RE:Krähe

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Vogelart
Band XI,2 (1922) S. 15561566
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Krähe (Familie Corvidae).

1. Alpendohle (Pyrrhocorax pyrrhocorax L.). Sie ist deutlich erkennbar nur bei Plin. n. h. X 133 erwähnt: Alpium pyrrhocorax, luteo rostro niger, und kann infolge der Angabe, daß sie einen gelben Schnabel hat, mit Sicherheit als Alpendohle bestimmt werden, die weder Aristoteles noch Albertus Magnus beschreiben. Möglicherweise ist eben diese gelbschnäbelige Alpen-0 dohle auch unter dem von Plin. n. h. X 36 erwähnten spinturnix (Funkensprüher) sive incen-diaria avis verstanden, doch läßt die bloße Erwähnung des Namens keinen sicheren Schluß zu, zumal da Plinius selbst sagt, er habe nicht in Erfahrung bringen können, welcher Vogel unter spinturnix verstanden werde. Der von Alb. Magn. XXIII nr. 60 erwähnte Vogel incendula (er ist rabenartig und ein Feind des Uhu) ist wohl auf die incendiaria avis bei Plinius zurückzuführen.

3 Daß Plinius, wie Keller Ant. Tierwelt II 110 bemerkt, auch die roten Füße der Alpendohle erwähnt, ist ein Irrtum.

2. Steinkrähe (Fregilus graculus L.). Der κορακίας des [‌Arist.] hist. an. IX 24 p. 617 b 17, so groß wie κορώνη (s. nr. 9), mit rotem Schnabel (φοινικόρνγχος) und (nach Hesych μέλας κολοιός) mit schwarzem Gefieder, ist schon immer (vgl. Aubert-Wimmer Tierkunde I 97) als die Stein-K. gedeutet worden, ein im heutigen Grie-) chenland häufiger Standvogel. Daß die rotschnäblige Stein-K. und die gelbschnäblige Alpendohle (s. nr. 1), wie Keller Ant. Tierwelt II 110 annimmt, zusammengeworfen wurden, ist bei der großen Ähnlichkeit beider Arten wohl möglich, aber nicht beweisbar. Dagegen ist Kellers Deutung des von [Aristoteles] a. a. O. erwähnten Vogels κορακίας mit rotem Schnabel als Mandel-K., die zwar gleichfalls häufig in Griechenland (Peloponnes) ist, nicht haltbar, da die Mandel-K.

I einen schwarzbraunen Schnabel hat. Unter lat. graculus mag sich außer einer Bezeichnung für die Dohle (s. nr. 5) auch κορακίας verbergen, doch findet sich bei Plinius keine Stelle, wo graculus mit κορακίας gleichgesetzt wäre. Dagegen zeigt die wörtliche Wiedergabe von Arist. hist. an. II 17 p. 508 b 33ff. bei Plin. n. h. KI 201, daß Plinius hier κολοιός (Dohle) mit graculus gleichsetzt; graculus erscheint hier neben corvus und cornix wie bei Aristoteles κολοιός neben κόραξ und κορώνη und von allen drei Rabenvögeln heißt es mit Recht, daß sie keinen Kropf, dafür aber eine weite Speiseröhre haben. Was Plinius sonst noch von graculus berichtet, ist ziemlich belanglos; nach n. h. XI 106 sind die graculi Heuschreckenfresser, doch sollen sie nach VIII 101 als Purgiermittel zeitweilig auch Lorbeerblätter fressen; als Wetterpropheten werden sie genannt XVIII 363.

