RE:Marcius 79

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Philippus, Q. cos. 186 v. Chr.
Band XIV,2 (1930) S. 15731579
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79) Q. Marcius Philippus war L. f. Q. n. (Fasti Cap. 568. 585. 590. L. f. SC de Bacchanal, und 10 Olympische Inschr.), offenbar Enkel von Nr. 78, geboren gegen 525 = 229 (im J. 585 = 169 maior sexaginta annis Liv. XLIV 4, 10 aus Polyb. rfaκοντοντης ὧν Appian. Maced. 14 desgleichen). Er hat also die zweite Hälfte des kannibalischen Krieges nütgemacht und wahrscheinlich damals den Grund zu seinem späteren Ansehen gelegt. Im J. 566 = 188 war er Praetor und erhielt durchs Los Sizilien (Liv. XXVIII 35, 2. 10); nach nur einjähriger Zwischenzeit – es war der vor- 20 letzte Fall dieser Art (Mommsen St.-R. I 527, 4) – war er 568 = 186 Consul mit Sp. Postu-mius Albinus (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. SC de Bacchanal. CIL I² 581 = D e s s. 18 Z. 1. Liv. XXXIX 6, 1. 8, 1. 19, 1. XL 36, 10. Val. Max. VI 3, 7. PHn. n. h. XXXIII 138. Eutrop. IV 5, 1. Cassiod.). Eine an seinen Kollegen gerichtete Anzeige führte zur Entdeckung der in Rom und Italien weit verbreiteten Geheimkulte und des mit ihnen verbundenen gefährlichen Un- 30 wesens, der sog. Bacchanalien; beide Consuln wurden in außerordentlicher Weise mit deren Untersuchung und Verfolgung beauftragt (Liv. XXXIX 8, 1.3, 14, 6. 18, 9. 19, 1) und dadurch den größten Teil des Jahres, Postumius fast das ganze Jahr hindurch beschäftigt (ebd. 20, 1. 4f. 23, 1. 3). Von ihrer Tätigkeit in dieser Sache zeugt außer dem eingehenden Bericht des Livius (XXXIX 8, 3–20, 1 daraus Val. Max.) ihr Brief an die Bewohner des Ager Teuranus (jetzt Tirioli) 40 in Bruttium, das berühmte Senatusconsultum de Bacchanalibus (CIL I² 581 = Dess. 18 s. o. Bd. II 8. 2721 f., über die Zeit Beloch Klio XV 391. DeSanctis Storia dei Romani IV 1, 383). Nachdem M. seinen Anteil an den Untersuchungen früher beendet hatte als Postumius (Liv. XXXIX 19, 1. 3. 20, 1. 4f.), ging er nach der ihnen beiden zugewiesenen Provinz Ligurien ab, ließ sich aber dm Gebiete der Apuaner in abgelegene und enge Waldschluchten locken und 5C erlitt hier durch einen feindlichen Überfall eine schlimme Niederlage; um die Größe der Verluste, die sich auf 4000 Mann beliefen, zu verschleiern, verteilte er die übrigen Truppen in ihre Quartiere und kehrte vor Ablauf des Amtsjahree nicht mehr nach Rom zurück (Liv. XXXIX 20, 5–9. 23, 1. Oros. IV 20, 26). Der Ort der Niederlage hieß seitdem Marcius Saltus (Liv. 20, 10). Im Anfang 571 = 183 beschloß der Senat, den M. als Gesandten nach Makedonien und in den 6( Peloponnes zu senden (Liv. 47, 11. 48, 5 aus Polyb. XXIII 2, 10. 4, 16). Anscheinend setzte Poly Luos den Aufbruch und die Rückkehr der Gesandtschaft um je ein Jahr früher als Livius, was im Zusammenhang mit der ganzen griechischen Geschichte dieser Zeit von Nissen Krit. Untersuch. 233 angenommen, meistens aber abgelehnt wird (vgl. De Sanctis Storia dei Romani IV [1574] Marcius (Philippus) 1574

