Āʾīna-yi Sikandarī

Das Āʾīna-yi Sikandarī (persisch آینۀ سکندری, DMG Āʾīna-yi Sikandarī, ‚Der Spiegel Alexanders‘), auch Āʾīna-yi Iskandarī genannt, ist das vierte der fünf langen poetischen Werke, das Amīr Chusrau Dihlavī für seine Chamsa verfasst hat. Er hat dieses Masnawī nach dem Vorbild von Nizāmīs Iskandarnāma gestaltet und im Jahre 1299 in Delhi vollendet. Es ist, ebenso wie Nizāmīs Version, im Grunde ein Fürstenspiegel: Mit der Lebensbeschreibung des Eroberers Alexander verknüpft Amīr Chusrau insgesamt 35 lehrreiche Diskurse. Diese umfassen ethische und philosophische Überlegungen, die durch unterhaltsame Anekdoten anschaulich gemacht werden. Ganz im Einklang mit der literarischen Tradition der Alexandergeschichte wird Iskandar als idealer Herrscher präsentiert, in dem sich Macht und Wissen vereinen, und der dennoch ein bescheidener Mensch bleibt. Er zeigt nicht nur Mut in der Schlacht, sondern ist auch ein erleuchteter Fürst, der die Wissenschaften fördert und selbst als Entdecker, Forscher und Kulturbringer auftritt. Amīr Chusrau hat mit seiner neuen Fassung von Nizāmīs Iskandarnāma, wie überhaupt der gesamten Chamsa, eine neue literarische Tradition begründet, die zahlreiche Nachahmer gefunden hat. Es sind mehr als fünfzig Dichter bekannt, die sich an dem Stoff versucht haben. Zu den bekanntesten gehören Dschāmī und Mīr ʿAlī Schīr Nawāʿī.

  1. Casari in Ashtiany: Persian Narrative Poetry, S. 379.
  2. Casari in Ashtiany: Persian Narrative Poetry, S. 492.