des K. über den Christuskult. sondern wohl hauptsächlich um die πατρώα τῶν δαιμόνων λατρεία zu tun (Greg. Nyss. Vit. Greg. Thuumaturg. 46, 944 Migne). Der Kaiser, der im Gotenkampf gefallen war, - sein Leichnam wurde nicht gefunden (vgl. H. Schiller 806f.) - wurde kon-sekriert (vgl. Hülsen Röm. Mitt. XVII 1902, 165ff.), aber bald darauf erfolgte die damnatio memoriae (vgl. Kubitschek Numism. Ztschr. Wien. N. F. I 1908, 76).
Gallienus (253–268). Als Mitregent seines Vaters Valerian (bis 260) erwarb er sich im Kampfe gegen die Franken den Titel restitutor Gatliarum (Cohen V² 428tf.); denselben Titel führt auch Postumus, der damalige Statthalter Galliens und nachmalige Kaiser (einer der sog. 30 Tyrannen), dem das Hauptverdienst am siegreichen Kriege zukam (vgl. Th. Bernhardt Polit, Gesch. d. röm. Reichs von Valerian bis zu Diokletians Regierungsantritt, Berl. 1867, 18f. Cohen VI²49ff.). Auch die Titel restitutor orbis und generis humani hat Gallien geführt (Cohen 429f.; auch sein Vater Ließ restitutor orbis, Cohen 315, vgl. 323, auch restitutor orientis, pacator orbis, Cohen 311. 315). ,Parmi ses autres extravagances* (Cohen 431) kam Gallien auch auf die Idee, Sakulärspiele ,hors de saison* zu feiern: dies paßt zu der erwähnten Reform, die der ehrgeizige Kaiser an dem K. im Heer vornahm (s. o. 8. 847); auf seinen Münzen erscheinen Serapis und Sol (- Mithras, vgl. Cohen 437) z)s cvmit s Augusti (Cohen 435f.; Serapis als comes auf Münzen de Postumus, vgl. Cohen VI³ 55). - Trotz dieser Hinneigung zum K. und Synkretismus hob Gallien die strengen Edikte seines Vaters gegen das Christentum auf (Belege bei Schanz Römische Lit. Hl² 257f., vgl. Hergenröther-Kirsch 299f.).
Claudius Gothicus (268–270). Der [849] Kaiser zwang den Senat zur Konsekration des Gallienus (vgl. A. Markl Num. Ztschr. Wien 1879, 230ff.). Claudius, der als Dalmatiner oder Illyrier vielleicht dem Bergvolk der Dardaner entstammte, wurde als Nachkomme des alten Troianerkönigs Ilus oder Dardanus gepriesen (Hist. aug. 11, 9). Unter seinen Siegernamen führte der tapfere Soldatenkaiser nach der siegreichen Gothenschlacht bei Naissus a. d. Morawa den Namen Gothicus (Maximus) (vgl. Henze o. Bd. II S. 2460), der ihm auch nach dem Tode verblieb (vgl. Markl Num. Ztschr. 1884, 420). In einem neuerlichen Gothenkrieg fand Claudius in Sirmium den Tod; es entstand die Heldensage von einer freiwilligen Devotion des Kaisers nach dem Muster des Decius Mus. wobei Claudius Gestalt höchstwahrscheinlich mit der des Kaisers Decius konfundiert wurde (vgl. Henze 2462). Er erhielt außer der Konsekration noch besondere Ehrungen (Belege bei Henze, besonders Hist. aug. 3, 2–7.).