3. Eichelhäher (Garrulns glandarius L.), ün Sanskrit onomatopoetisch f T 7, altgr. κίσοα (att. κίττα z. B. Ar. av. 302.1297. Anaxandr. Prote-sil. 41, 65 K. Mnesim. Hippotr. 4, 49 K.), neu-giiech. κίζα, lat. pica, bei Albertus Magnus kycke, bei Vincentius Bellovacensis kyke. Ein bunter Vogel (Muscio morb. mul. p. 13, 2. Alex. Aphrod. probl. II 73), der gegen neun Eier legt (Plin. n. h. X 165) und sich sein Nest auf Bäumen aus Haaren und Wolle macht. Er nährt sich von [1557] Eicheln, die er, wenn sie reichlicher vorhanden sind, für ärmere Zeiten verwahrt, [‌Arist.] hist. an. IX 13 p. 615 b 21. 616 a 4. Theophr. c. pl. II 17, 8. Seine Feinde sind die Schleiereule und der Waldkauz, Arist hist an. VIII 3 p. 592 b 12. Die Jungen sind sehr unvollkommen und blind, gen. an. IV 6 p. 774 b 26. Besonders heben die Alten die Gefräßigkeit und Wollust des Vogels hervor; so sagt der Scholiast zu Ar. pac. 496: δρνεον ἀδηφάγον καὶ παμφάγον, περίεργον δὲ εἰς ἐπιθυμίαν · αὐτὸ γὰρ ἐπιθυμητικώς ἔχον τῶν ἀκροδρύων ταχέως δυσαρεστεῖσθαι ἐξ ὧν δ' ἄν ἐσάιοι, τούτων εὐΌυς κορεσθέν πάλιν ἐτέρων ἐπιθυμεῖν καὶ μεταβάσεις ποιεῖσθαι εἰς ἔκαστον τῶν δένδρων. Ähnliche Ausführungen findet man im Etym. Gud. s. ἐκίσσησεν, wo es weiter heißt: ἐπειδὴ τὸ δρνεον λίχνον ἐστί. πρὸς τὰς συνουσίας καὶ πρὸς ἠδονάς κατωφερές. S. feiner unter κισσω und Hesych s. κίσσα. Eine eigentümliche Frauenkrankheit, die überspannte Eßlust der Schwangeren, hat man nach dem Tiere daher κίσσα genannt, Schol. Ar. vesp. 348; pax 496 und häufig bei Ärzten. Nach Alex. Aphrod. probl. II 73 ist der Eichelhäher ein merkwürdiger Vogel, der Erdschollen frißt: es ist das übertriebene παμφάγον des Aristophanes-scholiasten, obgleich dies eigentlich noch mehr sagt. Ferner wird seine Fähigkeit, alle möglichen Stimmen nachzuahmen, häufig betont: außer [Arist.] hist. an. IX 13 p. 615 b 19 Alexis im Thrason II 326 K. (λαλιστέραν γυναίκα κίττης). Lykophr. 1319 (εἰς τὴν λάληθραν κίσσαν ἠρματίξατο), wozu der Scholiast bemerkt: ἐπειδὴ τὸ δρνεον μιμητικὸν ἔστι φωνῆς ἀνθρωπίνης. Sext. Emp. Pyrrh. I 74. adv. mata VIII 275. Dionys. de av. I 15 hat einen Eichelhäher gekannt, der bald wie ein Bock meckerte, bald wie ein Kalb muhte, bald wie ein Schaf blökte, bald wie ein Schäfer pfiff. Paus. VIII 12, 3 erzählt, ein Kind des Herakles und der Phiale habe, ausgesetzt, zu weinen angefangen; da aber ein Häher sein Gewimmer nachahmte, sei es vom Vater gerettet und die in der Nähe sprudelnde Quelle (in Süd-aikadien) Kissa genannt. Plut. soll. an. 19 bringt die Geschichte von einem Barbier, der auf dem griechischen Markte in Rom w’ohnte; er besaß einen Eichelhäher, der alle möglichen Stimmen nachahmte. Nach einem Leichenzuge mit großartiger Musik verstummte er jedoch, bis er nach einiger Zeit die ganzen Töne mit großer Vollkommenheit zum besten gab. Vgl. Aelian. hist. an. VI 19. Suid. s. κίττα. Ovid. met. V 299: imitantes omnia picae. 678: raucaque garrulitas sfudiumque immane loquendi. Ovid. erzählt die Verwandlung der Emathiden in Häher nach Nic. frg. 54. Pers. prol. 9–14 vergleicht Brotdichter mit diesen Vögeln: Quis pieas docuit verba nostra conari?.... corvos poetas et poetridas picas can-tare credas Pegaseium nectar. Vgl. Petron. 37, 7, bei dem auch die Eintretenden von einem Häher begrüßt werden. In VII 87, wo sich Martial über die Tierliebhaberei Iustig macht, vergißt er auch den Eichelhäher nicht; XIV 76 kommt einer vor, der täuschend ,Herr‘ ruft. Nach den oben erwähnten Komikern wurden die Vögel auch gegessen. Wenn sie nach Cornut. p. 61, 22 Lang wirklich dem Dionysos heilig gewesen sein sollten, so wohl nur wegen des Anklingens ihres [1558] Namens an κισσός. In Pompeii ließ man sie wegen ihres bunten Gefieders oft malen, Neapeler Museum Wand XIII nr. 8748. 8762.

4. Elster (Pica pica L.), griechisch ebenfalls κίσσα, obwohl nirgends sicher (vgl. He-sych. κραγγῶν: κίσσα), lateinisch pica, umbrisch peica. Daß die Alten zwei so verschieden gefärbte, wenn auch nah verwandte Vögel mit demselben Namen bezeichnet haben, nimmt zwar 10 wunder, ist aber nicht wegzuleugnen. Die Elster ist in Griechenland seltener; daher mag ein Namefür sie fehlen. In Italien sind beide Vögel jetzt gleichmäßig verbreitet und heißen beide gaxxa; will man sie unterscheiden, so sagt man für Elster gaxxa negra, für Häher gaxxa ghiandaja: G i g -lioli Avifauna italica 14f. Plinius versteht unter pica X 165 (s. nr. 3) den Eichelhäher, an den übrigen Stellen läßt es sich nicht mit Sicherheit entscheiden, ob Eichelhäher oder Elster ge-20 meint ist. Nur X 78 ist picae varia# longa cauda insignes, die, wie Plinius sagt, erst in neuerer Zeit und immer noch selten vom Appennin herab in die Nähe Roms kommen, bestimmt auf die Elster zu beziehen. Bunt sind freilich die Häher viel mehr als die Elstern, und bei Petron. 37, 7 bedeutet picae rariae gerade Häher, aber die Hervorhebung des langen Schwanzes weist deutlich genug auf die Elster. Wenn die picae bemerken, daß der Mensch ihr Nest angerührt hat, schleppen 30 sie ihre Eier fort, Plin. n. h. X 98. In 118f. wird von ihrem Nachahmungstriebe berichtet, auch von ihrem großen Eifer, die verschiedensten Stimmen wiederzugeben. Einige sollen gestorben sein, weil es ihnen mißlang, ein Wort auszusprechen. Sie vergessen zwar Gelerntes, freuen sich aber, wenn sie es wieder hören. Ihre Gestalt ist hübsch, wenn auch nicht schön. Indessen scheint diese Stelle eher auf den Eichelhäher als auf die Elster zu beziehen zu sein, da 40 Plinius sagt, man behaupte, daß nur die picae ex genere earum, quae glande vescantur sprechen lernen. Die weiteren Bemerkungen sind Märchen, die sich Plinius von den Abrichtern solcher Vögel erzählen ließ; die Einführung mit negant beweist, daß er hier die Meinung anderer wiedergibt. Immerhin wird sich der Zoologe über die picae mit fünf Zehen (es gibt keinen Vogel mit fünf Zehen) weniger entsetzen. wenn er sieht, daß die Textüberlieferung nicht einwandfrei 50 ist; nur zwei Hss. bieten das anstößige quini. andere Hss. haben nur ni. In der Auguraldisziplin spielten sie eine bedeutende Rolle, wie man aus den Iguvinischen Tafeln ersehen kann. Auf einem verlorenen Mosaik von Aventicum, einem erhaltenen zu Rottweil und einem pom-peianischen Wandbild im Louvre sind sie künstlerisch dargestellt (Keller Ant. Tierwelt ἼΓ 113).

