Geschichte Koreas

Geschichte Koreas
Prähistorisches Korea
  • Jeulmun-Zeit (8000–1500 v. Chr.)
  • Mumun-Zeit (1500–300 v. Chr.)
Antike
Proto-Drei-Reiche
  • Buyeo (2. Jh. v. Chr. – 494 n. Chr.)
  • Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Okjeo (2. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)
  • Dongye (3. Jh. v. Chr. – 5. Jh. n. Chr.)
  • Mahan (1. Jh. v. Chr. – 3. Jh. n. Chr.)
  • Byeonhan (1.–4. Jh. n. Chr.)
  • Jinhan (1.–4. Jh. n. Chr.)
  • Lelang/Lintun/Xuantu/Zhenfan
    (108 v. Chr. – spät. 313 n. Chr.)
Zeit der Drei Reiche
  • Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.)
  • Baekje (18 v. Chr. – 660 n. Chr.)
  • Silla (57 v. Chr. – 935 n. Chr.)
  • Gaya (42/370 – 562 n. Chr.)
Nord- und Südstaaten
Spätere Drei Reiche
  • Späteres Baekje (892–936)
  • Späteres Goguryeo (901–918)
  • Vereinigtes Silla (668–935)
Staaten der Reichseinheit
Kolonialzeit
Teilung Koreas

Die Geschichte Koreas umfasst die Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel von der Urgeschichte der Altsteinzeit bis hin zur Gegenwart. Sie beginnt mit den ersten Spuren menschlicher Besiedlung vor 700.000 bis 400.000 Jahren, darunter Werkzeuge wie Faustkeile und Pfeilspitzen oder Harpunen aus Stein und Knochen. Um 6.000 v. Chr. begann der Übergang zur Jungsteinzeit, gekennzeichnet durch Auftauchen der ersten Kammmuster-Keramiken der Chŭlmun-Zeit. Die Petroglyphen von Ulsan aus dieser Epoche weisen auf eine zunehmende Komplexität der sozialen Strukturen hin. Das Ende der Vorgeschichte wird durch die Zeit der Mumun-Keramik von etwa 1500 bis 300 v. Chr. und die Verbreitung der Pip’a-Bronzedolchkultur begleitet, die durch Funde einer charakteristischen Stilart lautenförmiger Bronzeklingen gekennzeichnet ist. Die Frühgeschichte wird durch die ersten schriftlichen Überlieferungen über das teilweise prähistorische, bronzezeitliche Go-Joseon eingeleitet, und führt schließlich in die Zeit der Proto-Drei-Königreiche, welche Korea um die Jahrtausendwende prägen sollte. Sie sah den Aufstieg der Drei Reiche von Korea Shilla, Koguryŏ, Paekche und der Kaya-Konföderation, die für die nächsten 500 Jahre in einem anhaltenden Machtkampf verwickelt sein würden. Während dieser Zeit wurden die koreanischen Schriftsysteme Idu, Kugyŏl und Hyangchal entwickelt, welche die altkoreanische Sprache überlieferten.

Im Jahr 676 gelang es Shilla, Korea durch die Eroberung von Koguryŏ und Paekche erstmals zu vereinen. Ein prägendes Merkmal des Shilla-Reiches war eine Gruppe aristokratischer Jugendlicher, die sich als Hwarang (dt. „Blumenjungen“) bezeichneten. Sie dienten als eine Art Bildungs- und Militärorden, der darauf ausgelegt war, junge Adlige auf Führungspositionen in Staat und Armee vorzubereiten. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts wurde das Vereinigte Shilla-Reich vermehrt von Naturkatastrophen und sezessionistischen Aufständen heimgesucht. Taejo Wanggeom gründete 918, während der Zeit der Späteren Drei Reiche Koreas, das Reich Koryŏ, das Korea bis 936 wiedervereinigen sollte. Die Zeit ab 1232 war geprägt von sechs ergebnislosen mongolischen Invasionen und der darauffolgenden Unterwerfung an die Mongolen. Während dieser Zeit entstand der Sŏn-Buddhismus und 1290 die koreanische Schule des Neokonfuzianismus, gegründet durch den Gelehrten Ahn Hyang. 1356 gelang es Koryŏ die mongolische Präsenz zu beenden, jedoch kam es verstärkt zu inneren Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Generälen. Im Jahre 1377 wurden mit der Jikji die ersten beweglichen Lettern der Welt entwickelt. Es trat auch die Gelehrtenklasse der Yangban in Erscheinung, die fortan die politische und intellektuelle Praxis des Landes maßgeblich lenken sollte. Nach dem Sturz der Monarchie durch den General Yi Sŏnggye wurde 1388 die der Chosŏn-Dynastie ausgerufen. Im Jahr 1393 führte diese die Umbenennung nach einem antiken Vorgängerstaat durch.