Aurelian (270–275). Nicht nur die großen kriegerischen Erfolge in allen Reichsteilen (s. Hist. aug. Aur. 41, 7 toto penitum orbe, vincente), sondern auch die friedliche Tätigkeit des Kaisers (namentlich die Errichtung der ,aurelianischen* Stadtmauer Roms. Groag o. Bd. V S. 1376; die Handwerkergenossenschaften erhielten damals den Ehrennamen Aureliani, vgl. die Benennung der Truppen nach dem Kaiser) lassen die Fülle seiner Ehrentitel berechtigt erscheinen. Zu seiner offiziellen Titulatur gehört restitutor orbis (CIL VI 1112,[32] vgl. VIII 10217). Er wird wie Augustus als Fricdens-fü-rst gefeiert (Groag 1393: pacator orbis, restitutor saeculi, restitutor pacatissimus gentis), ais indulgentissime (er war milde gegen politische Verbrecher und unterlegene Gegner, vgl. Groag 1401. 1383. 1394). Neben seinen Verdiensten als restitutor und pacator wird vor allem seine Unbesiegbarkeit verherrlicht: er ist der magnus et invictus dominus (CiL VI 1114), invictissimus (CIL XII 5571a),[33] fortissimus et victoriosissimus (CIL VI 1112,[32] vgl. Groag 1393).·- Aurelian (inric-las'.) wollte vor allem im Sinne des Sonnengottes wirken: wenn er auch gelegentlich auf altrömische Tradition Rücksicht nahm, was sich z. B. (trotz Groag 1418) aus dem Befragen der Sibyllinischen Bücher angesichts der Germanengefahr (Hist. aug. 5–7. 19. 20) und den Weihungen an den genius populi Romani (Groag 1415) und die alma Ceres (Hist. aug. 47, 3) ergibt, und auch die kirchlichen Behörden der Christen bis auf weiteres anerkannte (s. Groag 1413f.), im ganzen stand er doch seit frühester Kindheit im Banne der Sonnenreligion; seine Mutter soll Priesterin des Sol gewesen sein (HUt. aug. 4, 2ΙΓ. 5, 5). Es mußte damals eine Keichsreligion geschaffen werden, wenn der riesige Komplex von Reichen eine Einheit bilden sollte. Schon die syrische Dynastie hatte dun Baal von Emesa zum Reichsgott erheben wollen, und Elagabal hatte sich als inkarnierter Sonnengott anbeten lassen (vgl. o. S. 845); aber erst Aurelian ist es gelungen, allerdings auch nur für kurze Zeit, die Sonne zum Reichsgott zu machen, mit großzügiger Zusammenfassung der verschiedenen Spielarten des Solkultes (vgl. Groag 1399: Sonnentempel in Emesa und Palmyra restauriert, in Rom neugegründet, 1414L), und sich selbst zu einem gewaltigen ,roi soleil: Er wird [850] persönlieh wie sol invictus göttlich verehrt; die Vergil-steile Aen. VI 365 (eripe me his, invicte, malis) wurde angeblich von Tetricus, seinem Gegenkaiser in Gallien, auf ihn angewandt. (Hist. aug. trig. tyr. 24, 3), in Dakien erhielt er einen Provinzialkult als Sonnengott (s. Groag 1406). Mehr oder weniger offiziell (Mommsen St-R. IP 760) wurde er im ganzen Reiche (im fernsten Osten von den Serern, s. Hist. aug. 41, 10) als dominus und deus 10(vgl. Rohde Die Münzen des Kaisers Aurelian. Miskolcz 1881. nr. 317 u. 318, Cohen nr. 2"0) und Repräsentant des Sonnengottes auf Erden’ (vgl. Groag 14O5f.) verehrt. Äußerliche Zeichen der göttlichen Kaiserwürde, die Aurelian als erster Imperator trug, waren Diadem (Strahlenkrone seit Nero, vgl. Mommsen St.-R. P 428) und edel-steinverziertes, golddurchwirktes Gewand (Vict. Epit. 35, 5. Malal. 2 *9 Bonn.), während die Imperatoren früher nur die purpurne Chlamys getragen hatten (vgl. Eutrop. IX 26.). Nach seinem Tode erhielt Aurelian die Konsekration vom Senate (vgl. Groag 1404) und Ehrungen (Spiele, Grabmal. Tempel) seitens des Heeres (Hist. aug. 37, 1); gelegentlich ist sein Name getilgt. Tacitus, der Nachfolger Aurelians (275–276), der seine Abstammung auf den Schriftsteller Tacitus zurückfuhrte (ebd. 10, 3; vgl. über sein Kenotaph, seine vom Blitz getroffene Marmorstatue, sein Andenken überhaupt Stein o. Bd. III S. 2881), stiftete dem Kaiser drei Silberstatuen (Hist. aug. Tac. 9, 2) und verfügte, daß sich in jedem Privathause ein Aurelianbildnis befinden solle (ebd. 9, 5).