5. Dohle (Lycus monedula L.), griech. 60 κολοίος (παρὰ τὸ κλω τὸ κλάζω Etym. Gud. s. ἐκολώα), bei [ArisL] hist. an. IX 24 p, 617 b 18 βωμολόχος; lat. monedula (aus monet-edula Münzenfresserin) oder monerula, teilweise (besonders bei Dichtern, die sie auch mit der K. verwechseln) auch graculus (= κολοιός Gloss.) oder gragulus (Varr. de l. l. V 76; r. r. III 16, 4), gracula als Schmeichelwort bei Salv. op. 4 p. 162 M. (a gar-rulitate, Isid. or. XII 7, 45), besonders in der [1559] Poesie von Homer (s. u.) und Plautus an (capt. 1002; true. 501; asin. 694) häufig genannt Es ist der kleinste aller Rabenvögel, daher μικρός TArist.] a. a. O., μικραὶ κορθναί Hesych. Unklar ist dessen Bemerkung, δ ου τάχα ὄραται ἐν Ἀλεξάνδρειά die unter einem neuen Stichwort folgt und sich jedenfalls nicht auf den Vogel bezieht. Übrigens wurden nach Hesych auch die Ohreulen κολοιοί genannt. Füße und Gefieder sind schwarz, Ovid. met. VÏII 468. Die Stimme kreischend: θορυβώδες γὰρ τὸ ζωονθ Etym. Gud. s. ἔκολωα, welches homerische Wort wohl von κολοιός erst abgeleitet ist. Man bezeichnete sie verbal mit κλώζειν (Poll. V 89), κολοιαν (13), substantivisch mit κρωγμός (Antip. Sid. Anth. Pal. VII 713, 8, vgl. Etym. Gud. s. κολοιός: κρακτικὸν γὰρ τὸ ζωον). S. auch Hom. II. II 212 mit den Erklären! und Philo de somn. II 260 (κολοιῶν ἄκοσμους καὶ ἀμετροεπείς φωνάς), ferner Pind. Nem. III 143 (κραγέται); lat. fringulire, ‘ Suet. frg. 161. Carm. de philom. 28. Sie haben keinen Kropf, aber eine nach dem Magen zu sich erweiternde Speiseröhre, Arist. hist. an. II 17 p. 509 a 1. Plin. n. h. XI 201. Samen speichern sie in Baumhöhlungen auf, XVII 99. Als besonders aufmerksame Vögel gelten sie dem Ar. av. 1174. 1212, der sie nicht nur in Wölkenkuckucksheim als Tageswächter anstellt, sondern dessen Euelpides sie auch als Wegweiser dienen, 7. 50. 86. 88. Sie leben in großen Scharen zu- 3 sammen: νέφος κολοιῶν Hom. H. XVIII 755, φιλάλληλον γὰρ τὸ ζφον καὶ συναγελαστικόν Suid. Die Freundschaft ist nach Plut. amie, mult. 2 kein ζώον κολοιωδες. Sie stehlen Gold, Cic. Flacc. 76. Ovid. met. VII 469 (Verwandlung der Arne). Priap. LXI 10 (raptor). Für sehr geil müssen sie auch gegolten haben; denn Ti-maios nannte nach Polyb. XII 15, 2 den Agatho-kles eine Dohle, wenn die Lesart richtig ist. Falken sind ihre Feinde (Hom. II. XVI 583), be-4( sonders die Hühnerhabichte (XVIII 757); sie selbst machen sich an Adler heran, Tryph. V 249. Ihre Jagd schildert Aelian. hist. an. IV 30 (ähnlich Dionys. de av. III 18) mit folgenden Worten (benutzt Klearch von Soloi Περὶ τῶν ἐν τρ Πλάτωνος Πολιτεία μαθηματικως εἰρημενῶν FHG II 316): ,Dohlen leben fast immer in größeren Gesellschaften, was ihnen jedoch oft Schaden bringt. Ich meine so. Wer sie jagen will, geht nämlich darauf aus. Wo er ihre Nist- 50 platze und ihre Versammlungsorte erkundet hat, da stellt er Schüsselchen mit Öl auf. Nun ist das öl reflektierend, das Vögelchen neugierig; es kommt, setzt sich auf den Rand der Schale, bückt sich und sieht sein Spiegelbild. Da glaubt es denn eine andere Dohle zu sehen und will zu ihr eilen. Es fällt nun in das Öl, schlägt mit den Flügeln und verkleistert sich ganz, so daß es nicht wieder heraus kann. So hat man das Tier ohne Netz, Leimruten und Stricke so- 60 zusagen gefesselt*. Eine ähnliche Überlistung erzählt die Äsopische Fabel 99. Wenn Dohlen in ein Saatfeld einfallen und Schaden verursachen, so soll nach Dig. XIX 2, 15 der Besitzer dem Pächter Nachlaß geben. Nach Geopon. XIV 25, 3 wurden sie mit Schleudern verjagt oder durch Klappern verscheucht. Wenn man eine gefangene Dohle im Grundstück aufhängt, kommen die [1560] anderen nicht heran, 1. Daß sie in Athen sehr häufig waren, geht aus dem billigen Preise her* vor (0, 15 M), den Ar. av. 18 für eine Dohle ansetzt. Man hielt sie, wie noch heute, in Käfigen Arist. gen. an. III 6 p. 756 b 21; an ihnen hat der Forscher beobachtet, daß die Ansicht des Anaxagoras A 114 Diels, die Raben begatteten sich durch den Mund, falsch ist. Er erkennt also die nahe Verwandtschaft zwischen Rabe und 10 Dohle, und daß ein so merkwürdiger Zug in der

Fortpflanzungsgeschichte nicht der einen Gattung allein zukommen könne. Thessalier, Illyrier und Lemnier schonten die Dohlen, weil sie die Heuschreckenbrut vernichten, Aelian. hist. an. III 12. Plin. n. h. XI 106. - Wie sehr sie. die Menschen beschäftigen, geht aus den zahlreichen Anekdoten und Fabeln hervor, die von ihnen handeln. Nach Aelian. hist. an. I- 6. XII 37 soll sich eine Dohle in einen hübschen spartanischen 20 Knaben so verliebt haben, daß sie krank wurde.

