RE:Lykurgos 1

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Gegner d. Dionysos in d. gr. Sage
Band XIII,2 (1927) S. 24332440
Lykurgos (Gegner des Dionysos) in der Wikipedia
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Lykurgos. 1) Gegner des Dionysos.

A. Sage und literarische Behandlung. L., der gewöhnlich als Sohn des Dryas, von Nonnos auch als Sohn des Ares (Dionys. XX 217 u. ö.) bezeichnet wird, erwähnt schon Homer. Dieser läßt (II. VI 130ff.) den Diomedes im Gespräch mit Glaukos die Geschichte vom Frevelmut und der Bestrafung des κρατερὸς Λυκόοργος als ‘ warnendes Beispiel dafür anführen, wie verderblich es für den Sterblichen sei, mit Göttern zu streiten. L. habe auf dem Nyseion die Ammen des rasenden (in seinem Thiasos dahinziehenden) Dionysos verjagt und den erschrockenen Gott (den wir uns als Knaben zu denken haben) ins Meer getrieben, wo er von Thetis aufgenommen worden sei (dies erwähnt auch Quint. Smyrn. II 439); später sei dann der allen Göttern verhaßte Mann von Zeus geblendet worden. Über den i Ochsenschläger (βουπλήξ), mit dem L. die Diony-sosammen getroffen habe, gingen schon die Meinungen der Alten auseinander (vgl. den Kommentar des Eustathios z. d. St); in Betracht kommen die Deutungen als Geißel (Peitsche, flagella Serv. Aen. III 14), Stachel (μύωγ,~ vgl. Ἄρης μυώπιος) und Doppelaxt (ἀμφίΛελεκῦς, bipennis-, so die meisten der späteren Dichter, bipennifer Ovid. met. IV 22; trist. V 3, 39; securiger Sen. Oed. 471 und Künstler in den Bildwerken). Desgleichen ist die Lokalität dieser Sagendarstellung ungewiß, da ein heiliges ,Nysa‘ in den verschiedensten Ländern angenommen wurde (vgl. Diod. IV 64ff.); mehrere der späteren Schriftsteller brachten die Geschichte mit der in Theben spielenden Geburtssage des Gottes in Verbindung oder versetzten sie wenigstens nach Boiotien, indem sie L. zu einem thebanischen König machten (Pherekydes. Philochoros bei Io. Malalas Chronik p. 18. Firmic. err. prof. rel. 6. Serv. Aen. III 14). Nach Homer behandelten die Sage Eumelos in seiner Εὐρωπία (Schol. Hom. II. VI 131 = frg. 9) und Antimachos, der den Schauplatz nach Nysa in Arabien verlegte (Diod. III 65 = frg. 84, zu dem vielleicht frg. 77 in Beziehung steht; Arabien auch bei Damaskios im Leben des Isidor. = Phot. bibl. 242 p. 348 Bekker). Pherekydes bezeichnete die Hyaden als die von L. verfolgten und zur Entschädigung hierfür in den Himmel versetzten Wärterinnen des Dionysos (Schol. Hom. II. XVIII 486 und Hygin. astr. II 21. Schol. Germanie. PB p. 74, 1, vgl. R o b e r t Eratoethen. Cataster. 106f.).

Die Tragödie ist vor allem durch Aischylos' Tetralogie Λυκουργία vertreten gewesen; sie bestand aus den Tragödien Ἠθωνοί, Βασσαρίδες, ΝεανΙοκοί und dem Satyrspiel Λυκούργος; die frg. 57–67. 23–25. 146–149. 124–126; zur

RE:Lykurgos 1

Pauly-Wisaowa-Kroll XIII [2434] Lykurgos 2434

Deutung derselben vgl. Welcker Nachtr. z. Trilog. Hermann De Aesehyl. Lyourgia Opuae. V. G. H a u p t De Aesehyl. Lycurg.» Diss. Hallens. XIII 1896 p. 137–160, der die bildliche Überlieferung zur Erklärung heranzieht Tm ersten Drama trat L., der hier als König der thrakischen Edonen erscheint, dem Treiben des dionysischen Thiasos entgegen; der Gott wird gefangen vor den König geführt, der ihn wegen .0 seines weibischen Aussehens verhöhnt (vgl. die

Parodie bei Aristoph. Thermophor. 135, wo Mnesilochos sich mit Worten dee Tragikers an den ausgeputzten Agathon wendet, und hierzu Back Jahrb. f. Philol. 1887, 447). Schwierig ist das zweite Stück, die Βαβναρίδες, zu beurteilen, für das wir fast nur den Bericht über die Vernachlässigung des Dionysoskultus durch Orpheus und die in der Zerreißung des Sängers durch die Maenaden bestehende Bestrafung haben (bei Robert Eratosthen. Catasterism. 140f.).