1, 252). Da bei der späteren Sendung des M. an König Perseus (s. u.) das privatum hospitium quod ei paternum eum Marcio erat (Liv. XLII 38, 8; vgl. im Munde des M. ebd. 9: et se ita a pâtre suo accepisse usw. 40, 11: pro paterno noetro hoepitio 42, 4), für seine Wahl zum Gesandten maßgebend war, so kann das auch damals geschehen sein, wenn, wirklich die Gastfreundschaft zwischen den Mareii Philippi und König Philipp von Makedonien, dem Vater des Perseus, auf den übrigens unbekannten Vater des Gesandten zurückgeht und nicht etwa trotz der gegenteiligen Behauptung des Livius erst von ihm selbst damals begründet wurde (vgl. Mommsen Röm. Münzw. 548, 260). Er bewog den König, zur Vermeidung eines Krieges die ihm früher und jetzt gestellten Forderungen Roms zu erfüllen und seine Besatzungen aus den thrakischen Küstenstädten zurückzuziehen (Polyb. XXIII 8, 1, daraus Liv. XXXIX 53, 10f.). Im Peloponnes suchte er auf der Bundesversammlung der Achaier ohne Erfolg deren gegen Messen« geplanten Feldzug zu verhindern und die Entscheidung der Streitigkeiten für den Senat zu beanspruchen (Polyb. XXIII 9,8f. XXIV 11,12f.). Im Anfang 572 = 182 war er wieder in Rom und erstattete eingehenden Bericht über seine in Makedonien und Griechenland gewonnenen Eindrücke; sein Gutachten war maßgebend für die den Gesandten Philipps, der Achaier und der Lakedaimonier zu erteilenden Antworten und erregte ernste Sorge hinsichtlich der Pläne des Königs (Polyb. XXIII 9, 4. 6. 8, danach Liv. XL 2, 7. 3, 1); jedenfalls hatte aber seine eigene geheime Tätigkeit, die vielleicht größer war als die öffentlich bekannt gewordene, diesem schon erfolgreich entgegengearbeitet. 574 = 180 wurde M. Decemvir sacrorum (Liv. XL 42, 12) und scheint infolge des Todes mehrerer anderer Decemvirn bald der angesehenste des Kollegiums

¹ geworden zu sein, so daß er bei der großen Pest des J. 580 = 174 an dessen Spitze im Namen des Staates die feierlichen Gelübde für das Erlöschen der Seuche auf Grund der Sibyllinischen Sprüche darbrachte (ebd. XLI 21, 10f.). Als im J. 582 = 172 der Krieg gegen Pereeus eine beschlossene Sache war, aber die römischen Vorbereitungen noch weit zurück waren, wurde M. als Haupt einer fünfköpfigen Gesandtschaft nach Griechenland geschickt. Liv. XLII 37, 1 berichtet die

• Abreise im Anfang von 583 = 171 (vgl. 3) und ebd. 44, 8 die Rückkehr im Anfang des Wintere (vgl. 52, 8), wo seine Vorlage Polyb. XXVII 2, 12 sagt, daß die Gesandten ihre Aufträge während des Winters ausgeführt hätten und darauf heim-reisten. Da der römische Kalender in dieser Zeit um mehr als drei Monate verging, ist die ganze Reise des M. ungefähr in das letzte Viertel von 172 v. Ohr. zu setzen (vgl. Kahrstedt Klio XI 423ff. 428ff., auch Beloch ebd. XV 411. De) Sanctis Storia dei Romani IV 1, 398f.). Die fünf Gesandten waren M., der Praetorier A. Ati-Hus Serranus (Bd. II S. 2096f.) und drei jüngere Männer, zwei Cornelii Lentuli (Bd. IV S. 1374ff. Nr. 202 und 208) und ein L. Decimius (ebd. 2273 Nr. 3); sie setzten mit einer militärischen Begleitung von 100C Mann nach Kerkyra über und verteilten hier ihre Aufgaben in der Weise, daß Decimius nach Illyrien ging, die Lentuli über Ke- [1575] 1575 Marcius (Philippus)

