RE:Lydda

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Jüd. Ort, in hellenist. Zt. zu Samarien gehörig
Band XIII,2 (1927) S. 21202122
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Lydda [...] [2121] [2122] lamowitz Herm. XXXVII 313: Ληναί). Griechische Dionysossage und griechischer Dionysos-kult kamen auch nach Kleinasien und fanden dort ähnliche Kulte vor, mit denen sie sich vermischten. Später seit Perikies’ Zeiten ist so der Gott in diesen Gegenden und weiter im Binnenlande zu Hause. Besonders wichtig war für diese Entwicklung Euripides mit seinen Bakchen: bei ihm ist Lydien, speziell das Tmolosgebirge des Gottes 10 Heimat (s. Lydos, Lydios. Preller-Robert I⁴ 696ff. Gruppe 1438). Lydische Frauen waren häufig, auch außerhalb Lydiens, seine Begleiterinnen (Hipponax frg. 91 BgkA Nonn. XIV 217f. Dionys. perieg. 839f. Poll. VII 60. Philostrat. vit. Apoll, p. 115; imag. p. 394. Himer, or. III 5). L. ist somit aus einer ethnographischen Bezeichnung ein Nomen appellativum geworden, erwa wie bei den Römern der Volksname Lydus, den man mit den Etruskern in Zusammenhang 20 brachte (Hör. sat. I 6, 1, vgl. Herodot. I 94), in der lateinischen Fassung ludus zur Benennung aller ergötzlichen Beschäftigung im Theater, im Jugendunterricht und im alltäglichen Zeitvertreib hat dienen müssen [??] (Ribbeck R. D. 110f.). Vgl. auch Preller-Robert Griech. Myth. I⁴ 647f. [gr. Kruse-Joh. Schmidt.]

Lydda (hebt. Iod, gr. 4ύδδα, meist als Plur. Neutr., selten als Sing, femin. Λύδδα, Λύδδη; Cart. Mad. 53: Λωδ ἤτοι Λυδεὰ ἡ καὶ Διόοπολιςdie Gleichsetzung mit ägyptisch Ru-te-na ist sehr fraglich); heute ludd; die umliegende Ebene hieß ,Ebene von L.‘ (äfelat löd) im Unterschied von der ,Ebene des Südlandes* (s( fêlât haddäröm), vgl. m. θbflt IX 2 und Hieronym. comm. in Oba-diam 19). Als jüdischer Ort zuerst in einer Liste der Bewohner der Provinz Juda aus der Perserzeit erwähnt (Esr. 2. 33 - Neh. 7, 37, vgl. auch 11, 35. Chron. I 8, 12). In hellenistischer Zeit zu Samaria gehörig, bis Demetrius II. 145 v. Chr. 40 die drei νομοί (oder τοπαρχίαι) Aphairema, L. und Ramathaim an den Hasmonäer Jonathan schenkte, dessen Gebiet - bis dahin nur der Bezirk von Jerusalem -- fortan aus vier νομοί bestand (Makk. 1 10, 30. 38; 11, 28.34.57). Cassius verkaufte 43 v, Chr. die Bewohner von Gophna, Emmaus, L. und Thamna, da sie die auferlegten Steuern nicht zahlen konnten, als Sklaven (Joseph. ant. Iud. XIV 275, vgl. bell. lud. I 222), doch ließ Antonius sie schon 41 v. Chr. wieder frei (ant. 50 lud. XIV 304. 313). Die Stadt wird erwähnt beU. lud. I 302 (ant. Iud. XIV 412) und bell. lud. II 412 (ant. Iud. XX 130), an der letzteren Stelle als κώμη, die einer Stadt an Größe gleichkam; bell. lud. II 515 heißt sie direkt πόλις. Die Königin Helena von Adiabene soll dort nach jer. Sukka I 1 eine ,Laubhütte' (sukkä) besessen haben. Zu Anfang des vespasianischen Krieges steckte Cestius die Stadt in Brand (bell. lud. II 515f.). Damals war L. eine der 11 oder 10 τοπ6θαθχίαι Judäas (bell. lud. III 55. Plin. n. h. V 14, 70). Die aufständischen Juden setzten den Essäer Johannes zum Feldherrn über Thamna, L., Jope und Emmaus (bell. lud. II 567). Vespa-sian eroberte die Stadt im J. 68 (bell. lud. IV 444). Auch im hadrianischen Kriege soll die Stadt schwer gelitten haben (b. Bäbäbathrä 10b).

Eine Zeitlang war die Stadt durch ihre Rabbinenschulen berühmt; Eliezer ben Hyrkanos und [2121] Tarphon wohnten hier; Akiba weilte öfters daselbst (m. Bös hassänä I 6. Taenit III 9. Bäbä mesfà IV 3. Jädajim IV 3. b. Sanh. 32 b; vgl, Hieron. comm. in Abacuc 2, 15). Die Gelehrten daselbst waren nicht immer mit den anderen einig; z. B. erlaubten sie in Verfolgungszeiten die Übertretung des Gesetzes, abgesehen vom Verbote des Götzendienstes, des Inzestes und des Mordes (jer. S’bfit IV 2). Nach b. Sabbat 104b. jer. Sanh. VII 16 wurde Ben Städä, der magische Künste von Ägypten gebracht hatte, vom Gerichtshof zu L. verurteilt; in manchen Ausgaben des babylonischen Talmuds ist er mit Ben Panterä (Jesus) verwechselt. Bis ins 3. Jhdt. wurde das Schaltjahr in L. festgesetzt; dann hörte das auf, weil man den dortigen Gelehrten Unwissenheit, Hochmut und Gleichgültigkeit vorwarf (jer. Sanh. I 2. b. Psählm 62 b u. a). Vgl. Neubauer Géogr. du Talmud.