Es ist anzunehmen, daß das Stück in der Hauptsache ein ähnliches Vorgehen der beleidigten Be-ÎReiterinnen des Dionysos gegen L. enthielt wenngleich man die endgültige Bestrafung für das dritte Drama erwarten sollte, s. u.), und das Geschick des thrakischen Musenpriesters nur beiläufig als Parallele in einer Erzählung angeführt wurde; die Meinung Hermanns, daß das ganze Stück sich in der Hauptsache auf 50 Orpheus bezog, ist von Haupt in seiner genannten Dissertation meines Erachtens nicht mit Recht wieder aufgenommen und zur Stütze seiner Ansicht von der Rivalität zwischen Dionysos und Apollon (diesem soll Orpheus allein Ehre erwiesen haben) als dem Grundgedanken der Tetralogie benutzt worden. Das dritte Stück brachte dann sicherlich die Bestrafung des Königs; den Titel möchte ich auf die Satyrn als Begleiter des Gottes beziehen, die den L. (nach einer Ver-40 mutung Welckers als Pferde) zerrissen (weniger würde auf sie die später mehrfach erwähnte Einschließung in einem Felsen des Pangaion-gebirges passen). Sophokles erzählt in der Antigone 955ff. in dem Chorlied, in dem er die Bestrafung der Heldin mit dem Schicksal anderer ,eingemauerter' Personen vergleicht, daß L., der Edonenkönig, da er den Dionysos und seine Begleiterinnen gereizt habe (erwähnt werden neben den Maenaden die ,flötenliebenden Musen*), in »felsiger Bande* eingeschlossen worden sei (gemeint ist die Haft im Pangaion, vgl. die Scholien z. d. St.). Behandelt war der Stoff dramatisch schließlich von Naevius; zur Wiederherstellung der Fragmente seines Xycurgus*, die mit denen des Aischyleischen Dramas Ähnlichkeit besitzen, vgl. Ribbeck Römische Tragödien 20 (nach seiner Deutung der letzten Versgruppen wurde die Königsburg vom Blitze getroffen). Nur dem Namen nach bekannt ist die Tetralogie des Po-60 lyphradmon.

Weiter ausgeführt finden wir die Bestrafung des L. in den wohl auf die spätere Tragödie zurückgehenden Berichten Apollodors und Hygins. Bei beiden wird L. zur Rache für seine Freveltat (die der in der Ilias entspricht) mit Wahnsinn gestraft und tötet in dem Glauben, es mit den ihm verhaßten Weinreben zu tun zu haben, seine Angehörigen (bei Apoll. III 5, 1 den Sohn Dryas, [2435] 2485 Lykurgos}}