Aurelias Probus (276–282) ist durchaus Nachfolger Aurelians: wie er den aureliani-schen Mauerbau vollendet (Zosim. I 49, 2), so vertritt er auch die von seinem großen Vorgänger inaugurierte temporum felicitas (vgl. Henze o. Bd. II S. 2521) und gloria orbis (2553); er ist der restitutor Illyrici (2521). Seiner Familie ward eine große Zukunft verheißen (vgl. Dessau Herm. XXIV 1889, 355ff.). Für seine Konsekration fehlt jede Bestätigung (Henze 2553).
Diocletian (284–305, gest. 316). Seine Herrenstellung symbolisierte der Kaiser vor allem durch die Annahme des Beinamens lomus, während sein Mitregent Maximian das cognomentum Herculiuserhielt (vgl. Seeck 1 25f. Schiller II 26ff.); unde etiam militaribus auxiliis longe in exercitum praestantibus nomen impositum (Vict. 50 Caes. 39, 18). Diese Bezeichnungen gehen auf die Adoptivsöhne und -enkel über: magnifica illa et clara per gentes loviorum et Herculiorum cognomina, quae primum a Dioclefe et Maximiano insolenter adsumpta ac postmodum ad successores earum translata riguerunt (Lact. de mortibus pcrsec. 52, 3, vgl. CIL III 4413[34] mit Mommsens Erklärung). Die Symbole - Blitz und Keule - vererbten sich fortan in den Geschlechtern der lovii und Herculii (vgl. Schiller 1124, 1). Durch 60 die Wahl der Götter Iuppiter und Hercules drückte Diocletian seine bewußie Anlehnung an die national-römische Religion aus (s. o. S. 83uf.); ähnlich gerierte sich Galerius als zweiter Romulus und Alexander (vgl. Epit 40, 17). Die starke Neigung zum altrömischen Kult, durch den er als lotius, wie Aurelian als Invictus durch den Sonnenkult, die Teile des riesigen Reiches vereinheitlichen wollte, machte den Kaiser zum leidenschaftlichen [851] Christen Verfolger (pointierte Darstellung bei Seeck III 305ff.). - Schon Aurelian hatte die Titel dominus und deus geführt, aber (wie Schiller 32 mit Becht aufmerksam macht), offiziell im Dativ (vgl. Eckhel1 867), so daß die Anrede als Huldigung der Untertanen erscheinen kann; Diode-tian und Maximian heißen offiziell erst nach ihrer Abdankung auf Münzen Domini nostri (Eckhel VIII 14. Cohen V 163f.). Erst seit Constantin d. Gr. scheint die Bezeichnung Dominus offiziell 1 geworden zu sein, vgl. Schiller 32. Mommsen St.-R. II³ 763), doch hat sich Diocletian die Bezeichnung dominus und deus, desgleichen die Adoration palam gefallen lassen (Vict. Caes. 3D, 4). - Die prunkvolle Kaisertracht (das seidene goldgestickte Gewand und das Diadem, die weiße perlengeschmückte Stirnbinde) war dem Orient entlehnt und schon von Aurelian eingeführt worden (vgl. o. S. 850), Diocletian hat nur nach geraumer Unterbrechung wieder an Aurelian an- 2 geknüpft, auch einiges ausgestaltet (z. B.: nur der Augustus darf das Diadem tragen, den Purpur trägt auch der Caesar, vgl. Eckhel VIII 362f., über die rechtliche Stellung der Augusti und Caesares Morn msen St-R. Π³ 1167ff. 1139ff.); so konnte schon im Altertum die Meinung entstehen, erst Diocletian habe die dem Perserreich entlehnte neue Tracht der römischen Kaiser eingeführt (vgl. Schiller 33. Seeck I 6, Quellen 410f. Kornemann bei Gercke-Norden III 31 291f. im Anschluß an CumontMyst. de Mithr.³ 1910, 84ff.). Das zum Khalifat gewordene Caesa-rentum verlangte nun auch das anbetende Niederknien vor dem Thron, die adoratio, die προακύνηβις (vgl. Beurlier 54. Cumont-Gehrich 166). Damit hat die mit Alexander d. Gr. beginnende Entwicklung (o. S. 808) ihren Abschluß erlangt: alles, was zu der Persönlichkeit des Herrschers in Beziehung steht, und der Herrscher selbst ist sacer, sacratissimus, divinus (Beispiele bei Schil-4( 1er 33, 1): der römische Kaiser ist zum Gott geworden ! - Diocletian erlangte die Konsekration, obwohl er alsPrivatmann gestorben war (contigit.. ei, quod nulli post natos homines, ut, cum privatus obisset, inter diros tamen referretur Eutrop. IX 28).