Aesop. 199 erzählt von der dummen Dohle, die auf dem Feigenbäume so lange wartet, bis die Früchte reif sind; 200 (= Phaedr. I 3) von der Dohle, die sich mit fremden Federn schmückt; 201 mischt sich eine Dohle unter Raben, wird aber von ihnen verjagt und nun auch von ihren Artgenossen nicht mehr aufgenommen; 201b färbt sich solch ein Vogel weiß und mischt sich unter die Tauben, der Ausgang ist wie in der 0 vorhergehenden Fabel; 202 erzählt von einer gefangenen Dohle, die entfliehen will, sich aber verwickelt: und 398 schließlich von der schlauen Antwort, die eine Dohle dem stolzen Pfau erteilt. Theopomp erzählt nach Antig. Car. 189. Aelian. hist. an. XVII 16, die Eneter am Adriatischen Meer streuten den Vögeln zur Zeit der Aussaat Brot- und Kuchenkrümel aus, damit sie das Getreide schonten. Lykos fügt nach denselben Autoren noch hinzu, die Tiere nähmen diese) Geschenke nicht immer an, sondern schickten einige Vorposten, die die Speisen kosten sollten; gefielen sie ihnen nicht, so machten sie sich über das Getreide her, und die Eneter sähen einer Hungersnot entgegen. Mit der Redensart ,schwärzer als eine Dohle⁴ bezeichnet Mart. I 115, 5 etwas ,Rabenschwarzes⁴. Auf das gesellige Leben bezieht sich das von Aristoteles häufig herangezogene Sprichwort κολοιὸς παρὰ κολοιόν (eth. Nic. VII! 1 p. 1155 a 34; magn. II 11 p.

' 1208 b 9; Eudem. VII 1 p. 1235 a 8; rhet. I 11 p. 1371 b 17), »gleich und gleich gesellt sich gern⁴. Suidas ergänzt Ἰζάνει und erklärt: τάττεται ôr ἐπὶ τῶν τοῖς ὀμοίοις προσομιλούντων, das Wort findet sich schon bei Demokrit. A 128 Diels und noch bei Aristaen. ep. I 12. Ein anderes nihd cum fidibus graculo, Gell. n. a. praef. 19: .Schuster bleib bei deinem Leisten*. Aus der Fabel Aesop. 200 = Phaedr. I 3 ist die Redensart κολοώς ἀλλοτρίοι? πτεροῖς ἀγάλλεται ζ. Β. Luc. apol. 4 enstanden, vom ,Raben, der sich mit fremden Federn schmückt*. Aus Cic. Flacc. 76 und Ovid. met. VII 469 ergab sich dann bald die Wendung κλεπτεταὶ ὡς κολοιός, ,er stiehlt wie ein Rabe*, obwohl sie in dieser Form nicht für das Altertum nachweisbar ist. In dem Orakelspruch Ar. equ. 1020 haben Dohlen üble Vorbedeutung. Wenn sie wie ein Habicht schreien (ἰεοακίζονβιν) und bald nach oben bald nach [1561] AUV1 JUUOU9

unten fliegen, gibt es Frost und Hegen (Arist. frg. 241 p. 1522 a 37. pluviae graculus auctor aquae, Ovid. am. II 6, 34). Kunst: Münze der Gens Antistia, Unterschrift GrRACV (L. Antestius Gragulus war ein Münzmeister um 154 v. Chr.), Keller Ant. Tierwelt II 112, Fig. 28. Κσλοως soll auch der Titel eines Buches des Kynikers Diogenes gewesen sein, Diog. Laert. VI 80.

6. Kolkrabe (Corvus corax L.) s. Rabe.

7. Wüstenrabe (Corvus umbrinus L.), vielleicht nur Spielart von nr. 6, auf ägyptischen Denkmälern dargestellt, z. B. sehr naturgetreu Keller Ant. Tierwelt II 107 Fig. 27.

8. Saatkrähe (Corvus frugilegus L.), sonst von nr. 9 nicht unterschieden, aber vielleicht als ägyptische K. von Arist. hist. an. VIII 28 p. 606 a 25 gemeint; auch die sprechende schwarze K. aus Südspanien bei Plin. n. h. X 124 ist möglicherweise eine Saat-K.

9. Nebelkrähe (Corvus cornix L.) und Rabenkrähe (Corvus corone Gm.); beide Abarten sind Standvögel in Griechenland; von den Autoren wurden sie nicht unterschieden.

a) Namen. Sanskrit ζΎθΤθΗ (langlebig), griech. κορώνη (παρὰ τὸ καῦρον, ὁ σημαίνει τὸ κακόν Etym. Gud.), das Junge κορωνιδευς (ὁ τῆς κορώνης νεοττός Hesych. und Eustath. II. 753. 56 nach Kratinos frg. 179 K.), lat. cornix (crava- aves lascivae, iocosae Gloss.), Diminutiv cornicula (genus avis, crae Gloss.): so hieß ein Stuck des Plautus, Varr. de l. l. V 153. VII 52. Viele Eigennamen bezeugen das häufige Vorkommen des Vogels: Κορώνεια, Χορωνεῦς, Κορωνίς, Κορωνός, Corniscae.

