RE:Kyknos 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Sohn des Ares, Gegner des Herakles
Band XI,2 (1922) S. 24352438
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2) [...] [2436] [2437] [2438]

2) (Balsamo Studi difil. gr. I [1899] 12ff.)i Sohn des Ares, Gegner des Herakles. Mutter Pelopeia, Nicol. Damasc. frg. 55 (FHG III 389). Apollod. II 155. Eine andere Tradition nennt Pyrene, woraus bei Apollod. II 114 ein anderer Herakleskampf beim makedonischen Flusse Eche-doros gemacht worden ist (irrig Friedländer Herakles 5, 27: ursprüngliche Version). Dieser Kampf bildet die Fabel der ps.-hesiodeischen Aspis und wird folgendermaßen, und zwar sehr ungeschickt, erzählt: Auf dem Wege zu Keyx 3 in Trachis, deren Tochter die Gattin des Kyknos ist (v. 353ff«), trifft Herakles, von seinem Wagen-lenker Iolaos begleitet, im Temenos des Apollon Pagasaios (v. 70) den K. und seinen Vater Ares. Als Herakles sich gerüstet hat, kommt Athene zu ihm. Herakles und K. springen aus dem Wagen (370) und kämpfen. Nachdem Herakles mit der Lanze K. getötet hat, kämpft er mit Ares, der sich bis jetzt also ruhig verhalten hat. Von Athene unterstützt verwundet er Ares, der von 4i Phobos und Deimos nach dem Olymp entführt wird. Nachdem Herakles und Iolaos die Leiche des K. geplündert haben, fahren sie nach Trachis. Keyx und die umwohnenden Völkerschaften bestatten den K., aber sein Grab und σήμα wird vom Anaurosflusse weggeschwemmt – auf Apol Ions Befehl, weil K. die nach Pytho geführten Hekatomben geraubt hatte (vgl. Diod. IV 37. Plut. Thes. 11). Apollon ist also dem K. feindlich und sendet auch v. 69 den Herakles gegen 5C ihn; und doch haust K. im Heiligtum des pa-gasäischen Apollon und ruft ihn v. 68, doch vergebens, an. Das Hesiodische Gedicht wurde nach der Hypothesis schon von Stesichorns zitiert, höchst wahrscheinlich in dem Gedichte Kyknos, wovon Schol. Pind. Ol. X 19a, b. 21a erzählen: K, Ares Sohn, ἐν τῆ παρόδῳ τῆς Θεσσαλίας οἰκων, köpfte die Vorbeiziehenden, um aus den Schädeln dem Apollon (Ἄρει ist eine Konjektur des Thomas Magister) einen Tempel zu bauen. Als er den 60 Herakles überfiel, mußte dieser erst weichen (so der Ambrosianus richtig), weil Ares seinem Sohn zu Hilfe kam. Als K, allein stand, tötete Herakles ihn. Auch Pindar läßt Herakles anfangs weichen, Ol. X 15 τρόπε δὲ Κύκνεια μάχα καὶ ὑπέρβιον Ἤρακλεα. Bei Stesichoros ist das Heiligtum des Apollon merkwürdig. Euripides erwähnt die Tat des Herakles kurz Alk. 503 und Here. [2436] JLJKH08 Z 430

391: Κύκνον ξεινοδαίκταν τόξοις ὤλεοεν. Die Verwendung des Bogens ist nach v. Wil am o-witz (Her.2 II 93) eine Erfindung des Euripides; sie kommt aber schon vor auf dem archaischen. Bronzewagen aus Perugia (Röm. Mitt. IX 277), wo vielleicht mehr Einnuß von anderen Heraklesdarstellungen zu konstatieren ist. Aspis 129 wird sein Köcher erwähnt, spielt aber keine Rolle. Eine bedeutsame Variante bieten Apollod. II 114. Hyg. lOfab. 31: ein Blitz (von Zeus geschickt, Hygin) scheidet Herakles und Ares. Zwar donnert Zeus auch Aspis 383 und läßt Bluttropfen zur Erde fallen; dies geschieht aber heim Beginn des Kampfes und geht schwerlich auf eine ältere Vorlage zurück, weil die Stelle aus lauter Iliasreminiszenzen zu-sammengeklittert ist. Obgleich dieser Zug erst so spät auftritt und mit der Version des Stesi-choros absolut unvereinbar ist (irrig Petersen Röm. Mitt. IX 282f.), muß er der alten Sage an-10 gehören, denn schon auf einigen der ältesten Denkmäler tritt Zeus selbst zwischen die Kämpfenden oder der Blitz wird hinzugefügt. Paus. I 27, 6 tötet K. den Thraker Lykos (vgl. Usener Göttern. 201), nach Hyg. fab. 273 bei den Leichenspielen des Pelias Pilum* Diodoti filium. In der Aspis haust K. im Hain des pagasäischen Apollon (nach Schot Apoll I 238 in Pagasai), vgl. Schot A Hom. IIXXIII 346, wo der sinnlose Zusatz steht: ἔστι πρὸς Τροιζήνι, wird in Τραχῖνι korrigiert. Hier 0 besiegt Herakles K. καθ' Ἰπποδρομίαν mit dem Pferd Areion; die Geschichte scheint aus Aspis 120 herausgesponnen. Eurip. Here. 389: àvà (so v. Wilamowitz für τὰν) Πηλιάδ' ἄκταν Ἀναύρον παρὰ πηγάς, stimmt mit Aspis (vgl. Strab. 436). Nikolaos Damasc frg. 55 (FHG III 38.9): ἐν’Ιτώνῳ τῆς Ἄχαιας, natürlich des phthiotischen (vgl. He-sych. s. Παγαοίτηςθ Ἀπόλλων παρὰ Ἀχαιοῖς ἐν Παγασαις) ; Itonos auch Apollod. II 155, nicht weit von Pagasai entfernt. Paus I 27, 6 verlegt Iden Kampf an den Peneios, Apollod. II 114 an den Echedoros.

