Edictum perpetuum

Das edictum perpetuum („dauerhafte Bekanntmachung“) war die Bezeichnung für die – über Amtsperioden des Gerichtsmagistraten hinaus wirkenden – Festlegungen für die römische Rechtsprechung. Es basiert auf dem grundsätzlich jährlich neu zu fassenden prätorischen Edikt, einem Rechtsschutzprogramm für den Prozess.

Der Begriff edictum perpetuum wird in zwei unterschiedlichen Bedeutungen verwendet: einerseits als konsolidierte, endgültige Fassung des prätorischen Edikts, die der hochklassische Jurist Julian dem Edikt um das Jahr 130 n. Chr. unter Kaiser Hadrian gegeben hat. In diesem Sinne wird es teilweise auch als ewiges Edikt bezeichnet. Da viele Vorschriften sich ohnehin immer wiederholten, lag der Zweck der Maßnahme in der Rationalisierung des prätorischen Rechts. In einem älteren und einschränkenden Sinne verweist edictum perpetuum auf das Edikt als verlässlichen Rechtsschutz für die einjährige magistratischen Amtszeit (Dauerdelikt).

  1. Vgl. Digesten, Constitutio Tanta, § 18.
  2. Werner Wilhelm Jaeger: Die Antike, de Gruyter 1935; Philippe Nemo: Was ist der Westen?: die Genese der abendländischen Zivilisation. Mohr Siebeck, 2005, ISBN 978-3-16-148672-2, S. 26.
  3. Ulrike Babusiaux: Römische Rechtsschichten. In: Ulrike Babusiaux, Christian Baldus, Wolfgang Ernst, Franz-Stefan Meissel, Johannes Platschek, Thomas Rüfner (Hrsg.): Handbuch des Römischen Privatrechts. Mohr Siebeck, Tübingen 2023, ISBN 978-3-16-152359-5. Band I, S. 114–192, hier S. 155–157, speziell: Rn. 143.
  4. In diesem Sinne verkürzend etwa Christoph G. Paulus: Edictum [2] perpetuum. In: Der Neue Pauly: Enzyklopädie der Antike, Band 3, Metzler, Stuttgart u. a. 1999 (auch online, DOI:10.1163/1574-9347_dnp_e326230). Zu beiden Bedeutungen siehe aber etwa Franz Wieacker: Römische Rechtsgeschichte. Band 1, C.H. Beck, München 1988, § 25 I 2, S. 465; Wolfgang Waldstein, J. Michael Rainer: Römische Rechtsgeschichte. 11. Auflage, C.H. Beck, München 2014, § 22 Rn. 36 und 44.