Court of Chancery

Der Court of Chancery, kurz Chancery, war ein Gerichtshof für Billigkeitsrecht (Equity) in England und Wales, der von ca. 1345 bis 1875 bestand und heute in der Chancery Division (Kammer für Wirtschaftssachen) des High Court of Justice fortlebt. Er war unter anderem zuständig für Treuhand-Angelegenheiten, Grundstücksrecht (land law), Grundbesitz von Menschen mit psychischer Störung und Angelegenheiten der Vormundschaft für Kinder.

Die Urteile der Chancery beruhten auf einer Reihe flexibler Regeln, die den Grundsatz der Billigkeit konkretisierten. Sie sollten die Härten („Unbilligkeiten“) des zunehmend inflexiblen Common Law abmildern und so auch Regelungslücken schließen, die von der Common Law-Gerichtsbarkeit nicht gefüllt werden konnten. Dabei entwickelte die Chancery im Lauf der Zeit neue Rechtsinstitute, insbesondere den Trust, das heißt ein System von Rechten und Pflichten des Treuhänders im Umgang mit fremdem Vermögen sowie „außerordentliche“ Instrumente wie die gerichtliche Aufforderung zur Aussage (subpoena) oder gerichtliche Anordnungen (injunction), bestimmte Handlungen vorzunehmen oder zu unterlassen.

  1. William Lindsay Carne: A Sketch of the History of the High Court of Chancery from Its Origin to the Chancellorship of Wolsey, The Virginia Law Register, November 1927, S. 405.
  2. Elisabetta Fiocchi Malaspina: Trust Law, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich, 8. November 2022. Siehe auch A History of the Court of Chancery in English Law, Free Law Study Resources, 12. Oktober 2018.
  3. Russel Fowler: A History of Chancery & Its Equity: From Medieval England to Today, Capital Area Bar Association, Mai 2012.