RE:Meton 2
| Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft | |||
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| Baute den Lunisolarkalender aus | |||
| Band XV,2 (1932) S. 1458–1466 | |||
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2) Sohn des Pausanias, aus dem attischen Demos Leukonoe (s. Kock o. Bd. XII S. 2284), αἰματος ἀστρονόμος καὶ γεωμέτρης (Schol. Aristoph. av. 997). Kirchner Prosop. Att. II (1903)80. Er erregt unser Interesse hauptsächlich wegen seiner Tätigkeit für den Ausbau des Lunisolarkalenders, die wahrscheinlich auch an Oinopides von Chios (s, d. und Diels Vorsokr. Abscun. 29) und be-60 zeugterweise an Phaeinos von Athen (s. d. und Vorsokr. Abschn. 70) anknüpft.
§ 1. Seine Lebenszeit ergibt sich aus seiner Beobachtung der Sommersonnenwende, der θερινὴ τροπή, deren Datum gleichmäßig in unserer Überlieferung festgehalten ist, nämlich am 13. Skiro-phorion des (attischen) Archonten Apseudes (s. Wilhelm o.Bd.II S.277) = 27. Juni 432 v. Chr.; in Wirklichkeit 28. Juni IIh27‘ nach Boeckh [1459] 1459
Meton
(W. Foerster) Die vierjährigen Sonnenkreise der Alten (1863) 43f. H. Diels Abh. Akad. Berl. 1904, 93, 1. Dieser Tag wird ebenso gleichmäßig durch das alexandrinische Datum = 21. Phame-noth, vorläufig ohne genauere Angabe des Jahres ausgedrückt, das aber zwangsläufig vorher und jetzt erst recht dank dem durch die deutschen Ausgrabungen zu Milet gefundenen Stein (Inv. nr. 84), unterstützt auch durch die von Dessau Abh. Akad. Berl. 1904, 267 gewonnene Ergänzung, gegeben erscheint. [Allerdings ist die Rechnung damit nicht restlos bis in die Tagesziffern aufgehellt. Zwischen den gleichen Tagesdaten 432 v. Chr. und 109 v. Chr. liegen 323 Lunisolar-jahre, also genau 17 metonische Zyklen. Die Tagesmarke für
27/6 432 v. Chr. ist 1.563.813
27/6 109 v. Chr. 1.681.789, berechnet nach Robert Schram Kalendariogra· phische und chronologische Tafeln (1908) 25 und 31. Die Differenz beträgt somit 117.976 Tage, d. i. ebenso wieder 17 metonische Zyklen, nur daß ein paar Tage zu dieser Summe fehlen; 6940 X 17 würden 117.980 Tage, also um 4 Tage mehr ergeben, als jene Differenz darstellt. Wie die Lösung glatter durchzuführen wäre, sehen wir noch nicht, werden es aber durch Verfolgen des Rechnungsvorganges unten S. 1462f. mit wünschenswerter Klarheit erkennen]. Eine Gleichung des zweiten Datums 11. Payni 109 v. Chr. mit einem Tag des milesischen Kalenders ist auf dem Bruchstück Inv. 84 verstümmelt und würde vermutlich auch bei vollständiger Erhaltung rechnerisch nicht verwendbar sein.
Das Datum des metonischen Solstitium vom 13. Skirophorion des Archonteu Apseudes = 27. Juni 432 v. Chr. = 21. Phamenoth wird bezeugt durch Diodor XII 36, 3, 2. Ptolem. Almag. III 3 S. 205, 2 Heib, (πρωίας). Philochoros frg. 99 FHG I 100, erhalten im Schob Aristoph. av. 997; und nun neuerdings auch durch das mile-sische Inschriftfragment Diels a. O. 96. – Während der Korrektur dieser Zeilen kommt der Nachweis eines anderen Steckkalenders aus dem Amphitheater von Puteoli zu meiner Kenntnis; s. den Bericht Mingazzinis in 1928, 202–205.
