Kurs:Elementare Algebra/13/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 3 | 2 | 5 | 2 | 6 | 4 | 6 | 1 | 1 | 5 | 2 | 4 | 3 | 4 | 3 | 3 | 4 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Eine kommutative Gruppe.
- Der Grad eines Polynoms , , über einem Körper .
- Zwei teilerfremde Elemente in einem kommutativen Ring .
- Die Linksnebenklasse von in einer Gruppe bezüglich einer Untergruppe .
- Eine Linearkombination in einem - Vektorraum .
- Eine endliche Körpererweiterung .
- Eine Gruppe heißt kommutativ, wenn
für alle gilt.
- Der Grad eines von verschiedenen Polynoms
mit ist .
- Die Elemente heißen teilerfremd, wenn jeder gemeinsamer Teiler von und eine Einheit ist.
- Die Teilmenge
heißt die Linksnebenklasse von in bezüglich .
- Es sei eine Familie von Vektoren in . Dann heißt der Vektor
eine Linearkombination dieser Vektoren
- Eine Körpererweiterung heißt endlich, wenn ein endlichdimensionaler Vektorraum über ist.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über Nullstellen und lineare Faktoren eines Polynoms .
- Der Homomorphiesatz für Ringhomomorphismen (Satz vom induzierten Homomorphismus).
- Der Satz über die mathematische Struktur der Lösungsmenge eines homogenen linearen Gleichungssystems.
- Ein Element ist genau dann eine Nullstelle von , wenn ein Vielfaches des linearen Polynoms ist.
- Seien
und
kommutative Ringe, es sei
ein Ringhomomorphismus und
ein surjektiver Ringhomomorphismus. Es sei vorausgesetzt, dass
ist. Dann gibt es einen eindeutig bestimmten Ringhomomorphismus
derart, dass
ist. - Die Menge aller Lösungen eines homogenen linearen Gleichungssystems
über einem Körper ist ein Untervektorraum des
(mit komponentenweiser Addition und Skalarmultiplikation).
Aufgabe (3 (1+2) Punkte)
Es sei eine Gruppe. Es seien Elemente mit
- Zeige, dass das Inverse von gleich ist.
- Zeige, dass das Inverse von im Allgemeinen nicht gleich ist.
- Wegen
sind und invers zueinander, daher ist auch
also ist das Inverse von .
- Es seien zwei Elemente einer Gruppe mit
und sei
so dass also
ist. Es ist dann
da aus
durch Multiplikation mit von rechts und dann mit von rechts
gelten müsste.
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei eine natürliche Zahl. Wann ist die Zahl eine Primzahl?
Es gilt generell die Zerlegung
Bei sind beide Faktoren und daher kann nicht prim sein. Bei ist
eine Primzahl. Bei liegt keine Primzahl vor.
Aufgabe (5 Punkte)
Beweise den binomischen Lehrsatz für einen kommutativen Ring .
Wir führen Induktion nach . Für steht einerseits und andererseits . Es sei die Aussage bereits für bewiesen. Dann ist
Aufgabe (2 Punkte)
Es seien Elemente in einem kommutativen Ring . Welche der folgenden Formulierungen sind zu
äquivalent.
- teilt .
- wird von geteilt.
- wird von geteilt.
- ist ein Vielfaches von .
- ist ein Vielfaches von .
- teilt .
- .
- Jedes Vielfache von ist auch ein Vielfaches von .
- Jeder Teiler von ist auch ein Teiler von .
- Ein Maikäfer ist ein Schmetterling.
Richtig sind .
Aufgabe (6 (2+3+1) Punkte)
Ein Metallarbeiter hat zwei Metallstäbe zur Verfügung. Wenn er den kleinen siebenmal hintereinanderlegt, erhält er genau drei Meter. Wenn er den großen achtmal hintereinanderlegt, erhält er genau fünf Meter.
- Wie kann er allein mit diesen Stäben eine Länge von einem Meter bestimmen?
- Was ist die kleinste positive Strecke, die er mit den Stäben messen kann?
- Welche Streckenlängen kann er mit seinen beiden Metallstäben messen?
- Wenn er den langen Stab -mal hintereinander hinlegt, erreicht er Meter. Wenn er von dort aus den kleinen Stab rückwärts -mal hinlegt, erhält er Meter in die andere Richtung und damit insgesamt einen Meter.