phallenia in den Peloponnes, M. und Atilius nach Nord- und Mittelgriechenland, um zuletzt wieder mit den Lentuli zusammenzutreffen (Liv. XIII 37, 1–5). Eine noch nach Kerkyra gerichtete Beschwerde des Perseus über ihr Erscheinen in Griechenland wurde kurz mündlich abgefertigt (ebd. 37, 5f.). M. und Atilius verhandelten in Gitana mit der Bundesversammlung der Epei-roten mit gutem Erfolge, ebenso in Aitolien mit der dortigen und in Larissa mit der thessalischen und erteilten den Gesandten der Akarnanen und der böotischen Parteigänger Roms die nötigen Weisungen (ebd. 38, 1–7). Dann bewilligten sie dem Perseus auf sein Gesuch eine persönliche Zusammenkunft am untern Peneios, zu der die Vorbereitungen mit aller Sorgfalt getroffen wurden (ebd. 38, 8–39, 8). Da sowohl M. als der römische Wortführer darüber an den Senat Bericht erstattete (ebd. 47,1–4), als auch Perseus später öffentlich davon Rechenschaft ablegte (ebd. 46, 1–3 vgl.52,8), ist der Verlauf der bedeutsamen Unterredung zuverlässig bekannt: Zuerst entwickelte M. die römischen Beschwerden und Kriegsgründe (ebd. 40, 1–11), die etwa gleichzeitig auch den griechischen Staaten in derselben Form mitgeteilt wurden (Beispiel aus Delphi, ohne Präskript erhalten, Syll.³ 643; vgl. auch Appian. Maced. 11, 4 u. a.); darauf erwiderte der König mit einer ausführlichen Rechtfertigung (ebd. 41, 1–42, 9); schließlich wurde ein Abkommen getroffen, wonach er noch einmal Gesandte an den Senat schicken und sich bis dahin jeder Feindseligkeit enthalten sollte (ebd. 43, 1f.). Dieser Waffenstillstand bedeutete für die Römer einen Zeitgewinn von größtem Wert, so daß sich M. des erzielten Vorteils lebhaft rühmte (ebd. 43, 3. 47, 1–3), aber auch wegen der Art und Weise, wie er den Gegner überlistet hatte, von einer Partei im Senate scharfen Tadel erfuhr (ebd. 47, 4–9. Diod. XXX 7, 1); er war jedenfalls ,einer der verschla-. gensten und skrupellosesten römischen Diplomaten' seiner Zeit (Die politische Vernichtung des Griechentums [Leipz. 1925] 63). Denn auch in Boiotien, wohin er sich mit Atilius von Thessalien aus begab, erreichte er durch Benutzung der vorhandenen Parteigegensätze nichts Geringeres als die tatsächliche Auflösung des böotischen Städtebundes (Polyb. XXVII1,1–2,10, daraus Liv.XLII 43, 4–44, 6; das eigene Urteil des M. ebd. 47, 3; vgl. Busolt-Swoboda Griech. Staatsk. II] 1444, 8). Zuletzt gingen M. und Atilius, während sie einen der zwei Lentuli in Chalkis zurückließen, nach Argos und erlangten hier von den Achaiern, daß sie einstweilen für die Römer Chalkis besetzten (Polyb. XXVII 2, Hf., daraus Liv. XLII 44, 6–8). Der Bericht des heimgekehrten M. über seine Mission wurde trotz der moralischen Entrüstung eines Teils seiner Standes-genossen (s. o.) von der Senatsmehrheit gebilligt, und er wurde sofort, d. h. im Frühjahr 583 = ( 171, mit mehreren Kriegsschiffen aufs neue nach Griechenland geschickt (Liv. XLII 47, 9), nahm an der Küste der Phthiotis Alope und versuchte Larissa Kremaste ebenfalls zu nehmen und stieß dann in Chalkis zu den übrigen in der Sammlung begriffenen Seestreitkräften (ebd. 56, 7). Sonst blieb er an dem Feldzuge dieses und des folgenden Jahres unbeteiligt, wurde dann aber infolge eines [1576] Marcius (Philippus) 1576

Umschwungs in Rom (vgl. Röm. Adelsparteien 152. 222) für 585 = 169 zum zweiten Male zum Consul gewählt (Fasti Cap. Chronogr. Hydat. Chron. Pasch. Cie. Brut 78; Cato 14. Liv. ÎLHI 11, 6. 12, 1. Cassiod.) und erhielt den Oberbefehl zu Lande gegen Perseus, zugleich mit der Übertragung des Seekrieges an seinen zur Praetur beförderten Vetter C. Marcius Figulus Nr. 61 (Liv. XLIII 15, 3). Der bisherige Verlauf des make-10 donischen Krieges hatte die Erwartungen der