bei Hyg. fab. 132 Sohn und Gattin), ja verletzt sich selbst (wenn wir die in den Hss. des Apol-lodoros stehende Variante ἀκρωτηριάσας ἰαυτόν, die sich neben αὐτὸν = den Sohn findet und für die im Gegensatz zu den Ausgaben, auch der neuesten von R. Wagner, nach Hermann Opusc. V 5 zuletzt Haupt a. a. O. eingetreten ist, billigen und den bei Hygin angeführten Zusatz traditur unum pedem sibi pro vitibus ercidisse berücksichtigen; vgl. hierzu Serv. Aen. III 14 erura sibi ineidit und daselbst Cod. Masci-vius tibias sibi succidisse sowie die Bemerkung Hyg. fab. 242 ,L. habe sich selbst getötet‘); als Ausgang des Königs erscheint bei Apollodor Fesselung desselben durch seine Untertanen im Pan-gaion (vgl. das von Longos IV 3 erwähnte Bild des Λυκούργος δεγμένος in einem Tempel zu Mytilene) und Zerreißung durch wilde Pferde, nach Hygin wird er von Dionysos auf dem Rho-dopegebirge den Panthern vorgeworfen (dieses dem Dionysos heilige Tier erscheint mehrfach auf den die L.-Sage behandelnden Bildwerken). Nach dem Bericht Diodors III 65 (kurze Erwähnung I 20 und IV 3), bei dem ein förmlicher Krieg zwischen dem von seinen Anhängern begleiteten Gotte und den Thrakern stattfindet, folgt auf die Gefangennahme des Königs seine Blendung und Kreuzigung. Auf die alexandrinische Dichtung scheint endlich die mannigfache neue Momente bringende Erzählung des Nonnos in den Dionysiaka XXf. zurückzugehen. Hier handelt L., König von Arabien, im Auftrag der Hera, die ihn durch Iris aufstachdt und ihm durch diese das Beil übergibt, und wird dann, nachdem er die Bakchen verjagt und den ins Meer geflüchteten Gott verhöhnt hat, durch eine der Häkchen, Ambrosia, die in eine Rebe verwandelt ist, umschlungen, bis er endlich von Hera befreit wird; Zeus macht ihn dann zu einem blinden Bettler, den später die Araber als Gott verehren. Von der Fesselung durch die verwandelte Ambrosia erzählte, soweit wir dies heute sehen, sicher nur noch Asklepiades Tragilensis (bei Hyg. astron. II 21), in den Bildwerken finden wir jedoch diese Wendung der Sage mehrfach dargestellt; vielleicht haben wir eine Anspielung hierauf auch in den Versen des Properz IV 17, 23 vesanumque nova nequiquam in vite Lycurgi und des Statius Theb. IV 386 sowie in der Bemerkung der Scho-liasten zu Sophokl. Antig. 955 zu sehen. Kurze Erwähnungen der Sage, wobei die Bestrafung des L. zumeist unter den zahlreichen Heldentaten des Dionysos angeführt ist, begegnen uns mehrfach bei römischen Dichtern, Horat. od. II 19, 16. Prop. a. a. O. Ovid. met. IV 22; fast. III 722 (Selbstverstümmlung); trist. V 3, 39. Stat. Theb. a. a. O., dazu IV 652. VII 180. Sen. Oed. 471; Here. fur. 903; vgl. auch Schol. in Lucan. I 575 und III 431. Nicht recht klar sind die Worte Ovid. Ibis 345f. Dryantiadae Rhodopeia régna tenenti in gemino dispar cui pede cultus erat, mit denen zu vergleichen ist die Schilderung eines Erzbildes in Anth. Plan. 127, in dem der gegen die Reben wütende L. μονοκρήπις dargestellt gewesen sei (vgl. zur Erklärung der Ovidstelle die Anmerkung von Ellis in seiner Ausgabe, sowie Welcker Nachtr. z. Trilog. 116 Anm.). Rationalistische Darstellungen der Sage, in denen [2436] Lykurgos 2486.

L. als ein (zumeist thebanischer) König erscheint, der, nm seine Untertanen von der Trunkenheit zu heilen oder au bewahren, gegen die Einführer der verderblichen Frucht eingeschritten sei, lesen wir bei Plutarch. de aud. poet. 1. Finnic. err. prof. relig. 6, in dem erweiterten Serviusscholion zu Aen. III 14 (vgl. auch Schal. Stat. Theb. IV 742).