Früh hat sich das Christentum nach L. verbreitet; nach Act. 9, 32ff. heilte Petrus dort den Aineas. Später gilt der ep. ad Titum 3, 13 genannte Ζηνας als erster Bischof von L. Der erste historisch bekannte Bischof ist Ἀέτιοςθ ein Teilnehmer der Synode von Nikaia 325. Vgl. darüber und über weitere Bischöfe von L. Le Qui en Oriens Christian. III 582ff. Ursprünglich unterstand der Bischof von L. dem Metropoliten von Kaisareia, später war L. Suffragansitz, d. h. direkt unter dem Patriarchat Jerusalem. Berühmt ist die Synode von L. 415, die sich für Pelagius erklärte (Hieronym. ep, ad Alypium).

In späterer römischer Zeit hat die Stadt den Namen Διόοπολις bekommen; wann, ist nicht genau zu bestimmen. Es gibt Münzen on Διόσπόλις aus der Zeit des Septimius Severus, der Iulia Domna und des Caracalla, Vaillant p. 350. Eckhel III p. 432 und Mionnet V p. 497f.), aber vielleicht gehören sie dem syrischen Dios-polis? Der Name L. wird ausschließlich gebraucht: Ptolem. V 15, 5. Index Patrum Nic. 34 (im J. 325). Itin. Burdig. 25, 20 (im J. 333). Totius orb. descr. c. 29. GGM II 813ff. (Mitte des 4. Jhdts.). Tab. Peut.; der Name Διόοπολις begegnet zuerst: Itin. Ant. (redigiert unter Dio-cletian), Euseb. onom., Hieronym. peregr. Paulae VI 5, Theodoret. hist. eccl. I 4, Theodos, c. 4, Hierocl. synecd. 718, 4, Anton. Placent. 25, Cart. Mad. 53, Johann. Damasc. ep. de imag. 4, Steph. Byz. 156, 20. Bei Georg. Cyprins 1002 (spätestens Anfang des 7. Jhdts.) heißt die Stadt Διόσπολις ἤτοι Γεωργιούπολις.

Früh ist L. mit dem Märtyrer Georg verbunden worden; nach den Acta Sanctorum ist Georg in L. geboren und die Überreste nach seinem Märtyrertod von Nikomedeia nach L. überführt worden. Theodosius (c. 4) weiß, daß sein Leichnam in L. ist und daß viele Wunder daselbst geschehen; ähnlich Anton. Placent. 25. Arcul-phus III 4. St. Willibald hodoep. 21. Wann die Georgskirche gebaut ist, ist unbekannt; wohl nicht, wie Wilhelm von Tyrus (VII 22) angibt, von Iustinian, da Procop. de aedif. Iustin. III 4 davon nichts erwähnt; wahrscheinlich früher. Arculphus (III 4) erzählt von einer Marmorsäule in einem Hause zu L., an die Georg angebunden und gegeißelt worden sei und an der sich sein Bild abgezeichnet habe; auch von einem [2122] Lydia (Name) 2122

Ungläubigen, der dort zu Pferde eindrang, das Bild angriff, aber durch ein Wunder abgehalten wurde. Johannes Damasc. (ep. de imag. 4) scheint dieselbe Säule zu meinen, die er jedoch als die Säule der Geißelung Christi bezeichnet, die von einer Wolke nach L. getragen worden sei; derselbe erzählt auch von einer dortigen Marienkirche, die Petrus und Johannes gebaut hätten, und bei deren Einweihung sich das Bild der 10 Mutter Gottes auf einer Säule daselbst eingedrückt habe. Man erinnert sich bei diesen Legenden vom Drachentoter Georg und dem Gebundensein an die Säule an die seit alters bei dem nahen Jope lokalisierte Sage von der an den Felsen geschmiedeten Andromeda und dem Drachentoter Perseus, auch an die dort spielende Sage vom Propheten Jona und dem Fisch.

Im 7. Jhdt. wurde die Stadt von Sulaimän, dem Sohne des Chalifen fAbd el melik in Trüm-20 mer gelegt. Anfang des 8. Jhdts. wurde das nahe Ramie gebaut, welches fortan L. überflügelte. Im

9. Jhdt. kennt der Mönch Bernard (de loc. sanct. 10) ein Georgskloster bei Ramula mit dem Grabe des Märtyrers Georg.

L. galt schon im Altertum als fruchtbar; berühmt war seine Dattelkultur; nach b. Ketüböt lila ,tauchte man dort bis zu den Knien in Dattelhonig: Auch der Handel von L. wird her-vorgelioben (m. Bäbä mes/ä IV 8). Im 4. Jhdt. 30 wird die Purpurindustrie von L. erwähnt (Totius orb. descr. c. 29; s. o.). Heute ist ludd ein großes Dorf mit Palmen und mit den Ruinen einer Georgskirche. Robinson Palästina III 263ff.