Römer enttäuscht; sie vertrauten dem M., während seinem Amtsgenossen Cn. Servilius Caepio Italien zufiel (Bd. II A S. 1781, 7ff.), sowohl die militärische wie die politische Oberleitung in solchem Umfange an, daß sie ihm durch Senatsbeschluß sogar die Vollmacht erteilten, die syrischägyptischen Händel nach seinem Ermessen zu schlichten (Polyb. XXVIII 1, 9). M. führte so früh wie möglich im Frühjahr 585 = 169 die für 20 den neuen Feldzug bewilligten Verstärkungen aus

Rom nach Brundisium und brachte sie gemeinsam mit dem Praetor Figulus von hier in drei Tagen über das Meer nach Aktion; er marschierte mit ihnen von Ambrakia nach Thessalien und übernahm bei Palaipharsalos von seinem Amtsvorgänger A. Hostilius Mancinus (Bd. VIII 8. 2507 Nr, 16) die vereinigten römischen und bundes-genossischen Streitkräfte (Liv. XLIII 15, 3. XLIV

1, 1–8. Zonar. IX 22). In einer Ansprache an 30 das Heer legte er noch einmal die Gründe und die

Aussichten des ganzen Krieges dar (Liv. XLIV 1, 9–2, 1); in einem Kriegsrat, zu dem auch der FBottenbefehlshaber Figulus erschien, wurde der Plan eines kombinierten Angriffs zu Lande und zur See auf Makedonien vereinbart, und bereits am zehnten Tage nach der Kommandoübergabe begann der Vormarsch ins Gebiet der Perrhaiber hinein bis in die Gegend zwischen Azoros und Doliche am obern Europos (Liv. XLIV 2, 1–6). 40 Hier traf Polybios, der in diesem Jahre Hipparch des Achajischen Bundes war, als Führer einer Gesandtschaft ein, um dem M. den Beschluß des Bundes zu übermitteln, daß sein gesamtes Aufgebot den Römern Zuzug leisten sollte; M. gewährte ihm erst, nachdem der Einfall in Makedonien ausgeführt war, Gelegenheit zur Ausrichtung seines Auftrags und lehnte dann das Anerbieten, weil er dessen nicht mehr bedürfe, dankend ab, behielt aber nach Entlassung der übrigen 50 Gesandten den Polybios noch längere Zeit während des Sommers bei sich (Polyb. XXVIÏÏ 13, 1–7. XXIX 24, 1f. 7). So machte Polybios den Zug nach Makedonien und die folgenden Unternehmungen mit und ist dafür ein Augenzeuge von höchstem Wert; sein Bericht ist bei Liv. XLIV

2, 93. und in den sonstigen Darstellungen durchaus zugrunde gelegt (vgl. Nissen Krit. Untersuch. 2593.) und hat der neueren Forschung die genaue Ermittlung der Örtlichkeiten und der Vor->0 gänge ermöglicht (nach Leake und H e u z e y vgl. vor allem Kromayer Ant Schlachtfelder II 267–274. Karte 8; Schlachtenatlas. Röm. Abt. 46f. Bl, 10, 1. 2). Aus persönlichster Kenntnis des römischen Oberfeldherrn M. stammt z. B. sowohl die Schilderung, wie er trotz seines Alters von mehr als sechzig Jahren und seiner Korpulenz alle Strapazen mit den Soldaten teilte (Liv. XLIV 4, 10. Appian. Maced. 14), als auch sein [1577] 1577 Marcius (Philippus)