B. Entstehung und Deutung der 10 S a g e. G. Haupt in seiner zitierten Dissertation vermutet, daß die L.-Sage, wie sie uns im alteren Epos erscheint, also die Verjagung des Dionysos und seiner Begleiterinnen, des Gottes Flucht ins Meer und seine Aufnahme durch Thetis, ursprünglich in Mittelgriechenland, vornehmlich in Boiotien, zu Hause, dagegen die Vorstellung von einem im Felsen des Pangaaon-gebirges hausenden Heros ein thrakischer Mythos gewesen sei, daß beide Sagen etwa um die Mitte 20 des 5. Jhdts. v. Chr., als nach den Perserkriegen die Griechen mit Thrakiens Land und Volk näher bekannt wurden, verknüpft worden seien, wobei Aischyloe, dessen Lykurgie damals entstanden sei, ein Hauptverdienst zugesprochen werden müsse. Desgleichen bringt E. Maass Herm. XXIII 72f. die altepische Darstellung mit dem Kultus eines in der Gegend des Pagasaischen Meerbusens verehrten dtwuoo? πέλαγος in Verbindung, indem er eine Paralleldarstellung bei 30 Diod. V 50 herainzieht, nach der Butes, Sohn dee Boreas und Stiefbruder des L., von Naxos aus mit seinen Begleitern die Pflegerinnen des Dionysos in der Phthiotis angegriffen habe. Demgegenüber ist zu beachten, daß gerade die Verbindung des später regelmäßig als Thrakerkönig bezeichneten L. mit Dionysos, dem thrakischen Sonnengott (Sabazioe), dessen Kultus im Norden bodenständig und entschieden älter war als in Griechenland (vgl. Voigt Myth. Lex. I 1030ff.), 40 auf Thrakien als das Ursprungsland weist. Und wenn die Szene der homerischen Darstellung, die, anders als die späteren, gerade eine Episode aus der Kindheit des Gottes behandelt, in der Folgezeit als in Boiotien spielend angenommen wurde (der Dichter selbst wird an gar keine bestimmte Gegend gedacht haben), eine Annahme, die durch die in Theben lokalisierten Geschichten von des Gottes Geburt und Pflege seitens der als Wärterin wie Maenade bezeich-50 neten thebanischen Ino nahe lag, so steht doch seit Otfr. Müllers in seinem Buch »Orchomenos und die Minyer¹ veröffentlichten Ausführungen ziemlich fest, daß in ältester Zeit Thraker nach Mittelgriechenland gekommen sind und dorthin u. a. die Sagen und den Kult des Dionysos gebracht haben (vgl. Voigt a.a.0. Stoll ebd. 482. Roscher Apollon und Mars 10ff.). Berücksichtigen wir die thrakische Herkunft der Sage, das Wesen der beiden Gegner und die Art ihres 60 Geschickes sowie den Namen des Götterfeindes, so werden wir L. am richtigsten als eine Hypostase des thrakischen Ares, als dessen Sohn er ja auch bezeichnet wird, ansehen (Welcker Griech. Götterl. I 414ff. Voigt Beitr. z. Mythol. d. Ares, Leipz. Stud. IV 227ff. Rapp Myth. Lex. II 202f.). L. ,Wolfsgrimm* (Λυκόοργος ist die homerische Form), eine Namenedeutung, für die B o e c k h CIG I p. 78. v. W i 1 a m o w i t z Hom. [2437] 2487 Lykurgos}}