In diese Lebenszeit fügen sich sehr wohl mehrere andere Erwähnungen:
a) Die Anekdote von seiner Abneigung gegen das sizilische Abenteuer der Athener während des zweiten Peloponnesischen Krieges und sein Versuch der Dienstpflicht durch Vorspieglung von Wahnsinn und durch Brandlegung zu entkommen, Plut. Nik. 13; Alkib. 17. Ailian. var. hist. XIII 12.
b) Daß im J. 414 sowohl Phrynichos in seinem Monotropos (erhalten durch den Schob der Vögel 997 = frg. 21 bei Kock FCA, wo auf die Erwähnung M.s der Mitunterredner bemerkt: oM’, ὁ τὰς κρήνας ἄγων, und dazu Kocks Anm.) als auch Aristophanes in den Vögeln M. auf die Bühne brachte. Diese Figur ist plastisch, und wenn auch wir den augenscheinlich tollen Unsinn, den M. dem Pisthetairos vormacht, genau so wenig wie dieser erfassen (1003 M.: μαιθάτεις; P.: ου μανθάνω), so soll doch die Karikatur des Stadtplanentwurfes für Wölkenkuckucksheim stark und grotesk wirken; M. spricht [1460] Meton
1460
995f. γεωμετρήσαι βούλομαι τὸν ἀέρα ὑμεῖν διελεῖν τε κατὰ γύας und lOOOff. αὐτίκα γὰρ ἀὴρ ἔστι τὴν Ἰδέαν ὄλος κατὰ πυιγέα μάλιστα, προάγεις οὐν ἐγω τὸν κανὸν ἄνωθεν τουτονὶ τὸν καμπυλον, ἐνθείς διαβήτην. Ferner δρθφ μετρήσω κανόνι κροςτιθείς, ἴνα δ κύκλος γένηταί σοὶ τετράγωνος, καν μέοῳ ἀγορά, φέρουσαι δ' ὤσιν εἰς αὐτὴν δδοὶ ὀρθαὶ πρὸς αὐτὸ τὸ μέσον, ὤσπερ δ' ἀστέρος, αὐτοῦ κυκλοτεροὺς δντος, δρθαὶ πανταχὴ ἀκτῖνες ἀπολάμπωσιν. 10 Es kann also der Versuch, den Joh. Svoronos in der Wiener Num. Ztschr. 1922 unternommen hat, durch Erklärung und Abbildungen die Pläne und Instrumente M.s als möglich und wirklich hinzustellen, nicht zutreffen.
Der Dichter wäre wohl am meisten selbst überrascht, wenn er sähe, daß man alle diese seine Einfälle und Scherze ernst nehmen wolle. Übrigens würde es uns sehr wundern, wenn niemand auf den anscheinend nächstliegenden Gedanken ge-20 kommen sein sollte, daß M. in den Vögeln absolut nicht als Kalenderverbesserer, sondern als Phantast und stadtbekannter und hohler Projektant auftritt, und daß das gleichzeitige Erscheinen in zwei Komödien desselben Termins auf die Bedeutung der Person im Leben Athens und für das allgemeine Stadtgespräch gerade in jenem Augenblick einen Schluß zuläßt. Ich wurde es auch begreiflich finden, wenn der unsinnige Vorwurf der sträflichen Brandlegung, um vom Kriegs-30 dienst sich frei zu machen, auch auf eine Komödie zurückginge; meinetwegen auf Phrynichos. Man sollte nicht vergessen, daß die sizilische Expedition in dieselbe Zeit fiel.
§ 2. Der metonische Jahrzyklus (d ἐνιαυτὸς δ λεγόμενος Μέτωνος Schol. Aristoph. av. 997; «νές αὐτὸν Μέτοχος ἐνιαυτὸν δνομάζουσι Diodor XII 36, 2. An anderer Stelle II 47, 6 verknüpft Diodor diesen Jahrzyklus, den die Hellenen, wie er sagt, μύγας ἐνιαυτός nennen, mit mytho-40 logischem Stoff. Dort gehört M. natürlich nicht hin, und wenn er sich nun doch dort findet, so ist das eine Interpolation.
Theophrast hat in dem (anscheinend auf gute Informationen zurückgehenden) Bruchstück seiner Schrift περὶ σηαείων ὑδάτων καὶ χειμώνων καὶ εὐδίων c. 4 unter den Astronomen auch den attischen Metöken Phaeinos genannt, der auf dem Lykabettos seine Studien über die Jahrpunkte betrieb und für den 19-Jahr- Zyklus dem M. Lehrer 50 war; vgLDiels Vorsokr. Abschn. 70. Als Gehilfen des M. sehen wir Euktemon an, vgl. das Material bei Rehm o. Bd. VI S. 1060f.