Constantin (306–337) hatte über Maximian die damnatio memoriae verhängt (wofür Maxentius Constantins Statuen in Rom umstürzen ließ, Lact. de mort pers. 43) und gleichzeitig seine eigene Abstammung von Claudius, dem populären 50 Gothensieger, verkündet (vgl. Schiller II 24. Benjamin o. Bd. IV S. 1014. 1016). Ebenso entspricht es durchaus der Praxis seiner Vorgänger, wenn er seine Familie, die gens Fiavia, durch einen Tempel ehren läßt. Nach dem berühmten kaiserlichen Edikt von Hispellum (CIL XI 5265[35] = De ssau705) sollen ibidem szenische und Gladiatorenspiele veranstaltet werden (Z. 30ff.), die Stadt soll in Zukunft Urbs Flavia Constans heißen (Z. 40ff.); das templum Flaviae gentis darf 60 aber nur unter der Bedingung magnifico opere errichtet werden, ne aedis nostro nomini dedicata cuiusquam contagios(a)e superstitionis fraudibus polluatur (46f.). Von einem Kult der flavischen Familie, geschweige denn der Persönlichkeit des Kaisers allein ist nicht die Bede (Seeck I 439 hält eine derartige Annahme für vollkommen ausgeschlossen, während Kornemann 138 offenbar [852] an einen umbrischen Kult der gens Flavia denkt¹ ohne sich jedoch darüber näher auszusprechen) und unter der contagiosa religio etwas anderes zu verstehen als den K.» ist schlechterdings unmöglich: der Tempel soll nichts anderes sein als Mittelpunkt für die Jahrfestspiele der Ümbrer (die Spiele konnten auch von einer christlichen Regierung nicht gleich abgeschafft, sondern höchstens in christlichem Sinne allmählich umgestaltet werden, vgl. Kornemann 137f. Seeck a. a. O.). Jede heidnische Kulthandlung war ja vom Kaiser, der sich seit 324 offen zum Christentum bekannte (Münzen seit 324, die den Kaiser mit zum Himmel erhobenen Augen darstellen, bei Cohen VII 240. 256. 811), streng verboten worden (vgl. o. Bd. IV S. 1023f.). Die Titulatur des Priesters des constantinischen Provinzialkultes ist auch neu: er heißt nicht etwa flamen oder sacerdos, auch nicht coronatus (vgl. Beurlier 120ff. Kor-Onemann 136ff.), sondern pontifex, wohl nach dem Muster des pontifex Flavialis in Rom (vgl. CIL VI 1690.[36] 1691. 16 M j über das stadtrömische templum gentis Flaviae - vgl. Domitians Tempelgründung, o. S. 838) - und die Basilica der gens Flavia auf dem Esquilin vgl.Kornemann 138, 6). In Numidien wurde jedoch, neben dem schon seit Vespasian (o. 8. 837) bestehenden Kult der prokonsularischen Provinz Afrika, ein richtiger Provin zialkult (vgl. Vict. Caes. 40, 28) der gens Flavia) mit einem sacerdos oder coronatus provinciae gegründet (vgl. Kornemann 139f.). Lange über das Bestehen des K. hinaus (bis ins 5. Jhdt.) hat sich das Amt der sacerdotes und sacerdotales gehalten, nachdem es seinen religiösen mit einem rein administrativen Charakter vertauscht hatte und sogar von Christen bekleidet werden konnte (vgl. Beurlier 283ff. Kornemann 140ff.).