b) Lebensweise. Die K. nisten auf Eichen (Paus. IX 3, 4), Feigen (Archil. frg. 19 B⁴) oder Pappeln (Apoll. Rhod. III 927); ihre Bewegung ist schreitend, Ovid. met. II 572. Plin. n. h. X 111 (ambulant). Ihre Stimme ist ein Krächzen: κρωγμός oder κρώγμα Herodian. epim. 73, verbal κρώζειν Hesiod. op. 747. Ar. av. 2. 24. Arat. 953, adjektivisch besonders λακέρυζα (μεγάλα κράζουσα Hesych.) Hesiod. op. 747. Ar. av. 609. Apoll. Rhod. III 978, auch πολύκρωζος Opp. cyn. III 117. Lateinisch verbal garrire (Hieron. epist. 40, 2, der die Stimme an derselben Stelle adjektivisch raucidula nennt), adjektivisch rauci-sona Lucr. V 1041, raucus VI 744, loquax Ovid. fast. II 89, loquax et stridula Prud. ep. 298, gar-rula Ov. am. III 5, 22. Auson. p. 365, 3; vgl. ferner cornicari Pers. V 12 (Schol.: novum a poeta rerbum compositum: submurmuras et quasi cor-nias voees profers) und Hieron. ep. 125, 16; auch Calpurn. ecl. VI 7: si vincat acanthida cornix. Sie haben keinen Kropf, sondern eine nach dem Magen zu sich erweiternde Speiseröhre, Arist. hist an. II 17 p. 509 a 1. Plin. n. h. XI 201. Ihre Nahrung besteht aus Getreidekörnern und Feigen, Archil. frg. 19 B⁴. Ephippos II 258 K. Fressen, das sie mit dem Schnabel nicht bewältigen können, lassen sie auf harte Unterlagen fallen, so daß es birst, Plin. n. h. X 30. Phaedr. II 6, 12. Sie haben sehr gute Augen (acutissima visione) und hacken, weil sie diesen Besitz auch bei anderen Tieren für den wertvollsten halten, gern darnach (et quando aliquod ad cadaver offen-dit, praecipue invadere in oculus dicitur, Schol. Bob. ad Cic. Flacc. 46). Nur die Weibchen brüten, [1562] und die Männchen bringen ihnen während dieser Zeit Futter herbei, Arist. hist. an. VI 8 p. 564 a 16. Über ihr Eheleben sagt Aelian. hist. an. III 9, sie hätten sich sehr lieb (vgl. Archil. frg. 102 B⁴), und wenn eines stürbe, bleibe das andere verwitwet. Hy-las bei Plin. n. h. X 38 berichtet (Dionys. de av. I 8 schöpft aus derselben Quelle), die Jungen kämen wegen der Schwere des Kopfes mit dem Schwänze voran aus dem Ei. Sie bekümmern sich 10 um ihre (zunächst noch sehr unvollkommenen

und blinden, Arist. gen. an. VI 6 p. 774 b 28) Jungen auch noch, wenn diese schon fliegen können, hist. an. VI 6 p. 563 b 11. Plin. n. h. X 30. Ambros, hex. V 18, 58. Eustath. Bas. hex. VIII 6 p. 952 B. Auch während des Winters halten sie sich in der Nähe der Städte auf ([Arist.] hist. an. IX 23 p. 617 b 13), doch meiden sie angeblich die Akropolis, Aelian. hist. an. V 8. Apollon, hist. mir. 8 nach Habron (Artikel fehlt in unserem 20 Lexikon) ἐν τῆ δ Των πρὸς Φίλιππον θυσιῶν,

und Athen nach Plin. n. h. X 30 überhaupt; in anderen Heiligtümern der Athene seien sie nur selten anzutreffen. Antig. Car. hist mir. 12 gibt nach Amelesagoras ἐν Ἀτθίδι als Grund dafür an, die Göttin sei den Vögeln gram, weil einer von ihnen sie durch die Verkündigung vom Vorwitz der Aglauros und Pandrosos erschreckt habe. Vgl. Aesop. 213 und Ov. am. II 6, 35 (armiferae cornix invisa Minervae). In Af-30 rika sind sie selten, August. ep. 118, 9. Sie

leben in Feindschaft mit den Steinkäuzen, die ihnen und denen sie die Eier auffressen, [Arist.] hist. an. IX 1 p. 609 a 8. Aelian. hist an. III 9. Plin. n. h. X 203. Ovid. fast. II 89; ebenso mit dem Habicht, Aelian. hist. an. VI 45. Auch Wiesel und der sog. πρέσβῦς (synonym mit τρο· χίλος und βασιλεύς, als Zaunkönig gedeutet) leben mit ihnen in Feindschaft, [Arist.] hist. an. IX 1 p. 609 a 18. Plin. n. h. X 204. Sie selbst töten 40 den sog. τύπανος (wahrscheinlich ein Vogel, näher

nicht bestimmbar), [Arist.] hist. an. IX 1 p. 609 a 27; und auf dem Rücken der Rinder hacken sie herum, Ovid. am. III 5, 23. Dagegensind sie mit den Reihern gut Freund, [Arist.] hist. an. IX 1 p. 610 a 8. Aelian. hist. an. V 48. Plin. n. h. X 207 fügt hinzu: gemeinsam gegen Füchse (bei Eustath. Bas. hex. VIII 5 p. 950 C sind aus den Reihern Störche geworden). Als Mittel gegen bösen Blick benützen die K. Klappertopf, 50 Aelian. hist. an. I 35; sterben müssen sie aber, wenn sie Reste einer Wolfsmahlzeit verzehren, VI 46. Sechzig Tage vor dem Reifen der Sommerfeigen werden sie krank, Plin. n. h. X 32.