Untersuch. 285. E. Maass DLZ 1896, 331. Block Revue de l’instruct. publique en Belge XX 220 eintreten, ist wie sein göttlicher Vater, dem der Wolf heilig war (mehrere Helden, deren Namen mit Avx = Wolf zusammengesetzt sind, werden als seine Söhne bezeichnet, vgl. Block und Gruppe Griech. Myth. 1380, 2), als die Verkörperung der das Naturleben vernichtenden Sommerglut aufzufassen, die mit ihren Strahlen oder Pfeilen (vgl. den μνωψ oder μάστιξ oder 1 βουπλήξ in der Hand des L.) den Frühlingsgott Dionysos, den Schöpfer der Vegetation, ins Meer treibt, später zurückgedrängt wird (Blendung des L.) und im Winter in Erstarrung liegt (Fesselung des L.). Als eine λύσοα (Hunds- oder Wolfswut) faßten die Alten die zerstörende Kraft der Sommerglut, und daß man gerade von dieser Raserei den L. behaftet glaubte,. geht aus der großen Anzahl der ihm in der Literatur beigegebenen Epitheta, besonders aber aus der Darstellung 2 zweier Vasen bilder hervor, auf denen eine von oben herabschwebende, mit einem Strahlenkranz umgebene Gestalt, die Personifikation der λύσοα (vgl. die Figur des Euripideisehen Herakles) eine Stachellanze gegen den König richtet (vgl. hierzu D i 11 h e y Arch. Ztg. XXXI 85ff. und die von Curtius Grundz. d. Etymol. 553 für möglich erachtete Verwandtschaft zwischen λύσσα und λύκος). Andrerseits konnte man auch, insofern L. im Winter gefesselt daliegt, ihn leicht als ί Personifikation des Winters auffassen, wenngleich er eigentlich nur negativ die winterliche Erstarrung der Sommernatur darstellt, und ihn mit dem Winter- und Sturmgott Ares identifizieren, wozu auch gut seine nordische Heimat Thrakien, das Land des Boreas, der ebenfalls einmal als Vater eines L. genannt wird (Diod. V 50, s. o.), paßt. Diese letztere Auffassung ist vor allem durch Preller-Plew-Robert Griech. Mythol. und Usener Rh. Mus. 1898, 373ff. vertreten, der den. Widerstreit L.-Dionysos in umgekehrte Parallele zu den gegensätzlichen Brüderpaaren Lykos-Chi-maireus, Lykos-Nykteus (ersterer von Proklos als Vater der Antiope L. genannt), Lykos-Aigeus (letzterer von Usener für die Verkörperung seines Vaters Poseidon, des Wintergottes, gehalten) stellt (doch bedeutet hier Lykos nach der von Usener besonders auch in den ,Götternamen‘ vertretenen Etymologie den Lichtmann gegenüber dem Dämon der Finsternis; L. muß er da wohl umgekehrt als ,Lichtwehrer‘ betrachtet haben). Nach dieser Deutung nun würde der Gegensatz der Jahreszeitengötter Dionysos und L.-Ares dem des Sommers und Winters in der deutschen Mythologie entsprechen. Allerdings habe ich Bedenken, die Beziehung auf Frühling und Sommer aufzugeben oder mit Rapp und V o i g t diesen Jahresgegensatz auf das Verhältnis Sommer-Winter zu verschieben oder auszudehnen (ebenso Kern o. Bd. V S. 1037). Nun weist L. als Ver-treiber des Frühlingsgottes Dionysos aber auch zweifellos auf den verderblichen Sonnengott Apollon hin, der in der heißen Jahreszeit mit seinen Geschossen, den Sonnenstrahlen, Krankheiten und Seuchen bringt (vgl. Roscher Myth. Lex. 1433), wobei vor-allem die Tötung des Hyakinthos, der Verkörperung der durch die Feuchtigkeit im Frühjahr aufsprießenden, in der Sonnen- [2438] Lykurgos 2488

glut schnell dahinwelkenden Vegetation zum Vergleich anregt. Doch darf man L. nicht mit Geizer Rh. Mus. XXVIII 36, der jenen mit Apollon identifiziert, als »Lichtwirker* deuten; eher konnte sich später neben der ursprünglichen Bedeutung ,Wolfsgrimm* die der Geiz er sehen Erklärung entgegengesetzte, das Wirken des Heros bezeichnende Deutung »Lichtwehrer* (jlvyoi Anth. Pal. IX 561) geltend machen, wobei hinsichtlich 0 der Duplizität der Etymologie auf den ganz ähn

lichen Fall des Κπόῖῖων Λύκειος, mit dem jedoch L. nichts zu tun haben kann, zu verweisen wäre (vgl. Welcker Griech. GötterL I 480ff., der 8. 416 L. den »Winter* als ,Lichtwehrer* und durch Paronomasie »Woifswehrer* auffaßt). Daß Apollon in einem Gegensatz zu Dionysos stand, ist uns bekannt; in den Kultlegenden von Delphi galten sie als Rivalen, und aus Argos wird ein Denkmal erwähnt (Plut. Pyrrh. 32), das den 10 mythischen Kampf zwischen Wolf und Stier, den

Kulttieren und Inkarnationen jener Götter, darstellte, so wie eben L., der Wolf, mit dem Beil oder Ochsenziemer den Stiergott Dionysos angreift (in jenem mythischen Sinne wird man nämlich das argivische Denkmal hinsichtlich seiner Entstehung und Deutung aufzufassen haben, wozu ja auch die Erwähnung des ὕπολλων Λύκειος gut paßt, nicht in dem historisierenden Sinne, den Plutarch a. a. O. und Pausanias II 10 19, 6 angeben; vgl. Voigt Leipz. Stud. IV 240.

