RE:Lasos 2

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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von Hermione, Nebenbuhler des Simonides
Band XII,1 (1924) S. 887888
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GND: 102397023
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2) Lasos von Hermione, Sohn des Charminos, nach Suidas in der 58. Olympiade geboren, lebte am Hofe Hipparchs, wo er die Fälschungen des Onomakritos aufdeckte (Herod. VII 6), war der Nebenbuhler des Simonides (Schol. Aristoph. vesp. 1410) und galt irrtümlicherweise auch als Lehrer Pindars. Sein Ruf erstreckte sich weit über die Grenzen des Musikalischen hinaus (eine Sammlung seiner Aussprüche hieß λασίσματα, Hesych. s. v. Athen. VIII 338 b), so daß er von manchen sogar unter die sieben Weisen gezählt wurde (Suid. Diog. Laert. I 42). Suidas nennt ihn den ersten, der über die Musik ein Buch geschrieben habe, und seine Einteilung sei dann [888] von allen seinen Nachfolgern angenommen worden (Mart. Cap. IX 852). Näheres ist freilich darüber nicht bekannt. Vielleicht bildeten die akustischen Untersuchungen (Theon Sm. 12) einen Teil davon. Noch berühmter war L. indessen als Komponist, sowohl von Hymnen (der H. auf Demeter schloß den Buchstaben σ aus, Athen. IX 467 a. X 455 c. XIV 624 e. Pind. frg. 79), als namentlich von Dithyramben. Ja er galt vielen geradezu als der Begründer des Dithyrambus (Schol. Pind. Ol. XIII 25. Schol. Aristoph. av. 1403. Clem. Al. Strom. I 16. Suid. s. κυκλοδιδάσκαλος), während andere dafür den Arion nennen. Glaubhafter ist, daß L. den Dithyrambus zuerst in die athenischen Kampfspiele eingeführt hat. Zum erstenmal erscheint ein solcher Chor im J. 508 (Marm. Par. 46), allerdings nicht unter L.s, sondern unter Hypodikos’ Namen. Ausführlicher, aber freilich nicht sehr klar ist der Bericht bei Plut. de mus. c. 29, L. habe der Rhythmik eine dithyrambische Haltung (ἀγωγή) verliehen und nach dem Vorbild des der Aulosmusik eigentümlichen Tonreichtums (πολυφωνία) der Musik seiner Zeit durch eine erweiterte und flüssigere Melodik neue Blüte zugeführt. Die Stelle ist zwar nicht, wie Westphal meinen, ein Beleg dafür, daß die Griechen eine Polyphonie im heutigen Sinne gekannt hätten, sondern höchstens dafür, daß der αὐλός mit seinen Dauer­tönen und seinem durch Überblasen noch zu vermehrenden Tonvorrat der Stimme gegenüber das weit leistungsfähigere Instrument war und deshalb auf die Weiterentwicklung der griechischen Tonkunst einen nachhaltigen Einfluß ausgeübt hat als das Saientinstrument. L.s Leben beschrieb Chamaileon zu Herakleia (Athen. VIII 838 b).

[Abert. ]