Geminos, ein Schriftsteller etwa der sullani-schen Zeit (so auch Tittel o. Bd. VIIS. 1028, 24, nachdem er ebd. 6 ,immer noch einen Spielraum zwischen dem letzten Jahrhundert v. Chr. und den ersten beiden Jahrhunderten n. Chr? als möglich bezeichnet hatte), legt in seiner Eisagoge, einem ,elementar gehaltenen* Handbuch ,der wich-60tigsten Lehren der antiken Astronomie¹, die in der Hauptsache nach dem Standpunkt des Hip-parchos [von Nikaia,vgl. Rehm o.Bd. VIIIS. 1666] dargestellt werden (Tittel 1031), auch das Wichtigste über die Versuche, einen brauchbaren bürgerlichen Kalender durch Vereinigung des Sonnenjahres von 3651/4 Tagen und des Mondjahres von 354 Tagen zu schaffen, dar. Ein Fortschritt in dieser Vereinigung wurde lange auch in einer [1461] 1461
Meten
ὀκταετηρίς, einem Zyklus von 8 Jahren, gesucht, der 99 Monate mit Einschluß von 3 Schaltmonaten umfaßte, die je in das 3», 5. und 8. Jahr des Zyklus gelegt wurden; man verwendete Begriff und Namen des Mondes auf die Monate und rechnete sie abwechselnd zu 29 [,hohler* Monat, κοῖloff μὴν) und 30 Tagen [,voller Monat*, πλήρης μὴν], die Schaltmonate [Ἐμβόλιμοι μήνες] zu 30 Tagen, in den nach der Sonne geformten größeren Zeitkreis, den ἤλιακος ἐνιαυτός. Ein solcher Zyklus umfaßte also. m
8 χ 354 = 2832 Tage 3x 30 = 90 „
zus. 2922 Tage, blieb somit hinter der Wirklichkeit zurück. Man schuf daher einen neuen Zyklus von 16 Jahren, eine ἐκκαιδεκαετηρίς, durch Zusammenlegen zweier Oktaeteriden und Zusatz von 3 Tagen. Auch dieses Auskunftsmittel (διόρθωσις) wurde als unpraktisch und unrationell und mit einem Fehler (ἀμάρτημα) verknüpft befunden. [Zudem erscheint das Prinzip durchbrochen, Schaltungen nur mit Hilfe voller Monate durchzufahren. Denn eigentlich wird dieser Prinzipienfehler der Hekkaide-kaeteris erst nach zehn Zyklen, also nach 160 Jahren, zu einem vollen Monat anwachsen. Somit mußte ein neues Auskunftsmittel gefunden werden, und dieses, das metonische Jahr, schien sich eher zu bewähren. Diodor preist XII 36, 2 diesen ἐνιαυτὸν τίνος μεγάλου τὸν ἀνακυκλιομόν und findet, daß die Bewegung und die Wetteransagen (ἐκισημαοίαή der Gestirne wunderbar (θανμαστώς) mit M.s Kalender (τῆ προρρήσει καὶ προγραφὴ ταύτη) übereinstimmen, und daß die meisten Hellenen bis auf seine Zeit (Caesars Ende und Anfänge des Augustus, vgl. E. Sehwartz.o. Bd. V S. 663) durch Benützung der Enneakaidekaeteris ου διαγενδονταὶ τῆς ἀληθεῖας. Der Unterschied beträgt nach der damaligen Theorie nur mehr rund 7 Minuten in 19 Jahren.] Dies alles setzt des Geminus 8. Kapitel faßlich und geschickt auseinander, und wir halten uns daher hier am besten an seinen Text, weil Rückschlüsse aus unserem übrigen Material wohl Kritik und Nachprüfung, aber nicht selbständigen Aufbau gestatten. Daß freilich das vielgelesene Buch des Geminus zahlreiche Ergänzungen und Abänderungen durch Aufnahme der Notizen seiner Leser erfahren hat, zeigt sich überall (vgl. darüber Tittel o. Bd. VII 8. 1031 und Kubitschek Grundriß der antiken Zeitrechnung 155ff.), und es ist auch unzweifelhaft, daß Geminus nicht allzu sattelfest in seiner Materie gesessen ist. Trotzdem und weil es nun einmal so üblich geworden ist und so hat werden müssen*), soll sein Text auch hier wiederholt werden, und zwar nach der Übersetzung von K. Manitius (Teubneriana 1898): ,(Vin 42) Läßt man diese Verbesserung (dnrch den Zyklus von 16 Jahren) eintreten, so wird trotzdem noch keine Übereinstimmung mit der Himmelserscheinung erzielt Denn die ganze achtjährige Periode stellt sich als durchaus verfehlt (διημαρτησθαί) heraus hinsichtlich der Monate, [1462] Meton