Constantin der Große erhielt die Konsekration (vgl. o. Bd. IV S. 1023. Ruggiero Diz. epigr. ► II 651, seine Titel ebd. 643ff.J. Ihre Riten und Darstellungen waren zweifellos so gehalten, daß sie weder Christen noch Heiden verletzen konnten: .Pour un païen, il était ad sidera relatus, pour un chrétien, Dieu le recevait dans le ciel après la mort* (Beurlier 289, Belege Aum. 3 und 4); die katholische Kirche hat den Kaiser, der das Christentum zum Staatskult erhoben hat, ebenfalls ,konsekriert*, d. h. heilig gesprochen (vgl. Tille mont Hist. desemp. 78). Nach Constantin wurden noch Constans. Constantius II., Iulian Apostata, lovian, Valentinian I. und Gra-tian in heidnischer Weise konsekriert, doch ist es nicht unmöglich, daß der Brauch bis auf Theodosius I. fortbestand (vgl. Beurlier 287ff. 329ff.). Wie sich die christlichen Heiligen zu den heidnischen Divi verhalten, kann hier nicht mehr erörtert werden. - Durch die Abänderungen, die sich aus dem Übertritt zum Christentum lür Kai-scrtitel und -Stellung ergaben (vgl. Mommsen St.-R. II³ 763), hat Constantin der Große den kaiserlichen Dominât oder den Cäsaropapismus geschaffen, der auf dem Wege über das von ihm neubegröndete Byzanz die Grundform der absoluten Monarchie geworden ist.
Literatur. Auf Vollständigkeit kann bei der Fülle der einschlägigen Arbeiten kein Anspruch erhoben werden. Nicht zugänglich waren mir z. B. folgende Werke: Nitsch De [853] apotheosis apud Graecos et Romanos caussis, Kiliae 1840. A. Sandford Apotheosis and after life, Lond. 1916. E. Strong Apotheosis. Czar-nowski Der Heroenkult und seine sozialen Bedingungen, Année Soc. Brüssel 1914. T out ai ἡ L'institution du culte impérial dans les trois Gaules. Beauduin Le culte des empereurs. Melichow Der röm. Kaiserkult., Charkow 1912. Lily Ross Taylor Americ. Phil. Ass. Transact. 1914, XLV 231ff. ·- Wichtige Erörterungen des Herrscherkultes sind vielfach in allgemeineren Darstellungen zu finden, vor allem in historischen, religions- und kulturhistorischen; von religionsgeschichtlichen Darstellungen seien erwähnt Preller Griech, Mythologie⁴ 1894 und Röm, Mythologie³ 1881, II. Rohde Psyche. Otto Priester u. Tempel im hellenistischen Ägypten I 1905. II 1908. Wissowa Relig. und Kultus der Römer, München 1902. Cumont-Gehrich Die oriental. Religionen im röm. Heident. 1910. v. Domaszewski Religion des röm. Heeres, Trier 1885; ders. Abhandl. zur röm. Rei. 1909. Wendland Σωτήρ, Ztschr. f. neutest. Wiss. V 1904. - Einzelne Artikel, z. B. ,Genius* (W. Otto) .Heros* (Eitrem) und ,Ἄρχιερενς¹ (Brandis) in dieser R.E., Deneken, Heros¹ bei Roscher; als kulturgeschichtliche Darstellungen besonders Wendland Die hellenist.-röm. Kultur in ihren Beziehungen z. Judentum u. Christentum, Tübingen 1907. O. Seeck Gesch. d. Untergangs d. ant. Welt I. III 1895. 1909; als juristische vor allem Mommsen R. St.-R.; von geschichtlichen Werken kommen namentlich in Betracht: K a erst Gesch. des hellenist. Zeitalters, Leipzig I 1901. II 1909. Strack Gesch. der Ptolemäer, Berlin 1897. Mahaffy The empire of the Ptole-inies, London 1895. A. Stein Untersuchungen zur Gesch. u. Verwaltung Ägyptens unter röm. Herrschaft 1915. Ed. Meyer Caesars Monarchie 1918. - Spezielle Untersuchungen über hellenistische Herrscherkulte z. B.: Lepsius Abh.Ak.Berl. 1852. Wilcken Hem. XXIII 1888, 600ff. Be url i er De divinis honoribus, quos acceperunt Alexander et successores eius. Paris 1890. Krasch en in ni koff Philol. LIII1894,147ff. Dessau Gesch. der röm. Kaiserzeit I (1924) K. 353–359. Kaerst Rhein. Mus. LII 1897,42ff. v. Prott Rb. Mus. Lin 1898,460ff.. Strack Rh. Mus. LV 1900, Ißlff. U. Köhler S.