- Die beiden Stäbe haben die Länge
bzw. .
Da er die Stäbe nur hintereinander bzw. nebeneinander hinlegen kann, wobei jeweils zwei Endpunkte übereinstimmen müssen, ist die Gesamtheit der erzielbaren Längen gleich
Wir arbeiten mit dem Hauptnenner und schreiben dies als
Von daher ist klar, dass er nur ganzzahlige Vielfache von legen kann. Da und teilerfremd sind, gibt es nach dem Lemma von Bezout ganze Zahlen mit
Er kann also in der Tat die Strecke hinlegen.
- Da er den Prozess, mit dem er hinlegt, beliebig oft und in beide Richtungen ausführen kann, kann er jedes ganzzahlige Vielfache von abmessen.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise das Exponentenkriterium für die Teilbarkeit in einem faktoriellen Bereich.
. Aus der Beziehung folgt mit Lemma 9.8 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) direkt
. Wir schreiben
und
mit Einheiten . Wenn die Exponentenbedingung erfüllt ist, so ist ein Ringelement, das mit multipliziert gerade ergibt.
Aufgabe (6 (3+1+2) Punkte)
- Bestimme diejenigen reellen Polynomfunktionen, die bijektiv sind und für die die Umkehrfunktion ebenfalls polynomial ist.
- Man gebe ein Beispiel für eine bijektive reelle Polynomfunktion, für die die Umkehrfunktion kein Polynom ist.
- Zeige, dass durch das Polynom eine bijektive Abbildung
gegeben ist. Ist die Umkehrabbildung polynomial?
- Die einzigen reellen Polynome mit polynomialer Umkehrfunktion sind die Polynome der Form mit
Für diese ist die Umkehrfunktion, da ja wegen
und
diese Funktionen invers zueinander sind. Wir zeigen, dass es darüberhinaus keine weiteren Polynome mit polynomialer Umkehrfunktion gibt. Ein konstantes Polynom ist nicht bijektiv. Es sei also ein Polynom, das zumindest einen Grad besitzt. Wenn man darin ein weiteres nichtkonstantes Polynom einsetzt, ergibt sich aber ebenfalls ein Polynom vom Grad und nicht . D.h., dass keine polynomiale Umkehrfunktion besitzen kann.
- Die Funktion
ist bijektiv nach Lemma 25.18 (Grundkurs Mathematik (Osnabrück 2022-2023)), nach Teil (1) kann aber die Umkehrfunktion nicht polynomial sein.
- Die vollständige Wertetabelle zu dieser Funktion ist
also ist die Funktion bijektiv. Diese Funktion ist offenbar zu sich selbst invers, also ist die Umkehrfunktion polynomial.
Aufgabe (1 Punkt)
Zeige, dass das Bild eines Ideals unter einem Ringhomomorphismus nicht unbedingt wieder ein Ideal ist.
Beispielsweise ist in ein Ideal (das Einheitsideal), aber ist als Teilmenge von kein Ideal.
Aufgabe (1 Punkt)
Bestimme die Lösungen der Gleichung
über .
Neben den Standardlösungen und ist
und
Dagegen ist
und
Die Lösungen sind also .
Aufgabe (5 (1+1+1+2) Punkte)
a) Bestimme die kanonische Produktzerlegung des
Restklassenringes
.
b) Bestimme die Anzahl der Einheiten in .
c) Berechne das Bild von in der kanonischen Zerlegung. Begründe, dass eine Einheit in ist.
d) Bestimme die multiplikative Ordnung von in .
a) Wegen
ist
b) Die Anzahl der Einheiten in den einzelnen Gruppen sind der Reihe nach , daher gibt es insgesamt Einheiten in .
c) Das zu gehörige Restetupel ist . Da diese Reste jeweils Einheiten sind, ist eine Einheit in .
d) Wir berechnen die Ordnungen in den einzelnen Komponenten. hat die Ordnung in . In ist ,
Deshalb muss die Ordnung nach Korollar 11.7 (Elemente der Algebra (Osnabrück 2024-2025)) gleich sein. In ist , daher ist die Ordnung gleich . Die multiplikative Ordnung von ist das kleinste gemeinsame Vielfache dieser Einzelordnungen, also gleich .
