RE:Manlius 79
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Torquatus, L. cos. 65 v. Chr. | |||
| Band XIV,1 (1928) S. 1199–1203 | |||
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| Register XIV,1 | Register m | ||
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79) L. Manlius Torquatus ist als Sohn eines L. (Dio XXXVII Index und Milesischo Inschrift) spätestens 646 = 108 geboren. Sein Vater ist 50 etwa ein Jahrzehnt später Quaestor gewesen (Nr. 78), aber anscheinend zu keinen höheren Ämtern auf gestiegen; er kann in den unruhigen Zeiten seit Ausbruch des Bundesgenossenkrieges ein frühes Ende gefunden haben. Torquatus selbst war einer der Jugendfreunde des geborenen T. Pomponius Atticus (Nep. Att. 1, 4) und hat etwa mit zwanzig Jahren eine Frau aus einer angesehenen Familie in Asculum Picenum geheiratet, die ihm den gleichnamigen Sohn 60 Nr. 80 gebar (Cic. Sulla 25); vielleicht hatte er sie unmittelbar nach der Einnahme ihrer Vaterstadt 666 = 88 geheiratet und dadurch vor einem schlimmen Schicksal bewahrt; falls jedoch der Sohn im J. 705 = 49 als Praetor schon das gesetzliche Alter von 40 Jahren hatte, so muß lie Heirat des M. schon um 664 = 90 stattgefunden haben. In den Jahren seines Heranreifens zum [1200] Manlius (Torquatus) 1200
Manne begegnen verschiedene Manlier auf der Seite Sullas: der Centurio C. Manlius Nr. 18 der spätere Triumvir capîtalis Q. Manlius Nr. 34’ der Quaestor A. Manlius Nr. 13, ferner mit demselben j Pränomen ein Proquaestor L. Manlius Nr. 29 und ein bald darauf zum Statthalter der Narbo-nensis beförderter L. Manlius Nr. 30, mit dem- ' selben Cognomen ein zu Sullas Umgebung 672 = in · ,ellôÿer (Manlius) Torquatus Nr. 69. Eine IV sichere Entscheidung darüber, wie weit die drei letzteren untereinander und mit dem zweifellos bei derselben Partei zu suchenden L. Torquatus identisch sind, ist kaum möglich; doch die fol- 1
gnde Vermutung ist die wahrscheinlichste: DerI
Sohn L. Torquatus beruft sich bei Cic. fin. I 39 j auf den Vater für die Statue des Stoikers Chrysip- 1 pos auf dem Kerameikos in! Athen (vgl. Diog. Laerti
VII 182, auch Plut Stoic. repugn. 2, 5), die viel-I
π*?Μ θθί der Einnahme Athens durch Sulla imi
-0 Frühjahr 668 = 86 zugrunde ging (vgl. die all- 1 gemeinen Schilderungen der Plünderung Athens 1 und die des Blutbads im Kerameikos Paus I 20 j 6); demnach kann Torquatus mit Sulla in Griechen- I Und.gewesen sein,wo er auch später wieder tätig war. I
Es hegt dann nahe, ihn in L, Manli(us) pro qfuüe- |
store) zu finden, der im griechischen Osten für I 1
Sulla imp(erator) Denare und Goldstücke prägte, ! die letzteren schon im Hinblick auf den in Aussicht genommenen, aber erst 673 = 81 gefeierten ;
OTnumph (Mommsen Röm. Münzw. 593ff
Nr. 224a; Trad. Blacas II 440ff. Nr. 232a Ba- bei ὁ n Monn, de la rép. rom. II 177f. Grueber Coins of the roman rep. H 461f. Bahrfeldt j Nachtr. und Berichtigungen I [Wien 1897] 176f.· |
Die röm. Goldmünzenprägung [Halle 1923] 26– I 28). Ein Bedenken gegen diese Gleichsetzung ! kann allenfalls daraus entnommen werden, daß i sowohl etwas früher wie etwas später Münzen mit i
dem Namen L. Torquatus vorkommen, jene ver-f
) mutlich von dem Vater und diese von dem SohneI
des in Frage stehenden Mannes herrührend, undi
daß es deshalb aussieht, als ob diese Familie deri
Manlier sich durch ausdrückliche Nennung ihresί
wohlbekannten Cognomens von anderen Geί
schlechtsgenossen zu unterscheiden wünschte; aber s Bedenken hat keine durchschlagende Kraft.,
Bei längerem Aufenthalt in dem von Sulla er-j
oberten Athen wäre Torquatus auch wieder mit dem befreundeten Atticus zusammengewesen (vgl.
