Witfrau

Witfrau (Deutsch)

Substantiv, f

Singular Plural
Nominativ die Witfrau die Witfrauen
Genitiv der Witfrau der Witfrauen
Dativ der Witfrau den Witfrauen
Akkusativ die Witfrau die Witfrauen

Nicht mehr gültige Schreibweisen:

Wittfrau

Worttrennung:

Wit·frau, Plural: Wit·frau·en

Aussprache:

IPA: [ˈvɪtˌfʁaʊ̯]
Hörbeispiele:  Witfrau (Info)

Bedeutungen:

[1] Deutschland landschaftlich, Schweiz, Frankreich (Elsass, Lothringen) mundartlich, Luxemburg selten, Brasilien (Rio Grande do Sul) mundartlich, Nordamerika (Pennsylvaniadeutsch) mundartlich, sonst veraltet: Frau, deren Ehepartner beziehungsweise Ehepartnerin verstorben ist (und die [noch] nicht wieder geheiratet hat)

Herkunft:

Das Wort geht auf die mittelhochdeutschen Formen witvrouwe  gmh, witvrou  gmh ‚Witwe‘[1] zurück und stellt sich verdeutlichend zu Witwe.[2]

Synonyme:

[1] Witwe
[1] Deutschland landschaftlich, Schweiz mundartlich: Witweib
[1] bairisch, sonst veraltet: Wittib
[1] veraltet: Witib

Männliche Wortformen:

[1] Witmann

Oberbegriffe:

[1] Frau

Beispiele:

[1] „Där hod en Witfraa geheirat[.]“[3]
[1] „Nun, wenn Jhr fuͤr den Stall und das Eſſen noch zwei Kreuzer zulegen wollt, ſo wird Euch eine arme Wittfrau ſchoͤn danken.“[4]
[1] „Ja! Und zwar ſo, daß ſogar das Kinderbegraͤbnis der Witfrau Knobbe ins Stocken gekommen iſt.“[5]
[1] „Nun hätte ſich wohl manche Wittfrau oder älteres Mädchen gefunden, die ihn genommen hätte, aber daran lag ihm nichts, denn es gelüſtete ihn nach einer ganz jungen, wie er Jakob Bennewies verraten hatte; […].“[6]
[1] „Gott gebe ihr den ewigen Frieden, der Witfrau Johanne Jörgensen!“[7]
[1] „Aber als ich Anfang September 1914 nach Colmar fuhr, um zu erkunden, ob die Leiche eines Freundes in die Heimat gebracht werden könne – die Mutter, eine Witfrau, hatte den einzigen, hochbegabten Sohn in den frühen Vogesen-Kämpfen verloren –, las ich am Anschlag einer Zeitung, daß bei Badonviller als Kriegsfreiwilliger der sozialdemokratische Abgeordnete Ludwig Frank gefallen war.“[8]
[1] „Die Arbed finanzierte mit einem wesentlichen Kapitalanteil die Hilfsaktionen, weitere Privatsponsoren wie Edmee Metz-Tesch (Witfrau von Emile Metz) folgten.“[9]
[1] «Endlich begann ſie mit einem leichten Seufzer und leiſe: ‹Ich bin eine junge Wittfrau, die aus langer Weile ſchon mehr als eine Thorheit begonnen hat. […]›»[10]
[1] «Gar eine Patchwork-Familie wird sie in Bälde haben. Ihre Mutter, Witfrau, heiratet einen Mann, der zwei Kinder in die Ehe mitbringt.»[11]
[1] «Heiraten werde sie nicht mehr, war sich die Witfrau sicher.»[12]
[1] «Ein lediger Mann zeigte Interesse an der Witfrau, die aber einen anderen, solideren Mann heiratete.»“[13]
[1] «Meine Bekannte unterhält sich laut mit ihrem verstorbenen Mann. Auch andere Witfrauen tun dies.»[14]