c) Alter. Die K. erreichen ein sehr hohes Alter: älteste Stellen Eleg. adesp. 3 B.⁴ (γρηύς) und Hesiod. fr. 171 Rz.: ἐννέα τοὶ ζώει γενεάς λακέρνζα χορωνή, ein oft zitierter Vers, nach dem die K. also neun Alter lebt, d. b. nach Plut. def. or. 11 nur nenn Jahre; doch führt er auch 60 die Deutungen von 30 bzw. 108 Jahren für eine γενεά an, je nachdem man im folgenden Verse ἠβώντων oder γηράντων schreibe: das wären dann 270 bzw. 972 Jahre. Entspricht saeculum ebenfalls einem Zeitraum von ungefähr 30 Jahren, dann pflichtet Ovid der zweiten Ansicht bei (saeclis vix moritura novem am. II 6, 36 und novem cornicis saecula passae met. VII 274) und wohl auch Symphos. 94 (vivo novem vîtes, si me [1563] non Graecia fallit) sowie Ausoû. p. 365, 3 (Aoe novies superat vivendo gctrruia cornix). Plutarch spricht übrigens brut. rat. 5 von den verwitweten K.-Weibchen, die Penelope neunmal an Enthaltsamkeit überträfen, neigt also hier selbst der zweiten Erklärung zu, die übrigens von Heraklit. A 19 Diels aufgestellt ist. Unsicher ist Schol. Iuv. X 247 (Nestor sei so alt wie eine K. geworden) und Auson. p. 336, 12 (et totiens cornix vivacior aevo). Ar. av. 609 sagt: οὐκ oloθ ὀτιπέντ ἄνδρων ] γενεάς ζώει λακέρυζα κορώνη; doch scheint er unter γενεά wieder mehr als 30 Jahre zu verstehen, da die Vögel den Menschen 300 Jahre zu ihrem Alter hinzulegen sollen. Horapoll. II 89 nimmt 400 Jahre an. S. ferner: Lucr. V 1071. Cic. Tusc. I 77. III 69. Hör. c. III 17, 13. Priap. LXI 11. Phaedr. app. XXIV 7. Plin. n. h. VII 153. Mart. X 67, 5. Avien. Arat. 1742. Opp. tyn. II 291. Macrob. sat. VII 5, 11. Poll. II 16.

d) Dressur. Das Gerät, mit dem man 2 K. fing, hieß κορωνοβόλον, Anth. Pal. VII 546, 1; wie es aussah, ist ungewiß; der Scholiast sagt nur: ἔστι δὲ ὄργανον Ἴξευτον, Man zähmte die Vögel. So berichtet Aelian. hist. an. VI 7 von einem ägyptischen Könige (bei Apostol. IX 87 ist es ein indischer) namens Mares, dessen junge K. Briefe schnell und sicher an ihre Bestimmungsorte trug; daher setzte er ihr in Kroko-dilopolis am Mörissee ein Denkmal. In der Gefangenschaft lernten sie die menschliche Stimme 31 nachahmen, Varr. de l. l. VI 56. Auf Rhodos trug man sie ähnlich wie die Schwalben (s. d.), Bettellieder singend herum; doch wohl im Herbst (Bergk Griech, Lit. I 351), nicht auch im Frühjahr (Wackernagel ἔπεα πτερ. 7). Das erfahren wir durch Athen. VIII 359 A ff., der eine Stelle aus den Ὀβελιαφόροι des Ephippos II 258 K. anführt; diese schließt mit den Worten: ,Das Kälbchen der K. werden wir morgen zu Mittag essen*. Das verstehen die Gäste nicht, 4( und Plutarch interpretiert es, indem er den Ko-lophonier Phoinix, einen Hinkiambendichter aus der Zeit um 300 v. Chr., heranzieht; aus den 21 Versen (p. 217 B.⁴) geht folgendes hervor. Die Kinder stehen vor den Türen der Reichen und bitten sie, ihrer zahmen K. Gerste, Weizen, Brot, oder was sie gerade in den Händen haben, zu geben, Ihr Wunsch erfüllt sich, ein junges Mädchen erscheint und schenkt den K. Feigen, ihre Lieblingsspeise, darauf flehen sie alles Gute 50 vom Himmel auf die freundliche Spenderin herab: einen reichen und vornehmen Mann und liebe Kinder. Pamphilos ἐν τοῖς Περὶ ὀνομάτων sagt a. a. O., diese Kinder habe man κορωνωταί (etwas anderes ist κορωνιστης bei Plut. mul. virt. Xenokrite), und Hagnokles (Artikel fehlt in unserem Lexikon) ἐν Κορωνισταῖς, die Lieder habe man κορωνίαματα genannt. Dasselbe bei Hesych s. κορωνισταί. K. war auch der Name eines Gesanges, den man als Symbol der Eintracht in 60 den älteren Zeiten nach dem Hymenaios an-stimmte, Aelian. hist. an. III 9. Und zwei K. waren überhaupt ein Symbol der Ehe, Horapoll. I 8. Deshalb sangen in Athen die Bettler vor den Häusern Neuvermählter: ἐκκόρει κόρην κορώνη (d. h. wohl pénis puellam effutuit), Schol. Pind. Pyth. III 27. Für die Fuchsjagd wurden K. bei den Indern abgerichtet, Ktes. Ind. 11. [1564] e) Medizinisches. Das Gehirn einer K., in der Mahlzeit verkocht, wurde gegen Kopfschmerzen (Plin. n. h. XXIX 113) und Augen-wimperschwund (115), das Fleisch bei langwierigen Krankheiten empfohlen, XXX 103. Sind K. selbst krank, so fressen sie Menschenkot, Ana-tolius bei Fabricius Bibi. gr. IV 2 p. 297.