Welcker Griech. GötterL I 480). Wie sich auch später noch die Erinnerung an die Göttlichkeit des L. selbst und die religiöse Verehrung desselben hielt, der aber nun gerade als Prophet und Doppelgänger des vorher von ihm bekämpften Gottes Dionysos galt, zeigen die Worte im Euripideisehen RhesoS 927L, in denen die Mutter des Helden, die Unsterblichkeit des Sohnes prophezeiend, zweifellos auf das gleiche Schicksal 40 des L. hinweist, der Βάκχου προφήτης Παγγαίου πέτραν φκησὲ σεμνὸς τοισιν εἰδοσιν θεός, sowie das Zeugnis StrabonsX 471, die mit den Thrakern stamm- und kultverwandten Phryger τὸν Διόνυσον (den thrakisch-phrygischen Sabazios) καὶ τὸν Ἠδωνὸν Λυκούργον συνάπτοντες εἰς ἐν τὴν ὀμοιοτροπίαν τῶν ἰερῶν αἰνίττονται (was ebenso von den Thrakern selbst gelten muß); vgl. außerdem Nonnos XXI 155ff. Zu anderen mythischen Gestalten setzt den L. in Parallele, ohne jedoch 50 überall die Gleichheiten im einzelnen auszuführen, Gruppe an verschiedenen Stellen seiner Griechischen Mythologie (er übersetzt L. als den .wölfisch-wirkenden*). Außer den anderen mit der Sprachwurzel λυκ = Wolf zusammengesetzten Namen (4νχος, Λυκάων, Λυκομήδης) führt er folgende Personen an: Butes (e. o.), Orion (verscheucht die Pleiaden wie L. die Dionysosammen oder Hyaden, ist nach Gruppe ursprünglich mit dem wilden Jaeger Διόνυσος Ζαγρεῦς iden-60 tisch wie L. später mit Διόνυσος Σαβάζιος),

Athamas (vergreift sich im Wahnsinn an den Seinen, lebt verbannt mit den Wölfen als ein ,wölfischer*, gilt als wesensgleich mit Ζευς Λαφύστιος, nach Preller Griech. Myth. SlOf.dem finsteren Sturm- und Wintergott, nach Seeliger Myth. Lex. I 674 dem Gott der verzehrenden Sonnenglut, wobei auch an Διόνυσος Λαφυστθς des Etym. M. zu erinnern wäre), Polyphem (wird [2439] 2439 Lykurgos

geblendet wie L. nach Homer). Demnach könnte man L· als einen Vertreter des von den Astral-mythologen sog. Kyklopentypus ansehen, und wirklich äußert sich Ed. Stucken im vierten Band (,Esau*) seiner ,Astralmythen* S. 240ff. in diesem Sinne. Daß L. tatsächlich in der vergleichenden Mythologie eine Rolle spielt, geht aus einer Stelle des indischen Catapatha-Brahmana hervor, die laut eines Hinweises von Dilthey Arch. Ztg. XXXI 85, 7 schon Adalb. Kuhn Vergl. Mythol. 223ff. in Beziehung zur L.Sage setzte; es wird dort erzählt, wie Caryata und seine Söhne von Aurva, dem aus dem Schenkel des Vaters geborenen Sohne des Cyarana, der Personifikation des Blitzes, an dem jene sich vergriffen hatten, im Geiste verwirrt wurden.

