Tafel-Lieder (Kunsthütte)
Gegrüßt der Tag, der unsern Pfad
Mit Feudenblumen kränzt!
Gegrüßt das Fest, das heut genaht
Und hier uns froh erglänzt!
Ja, Gruß an Alle, die sich hier
An unsern Kreis gereiht,
Und hoch willkommen nennen wir,
Wer heut zum Fest erscheint.
Denn stets mit uns zusammenstehn
Und froh das Stiftungsfest begehn,
Sind Zeichen der Treue
Und Liebe für den Bund.
Was unsern Bund ins Leben rief
Zum fröhlichen Gedeihn,
Das fühlen wir im Herzen tief,
Das ist die Kunst allein.
Die Kraft, die an der Schönheit Quell
Sich pflückt den Blumenstrauß
Und damit schmückt uns freudenhell
Das Erdendasein aus.
Sie zaubert Werke uns hervor’
Die uns entzücken Aug’ und Ohr,
Durch Schönheit und Wahrheit
Erheben unsern Geist.
Bald stellet sie durch Schrift und Wort
Als Dichtkunst sich uns dar;
Bald wird im rauschenden Accord
Als Tonkunst sie uns klar;
Bald wirkt durch Malerei sie ein
Als Kunst auf unsern Sinn,
Bald stellt sie uns aus Erz und Stein
Der Plastik Bilder hin:
Bald führt sie, schaffend Dom und Haus,
Als Baukunst ihre Werke aus,
Begeistert vom Drange,
Gut, schön und wahr zu sein!
Und pflegen wir hier im Verein
Auch nur die letztern drei,
So werden doch willkommen sein
Uns stets die ersten zwei.
Heut schmücken mit vereinter Kraft
Sie unsern frohen Kreis,
Und Alles, was uns Freude schafft,
Erkennen wir mit Ppreis.
Drum Preis der Kunst, in welcher Art
Sie sich uns heut auch offenbart,
Ist sie nur die echte,
Vom Schönheitssinn beseelt!
Eins aber sei im lauten Klang
Bestärkt hier heut aufs neu:
Der Kunst zu sein aus Herzensdrang
Für immer hold und treu!
Aus ihrem Füllhorn streut sie dann
Uns ihre Gaben aus,
Denn wer sie ehrt und lieb gewann,
Dem schmückt sie Welt und Haus.
Mit ihr, durch Götterhand verwandt,
Reich’ uns die Freude heut die Hand,
Das Fest uns zu schmücken
Mit vollem Blüthenkranz.
H. G.