। Nep. Att. 2, 2ff.); doch im Gegensatz zu diesem (ebd. 4, 1ff.) folgt er dem Feldherrn nach Italien und mußte als Proquaestor zu dessen nächster Umgebung gehören, in der am 1. Nov. 672 = 82 vor der Porta Collina tatsächlich ein Torquatus: erscheint (Plut. Sulla 29, 8). Leider ist über sein Lben in den nächsten anderthalb Jahrzehnten nichts Sicheres bekannt. Nur die noch unveröffentlichte Ehreninschrift aus Milet für einen θρεσβεντης καὶ ἄνθνπατος L. Torquatus L. f. als Wohltäter der Stadt (Milet. 6. vorläuf. Bericht [Abh. Akad. Berl. 1908 Anhang] 20) darf auf ihn bezogen werden; also hat er nach der Praetur als Proconsul die Provinz Asia verwaltet- Bekleidung der Praetur im J. 686 = 68 und der Statthalterschaft im J. 687 = 3 67 (als Nachfolger des P. Do-labella o. Bd. IV S. 1300 Nr. 140) wird durch die anderweitig bekannten Praetoren- und Statthalternamen dieser Jahre, soweit ich sehe, in keiner
[1201]
1201 Manlius (Torquatus)
Weise ausgeschlossen. Allerdings muß dann der Legatus pro praetore Manlius Torquatus, der im Seeräuberkriege 687 = 67 an der spanischen Ost-küste tätig war (Flor. I 41, 9. Appian. Mithr. 95 vgl. Nr. 70.76), von diesem Praetorler getrennt werden (gegen G r o e b e Klio X 381). Zum Consulat gelangte er mit L. Aurelius Cotta (Bd. IIS. 248off. Nr. 102) für 689 = 65. Die Wahlen von 688 = 66 fielen zunächst gegen sie und zugunsten des P. Autronîus Paetus (ebd. S. 2612 Nr. 7) und des P. Cornelius Sulla (Bd. IV S. 2485ff. Nr. 102) aus; doch die unterlegenen Kandidaten erhoben gegen die siegreichen eine Anklage wegen Ambitus auf Grund der Lex Calpurnia und erzielten ihre Verurteilung; infolgedessen wurde auch die Wahl für ungültig erklärt, und bei den Neuwahlen drangen Cotta und Torquatus durch. So stellt in Kürze Dio XXXVI 44, 3 den Verlauf dar, indem er nur Κότταν cs καὶ Τορκονατον Ἄουκιους als die erfolgreichen Ankläger und endgültig Gewählten nennt (ohne jede Nennung nur von den Gegnern Liv. ep. CI: qui in petitione consulatus ambitus damnati erant); sorgfältiger unterscheidet Aseon. Cornel, 66 K.-S. = 59 St.: P. Syllam et [P.] Autronium significat, quorum alterum L. Cotta, alterum L. Torquatus, qui cum haec Cicero dicebat coss. erant, ambitus damnarant et in eorum locum creati erant. Dagegen schreibt Cicero bei dem späteren Prozesse des Sulla im J. 692 = 62 (Sulla 49f. 90) und viele Jahre später fin. II 62 die erfolgreiche Anklage Sullas wegen Ambitus und deren Wirkung, die Erhebung des Torquatus zum Consul, dem Sohne Torquatus zu, faßt aber auch Vater und Sohn als Einheit zusammen (Sulla 49: adflicto P. Sulla consulatus vobis pariebatur ... ereptum repetere vos clamitabatis ... qui contra vos pro huius Salute pugnabant ... consulatum vobis eripiebant u. dgl.). Der Widerspruch zwischen den Quellen ist nur ein scheinbarer. Weil Cicero lediglich mit dem Sohne Torquatus zu tun hat, läßt er die übrigen Ankläger unbeachtet, und weil Dio nur das Wichtigste geben will, hat er ebenfalls seine Vorlagen verkürzt, aber in anderer Weise. Verhältnismäßig am genauesten ist der Bericht des Asconius, obgleich auch nicht ganz vollständig. Aus allen Zeugnissen zusammen geht hervor, daß Torquatus als Hauptkläger gegen Autronius auftrat und Cotta gegen Sulla, daß diesen aber der junge Torquatus als Nebenkläger unterstützte. Die verurteilten Gegner fanden sich mit ihrem Schicksal nicht einfach ab, sondern warben L· Catilina und andere Bundesgenossen an, um durch die sog. erste catilinarische Verschwörung Tor-quatus und Cotta gewaltsam zu beseitigen und sich in den Besitz der Macht im Staate zu setzen (Cic. Sulla 11. Sall. Cat. 18, 5ff. Liv. ep. CI. Dio XXXVI 44, 3; vgl. G e 1 z e r Bd. II A S. 1696f.). Der Plan scheiterte, da am 1. Jan. 689 = 65 der Amtsantritt der neuen Consuln durh eine Schutzwache gesichert wurde (Dio XXXVI 44, 4), und auch weiterhin rechtzeitig alle Vorkehrungen gegen die noch in der Bildung begriffene Um-sturzpartei getroffen werden konnten (s. Bd. II A a. O.). Catilina persönlich war soweit im Hintergründe geblieben, daß in seinem Repetunden-prozeß um die Mitte des Jahres sogar Torquatus als Consul für ihn eintrat (Cic. Sulla 81: consul [1202] Manlius (Torquatus) 1202