-Ber. Ak. Berl 1901; überhellenistische und römische Herrscherkulte oder nur über den römischen K.: O. Hirschfeld S.-Ber. Akad. Berl. 1888 = Kl. Schr. 471ff. Beurlier Le culte impérial, Paris 1891 (miteinem Verzeichnis der Divi und Divae, dem die Arbeiten von Desjardins und Mowat zugrunde liegen). Grundlegend und wertvoller als Beurliers fleißige Arbeit: Kornemann Klio I 1901; ferner Drexler ,Kaiserkultus* bei Roscher. E. Norden Rh.Mus.LIV 1899, 466ff.; ders. N. Jahrb. VII 1901, 249ff. 313ff.; ders. Die Geburt des Kindes, die Gesch. einer religiösen Idee, Berlin-Leipzig 1924. Otto Hermes XLV 448ff. 632ff. Kahrstedt Klio X 261 ff. Heinen Klio XI 129ff. Blumenthal Arch. f. Papyrusforschung V 1913, 317ff. T. S. Dieckmann Stimmen der Zeit 96/1 und 2, 1918, Freiburg i. Br. 64ff. E. Lohmeyer Christuskult und Kaiserkult, Tübingen 1919.
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum X, 1271.
- ↑ CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 6588
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum IX, 4182.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 466.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 804.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 1420.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XIV, 3665.
- ↑ CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 229
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum X, 816.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum IX, 1556.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XIII, 227.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 6038.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 909.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2044.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum X, 3828.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum IV, 934.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2065.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1383.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 906.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum II, 4230.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 984.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2120.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XIV, 3449.
- ↑ CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 11482
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum III, 892.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum III, 709.
- ↑ CORPUS INSCRIPTIONUM LATINARUM I2 ff. 11169
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 10079.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VII, 1030.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum III, 3424.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VIII, 8809.
- ↑ a b Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1112.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 5571.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum III, 4413.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum XI, 5265.
- ↑ Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 1690.
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