Vico in der Bay von Neapel

DVI. und DVII. Sistow und die Veteranische Höhle in der Türkei Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Elfter Band (1844) von Joseph Meyer
DVIII. Vico in der Bay von Neapel
DIX. Der Donauwirbel unterhalb Grein in Oesterreich
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VICO, BAY VON NEAPEL

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DVIII. Vico in der Bay von Neapel.




Es gibt in ganz Italien keinen malerischerern und bezaubernderern Anblick, als die südlichen Gestade der Bay von Neapel. Von dem Fuße des Vesuvs an bis nach Sorrent hin ist die Küste ein ununterbrochener Wechsel von Fels und Schlucht, von Thälern und Bergen. Eichenwälder kränzen die Gipfel der letztern und dem Meere näher grünen Olivenwäldchen, blühen und duften Orangenhaine, wallen Getreidefelder, prangen Weingelände, und Gärten mit reichbehangenen Fruchtbäumen laden zur Ruhe und zum Genusse ein. Stattliche Dörfer, zierliche Kapellen, umfangreiche Klöster und die geistanregenden Ruinen des Alterthums schauen von dem Gestade herab, Villen verstecken sich zwischen den Bäumen, und die festen Thürme des Mittelalters, die von Strecke zu Strecke die ganze Küste besetzen, rufen die Zeiten zurück, wo die räuberischen Sarazenen die Herren in diesen Gewässern spielten. Selbst die glühende Hitze des Sommers beeinträchtigt die Anmuth des Aufenthalts auf dieser Küste wenig, denn der während dieser Zeit wehende feuchte Westwind erhält den Thälern und Hügeln die Vegetation und bewahrt den Quellen ihre Frische.

Mitten in dieser schönen Landschaft liegt, wie eine Veste auf hohem Felsrand, das Städtchen Vico, der Sitz eines Bischofs, mit einer königlichen Villa und einer Kathedrale. In seiner Nähe findet eine Naturmerkwürdigkeit, die Grotte von Vico, ein vom Meere ausgehöhlter Fels, der ein Thor bildet, durch welches die Fluth mit furchtbarer Brandung aus und ein wogt, viele Besucher.