reo de pecuniis repetundisCatilinae fuit advocatus ... supplici ,.. aliquando amico, d. h. als Partei genösse aus den Tagen Sullas). Besonders nahe stand dem Torquatus während seines Amtsjahrs der Consular Q. Hortensius (Cic. Sulla 12), noch nicht aber Cicero, der mit seinem Sohne verkehrte (ebd. 11) und später ihn selbst als fortissimus consul anerkannte (ebd. 30; vgl. 11; Pis. 78 [s. u.] fin. II 62). Baß Atticus damals aus Athen nach 10 Rom übersiedelte (Nep. Att. 4, 5), mag zum Teil
durch seine Freundschaft mit Torquatus veranlaßt worden sein. Das Consulat des Torquatus und des Cotta bezeugen Cic. leg agr. II 44; Cat. III 19; de cons. II v. 33 aus div. I 19 (vgl. II 47). Sall. Cat. 18, 5. Nep. a. O. Ascon. Cornel. 50 K.-S. = 47 St. 52 = 49; tog, cand. 74 = 65. 76 – 66. 83 = 71. Suet. v. Horat. Cassiod. Dio XXXVII Index. 1, 1. Tegulae Veleiates CIL F 960f. = XI 6673, 9f.; Fasti Cap. nannten in der ersten Zeile 20 die zuerst gewählten Consuln (daraus Chronogr. :
Sulla et Peto) und in der zweiten die wirklich ins Amt getretenen Torquatus und Cotta (daraus Hydat. und Chron. Pasch.); Hör. epod. 13, 6; c. III 21, 1 (vgl. Porphyr. zu beiden Stellen) bezeichnet das Jahr als das seiner eigenen Geburt nur mit dem Namen des Torquatus, weil dieser seit hundert Jahren der erste Consul aus dem Manlischen Geschlecht war und der einzige geblieben ist. Nach Ablauf des Amtsjahres ver-30 waltete er 690 = 64 als Proconsul die Provinz
Macedonia und erhielt wegen kriegerischer Erfolge Anfang 691 = 63 vom Senat auf Antrag des neuen Consuls Cicero den Titel Imperator (Cic. Pis. 44). In den letzten Monaten des J. 691 = 63 war er in Rom und nahm, obgleich er krank war, an den Beratungen des Senats über die catilinarische Verschwörung eifrig teil (Cic. Sulla 34; fin. II 62; ad Att. XII 21, 1). Im Frühjahr 696 = 58 legte er für den durch das Exil be-40 drohten Cicero bei Pompeius und bei dem Consul
L. Piso Fürbitte ein, wurde aber von dem letzteren unter Anspielung auf das ihm einst von Cicero gespendete Lob (s. o.) mit dem höhnischen Wort abgewiesen, er sei nicht so tapfer wie es Torquatus in seinem eigenen Consulat gewesen sei (Cic. Pis. 77f.). Dadurch erbittert stellte er 699 = 55 den Piso im Senat zur Rede, weil er beim Abgang aus seiner Provinz Macédonien die Truppen übereilt entlassen hätte (ebd. 47.92). Bald 50 darauf scheint er gestorben zu sein, denn die Erwähnung Ende 704 = 50 bei Cic. fin. I 39. II 62 setzt seinen Tod voraus, und andernfalls würde man bei dem unmittelbar darauf folgenden Bürgerkrieg von ihm hören. Er wird von Cicero aus besonderen Anlässen mit konventionellen Lobsprüchen bedacht (Sulla 11. 30. 34. 39; Pis. 44. 47. 78), von denen die des im Consulat bewiesenen Mutes (s. o.) und der Überzeugungstreue (Sulla30: constantissimi senatoris. 34: singularis 60 constantiae) seine politische Stellung bezeichnen, und er wird Brut. 239 wohlwollend charakterisiert als elegans in dicendo, in existimando admodum prudens (vgl. Sulla 34: summi consilii. 49: sa~ pientissimus vir), toto genere perurbanus. In seiner Lebensanschauung neigte er gleich seinem Sohne und seinem Freunde Atticus zum Epikureismus (Cic. fin. 139: facete et urbane Stoicos irrideus), und mit jenem teilte er wohl auch [1203] 1203 Manlius (Torquatus)
eine gewisse Neigung zur Poesie (Plia. ep. V 3, 5)