Carmen contra paganos
Das Carmen contra paganos (deutsch „Lied gegen die Heiden“, auch Carmen adversus paganos), früher auch bekannt als Carmen adversus Flavianum (deutsch „Lied gegen Flavianus“), ist ein anonymes, spätantikes lateinisches Gedicht wahrscheinlich aus dem Ende des 4. Jahrhunderts. Es wurde in 122 Hexametern aus christlicher Perspektive als Invektive (Schmähschrift) gegen das Heidentum – das heißt die Vielzahl der Götter und Kultpraktiken der polytheistischen, synkretistischen römischen Religion der Spätantike – aus Anlass des Todes eines heidnischen Präfekten in der Stadt Rom verfasst.
Das Carmen, das als stilistisch schwach gilt und offenbar der zeitgenössischen polemischen Gelegenheitsliteratur zuzurechnen ist, ist vor dem Hintergrund der Christianisierung des Römischen Reiches Ende des 4. Jahrhunderts entstanden, als die Kaiser bereits christlich und nur noch ein Teil der stadtrömischen Senatsaristokratie „Heiden“ waren. Es beschreibt, wie ein ungenannter Präfekt (entweder ein praefectus urbi oder ein praefectus praetorio) heidnische Kultpraktiken in Rom ausübt, womit er seinen Tod durch Krankheit jedoch nicht verhindern kann. Dabei verhöhnt das Gedicht wortreich eine Vielzahl polytheistischer Götter und Kultpraktiken.
Als historische Quelle der althistorischen Forschung ist das Gedicht und vor allem die Frage nach der Identität des gemeinten Präfekten für die Chronologie und Bedeutung des sogenannten pagan revival („heidnische Restauration“) Ende des 4. Jahrhunderts relevant. Er wird nach ausführlichen Forschungskontroversen heute zumeist mit Vettius Agorius Praetextatus († 384) oder Virius Nicomachus Flavianus († 394) identifiziert; als Autor wird insbesondere Damasus I., Bischof von Rom, diskutiert.