f) Der Weissage'vogel. Neben ihrem hohen Alter ist ihre Bedeutung im Auguralwesen .0 dasjenige, was Nichtfachschriftsteller am häufigsten an der K. hervorheben. Die Corniscae (s. d.) standen im Dienste der Iuno Sospita, Fest. ep. 64. Man hat eine Inschrift gefunden, auf der sie als göttlich bezeichnet werden: devas Corniscas sacrum, CIL I 814.[1] Die Ammen des Apollon, die ὑριαί, waren es, die dem Vogel die Gabe der Weissagung einpflanzten, Eleg. adesp. 3 B⁴. Isid. or. XII 7, 44 definiert: Annosa avis, apud Laii-nos Graeco nomine appellatur, quam aiunt augures 0 hominum curas significationibus augere, insidia-tum vias monstrare, Mura praedicere. Magnum nefas haec credere, ul deus consilia sua cornicibus mandet. Huie inter multa auspicia tribuuni eti-am pluvias portendere voeibus. In diesen Worten, in deren mittlerem Satze die christliche Empörung auflodert, sind die wichtigsten Fähigkeiten des zukunftskundigen Vogels angegeben. Der Bischof hat übrigens unrecht: wenn die K. von links heranfliegen, weissagen sie Gutes: Plaut. 3 asin. 260. Hör. c. III 27, 15. Cic. ac. II 128;

div. I 12. 85. Phaedr. III 18, 12. Günstig ist es auch, wenn ein K.-Pärchen erscheint, Vita Aesopi p. 60. Bei Verg. ecl. IX 15 warnt eine links auf einer hohlen Steineiche sitzende K. den Moris vor drohender Gefahr. Negativ ist Cic. div. II 78 (nee Deiotaro cornix canere potuit recte eum facere), der sich an anderer Stelle (nat. deor. III 14) darüber wundert, wie man zu der Ansicht gekommen ist: quis cornicis cantum notavil?) Ähnlich Prud. c. Symm. II 571, der sich darüber Iustig macht, daß an der Cremera keine K. kam, den Tod der 300 Fabier anzuzeigen. Einige Zeit vor dem Tode des Domitian sagte eine K. auf dem Kapitol: ἔσται πάντα καλώς, da sie, wie ein witziger Epigrammatist dichtete, ἔστι nicht sagen konnte, Suet. Dom. 23. Daß die K. Unglück bedeute, hebt besonders Plin. n. h. X 30 hervor: inauspicatissima fetus tempore, id est post solsHtium, In Phrygien konnte man das Unheil abwehren, wenn man einen Stein nach ihr warf, Schwarz Progr. Celle (1888) 35. Trotz der schriftstellerischen Wirksamkeit christlicher Apologeten spukte der K.-Aberglaube noch lange im Volke herum. So erzählt Cassiodor hist. V 27 p. 1005 B vom Athanasius, daß vor ihm, als er durch die Menge schritt, schreiend eine K. aufgeflogen sei. Die Menschen hätten sofort halt gemacht und ihn wie einen Zauberer gefragt, was dies zu bedeuten habe. Vgl. Hieron. praef. ad Didym, de spir. sanct. II 108 M. Bei griechischen Schriftstellern hört man weniger von der Bedeutung des K.-Fluges fürs menschliche Leben: Aesop. 212. Apoll. Rhod. III 928. Aelian. hist. an. III

9. Nicht ganz in das Gebiet des Aberglaubens zu verweisen ist die Ansicht, die K. verkünde den Stand des Wetters im voraus. Wenn die Vögel am Spätnachmittag krächzen, gibt es einen langen Winter; gurren sie nur beim Fressen wohlig, [1565] ist am nächsten Tage schön Wetter, Arist. frg. 241 p. 1522 b.5. Aelian. hist. an. VII 7; ähnlich Plin. n. h. XVIII 363. Wenn sie einsam im Sande herumlaufen und ihre Stimmen dabei erschallen lassen, wird es regnen, Verg. georg. I 388. Euphorien frg. 65 nennt sie ὑετομάντεις, Her. c. III 17, 12 darnach aquae augures, und Lucan. Phars. V 556 sagt: velut occupet imbrem, instabili gressu metitur litora corniz. Ähnlich Cic. progn. frg. 6: fusca nonnumquam eursans per litora corniz demersit caput et fluctum cervice recepit; s. auch Avien. Arat. 1704. Über indische K.-Orakel handelt ausführlich Keller Ant. Tierwelt II 108f.

g) Fabel und Sprichwort. Zu dem Grabe des Hesiod wies eine K. den Weg, Paus. IX 38, 3. Luc. Peregr. 41. Ursprünglich war aber nur der Rabe mit der Gabe der Weissagung beschenkt. Darüber ärgerte sich die K.; sie setzte sich auf einen Baum und fing mächtig an zu krächzen; doch erregte sie bei den Vorübergehenden nur mitleidiges Gelächter, Aesop. 212. Eine K., die der Athene opferte, lud einen Hund zum Schmaus. Dieser wies sie darauf hin, daß die Göttin das Opfer doch nicht annehmen würde (vgl. unter b und unten). Die K. aber erklärte: »Gerade deshalb opfere ich ihr*, 213. In der 358. Fabel steht eine Unterhaltung zwischen K. und Taube über Kinderreichtum, in 415f. zwischen K. und Schwalbe über Schönheit und Schwatzhaftigkeit. Hör. epist. I 3, 20 erzählt von der K. die Geschichte von den gestohlenen Federn, die sonst von der Dohle berichtet wird (s. o. nr. 5), ebenso Hieron. ep. 108, 15. Die Verwandlung der Tochter des Koroneus, der Mutter des Gottes Asklepios, in eine K. berichtet sie selbst bei Ovid. met. II 549S.: Von Poseidon verfolgt, sei sie durch Vermittlung der Athena zur K. geworden, die sie zu ihrem Lieblingsvogel gemacht habe. Als sie ihr jedoch die Öffnung des Kästchens, in dem Erichthonios lag, mitteilte, sei sie verstoßen worden und habe dem Steinkauz Platz machen müssen, Hygin. fab. 166. Geschehen zu Lakereia in Nordgriechenland (Anklang an λακέρυζα), Schot Pind. Pyth. III 59. Auch Leukippe, des Minyas Tochter, wurde, weil sie das Bakchosfest versäumte, von diesem Gotte in eine K. verwandelt, Aelian. v. h. III 42. Ovid. met. IV 408. - Das geläufigste Sprichwort war: κορώνη τὸν σκορπίον (s. Hesych. Suid. s. v.), z. B. Meleager Anth. Pal. XII 92: Ἠρπάσατ πλλον ἔρωτ', ἄρνες λύκον, οἰὰ κορώνη σκορπίον. Zenob. IV 60 erklärt: ἐπὶ τῶν δνσχερέσι καὶ βλαβεροί; ἐπιχειρούντων · λείπει γὰρ τδ ἤρπασε · καὶ γὰρ ἀρπασάεις ὁ σκὸρπιὸς οὐκ ἔλαττον ἔδρασεν, ἐμβολῶν τῶ κεντρω τὸν ἰόν, ἤπερ ἔπαθεν. Ebenso Diogenian. I 52. Also: ,Er hat sich in die Nesseln gesetzt*. Ferner war das hohe Alter sprichwörtlich: ὑπὲρ τὰς κορώνας βεβιωκώς, Corn. anon. IV 680 M. (frg. 311b). PoU. II 16: ,So alt wie Methusalem*. Ein altes Weib heißt bei Myrinos Anth. Ptl. XI 67 Κορωνεκάβη. Vgl. γραῦς τρικόρωνος Agath. Anth. Pal. V 288, 1. Lucill. XI 69. Τρικόρωνον γερόντιαν Alkiphi. II 7, 1. Corniz et caries cetusque buslum Priap. LVII 1. Κορώνη γράμμα κομίζει Apostol. IX 87 bezieht sich auf die Geschichte von Mares unter d. Auch die Sehschärfe wird in einer Redensart [1566]