Aufgabe (2 Punkte)
Zeige, dass die Gleichung
in auch Lösungen besitzt.
Beispielsweise ist
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei ein Körper und
ein homogenes lineares Gleichungssystem über . Zeige, dass die Menge aller Lösungen des Gleichungssystems ein Untervektorraum des ist. Wie verhält sich dieser Lösungsraum zu den Lösungsräumen der einzelnen Gleichungen?
Wegen
für alle
ist das Nulltupel eine Lösung. Es seien und Lösungen des linearen Gleichungssystems. Zu ist dann für jedes
Entsprechend ist
für alle . Somit ist der Lösungsraum unter Multiplikation mit einem Skalar und unter Addition abgeschlossen und bildet demnach einen Untervektorraum.
Der Gesamtlösungsraum ist der Durchschnitt der Lösungsräume zu den einzelnen Gleichungen.
Aufgabe (3 Punkte)
Wie erklären Sie einem Grundschulkind, dass der „Raum“ die „Dimension“ besitzt?
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei derart, dass es ein Polynom mit rationalen Koeffizienten und mit
gibt. Zeige, dass man
schreiben kann, wobei eine positive natürliche Zahl ist und es zu ein normiertes Polynom mit ganzzahligen Koeffizienten und mit
gibt.
Es sei
mit , , und . Wir multiplizieren dieses Polynom mit und können somit annehmen, dass normiert ist. Wir setzen
Aus
ergibt sich durch Multiplikation mit direkt
Dies bedeutet, dass eine Nullstelle des Polynoms
ist. Dieses Polynom ist normiert und es besitzt wegen
ganzzahlige Koeffizienten. Somit ist
mit und der Zähler ist die Nullstelle eines normierten ganzzahligen Polynoms.
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme das Minimalpolynom der komplexen Zahl über .
Es ist
Dies ist eine - Linearkombination von und , nämlich
Daher ist
ein annullierendes Polynom von . Wegen kann es kein annullierendes Polynom von einem kleineren Grad geben, also handelt es sich um das Minimalpolynom.
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme die -Koordinaten der Schnittpunkte der Graphen der beiden reellen Polynome
und
Ein Schnittpunkt liegt genau dann an den Stellen vor, die eine Nullstelle von sind. Es ist
Wir normieren dieses quadratische Polynom und erhalten die Bedingung
Die Lösungen dafür sind
Dies sind die -Koordinaten der beiden Schnittpunkte.
Aufgabe (4 Punkte)
Wir starten mit einer Geraden und den beiden darauf markierten Punkten und . Wir betrachten Zirkelkonstruktionen, wobei nur Punkte auf dieser Geraden und Kreise erlaubt sind, die durch schon konstruierte Punkte auf dieser Geraden gegeben sind. Wir definieren rekursiv die Eigenschaft, dass ein Punkt in (höchstens) Schritten konstruierbar ist, wenn er auf dieser Geraden und auf einem Kreis liegt, der durch zwei Punkte gegeben ist, die in (höchstens) Schritten konstruierbar sind. Im nullten Schritt sind nur die beiden vorgegebenen Punkte konstruierbar. Erstelle eine rekursive Formel für , die angibt, wie viele Punkte man in (höchstens) Schritten konstruieren kann. Was ist ?
Wir behaupten, dass die nach (höchstens) Schritten konstruierbaren Zahlen die lückenfreien ganzzahligen Zahlen sind, die symmetrisch zu liegen, und dass dabei die rekursive Beziehung
gilt. Dies beweisen wir durch Induktion über , wobei die Aussage für stimmt. Die Aussage sei für bekannt, d.h. es gibt ganzzahlige lückenfreie Zahlen auf der Geraden, die symmetrisch zu liegen. Mit dem äußersten Punkt rechts als Mittelpunkt kann man durch jeden der anderen Punkte einen Kreis ziehen und erhält rechts von diesem Punkt neue Punkte, die ganzzahlig sind und lückenfrei nebeneinander liegen. Das gleiche geschieht mit dem äußersten Punkt links als Mittelpunkt, wodurch die Symmetrie gewahrt bleibt. Da man auch die alten Punkte mitberücksichtigen muss, ist
Es ist