Übersetzungen

Referenzen und weiterführende Informationen:
[1] Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache „Witfrau
[*] Online-Wortschatz-Informationssystem Deutsch – elexiko „Witfrau
[1] Duden online „Witfrau
[1] Großes Wörterbuch der deutschen Sprache „Witfrau“ auf wissen.de
[1] PONS – Deutsche Rechtschreibung „Witfrau
[1] Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. 16 Bände in 32 Teilbänden. Leipzig 1854–1961 „Witfrau
[1] Elsässisches Wörterbuch „Wittfrau
[1] Lothringisches Wörterbuch „Witfrau
[1] Josef Müller (Bearbeiter und Herausgeber), ab Band Ⅶ herausgegeben von Karl Meisen, Heinrich Dittmaier und Matthias Zender: Rheinisches Wörterbuch. 9 Bände. Bonn und Berlin 1928–1971, Stichwort „Wit-frau“.
[1] Friedrich Staub [Leitung], Ludwig Tober et al.: Schweizerisches Idiotikon. Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache. Gesammelt auf Veranstaltung der ANTIQUARISCHEN GESELLSCHAFT IN ZÜRICH unter Beihülfe aus allen Kreisen des Schweizervolkes. 1. Band: A, E, I, O, U, F/V, Huber, Frauenfeld 1881, DNB 948901764 (Digitalisat), Stichwort »Fra, fre, fri, fro, fru; Witt-«, Spalte 1253.
[1] Marcus Bachmann Lambert: A Dictionary of the Non-English Words of the Pennsylvania-German Dialect. With an Appendix. Lancaster Press, Incorporated, Lancaster, PA ©1924, Stichwort »witfrâ«, Seite 179 (Digitalisat der HathiTrust Digital Library).
[1] A Pennsylvania-Dutch Dictionary. Pennsylvania Dutch Words Translated into English. 2. Auflage. Meredith Publishing Co., Quakertown (PA) [1949], Stichwort »widfraw«, Seite 65 (Digitalisat der HathiTrust Digital Library).
[1] Ernst Christmann (Begründer), fortgeführt von Julius Krämer, bearbeitet von Rudolf Post; unter Mitarbeit von Josef Schwing und Sigrid Bingenheimer: Pfälzisches Wörterbuch. 6 Bände und ein Beiheft. Stuttgart 1965–1998, Stichwort „Wit-frau“.
[1] Kurt Meyer: Wie sagt man in der Schweiz? Wörterbuch der schweizerischen Besonderheiten. Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1989, ISBN 3-411-04131-5, DNB 891057218, Stichwort »Witfrau«, Seite 329 (Google Books).
[1] Friedrich Maurer (Begründer); nach den Vorarbeiten von Friedrich Maurer, Friedrich Stroh und Rudolf Mulch bearbeitet von Roland Mulch: Südhessisches Wörterbuch. Band Ⅴ: S, N.G. Elwert Verlag/Hessische Historische Kommission, Marburg/Darmstadt 1989–1998, ISBN 3-7708-0388-4 (Gesamtwerk), DNB 955862094 (Digitalisat des LAGIS), Stichwort »Wit-frau«, Spalte 623.
[1] Duden, Das große Wörterbuch der deutschen Sprache. 10 Bände auf CD-ROM ; mehr als 200 000 Stichwörter mit rund 90 000 Belegen aus mehreren Hundert Quellen ; vielfältige Recherchemöglichkeiten ; für MS Windows und Apple Macintosh. Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2000, ISBN 978-3-411-71001-0, Stichwort »Witfrau«.
[1] Renate Wahrig-Burfeind (Herausgeber): Wahrig, Deutsches Wörterbuch. 9. Auflage. Wissen-Media-Verlag, Gütersloh/München 2011, ISBN 978-3-577-07595-4, Stichwort »Witfrau«, Seite 1667 (Internet Archive).
[1] Piter Kehoma Boll: Dicionário Hunsriqueano Riograndense – Português. In: hunsriqueanoriograndense.wordpress.com/dicionario-werterbuch/. Stand: 9. April 2021, Stichwort »Witfraa«, Seite 177, abgerufen am 22. Februar 2026 (PDF: 4,21 MB).

Quellen:

  1. Nach Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch „wit-vrouwe, wit-vrou
  2. Nach Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 25., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-11-022364-4, DNB 1012311937, Stichwort »Witwe«, Seite 993.
  3. Piter Kehoma Boll: Dicionário Hunsriqueano Riograndense – Português. In: hunsriqueanoriograndense.wordpress.com/dicionario-werterbuch/. Stand: 9. April 2021, Stichwort »Witfraa«, Seite 177, abgerufen am 22. Februar 2026 (PDF: 4,21 MB).
  4. Wilhelm Hauff: Lichtenſtein. Romantiſche Sage aus der wuͤrtembergiſchen Geſchichte. 1. Auflage. Zweiter Theil, [b]ei Friedrich Franckh, Stuttgart 1826, Seite 89–90 (Internet Archive).
  5. Gerhart Hauptmann: Die Ratten. Berliner Tragikomoͤdie. Sechſte Auflage. S. Fiſcher Verlag, Berlin 1911, Seite 188 (Internet Archive).
  6. Hermann Löns: Die Häuſer von Ohlenhof. Der Roman eines Dorfes. Adolf Sponholtz Verlag, Hannover 1917, Seite 49 (Google Books).
  7. Egon Erwin Kisch: Der rasende Reporter. 11. – 15. Tausend, Erich Reiss Verlag, Berlin 1925, Seite 57 (Internet Archive; Erstausgabe 1924).
  8. Theodor Heuss: Erinnerungen 1905-1933. 5. Auflage. Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins, Tübingen 1964, Seite 201 (Erstausgabe 1963).
  9. „Au service de l’humanité“. In: Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg. 19. September 2014.
  10. Gottfried Keller: Die mißbrauchten Liebesbriefe. In: Die Leute von Seldwyla. Erzählungen. Zweite[,] vermehrte Auflage in vier Bänden. Dritter Band, G. J. Göſchen’ſche Verlagshandlung, Stuttgart 1874, Seite 247 (Digitalisat von e-rara).
  11. «Das kleine Dorf ist so cool». In: Neue Luzerner Zeitung. 10. März 2012, Seite 24.
  12. Alexa Scherrer: Der Bund für den Lebensabend. In: St. Galler Tagblatt. Nummer 106, 8. Mai 2013, Seite 37.
  13. Fabian Brändle: Den guten Mut nie verloren. In: Toggenburger Tagblatt. 27. März 2017 (Regionalausgabe des St. Galler Tagblatt).
  14. Regula Waldmeier: «Mach, du blöde Kuh, der Zug wartet nicht». In: Urner Zeitung. 6. November 2021, Seite 27 (Kopfblatt der Luzerner Zeitung).
  15. Nach Maria Besse: Britter Wörterbuch. Moselfränkischer Dialekt am „Tor zum Hochwald“, Britten — Gemeinde Losheim am See (Saarland). Verein für Heimatkunde in der Gemeinde Losheim am See e. V., Losheim am See 2004, ISBN 3-00-014131-6, Stichwort »Wit-frau«, Seite 349 (Google Books).
  16. Nach Cléo Vilson Altenhofen: Hunsrückisch in Rio Grande do Sul. Ein Beitrag zur Beschreibung einer deutschbrasilianischen Dialektvarietät im Kontakt mit dem Portugiesischen. Steiner, Stuttgart 1996, ISBN 3-515-06776-0, DNB 946457603, Seite 148.