RE:Kragaleus

Jkragaieus- j ooo

hervorgehoben, die aber zugleich unserem ,einer K. die Augen aushacken⁴ entspricht (cornicum ocu-los conügere Cic. Mur. 25), weil sie von Leuten angewandt wird, die gewinnbringende Geschehnisse verraten. Ähnlich Flacc. 46, wo nur cornici oeulum ohne Verbum, wozu der Scholiast bemerkt: Ptoverbio celeberrimo usus est...volens ergo si-gnificare Hermippum hominem callidissimum ab hoc eodem Heraclida esse deceptum, ait non aliter tarn accidrsse, quam si cornici oculos effodias, cum ipsa vesci soleat alienis. Vgl. Priap. IV 5, 16 cornicum immeritas eruit ungue genas (verstümmelt) und Macrob sat. VII 5, 2.

h) Die K. in der Kunst. Häufig auf Münzen z. B. von Laos in Lukanien, Keller M. und G. 33. Schreiender Esel, auf dessen Rücken K., II 26ff., ähnlich 29 und V 24, alles Te-tadrachmen von Mende. Vorzüglich der Bergkristall Paris 1991, XXI 11. Als Attribut der 20 Iuno Sospita auf Münzen der Gens Cornificia, Müller Denkm. a. K. I 65, 341. Symbolisch neben zwei verschlungenen Händen, Stephani Compt.· rend. 1861, 111; auf dem Ehebett sitzend, O. Jahn Ber. d. sächs. Ges. 1851, 175. Auch hinter Asklepios stehend (vgl. o. g), Duruy-Hertzberg Röm. Kaisergesch. I 434, 2. Zu ornamentalen Zwecken (sitzend, Beeren suchend) oft, Keller Ant. Tierwelt II 107. Vgl. Da-mig de lap. 35 sculpis in beryllo locustam mari-'nam et sub pedibus eins corniclam.

Kragaleus, ein Sohn des Dryops, ist beheimatet im Dryoperlande. Dort zeichnet er sich durch eine gerechte Gesinnung aus und wird von Apollon, Artemis und Herakles in ihrem Streit um Ambrakia als Schiedsrichter angerufen. Da er dem Herakles die Stadt zuspricht, wird er von Apollon versteinert. Die Ambrakioten bringen ihm daher bei ihrem Heraklesfest ein Opfer dar. Nikander 40 bei Anton. Lib. IV.

K. ist der Eponymus der Κραγαλίόαι, eines Stammes im südlichen Teil von Phokis; darum heißt das Land bei Kirrha Κραγάλιον (Harpokr. 115, 13. Phot. lex. 176, 14). DieKragaliden scheinen unter ihren Nachbarn großes Ansehen genossen zu haben; so nennt sie Heeych. II 337 Κρισαίων βασιλείς. Im Bunde mit Krisa, den Dryopern und anderen Stämmen bildeten sie zum Schutze des delphischen Heiligtums eine Amphiktyonie, 50 die um 590 im sog. heiligen Krieg von den Thessaliern vernichtet wurde (Aischin. III 1073. Beloch Griech. Gesch.² I 335f. Gruppe Griech. Myth. 1063.). DieKragaliden stellten mit den Kirrhäern hinfort die Tempelsklaven (Aischin. a. a. O. Gruppe a. a. O.). Auch nach Epirus weisen die Spuren der Kragaliden. Die Tatsache, daß ihr Eponymus in Ambrakia noch in späterer. Zeit verehrt wird, legt die Vermutung nahe, daß sie schon vor der korinthischen Besetzung in der Gegend 60 von Ambrakia ansässig waren. Damit wären sie wie in Phokis so auch in Epeiros Nachbarn der Dryoper, mit denen sie ja auch durch ihre Stam-message eng verbunden sind - ihr Eponymus ist ein Sohn des Dryops: Anton. Lib. IV (über die Dryoper in Epeiros s. den Art. A m b r a k i a und Dry opes). Die Kragaliden verschwinden im Laufe der Zeit gänzlich. Mit dem Namen weiß man zur Zeit des ausgehenden Altertums nichts mehr anzu-

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum I, 814.