Der Kampf des Herakles gegen K. gehört zu den Lieblingsthemen der archaischen Kunst. Am Thron des amykläischen Apollon war dargestellt Ἤρακλεους μονομαχία πρὸς Κύκνον, Paus. III 18, 10, und auf der Akropolis Κύκνος Ἠρακλεὶ μαχόμένος I 27, 6, doch wohl auch aus archaischer Zeit. Die erhaltenen Darstellungen sind gesammelt von Engelmann Arch. Ztg. 1879, 187ff. (vgl.) Roschers Myth. Lex. II 1692ff.), unabhängig davon Heydemann Ann. d. Inst. 1879, 80. Balsamo 16–43. Überblick bei Furtwängler in Roschers Myth. Lex. I 2210f. 2221. 2231. 2246. Furtwängler hat wohl zu viele Darstellungen für K. beansprucht (wie auch M. M a y e r Giganten u. Titanen 297 A. 62. 315); bei seiner trefflichen Scheidung der Typen wird auf die literarischen Zeugnisse keine Rücksicht genommen. Seitdem sind mehrere wichtige Darstellungen hinzugekommen, namentlich durch die neuen Vasenkataloge. Eine vollständige Liste kann hier nicht gegeben werden, nur ein Überblick der Typen. Die amy-klaische Monomachie stimmt mit der Version des Stesichoros (Schol. Pind. ὌΙ. X 19), daß Herakles zuletzt den vereinsamten K. überwältigte. Diesen Typus zeigen einige sf. Vasen, wo nur Herakles und K., der schon unterliegt, dargestellt wird, so München 1108 mit Inschrift pvxwi [2437] 2437 Kyknos

sicher chalkidischen Ursprungs (Kirchhoff Stad> 126. Kretschmer Gr. Vaseninschr. 67f.), und ein etruskischer Skarabaeus mit Inschrift Jfwbw im Brit. Mus. (Ann. d. Inst. 1880 Taf. M 1, danach Roschers Myth. Lex. II 1692). Zuweilen sind Athene und eine andere weibliche Figur Zuschauér, so Louvre F 31 (Pottier Vas. ant. Louvre pl. 66), Brit. Mus. E 8. Mit Hesiodos stimmen die Vasen, wo Athene dem Herakles, Ares dem K. beisteht, oder Ares nach dessen Fall 10 weiterkämpft; so eine späte sf. Hydria im Vatikan (Helbig Führer³ 475), späte sf. Amphora, Dresden (Arch. Anz. 1892, 162), Louvre F 36 (Pottier II pl. 66). Gerhard A. Vas. 84f., wo außerdem zwei weibliche Figuren hinzugekommen sind. Oft wird die Szene von zwei Viergespannen eingerahmt, was ja völlig mit der Hesiodeischen Darstellung stimmt, so die sf. Vase, München 48 (Klein Meistersign. 131). Die Viergespanne werden mit der Monomachie vereint auf einer rf. 20 Schale des Pamphaios, München 439 (Mon. d. Inst. XI 24); hier ist die Schildmarke des K. ein Schwan. Die meisten Vasen aber bieten ein Motiv, das in der Literatur erst spät überliefert ist, das Eingreifen des Zeus, meistens nachdem K. erlegen ist. Beispiele, alle sf.: München 81 (Gerhard A. Vas. 121, 1, danach Baumeister D. Alt.-Kunst II 806). Athen 676 (Collignon-Couve). Brit. Mus. B 197 (PL VI). Ann. d. Inst. 1880 Taf. M. Zuweilen deutet nur der Blitz den Vor- 30 gang an, so auf einer sf. Lekythos aus Eretria, Athen 971 (Collignon-Couve) auf der rf. Schale aus Kameiros Brit. Mus. E 73 (Journ. of Phil. VII 215 Taf. B, danach Roschers Myth. Lex. II 1693) und auf dem merkwürdigen archaischen Bronzerelief aus Perugia (Petersen Röm. Mitt.

