RE:Manlius 82
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Torquatus, T. cos. II 224 v. Chr. | |||
| Band XIV,1 (1928) S. 1207–1209 | |||
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| Register XIV,1 | Register m | ||
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82) T. Manlius Torquatus, war T. f. T. n. (Fasti Cap. Acta triumph.) und wohl eher ein Brudersohn als ein Bruder des etwas älteren A. Manlius Torquatus Atticus Nr. 87, der gleichfalls T. f. T. n. heißt. Er war zum ersten Male Consul mit C. Atilius Bubulcus 519 = 235 (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Cassiod.), wurdet nach dem soeben von Karthago abgetretenen Sardinien geschickt, unterwarf die Eingeborenen und kehrte im Triumphe heim (Acta triumph. Liv. XXIII 34, 15. Eutrop. III 3. Oros. IV 12, 2. Vell. II 38, 2). Er erwarb sich großen Ruhm durch die darauf folgende Schließung des lanustempels, die einzige zwischen der mythischen Zeit des Königs Numa und dem Principat des Augustus; freilich [1208] Manlius (Torquatos) 1208
wurde der Tempel noch in demselben Jahre wieder geöffnet (Varro 1. 1. V 165. Liv. I 19, 3. Eutrop. Vell. II 38, 3. Schol. Veron. Verg. Aen. VII 607 [III 2, 438, 8 Thilo-Hagen]. Plut. Numa 20, 2; fort. Rom. 9. Vgl. Norden Ennius und Ver-gilius [Leipz. 1915] 56–61). 523 = 231 wurde M. mit Q. Fulvius Flaccus (o. Bd. VII S. 243ff.) zum Censor gewählt; doch mußten sie wegen fehlerhafter Wahl abdanken (Fasti Cap. Liv. XXIII 0 34, 15. XXV 5, 3. XXVII 11, 10. Vgl. Lenze
Zur Gesch. der röm. Censur [Halle 1912] 6f). Beide zusammen gelangten 530 = 224 zum zweiten Consulat (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Cassiod. bis consul Liv. XXIII 34, 15. XXV 5, 3) und übernahmen die Fortsetzung des glücklich begonnenen Krieges gegen die Gallier in Oberitalien; sie zwangen die Boier zum Frieden, überschritten den Po und kämpften gegen die Insubrer, brachten aber den Krieg hier nicht 0 zum Abschluß (Polyb. II 31, 8–10. Oros. IV 13, 11; vgl. Liv. ep. XX). 538 = 216 stellte er im Senat den Antrag, den Loskauf der Gefangenen von Cannae abzulehnen; das wird geschichtlich sein, wenn auch die große Rede, die Liv. XXII 60, 6–61, 1 ihm dabei in den Mund legt, erfunden und die ganze Erzählung mit großer Willkür ausgestaltet ist (vgl. Hesselbarth Histor.-krit. Untersuch, zur dritten Dekade des Liv. 349–358. Meltzer-Kahrstedt Gesch. d.
) Karthager III 219f., auch Bd. II A S. 860. – Zur Charakteristik des M. bei Liv. XXII 60, 1: pris· cae ac nimis durae, ut plerisque videbatur, severi-tatis, und zu seiner Bezugnahme auf eigene Jugenderinnerungen ebd. 11: ut avorum memoria ... ut nobis adulescentibus, brauchte der Rhetor keine besonderen Kenntnisse seiner Persönlichkeit). Ebenso bekämpfte M. damals den Gedanken, für die Ergänzung des Senats auf die Latiner zurückzugreifen, und erinnerte an die drohen-
- den Worte seines Ahnherrn Nr. 57 gegen solche unwürdige Pläne (Liv. XXIII 22, 7. Val. Max. VI 4, 1 mit Verwirrung der Zeiten und Personen). ImJ. 539 = 215 war die Lage auf dem 20 Jahre zuvor von M. bezwungenen Sardinien sehr bedrohlich; die Sarden waren im Aufstand, ein karthagischer Angriff zur See wurde erwartet, und der römische Statthalter Q. Mucius Scaevola war auf der Insel schwer erkrankt; in dieser Not beauftragte der Senat den Stadtpraetor Q. Fulvius Flaccus, den früheren Amtsgenossen des M., eine Legion für Sardinien auszuheben und einen geeigneten Mann mit Imperium auszustatten, damit er an ihrer Spitze als Stellvertreter Scaevolas die Leitung übernähme; die Wahl fiel selbstverständlich auf M. (Liv. XXIII 34, 10–15), der zwar nicht dem Titel nach, aber tatsächlich als praetor (ebd. 40, 1) oder pro consule (Eutrop. III 12, 4. 