eigenes Geständnis, wie leicht bei dem Abstieg vom Olymp sein ganzes Heer hätte vernichtet werden können (Liv. XLIV 5, 8; Gegenstück etwa L. Aemilius Paullus bei Pydna ebd. 41, 1 und Polyb. XXIX 17, 1). Daß Polybios sich von M. gekränkt fühlte und ihn deswegen mit Abneigung und Mißgunst beurteilte, ist neuerdings mehrfach angenommen, aber nicht überzeugend bewiesen worden, denn weder die strategische noch die diplomatische Leistung des M. ist einwandfrei gewesen. Als Feldherr hat er allerdings die Verlegung des Kriegsschauplatzes in Feindesland erreicht, indem er den Übergang von Perrhaibien nach dem südlichen Makedonien über den Olymp durchftthrte, und zwar über den Paß, der am Askurissee (jetzt See von Nezero Bd. II S. 1702) vorbeiführt und von 12 000 Makedonen unter Hippias gedeckt wurde. M. schickte eine Abteilung von 4000 Mann unter seinem Sohne Nr. 80 und einem M. Marcellus (Bd. III S. 2758, 21ff.) voran; sie erreichte die Paßhöhe und besetzte einen Hügel gegenüber dem Feinde östlich vom Askurissee, worauf das übrige Heer den Aufstieg vollziehen konnte (Liv. XLII 2, 9–3, 9). Aber der Versuch, sich durch die Überwältigung des Hippias den Weg in die Küsteneber e zu eröffnen, mißlang trotz zweitägigen Kampfes, weil die Börner zwischen den steilen Bergabhängen ihre Überlegenheit nicht zur Geltung bringen konnten (ebd. 3, 10–4, 6). M. entschloß sich, unter Zurücklassung des Consularlegaten M. Popillius Lae-nas mit einem Beobachtungskorps den Abstieg in anderer Richtung zu versuchen, und erreichte in der Tat nach vier weiteren Tagen zwischen Herakleion und Leibethron (Bd. XII S. 1858, 213.) die Ebene. Dieser Abstieg über die steilen, zerklüfteten und dichtbewachsenen Hänge war äußerst beschwerlich und hätte zu einer Katastrophe werden können, wenn der Feind ihn zu einem Angriff benutzt hätte (Liv. 4, 7–5, 13, daraus Flor. I 28, 5f. Ampel. 16, 4. Zonar. IX 22), sein Gelingen versetzte wiederum Perseus in die höchste Bestürzung (Liv. 6, 1ff. Diod. XXX 10, 1–11, 2. Flor. Ampel.). Kromayer (Schlachtfelder II 276–285; vgl. De Sanctis Storia dei Romani IV 1, 300ff.) hat diesen Erfolg des M. als ein großes Verdienst eingehend gewürdigt und gegen alte und neue Vorwürfe verteidigt, hat aber in seiner letzten Behandlung (Schlachtenatlas 47) weit mehr als in der früheren (Schlachtfelder II 285–294) zugeben müssen, wie wenig im Grunde damit gewonnen war. Denn nachdem M. im südlichsten Zipfel von Makedonien festen Fuß gefaßt hatte, hat er bis zum Ablauf seines Kommandos keine weiteren Fortschritte gemacht, sondern ist nach einem anfänglichen Vordringen in Pierien unter Preisgabe des bereits besetzten Dion (Bd. V S. 833) wieder gegen die Peneiosmündung zurückgegangen und begnügte sich damit, seinem Heere die rückwärtige Verbindung mit Thessalien und die Verprovian-tierung auf diesem Wege und auf dem Seewege zu sichen (Liv. 7, 1–9, 11. 13, 1. 10. Zonar. IX 22). Die Verpflegungsschwierigkeiten waren besonders in der ersten Zeit sehr groß und bewogen ihn, mehr mit diplomatischen Künsten als mit strategischen Operationen zu arbeiten, um der bedenklichen Lage Herr zu werden. Am meisten [1578] Marcius (Philippus) 1578