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der Tage und der Schaltmonate. [Es folgt eine Interpolation, über die genauer Manitius 267f. spricht]. (43) Die Monatszeit ist nämlich nicht genau genommen. Sie beträgt, genau genommen, 29 Tage 31 Minuten 50 Sekunden 8 Terzen 20 Quarten [d. i. 29'53059427 Tage; vgl. dazu die kritische Bemerkung in meinem Grundriß 158 oben]. Deshalb wird man schließlich einmal in 16 Jahren anstatt dreier Schalttage vier zu-10 setzen müssen. (44) Daher darf man in keiner Periode die gleiche Anzahl hohle wie volle Monate annehmen, es muß vielmehr die Zahl der vollen die der hohlen überwiegen. Wenn nämlich die Monatszeit nur 29 Tage betrüge, so müßte man die gleiche Zahl von vollen und hohlen Monaten annehmen. (45) Nun gibt es aber in der Monatszeit einen kleinen wahrnehmbaren Bruchteil, welcher (mit der Zeit) zur Größe eines Tages anwächst. Aus diesem Grunde wird man die Zahl 20 der vollen Monate die der hohlen überwiegen lassen müssen.] (46) Es gibt eben in 8 Jahren gar nicht 3 Schaltmonate. Wenn nämlich das Mondjahr 354 Tage hätte, so würde der Unterschied mit den Sonnenjahren 111/4 Tage betragen, und diese mit 8 multipliziert, würden allerdings 3 volle Schaltmonate ausmachen. (47) Nun hat aber das Mondjahr genau 354 und ungefähr Vs Tage. Wenn wir also 3541/3 von rund 3651/4 abziehen, so bleiben als Rest lOTage. Diese Zahl mit 30 8 multipliziert ergibt 87 V3 Tage, also nicht drei volle Monate. Aus diesem Grunde darf man in 8 Jahren nicht 3 Schaltmonate zusetzen. (48) Zu diesem Ergebnis gelangt man auch mit Hilfe des 19jährigen Zyklus. In 19 Jahren werden nämlich 7 Schaltmonate eingefügt, wobei der 19jährige Zyklus auf längere Zeit hinsichtlich der Führung der Monate in Übereinstimmung bleiben wird. In acht 19jährigen Zyklen wird es also 56 Schaltmonate geben. In der 8jährigen Periode gibt es 40 3 Schaltmonate; in 19 achtjährigen Perioden, d. i.
in 152 Jahren, wird es also 57 Schaltmonate geben. (49) In derselben Zeit gibt es nach dem 19jährigen Zyklus, welcher mit den Himmelserscheinungen in Übereinstimmung ist, nur 56 Schaltmonate. Also hat die 8jährige Periode (in 152 Jahren) einen Schaltmonat zu viel. Folglich hat die 8jährige Periode nicht drei [volle *)] Schaltmonate, sondern ist auch in dieser Beziehung durchaus fehlerhaft (θιημά$τηταή.
50 (50) Weil es sich also herausstellte, daß die
achtjährige Periode in allen Beziehungen fehlerhaft sei, so stellten die Astronomen aus der Schule des Euktemon, Philippos und Kallippos im neunzehnjährigen Zyklus eine andere Periode aut (51) Sie hatten nämlich durch ihre Beobachtungen festgestellt, daß in 19 Jahren 6940 Tage oder 235 Monate mit Einschluß der Schaltmonate enthalten seien. Schaltmonate gibt es in den 19 Jahren 7. [Es hat also das Jahr nach 60 ihrer Rechnung 365θλsub19λsub Tage (= 365–263158).]