13, 2) die Aufgabe löste (vgl. Mommsen St.-R. I 681f., 6. II 240, 5). Er schlug zuerst die aufständischen Eingeborenen und dann nach der Landung der Punier die verbündeten Streitkräfte beider; die vornehmsten Führer jener fanden den Tod, und die karthagischen wurden gefangen; M. konnte heimkehren mit reicher Beute und mit der Meldung, Sardinien liege wieder Rom zu Füßen (Liv. XXIII 40, 11, 7. Eutrop. III 13, 2. Zonar. IX 4 Anf. Zur Kritik der Heereszahlen vgl. Kahrstedt 452, 1). 542 = 212
[1209] 1209 Manlius (Torquatus)
bewarb sich M., der schon längere Zeit vor dem Kannibalischen Kriege Pontifex geworden sein muß, um die erledigte Stelle des Pontifex Maximus zusammen mit Q. Fulvius Flaccus, der damals das dritte Consulat bekleidete, und mit dem weit unter ihnen stehenden P. Licinius Crassus Dives; wider Erwarten trug dieser den Sieg über beide davon (Liv. XXV 5, 2–4; vgl. Röm. Adelsparteien 185–187; o. Bd. XIII S. 331). Bei den Consulwahlen des folgenden Jahres, die unter der Leitung eines andern Fulvius, des Consuls Cn.. Centumalus (Bd.VII S. 235f. Nr. 43), stattfanden, wurde M. von der zuerst abstimmenden Centurie für 544 = 210 gewählt und konnte des Erfolges gewiß sein, als er selbst darum bat, von seiner Wahl abzusehen, erst unter dem Vorwande eines Augenleidens, dann mit der offenen Erklärung, daß er mit der gegenwärtigen politischen Richtung nicht einverstanden sei (Liv. XXVI 22, 2–23, 1; vgl. XXVII 34, 10. – Val. Max. VI 4, 1. Auct. de vir. ill. 28, 5. Dio frg. 35, 9. Zonar. IX 5 E., alle diese späteren Autoren unter Verwechslung oder Vermischung des M. mit seinem Ahnherrn Nr. 57. Vgl. auch Röm. Adelsparteien 75). Bei den Senatsverhandlungen über das Schicksal von Syrakus im Anfang von 544 = 210 gab M. als erster seine Stimme zugunsten der von M. Marcellus genommenen und schwer gestraften Stadt ab (Liv. XXVI 32, 1–5). Im folgenden Jahre wollte bei der Lectio senatus der patrizische Censor M. Cethegus den M. als den ältesten lebenden patrizischen Censorier zum Princeps senatus erheben, doch sein plebeischer Amtsgenosse P. Sempronius Tuditanus setzte die Ernennung des den M. allerdings nach Herkunft, Rang und Bedeutung überragenden Q. Fabius Maximus des sog. Cunctator durch, nicht ohn Zustimmung des M. selbst (Liv. XXVII 11, 10; vgl. Röm. Adelsparteien 60, 1. 98f. 187). Ende 546 = 208 wurde er zum Dictator für die Abhaltung der Wahlen und die Feier von Spielen ernannt (neues Stück der Fasti Cap. 1925, 379, vgl. 382: T, Manlius T. f. T n. Torquatus dict. [lud,] et c, [h. c.]. Liv. XXVII 33, 6–8. Anspielung darauf in dem Fragment des Naevius bei Varro 1. 1. V 153 vermutet Cichorius Röm. Studien 56); bei den Comitien tauchte auch noch einmal flüchtig der Gedanke seiner eigenen Wahl zum Consul auf (Liv. 34, 10). Er feierte die Spiele und gelobte neue in fünf Jahren (ebd. 35, 1), die dann im J. 551 = 203 gefeiert wurden (ebd. XXX 2, 8. 27, 11). Er starb im Jahre darauf 552 = 202 und wurde im Pontifical-collegium durch C. Sulpicius Galba ersetzt (ebd. 39, 6). Wahrscheinlich hat er den ältesten römischen Historikern, die seine jüngeren Zeitgenossen waren, manche Züge für das Bild seiner Vorfahren Nr. 54 und 57 geliefert. Eine seltsame Nachricht des Antoine de la Salle über einen Tor-queus und sein Verhalten bei der Sendung Scipios nach Afrika, die vielleicht aus Cicero de virtutibus stammt, kann nur mit großem Bedenken auf M. bezogen werden (vgl. Knoellinger Cic. de virt. 20, 29ff. 48f. 84, dazu Gustafson Berl, philol. Wochenschr. XXVIII 1304).