Ali Schariati
Ali Schariati (persisch على شريعتى, DMG ʿAlī Šarīʿatī; geb. am 24. November 1933 im iranischen Dorf Kahak bei Sabzewar; gest. am 19. Juni 1977 in Southampton, England) war ein iranischer schiitischer Intellektueller und Ideologe. Er widmete sein Leben der Aufgabe, eine Synthese aus modernem Sozialismus und traditionellen Schiismus herzustellen und die revolutionären Theorien von Karl Marx und Frantz Fanon und anderen nicht-iranischen Denkern an sein iranisches Umfeld anzupassen. Mit diesem Bestreben gilt er als einer der wichtigsten Vordenker der Iranischen bzw. Islamischen Revolution. Allerdings lehnte Schariati eine Herrschaft des schiitischen Klerus ab und sprach den Rouschanfekrān, den „aufgeklärten“ Intellektuellen, die Führungsrolle im revolutionären Prozess zu. Die demokratische Herrschaftsform hielt er für unvereinbar mit dem Prinzip des revolutionären Wandels.
Schariati war ein charismatischer Redner. Mit seinen Vorträgen und Schriften, die sich um die revolutionäre Rolle des Islams und des Schiismus und die Rückgewinnung des kulturellen Erbes drehten, zog er viele junge Iraner, insbesondere Universitätsstudenten, sowie auch einige reformorientierte Mitglieder der schiitischen Geistlichkeit in seinen Bann. Zu Schariatis größten Bewunderern gehörten die islamisch-marxistischen Volksmudschahedin, die im Februar 1979 zum Sieg der Revolution beitrugen und danach eine kurze Phase der Legalität und des Wachstums in Iran erlebten. Schariatis Ideen, die durch Übersetzungen seiner Schriften auch in vielen anderen Ländern der islamischen Welt bekannt wurden, spielten aber auch danach noch eine wichtige Rolle in den islamischen Diskussionen über die islamische Sozialethik. Wegen der großen Rolle, die Abū Dharr al-Ghifārī in seinem Denken spielte, wurde Schariati von seinen Bewunderern auch „der Abū Dharr seiner Zeit“ genannt.