auffällig ist sein Benehmen gegen die von Age-polis geführte Gesandtschaft der Rhodier, indem er diesen im allgemeinen und dem Age-polis noch besonders vertraulich den Rat erteilte, sie sollten als neutrale Macht den beiden kriegführenden Parteien Makedonien und Rom gleichmäßig ihre guten Dienste als Vermittler anbieten (Polyb. XXVIII 17, 1ff. Appiam Maced. 17). Da die Befolgung dieses Rates den Rhodiern von 10 selten Roms nur Argwohn und Feindschaft zuzog, erscheint seine Erteilung als Beweis einer ungewöhnlichen Heimtücke. Dagegen hat Tenney Frank (Œassical Philology V 358–361) den M. in Schutz nehmen wollen; aber das Verhalten des M. entspricht nur dem auch in anderen Fällen von ihm berichteten. Im Winter 585/6 = 169/8 forderte er brieflich die Achaier auf, die Vermittlung in den syrisch-ägyptischen Streitigkeiten zu übernehmen (Polyb. XXIX 25, 2.5), die der Senat 20 vor längerer Zeit ihm selbst zugewiesen hatte (ebd. XXVIII 1, 9; s. o.); zu diesem Zeitpunkte hätte ein derartig selbständiges Auftreten der Achaier auch nur den Argwohn gegen sie bei den Romern gesteigert. Etwas früher entließ M. den Polybios in den Peloponnes mit der Aufforderung an seine achajischen Landsleute, dem in Epirus tätigen Ap. Claudius Centho (Bd. III S. 2694 Nr. 103) den geforderten Zuzug von 5000 Mann nicht zu gewähren (Polyb. XXVIII 13, 7–14); 30 die Zweideutigkeit dieser Haltung ist trotz der Bemerkung von DeSanctis (Storia dei Romani IV 1, 307f., 186) kaum zu bestreiten. Schließlich zeigen auch die widersprechenden Angaben, die Liv. XLIV 13, 12f. aus Antias (frg. 52 Peter) zu seinem Hauptberieht (ebd. 10) über das Verhältnis zwischen Eumenes und M. nachträgt, daß die Beziehungen des Consuls zu den Bundesgenossen nicht immer tadellos gewesen sind. Das hinderte natürlich nicht, daß der Achajische Bund 40 ihm wegen seiner Verdienste eine Statue in Olympia errichtete (Inschr. von Olympia 318 = Syll.³ 649 = D e s s. 8767: τὸ κοινὸν τθν Ἀχαιῶν [KJoivrov Μάρκων Λενκίου daninter die Künstlernamen s. o. Bd. I S. 2137 Nr. 12). Er selbst weihte damals einen goldnen Lorbeerkranz nach Delos (ανάθεμα Κοίντον (τοῦ) Μαρκίου ὕπατον Tempelinventar bei fîo llea u ί 50 Στρατηγὸς ὕπατος [1918] 157). Nach Rom hatte er etwa im Herbst den erfolgten Einmarsch in Makedonien und die Lage und die Bedürfnisse der Armee gemeldet (Liv. XLIII 16, 1–4); der Bericht über die Art und Weise, in der sich Anfang des Frühjahrs 586 = 168 seine Ablösung durch den Nachfolger L. Aemilius Paulius vollzog, ist in der Lücke hinter Liv. XLIV 32, 11 ausgefallen. Die Tatsache, daß Paulius in verhältnismäßig kurzer Zeit die Entscheidung des ganzen 60 Krieges herbeiführte, läßt die Untätigkeit des M.

seit dem Übergang über den Olymp in keinem günstigen Lichte erscheinen; er hat sich trotz dieses geglückten Unternehmens in seinem zweiten Consulat in Makedonien ebensowenig als Feldherr bewährt wie im ersten in Ligurien. Doch wurde seine Arbeit für den Staat nach dem glücklichen Ausgang des Krieges dadurch anerkannt und belohnt, daß er für 590 = 164 zusammen mit [1579] 1579 Marcius (Philippus)

dem Sieger von Pydna L. Aemilius Paulius zum Censor gewählt ward (Fasti Cap. Nur eens erhalten in Fasti Antiates 1921, 128. Cic. de domo 130. Plin. n. h. VII 214. XXVI 5. Plut. Aem. Paull. 38, 7. Zu ergänzen bei Fest. 285 [aus Varro de vita p. B.]); er sorgte in diesem Amte für den Sehmuck der öffentlichen Plätze (Cic. Plin.). Sein eigenes Standbild ist nach der verbreiteten Meinung auf den Denaren des L. Philippus Nr. 74 abgebildet (Grueber Coins of the roman rep. II 277); es fragt sich jedoch, ob es nicht vielmehr das Reiterdenkmal des beträchtlich älteren Q. Marcius Tremulus Nr. 106 sein sollte, wie Mommsen (Münzw. 548f. zu Nr. 152) annahm.