Die ersten 200 Jahre unter der neuen Dynastie waren von relativem Frieden und innenpolitischer Stabilität geprägt. Aufgrund landwirtschaftlicher Fortschritte und administrativer Umstrukturierung erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung und zunehmenden Wohlstand. Die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts sah die Kreation des Han'gŭl-Alphabets, das 1443 unter Beauftragung und Beteiligung von Sejong dem Großen geschaffen wurde und den Aufstieg des konfuzianischen Einflusses im Land. Taejong und Sejong förderten maßgeblich Kunst, Wissenschaft und Astronomie. Sie gründeten unter anderem ein meteorologisches Institut, das die Regenzeiten vorhersagen sollte, und reformierten das Steuersystem. Während der Mittelperiode der Chosŏn-Zeit kam es zu erbitterten ideologischen Spaltungen innerhalb der konfuzianischen Gelehrtenklasse, welche für die Leitung der Staatsangelegenheiten zuständig war. Die Sarim-Faktion geriet während der Herrschaft Seonjos in Konflikt mit den etablierten Bürokraten, spaltete sich jedoch nach der Machtübernahme wiederum in eine westliche und östliche Faktion. Die westliche Faktion spaltete sich wiederum in die Noron und Soron, während die östliche Faktion sich in einer nördlichen und südlichen Faktion aufging.

Im Jahr 1592 wurde das Land vom Einfall einer japanischen Invasionsstreitmacht im Südosten überrascht und verlor innerhalb weniger Wochen die Kontrolle über einige der wichtigsten Städte. Bis 1598 war Chosŏn-Korea mit der Rückeroberung der verlorenen Gebiete beschäftigt. 1627 fielen die Mandschu aus dem Norden ein, erreichten trotz militärischen Fehlschlägen die Hauptstadt Seoul und zwangen Korea in die Neutralität. Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts erreichte der Neokonfuzianismus, der üblicherweise für die gelehrte Aristokratie vorbehalten war, auch die Allgemeinbevölkerung. Die meisten in der koreanischen Kultur gebräuchlichen konfuzianischen Riten stammen aus dieser Zeit. Korea genoss im 18. Jahrhundert ein letztes Mal erneut eine Periode des Wohlstands und der Stabilität. In dieser Zeit gab es eine verstärkte künstlerische Betätigung, die als typisch für die späte Chosŏn-Zeit gilt, bevor das Land im 19. Jahrhundert aufgrund angehender politischer und wirtschaftlicher Stagnation einen starken Niedergang erlebte. Gegen Ende der Dynastie brachte Korea durch seinen kompromisslosen Isolationismus im Westen den Ruf des „Einsiedlerreichs“ ein. Das „Land der Morgenstille“, wie sie ebenfalls genannt wurde, wurde ab etwa 1860 zur Zielscheibe expansionistischer Bestrebungen der europäischen Kolonialmächte als auch vom benachbarten Russland, Japan und China. 1910 wurde Korea mit der Eroberung durch das Nachbarland Japan erstmals von einer Fremdmacht annektiert und blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter japanischer Besatzung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es unter den Besatzungsmächten Sowjetunion und Vereinigten Staaten zur Teilung Koreas: Am 15. August 1948 wurde südlich des 38. Breitengrades die Republik Korea gegründet und als Reaktion darauf am 9. September 1948 im Norden die kommunistische Demokratische Volksrepublik Korea. Durch den Koreakrieg (1950–1953) wurde die Spaltung des Landes vertieft. Der anhaltende Wettstreit zwischen den beiden Staaten war eines der treibenden Kräfte für das Modernisierungsbestreben im zunächst zurückhängenden Süden.