Lemberg

Lemberg (Deutsch)

Substantiv, n, Toponym

Singular Plural
Nominativ (das) Lemberg
Genitiv (des Lemberg)
(des Lembergs)

Lembergs
Dativ (dem) Lemberg
Akkusativ (das) Lemberg

Anmerkung zum Artikelgebrauch:

Der Artikel wird gebraucht, wenn „Lemberg“ in einer bestimmten Qualität, zu einem bestimmten Zeitpunkt oder Zeitabschnitt als Subjekt oder Objekt im Satz steht. Ansonsten, also normalerweise, wird kein Artikel verwendet.

Worttrennung:

Lem·berg, kein Plural

Aussprache:

IPA: [ˈlɛmˌbɛʁk]
Hörbeispiele:  Lemberg (Info)
Reime: -ɛmbɛʁk

Bedeutungen:

[1] Großstadt und Oberzentrum der westlichen Ukraine, Hauptort und Verwaltungssitz der Oblast Lwiw sowie historische Hauptstadt von Galizien

Herkunft:

Der deutsche Name der Stadt tritt in den historischen Quellen in fünf Formen auf:
  1. Lamberg: in castrum Lywow vel Lamberg (1342)
  2. Lamburg(a): vastaverunt Lamburg (1351); in terra Lamburgensi (1364); in Lamburga (1366, 1396, 1408); in Lamburg (1389, 1396); civitatis Lamburgensis (1424); in terra Russiae Lamburgam alias Lwow civitatem (14.–15. Jahrhundert); terra Lamburgensem (14.–15. Jahrhundert)
  3. Lemburg(a): civitatis Lemburgensis (1360); de civitate nostra Lemburgensi (1363); circa Lemburgam (1365); ad castrum nostrum Lemburgensem (1368); de Lemburga ad Trembowl (1368); actum et datum in Lemburg (1374); actum et datum in Lemburga (1375); vicary Lemburgensis … in Lemburga (1376); in districtu Lemburgensi (1387); Actum in Leona alias Lemburga (1397); mercatores Lemphurgenses (1409); in pretorio Lemburgensi (1425); in Lemburg (1437); Lemburge [Genitiv statt Lemburgae] (1552); Lemburg (1584, nach 1696); der Lemburgische Ertzbischof (1591)
  4. Leonburg: Leonburg (1387); ѡт(ъ) Леѡ[нбурга](?) (1390); civitatis Leonburgensis (1409)
  5. Lemberg(a): in Lemberga (1403); ezwuschen Luezsk und Lemberg im Ruschessem Lande (1417); von der Lemberg (1596); bey der Reußischen Lembergk (1620); Lemberg (1674, 1685 [auf Karten der Gebrüder Sanson], 1696 [auf Karte von H. Jaillot], 1701 [auf Karte von P. Schenk], 1704 [auf Karte von G. Delisle], 1781 [auf Generalkarte von Peters], 18. Jahrhundert [auf Karte von M. Seutter]).[1]
Ob es sich bei all diesen Formen um eine Lehnübersetzung aus der altostslawischen, ruthenischen, polnischen oder lateinischen Sprache handelt, ist schwer zu entscheiden.[1] Jedoch lässt die Tatsache, dass bereits im 13. Jahrhundert zu Zeiten Leos Ⅰ. von Galizien deutschsprachige Kolonisten in dieser Stadt gewesen sind und somit in direktem Kontakt mit der ukrainischen Bevölkerung kamen, annehmen, dass es sich hier um eine direkte Lehnübersetzung aus dem altostslawischen Lvovъ horodъ (siehe Львів (Lʹviv)  uk) handelt.[1]
Die Formen Lamburg und Lemburg sind vermutlich durch phonematische Angleichungen aus Leo(n)burg entstanden (vergleiche in etwa polnisches Szymbark, das auf deutsches Schönberg zurückgeht).[1] Die Herkunft der Formen auf -berg ist dagegen schwieriger nachzuvollziehen, da es unwahrscheinlich erscheint, dass diese auf rein phonematische Prozesse oder (volks-)etymologische Verknüpfungen von Burg und Berg zurückgeführt werden können (vergleiche die Belege von 1596 und 1620 unter 5. Lemberg[a]).[1] Der frühe Beleg von Lamberg lässt jedoch annehmen, dass die Formen auf -berg den Hügel bezeichnen sollten, auf dem das alte Fürstenschloss gestanden hat.[1] Von den beiden Formen Lemburg und Lemberg (Lamberg), die bis in das 18. Jahrhundert nebeneinander existieren, beginnt Lemberg sich im selbigen Jahrhundert allmählich ab- und schließlich durchzusetzen.[1]

Synonyme:

[1] Lwiw

Oberbegriffe:

[1] Großstadt, Stadt
[1] Hauptort, Oberzentrum, Verwaltungssitz

Beispiele:

[1] Lemberg besitzt eine schöne Altstadt.
[1] „Lemberg ist ja die Hauptstadt von Galizien.“[2]
[1] „Er ist aus dem Galizischen, aus Lemberg, wo er zur Schule gegangen ist, was nicht viele hier wissen, bei den Österreichern also, mit dem Herrn Landrat zusammen, der bei den Eltern der Frau Pfarrer aufgewachsen ist.“[3]
[1] „Die Mutter, die aus Lemberg nicht wegwollte, mußten sie zurücklassen, und der Vater, der sich anfangs begeistert für die Emigration eingesetzt hatte, versank, kaum im Westen angekommen, in jüdisch-slawischer Wehmut.“[4]
[1] „Das Pogrom an der jüdischen Bevölkerung Lembergs wiederum ist der Beginn der Entwicklung des Bildes vom antisemitischen Polen in den Ländern Westeuropas und den USA.“[5]
[1] „Mit einigen zionistischen Freunden gelangt er über den Bug nach Lemberg, das die Deutschen nach dem Polenfeldzug den Sowjets überließen.“[6]
[1] „Sie hatte bemerkt, dass ihr Wachmann die Pferde anschrie. Das dürfe er nicht, Oskar wird ihm den Kopf abreißen, wenn er bemerkt, dass der Wachmann die Pferde auch nur schief ansieht, seine Achal-Tekkiner, die so kostbar wie Edelsteine sind, cremig-strahlende Geschöpfe mit anmutigen Körpern und graziösem Gang, milchigrosa zarter Haut, die Oskar in Lemberg von jemandem kaufte, der sie noch vor dem Krieg aus Turkmenistan hergebracht hat.“[7]

Charakteristische Wortkombinationen:

[1] aus Lemberg stammen
[1] Lemberg besuchen
[1] durch Lemberg fahren
[1] in Lemberg ankommen, anlangen, arbeiten, aufwachsen, leben, Urlaub machen, verweilen
[1] nach Lemberg fahren, gehen, kommen, reisen, zurückkehren
[1] sich in Lemberg aufhalten
[1] über Lemberg fahren

Wortbildungen:

Lemberger
Bewohnernamen (Oikistonyme): Lemberger m / Lembergerin f

Übersetzungen

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Wikipedia-Artikel „Lwiw, dort auch „Lemberg“
[*] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache – Korpusbelege [public] → Gegenwartskorpora mit freiem ZugangLemberg
[1] Duden online „Lemberg
[1] wissen.de – Lexikon „Lemberg
[*] Uni Leipzig: Wortschatz-PortalLemberg
[1] Wikivoyage-Eintrag „Lwiw, dort auch „Lemberg“
[1] Meyers Großes Konversationslexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 1905–1909, Stichwort „Lemberg“ (Wörterbuchnetz), „Lemberg“ (Zeno.org)
[1] Meyers Lexikonredaktion (Herausgeber): Duden, Das Neue Lexikon in zehn Bänden, mit rund 100 000 Stichwörtern und über 7 500 meist farbigen Abbildungen, Spezialkarten, Tabellen und Übersichten im Text. 3. Auflage. Band 6: Lav – Neus, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1996, ISBN 3-411-04363-6, Stichwort »Lemberg«, Seite 2004.

Quellen:

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Nach Jaroslau Rudnyćkyi: Zur slavisch-deutschen Ortsnamenkunde. 1. Ukrainisches L’viv — deutsches Lemberg. In: Zeitschrift für Namenforschung. Band ⅩⅦ, 1941, Seite 65–67 (Google Books).
    Unveränderter reprografischer Nachdruck in:
    Nach Jaroslav B. Rudnyc’kyj: An Etymological Dictionary of the Ukrainian Language. VolumeⅡ (Parts 1–11) Д – ь, University of Ottawa Press, [Ottawa] 1982, Stichwort »Львів«, Seite 792–794 (Internet Archive).
  2. Heinrich Böll: Der Zug war pünktlich. [1. Auflage], Verlag Friedrich Middelhauve, Opladen 1949, Seite 27 (Google Books).
  3. Johannes Bobrowski: Levins Mühle. 34 Sätze über meinen Großvater. Roman. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1964, Seite 87–88 (Lizenz des VOB Union Verlag, Berlin).
  4. Maxim Biller: Wenn ich einmal reich und tot bin. In: Wenn ich einmal reich und tot bin. Erzählungen. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1990, ISBN 3-462-02032-3, Seite 234.
  5. Paweł Kurtyka: Vorwort. In: Damian K. Markowski: Zwei Aufstände. Die Schlacht um Lemberg 1918. Peter Lang, Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Warszawa/Wien 2021 (Originaltitel: Dwa powstania. Bitwa o Lwów 1918, übersetzt von Markus Krzoska aus dem Polnischen), ISBN 978-3-631-82973-8, Seite 11 (Internet Archive; polnische Originalausgabe 2019).
  6. Hermann Adler: Ein leiser Held. In: Jürgen Serke (Herausgeber): Die verbrannten Dichter. Lebensgeschichten und Dokumente. Erweiterte und neubebilderte Neuausgabe. 2. Auflage. Wallstein Verlag, Göttingen 2023, ISBN 978-3-8353-5388-6, Seite 274.
  7. Sofia Andruchowytsch: Die Geschichte von Uljana. Amadoka-Epos 2. Residenz Verlag, Salzburg/Wien 2023 (Originaltitel: Амадока, übersetzt von Alexander Kratochvil und Maria Weissenböck aus dem Ukrainischen), ISBN 978-3-7017-1764-4, Seite 297.