Virius Nicomachus Flavianus

Virius Nicomachus Flavianus (signo Flavianius) (* um 330; † 394) war ein spätantiker römischer Politiker und Gelehrter. Er war einer der führenden Köpfe der heidnisch-stadtrömischen Senatsaristokratie im späten 4. Jahrhundert und beteiligte sich in führender Position an der Usurpation des Eugenius.

Flavianus stammte aus einer angesehenen, reich begüterten Senatorenfamilie. Er war Priester verschiedener Kulte und stieg im Staatsdienst auf, wo er schließlich die hohen Posten eines quaestor sacri palatii und eines Prätorianerpräfekten erreichte. Er war Mitglied des kaiserlichen Staatsrats (consistorium) am Hof des Kaisers Theodosius I. Dennoch entschied er sich 392, die Usurpation des Eugenius im Westen des Reiches zu unterstützen. An ihr war er in hoher Position als ranghöchster Prätorianerpräfekt im Westen beteiligt; 394 wurde er Konsul. Als jedoch Theodosius I. 394 gegen Eugenius zog und ihn und Nicomachus in der Schlacht am Frigidus besiegte, beging Flavianus Selbstmord.

Umstritten ist, wie sehr religiöse Motive die Entscheidung des Nicomachus Flavianus für Eugenius bestimmten. Erhoffte er sich von Eugenius politische Vorteile oder eine Unterstützung eines Projekts, die heidnischen Bräuche in Rom wieder zur Geltung zu bringen? So spielt Nicomachus Flavianus eine wichtige Rolle in der Debatte um ein pagan revival Ende des 4. Jahrhunderts. Galt er der älteren Forschung als eine Art Cato der Jüngere der konservativen heidnisch-senatorischen Oberschicht, zeigt sich die neuere Forschung eher skeptisch, ob es eine von Nicomachus strategisch gesteuerte heidnische Reaktion gegen den christlichen Kaiser Theodosius gegeben habe.

Er betätigte sich auch als Gelehrter. Das von ihm verfasste Geschichtswerk ist zwar verloren gegangen, diente aber nach Ansicht eines Teils der modernen Forschung als wichtige Quelle für spätere Geschichtsschreiber. Zu unterscheiden ist Virius Nicomachus Flavianus „der Ältere“ von seinem Sohn, Nicomachus Flavianus dem Jüngeren.

  1. Vgl. Joyce Maire Reynolds, John Bryan Ward-Perkins (Hrsg.): The Inscriptions of Roman Tripolitania. Rom 1952, Nr. 475 aus Leptis Magna, dazu Charles W. Hedrick, Jr.: History and Silence: Purge and Rehabilitation of Memory in Late Antiquity. University of Texas Press, Austin 2000, S. 15.
  2. Charles W. Hedrick, Jr.: History and Silence: Purge and Rehabilitation of Memory in Late Antiquity. University of Texas Press, Austin 2000, S. 17 mit Anm. 36 (S. 261).