Unter den 235 Monaten setzten sie 110 als hohle und 125 als volle an
[110X29 = 3190 Tage 125X30 = 3750 »
zus. 6940 Tage] [1463] 1463
Meton
so daß nicht immer ein voller und ein hohler miteinander abwechseln, sondern manchmal auch zwei volle aufeinander folgen. Es empfiehlt nämlich der natürliche Verlauf der Himmelserscheinungen im Hinblick auf das Verhalten des Mendes diese Maßregel, welche in der achtjährigen Periode befolgt war. (53) Unter den 235 Monaten setzten sie 110 als hohle aus folgendem Grunde an. Da es in 19 Jahren 235 Monate gibt, so nahmen sie diese zunächst einmal alle zu 30 Tagen an; das gibt in Summa 7050 Tage. Es waren aber im neunzehnjährigen Zyklus 6940 Tage nach dem Monde enthalten. (54) Wenn also alle Monate zu je 30 Tagen angenommen wurden, so ergaben die 7050 Tage gegenüber den 6940 ein Plus, und zwar beträgt dasselbe 110 Tage. Folglich nehmen sie 110 Monate als hohl an, damit in den 235 Monaten die Summe von 6940 Tagen des neunzehnjährigen Zyklus erfüllt werde. (55) Damit aber bei der Ausmerzung der betreffenden Tage ein möglichst gleichmäßiges Verfahren eingehalten werde, dividierten sie 6940 Tage mit 110; so erhält man 63 Tage*). Man muß also immer nach Verlauf von 63 Tagen in diesem Zyklus einen Tag als den auszumerzenden bezeichnen. (56) So wird keineswegs immer der Dreißigste des betreffenden Monats ausgelassen, sondern allemal der auf 63 Zwischentage fallende Tag gilt als auszumerzender.
(57) In diesem Zyklus sind dem Anschein nach die Monate richtig genommen und die Schaltmonate mit den Himmelserscheinungen übereinstimmend angeordnet. Aber die Zeit des Jahres ist [auch jetzt] nicht mit den Himmelserscheinungen in Einklang angenommen. (58) Wenn nämlich die Zeit des Jahres aus einer längeren Reihe von Jahren durch Beobachtung festgestellt wird, so hat sich das übereinstimmende Resultat ergeben, daß sie 365 V 4 Tage beträgt, während der eus dem neunzehnjährigen Zyklus (durch Rechnung) abgeleitete Wert 3655/)9 Tage beträgt. Dieser letztere Wert ist um i/76 Tag größer als der erstere [V4 = 19/76; 5/w = 20/t6 5also ⁵/i9–4 = W (59) Aus diesem Grunde haben die Astronomen aus der Schule des Kallippos durch eine Verbesserung diesen Überschuß beseitigt und den 76-jährigen Zyklus aufgestellt. Derselbe besteht aus vier neunzehnjährigen Zyklen, welche 940 Monate, mit Einschluß von 28 Schaltmonaten, oder 27759 Tage enthalten. (60) Die Anordnung der Schaltmonate handhabten sie ganz in der gleichen Weise. Dieser Zyklus stimmt mit den Himmelserscheinungen erfahrungsgemäß am allerbesten überein.'
Dieses Zeugnis sowie Diodors Erklärung a. O. sind die Hauptbeweise, daß in griechischen Staaten M.s oder überhaupt irgendeine, vielleicht etwas abweichende, Enneadekaöteris sich durebgerungen hat. Weder ist damit das Datum dieser Änderung des bisherigen Kalenderverfahrens noch die begreiflicherweise an erster Stelle auftauchende [1464] Meton
1464
Frage nach der Geltung in Athen, der Heimat M.s, entschieden. Gerade, daß das milesische Bruchstück Inv. nr. 84 dadurch, daß es zwei Daten von Sommersonnenwenden nach attischem Kalender und mit attischen Archonten bringt, den Gedanken nahelegt, daß die vornehmste und vielleicht bloß literarisch (aber lange noch nicht auch offiziell) maßgebende Publikation dieser Art eben M.s γραφή gewesen ist. Nur wird uns nicht möglich, 10 von M.s γραφή (Diodor a. O.) eine klare Vorstellung zu gewinnen. Diels hat a. O. 94 ,die Verbindung des Zyklus mit den Sternbeobachtungen und Wetterargaben* als ihr hauptsächliches Cha-rakteristikon angesehen. »Und zwar scheint dieldee der Ennekaidekaëteris und die Beobachtung der Sonnenwende von M. herzurühren, die Sternphasen und