C. Bildliche Darstellungen. Fast alle Darstellungen in Malerei und Plastik, die die L.-Sage behandeln, zeigen die Bestrafung des Helden, wie er entweder von Wahnsinn geschlagen eich an den Seinen vergreift oder von der Rebe umschlungen wird. Im folgenden seien die einzelnen Bildwerke kurz angeführt, jedoch nur die an dem geschilderten Vorgang unmittelbar beteiligten Personen genannt (vgl. die Aufzählungen und Charakteristiken von Michaelis Ann. d. Inst 1872, 249f. Heydemann Areh. Ztg. 1872, 67. Rapp im Mytih. Lex. II 2195ff. Haupt in der oben zitierten Dissertation). Überall erscheint L. entsprechend der literarischen Schilderung als ein roher Barbar, mit struppigem Bart und Haar, meist nackt, mit wilder Gebärde auf seine Opfer anstürmend. 1. Vaseaibild Mus. Borb. XIII 29. L. tötet seinen Sohn Dryas. 2. Seitenstück des Sarkophags Mat tei (Matz-Duhn Antike Bildwerke Îr, 2271), denselben Stoff behandelnd. 3. Vasenbild Ann. d. Inst, 1874 tav. R = derselbe Stoff, L.s Weib entflieht nach der Seite. 4. Rest einer apulischen Amphora. L. tritt aus seinem Palasttor auf zwei Frauen zu (veröffentlicht Arch. Jahrb. VI 24, 5. 5. Münchener Vase 853 aus Canosa (abgebildet bei Z o e g a Abhandlungen, herausgegeb. von Welcker Taf. I 3),,dieselbe Szene wie 1–3, bemerkenswert außerdem eine weibliche Gestalt (meist als Erinys gedeutet), die L. eine (wahn-e innerregende) Schlange entgegenhält. 6. Vase von Neapel (Denkm. d. alt. Kunst II 38, 442) und 7. Vase von Ruvo in Mon. d. Inst. V 23 (auch in Haupts Dissertation abgebildet und von ihm besonders behandelt), beide bemerkenswert durch die schon erwähnte Gestalt der Lyssa mit dem Kentron; in beiden greift L. sein vor ihm liegendes Weib an, wahrend der schon getötete Sohn in 6. zur Erde herabgesetzt, in 7. fortgetragen wird; in 6. ist Dionysos mit Begleitern als ruhiger Zuschauer wie in 5. anwesend. 8. Vasenbild Mon. d. Inst. IV 16 B (abgeb. Myth. Lex. II 2198); der gegen seine Gattin das Beil schwingende König wird von dem jugendlichen Sohn von hinten festgehalten, die Königin flüchtet sich zu einem weiblichen Götterbild; auch hier ist der Gott mit seinem Thiasos zugegen. 9. Rest eines Vasenbildes bei Matz-Duhn Ant. Bildw. nr. 2270, dieselbe Szene wie 6. und 7. darstellend. 10. und 11. Marmorreliefs auf Amphoren. 10. Amphora Corsini, abgebildet bei Welcker Ant. Denkm. II Taf. 3, 8 [2440] Lykurgos 2440

(vgl. seine Ausführungen hierzu ebd. S. 94ff.).

11. Amphora des Vatikans, Man. d. Inst. IX 45 (abgeb. in Myth. Lex. II 2199), beide darstellend, wie der König, umgeben von dem orgiastischen Tanz des dionysischen Thiasos, einer Frau (wahrscheinlich der Königin, nicht einer Maenade) mit ? dem Fuß in die Hüfte (Kniekehle) tritt und sie mit dem Beile bedroht Die Ambrosiageechichte stellen dar die Bildwerke 11–14. 11. Sarkophag-

10 relief in Frascati (sog. borghesisches Relief), ab-gebildet bei Z o e g a Abh. Taf. I 1 (auch Myth.t

Lei. II 2201/02). L. schwingt das Beil gegenj

die am Boden liegende Ambrosia, hinter ihmj

schießt eine Rebe empor, um ihn zu umschlingen, f die beginnende Verwandlung der Nymphe an-deutend; zu seiner linken Seite wie in 5. eine | Erinye mit der den Wahnsinn bringenden Fackel. | Dieselbe Szene bringen in anderer Ausführung ί 12. ein pompeianisches Wandgemälde, und 13. ein I

20 Mosaik aus Herculaneum, beide veröffentlicht von 1 Matz Arch. Ztg. XXVII Taf. XXI 2 und 3 (daselbst auch besprochen. Taf. XXI, 1 bringt eine Darstellung der Flucht des Dionysos ins Meer). 14. Denselben Vorgang stellt ein von D e Witte Ann. d. Inst. XVII 114, 7 beschriebener Glasbecher dar. 15. Sicherlich bezieht sich auf ; unsere Sage trotz Michaelis’ Einspruch (Ann, d. Inst. 1872, 249, 2) eine bei Zoega Abh.

Taf. I 2 abgebildete Gemme, auf der wir L. die)

30 Reben abhauen sehen (vgl. das Anth. Plan. 127 J

erwähnte Erzbild). Von den nur literarisch be- ! zeugten Bildwerken ist außer den von Longos IV 3 und in dem soeben zitierten Epigramm erwähnten Darstellungen noch ein Gemälde mit der Bestrafung des Thrakerkönigs zu nennen, das sich nach dem Bericht des Paus. I 20, 3 im Dionysostempel zu Athen befand.