IX 274ff.; Ant. Denkm. I 14). Hier sind auch die Wagen dargestellt, auch Amazonen usw. Einen ähnlichen Reichtum zeigt die sf. Vase des Kolchos, Berlin 1732 (Gerhard A. Vas. 122f. 40 Roscher Myth. Lex. II 1695; Wien. Vorl.-BL 1890–1891). Hier liegt Κύκτος (wohl ein Schreibfehler) schon tot, auf dem Schild ein Adler. Herakles und Ares kämpfen noch, obgleich Zeus sich schon in der Mitte gezeigt hat. Hinter Herakles kämpft Athene, dann folgen beiderseits die Zweigespanne, von Iolaos und Phobos gelenkt, neben den Pferden eilt einerseits Poseidon, anderseits (AjUOAON dem Kampfe zu. Die Szene wird cingerahmt von Dionysos und ἄλιος γέρων auf 50 Herakles Seite; der letzte zeigt, wie Gerhard A. Vas. II 137 treffend bemerkt, daß Herakles vom Meeresstrand kommt, was ja auf Pagasai paßt; vgl. den Krater des Nikosthenes, Brit. Mus. B 364 (Wien. Vorl.-Bl. 1890–1891 VI). Andere Vasen, auf denen von den Wagen herab gekämpft wird (vgl. Schol. 1L XXIII 346), sind nicht mit Sicherheit auf den K.-Kampf zu beziehen, wie die des Glaukytes, Berlin 1799 (Gerhard A.

Vas. 61. Wien. Vorl.-Bl. 1889, 2); noch Zweifel-60 hafter ist die umstrittene Vase Jatta (Wien.Vorl.-Bl. III 4) und eine, wo Herakles gen ΧΙΟΝ kämpft; Furtwängler (Roschers Myth. Lex. I 2221) nimmt eine Vermischung der Begriffe Schnee und Schwan an!

Schlußbetrachtung. Es ist merkwürdig, daß nirgends in allen diesen alten Zeugnissen die geringste Spur von der Schwanennatur des K. her- [2438] Kyknos

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vortritt (Boio bei Athen. IX 393 e wird K. von Ares in einen Schwan verwandelt und kommt nach dem Fluß Sybaris; dies bezieht sich entweder auf die tenedische Sage, die im vorhergehenden behandelt ist, oder ist daraus herausgesponnen). Der Schwan auf dem Schilde der Pamphaiosvase deutet nur den Namen an, auf den anderen alten Vasen ist seine Schildmarke Adler, Schlange usw. Es zeigt sich auch keine Verbindung mit den anderen Κ.Sagen, und ich glaube daher, daß v. Wilamowitz (Herakles2 II 31, ähnlich schon K. O. Müller Proleg. 265f.) nicht im Recht ist, wenn er diese Κ.Sage aus der vom Gegner Achilleus ableitet, weil sie in der Heimat des Achilleus spielt. Nur der gemeinsame Namen bildet die Verbindung (eine luftige genealogische Kombination bei Gruppe Gr. Myth. 636j. Das merkwürdige Verhältnis zu Apollon, wie es sowohl in der Aspis als auch bei Stesi-choros hervortritt, muß den Ausgangspunkt einer Erklärung bilden, wie Gerhard Auserl. Vasenb. II 132ff. (vgl. Gruppe Gr. Myth. 106) gesehen hat: Apollon, dem K. den Schädeltempel baut, ist eben der Gott, in dessen Hain er haust, und wohl mit seinem Vater Ares identisch, ein gerüstetes Idol. Gerhard macht auf die Ähnlichkeit mit anderen Gegnern des Herakles aufmerksam, den Antaios (vgl. o. Bd. I S. 2340) und den Laogoras, den Herakles nach Apollod. II 155 auch im Haine Apollons ereilt. Gerhards antiquierte Anschauungen vom Apollondienst hinderte ihn, den Schritt ganz zu machen. Nachdem v. Wilamowitz (Herm. XXXV 111; vgl. Nilsson Griech. Feste 102f.) endgültig bewiesen hat, daß Apollon in Hellas überall ein Eindringling ist, verstehen wir den pagasäischen Apollon. In Pagasai wurde mit Menschenopfern ein Gott, oder vielleicht ein Götterpaar, Vater und Sohn, verehrt; diesen hat der vordringende Apollonkult besiegt und seitdem wird im pagasäischen Hain der Apollon verehrt. Herakleides Pontikos (nach Tzetz. Aspis 70) in περὶ Χρηστη· ρίων erzählte, daß Trophonios den Kult gegründet hatte. Dies bezeugt doch wohl eine unterirdische Orakelstelle der lebadäischen ähnlich. Somit hatte auch hier Herakles die Macht der Unterirdischen gebrochen (Farnell C. G. S. IV 104. 163. 219, vgl. auch Gruppe Gr. Myth. 107, zieht die Hyperboreer hinein wegen des Hyperboreers Pagasos im Hymnus der Boio, Paus. X 5, 7; vgl. aber Crusius in Roschers Myth. Lex. I 2807. 2831. Der Apollon wird also der ursprüngliche Gott in Pagasai. Es wird auch zuviel Gewicht darauf gelegt, daß Herakles in der Aspis von Norden kommt; dieser Zug braucht nicht älter zu sein als die Einordnung in die dWa, die schon dem Hesiodeischen Gedicht feststand).

[Adler. ]