Episemasien von Euktemon, der auch Beobachtungen in Thrakien (Amphipolis) und Umgegend beisteuerte*. Aber, so bestechend diese 20 Erklärung beim ersten Hören wirken mag, kann sie nicht befriedigen. Unsere Quellen geben zu verworren Auskunft, als daß wir uns aus diesem Wirrwar zu retten vermöchten. Bald, so bei Ge-minoe VIII 50 (s. o.), wird M. unterdrückt, bald wird Euktemon fortgelassen, und endlich, da beide sonst in paritätischer Weise als Quellen erwähnt (s. Rehm o. Bd. VI S. 1000 und dort auch ein Versprechen, eine Untersuchung über Euktemons literarische Tätigkeit zu veröflent-30liehen, und Ginzel Zeitrechnung II 389) und dann auch als Paar erwartet werden, Vitruv IX 6, 3, als Autoren siderum (ad ortus) et occasus tempestatum significatus, werden sic in einer Kette, die zum mindesten nicht nach chronologischen Gesichtspunkten entworfen ist, auseinandergerissen: Eudoxus, Euctemon, Cal-lippus, Meton, Philippus, Hipparchus, Aratus ceterique, so daß man sich nicht vorstellen kann, der Schreiber habe eine klare Vorstellung von 40 den Zusammenhängen dieser Art gehabt Es geht auf keinen Fall an, die Sternphasen und Wetterangaben bloß Euktemon zu reservieren, da doch in Wachsmuths Sammlung der Calendaria Graeca omnia (Teubnersehe Ausgabe des Lydus de ostentis 1887) sich gleichartige Beobachtungen und Behauptungen M.s vorfinden, und da wir sonst gezwungen wären, dem Schol. Arat. 752 den Glauben zu versagen: οἱ δλ μετὰ Μέτωνα ἀστρονόμοι πίνακας ἐν ταῖς πόλεσιν ἔτηκαν περὶ τῶν 50 τοῦ ἠλίου περιφορῶν τῶν ἐννεακαιδεκαετηρίδων, ὅτι καθ' ἔκαστον ἐνιαυτὸν τοιόςδε ἔσται χειμῶν καὶ τοιόνδε ἔαρ καὶ τοιόνδε θέρος καὶ τοιονδὲ φθινόπωρο? καὶ τοιοίδε ἄνεμοι καὶ πολλὰ πρὸς βιωφελεις χρείας τοῖς ἀνθρώποις; vgl. die Exzerpte bei Diels und Rehm 97*). – Auch Aihan. var. hist. [1465] 1465 Meton
X 7: ἐν δὲ τάῖς Ἀθήναις Μενῶν ô Ὠαυοανίον μὲν υἱός, δεδοξασμένος δὲ ἐν ἀστρολογίες ἐξέθηκε τὴν ὀνομαζομένην ἐκκαώεκαετηρίδα, τὴν ἀρχὴν ποιησάμενος ἀπὸ μηνὸς ἐν Ἄθηναις Σκιροφοριώνος τοισκαιδεκάτης; und Philoch. frg. 99 FHG I 100, aus dem Schol. Aristoph. av. 997: τούτου (M.ß) ἐστιν ὁ ἐνιαυτὸς λεγόμενος Μέτωνος, Λέγει Φιλόχορο; αὐτὸν θεῖναι ἐπὶ Ἄψευδους τοῦ πρὸ Πυθοδώρου ἠλιοτρόπιον ἐν τῆ νῦν οὐσὴ ἐκκλησίρ πρὸς τῷ τείχει τῷ ἐν Πυυκί; vgl. dazu Ginzel II 375, 1 und K. Göttling De Metonis astro-nomi heliotropio Athenis in muro Pnycis posito 1861. Aber auch alle Versuche, aus den attischen Urkunden den amtlichen Gebrauch der Enneakai-dekaëteridenrechnung zu beweisen, sind meines Wissens bislang ohne Erfolg geblieben; Ginzel II 442–453 § 216: Die Zeitrechnung seit der Annahme des Metonschen Zyklus’. Ich habe im Grundriß 160ff. und 230 nach Umschau in alle die vielen Versuche von Aug. Mommsen, Ad. Schmidt, Fr. Unger, Joh. Kirchner bei F. K. Ginzel (zumal II 475–488), W. S. Ferguson, Jul. Beloch, J. Sundwall u. a. (Literatur bei G i n z e 1 489ff.) es als wahrscheinlich bezeichnet, daß der Metonsche Jahrzyklus etwa vom J. 338 v. Chr. sich zu bewahrheiten scheine. ,Nur dauert diese Sicherheit nicht lange, und sie lebt sich nicht mehr so wie irüher in den Kanzleistil ein. Vielmehr ist (Ginzel II 487), die Frage, wie die attische Schaltung von 290 v. Chr. ab*) gehandhabt worden ist, ob nach einem anderen als dem neunzehnjährigen Zyklus, oder in welcher Weise hier und da Willkürlichkeiten eintraten, noch ganz und gar von der Vermehrung des Inschriftenmaterials abhängig. Über Willkürlichkeiten, Zusatztage und Ausmerzungen vgl. das Register s. Eingriff'. Auch andere Daten seiner Einführung in den Kanzleigebrauch der Athener sind vorgeschlagen worden. Darüber und über kleinere Abänderungen seines Schemas bei dieser Einführung s. Ginzel II 418.
Vgl. noch die Abschnitte § 210. Ginzel 399–405 ,Schaltung und Aufeinanderfolge der vollen und hohlen Monate* mit den Tableaux Ideler-Redlich 403, Aug. Mommsen 404, Unger ebd. und A. Schmidt 405 und § 211 ,Entwürfe des Metonschen Zyklus* 405–409, sowie § 216 S. 442 –444 ,Die Zeitrechnung mit der Annahme des Metonschen Zyklus¹ mit einer Tabelle für das Julianische Datum des 1. Hekatom-baion für alle Jahre ab Ol. 110, 3 = 27. August 338 v. Chr. bis Ol. 174, 1 = 84 v. Chr. sowohl im Zyklus von Unger als in dem von Schmidt.
Wann M.s Zyklus in Athen außer Gebrauch geraten ist. läßt sich mit unseren Mitteln auch nicht entfernt ermitteln. Vielleicht erst durch
zu nehmende Forscher, wie Professor G. Stra-kosch-Graßmann (dieser eine Periode von 242 Jahren!, so in der Korneuburger »Gemeinde-Woche* vom 2. Januar 1931) solche Lehren. – Episemasia fehlt in dieser R.-E.; auch in dem Kalender-Artikel ist dieses für das Altertum wichtige Kapitel über die Witterungs-Vorhersagan nicht vertreten.
- ) Durch Versehen ist das Wörtchen ,ab* im Druck ausgefallen,
[1466] Metope 1466
das Julianische Jahr irgendwann in der Kaiserzeit. Redlich 54, 2 hat seine Verdrängung schon durch die Kallipische Periode (über diese Ginzel o. Bd. X S. 1662f.; er setzt, Boeckh Sonnenkreise der Alten 155 folgend, die Gebart des Kallippos aus Kyzikos um 370 v. Chr. an, und läßt ihn 334 nach Athen kommen) glaublich gehalten. Die Mehrzahl der Forscher aber hat lediglich buchmäßige Geltung und niemals offizielle 10Rezeption des Kallippischen Zyklus angenommen;
vgl. Ginzel gegen Aug. Mommsen, der Redlich s Gedanken aufgegriffen hatte.
Literatur: Außer den angeführten Stellen und den unendlich vielen Behandlungen des 19. Jahr-Zyklus in verschiedenartigen Kompendien ist auf die von Schmid-Stählin Griech. Literatur-gesch. I 1 (1929) 773 angeführten Handbücher der Geschichte der Astronomie zu verweisen, sowie auf H. Diels Antike Technik2 (1920) 4ff.; 20 ebenso auf einen (oben erwähnten) ausführlichen Aufsatz von Joh. Svoronos in der Wiener Num. Ztschr. LV (1920) 128–148, mit reicher Literatur. Ferner s. u. Parapegmen. Wie aber B. Helm Abh. Akad. Berl. 1923, 6ff. die Herstellung eines chronologischen Gerüstes für die Anlage von Orts- und Landeschroniken aus Parapegmen wie dem metonischen verwendet denken kann, ist mir nicht klar geworden. Seinen Wert scheint nicht verloren zu haben K. Redlich
30 Der Astronom Meton und sein Zyklus 1854, aber ich habe das Buch diesmal auf keiner Wiener Bibliothek gefunden und daher bei der (kurzterminierten) Abfassung dieses Artikels nicht verwenden können.