Hambacher Forst

Als Hambacher Forst (auch Hambacher Wald oder Hambi) wird ein (im November 2018) noch ca. 500 Hektar großer Wald in Nordrhein-Westfalen (NRW) zwischen Köln und Aachen bezeichnet.

Der Hambacher Forst besteht aus folgenden drei Teilflächen: heutiger Lindenberger Wald zwischen Stetternich und Hambach am Rand der Sophienhöhe, Merzenicher Erbwald südlich der alten A 4 (ca. 250 ha), Reste des Blatzheimer Erbwaldes und der Probstei bei Buir (ca. 200 ha). Der verbliebene Teil des Hambacher Forsts liegt überwiegend im Gebiet der Stadt Kerpen, der westliche Teil in der Gemeinde Merzenich.

Seit den 1970er Jahren rodet der Energieversorger RWE den Wald zur Erweiterung seines Hambacher Braunkohle-Tagebaus.

Vor Beginn der Rodungen hatte der im zehnten Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte und früher Bürgewald genannte Wald eine Fläche von 4100 Hektar. Der größte Teil des Waldes gehört vegetationskundlich zu den Eichen-Hainbuchen-Wäldern. Diese sind im Anhang I der FFH-Richtlinie aufgeführt und gelten laut Bundesamt für Naturschutz als „weit, aber lückenhaft verbreitet“. In dem Wald leben seltene und europarechtlich geschützte Tiere wie Bechsteinfledermaus, Springfrosch, Haselmaus und Mittelspecht.

Der Hambacher Forst gilt als Symbol des Widerstands der Anti-Kohlekraft-Bewegung gegen die Umweltzerstörung und Klimaschädigung durch die Kohlewirtschaft sowie des bevorstehenden Kohleausstiegs als Teil der Energiewende.

Nachdem die für den Bergbau in Nordrhein-Westfalen zuständige Bezirksregierung Arnsberg den Hauptbetriebsplan des Tagebaus 2018 bis 2020 genehmigt hatte und eine Verbandsklage vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) abgewiesen wurde, wollte die RWE AG weitere Teile des Hambacher Forsts roden. Aus Gründen des Brutschutzes nach dem Bundesnaturschutzgesetz war dies nur zwischen dem 1. Oktober und Ende Februar möglich. Laut Gericht erklärte RWE damit längstens bis zum 14. Oktober 2018 zu warten.

Der BUND erhob am 20. April 2018 erneut Klage gegen den genehmigten Hauptbetriebsplan, er sah im Hambacher Wald die Kriterien eines europäischen Naturschutzgebietes gegeben. Am 5. Oktober verfügte das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster in Folge einer weiteren Klage des BUND gegen die Abholzung des Hambacher Forsts einen vorläufigen Rodungsstopp bis zur erneuten Bewertung des Sachverhalts.

Nach Plänen des Energiekonzerns RWE und dem beantragten, vom BUND beklagten Hauptbetriebsplan 2018–2020 sollten die verbliebenen ca. 200 ha des Waldstückes bei Buir 2018 bis auf weniger als 100 ha abgeholzt werden. Erhebliche Auseinandersetzungen mit Baumbesetzern auf Baumhäusern im Hambacher Forst wurden erwartet. Die schwarz-gelbe Landesregierung unter Armin Laschet (CDU) entschloss sich im September 2018 für eine Räumung der seit 2012 im Wald existierenden Baumhäuser aus Brandschutzgründen. Sie begründete den Schritt als notwendig, um die Sicherheit der Besetzer zu gewährleisten. Einen Zusammenhang mit den ab Oktober geplanten Rodungen wies die Landesregierung zurück. Das Verwaltungsgericht Köln urteilte im September 2021, die Räumung sei rechtswidrig gewesen. Die Landesregierung habe die Räumung rechtlich mangelhaft begründet; die Behauptung, die Baumhäuser hätten Brandschutzmängel, sei vorgeschoben gewesen. Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster entschied nach der Berufungsverhandlung Mitte Juni 2023 gegen das Urteil aus Köln und urteilte, dass die Räumung doch rechtens war.

Nachdem im Herbst 2018 die Rodung durch das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen vorerst gestoppt wurde und eine Großdemonstration am Wald mit ca. 50.000 Teilnehmern stattfand, stellte die Landesregierung die Räumung ein. Nach Schätzungen der Gewerkschaft der Polizei leistete die Polizei insgesamt rund eine Million Arbeitsstunden in den fünf Wochen der Räumung.

Im Januar 2020 fand ein Spitzentreffen der Bundesregierung und der vier vom Kohleausstieg betroffenen Bundesländer statt. Sie vereinbarten unter anderem den Erhalt des Hambacher Forstes. Später wurde der Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland konkretisiert.

  1. Topografische Karte TK 50 Düren Jahrgänge 1979 bis 2015, Geobasis NRW
  2. Etappensieg für den Hambacher Wald. vom 12. Februar 2018, abgerufen am 9. November 2018.
  3. General-Anzeiger: Wie Politik im Hambacher Forst mit zweierlei Maß misst
  4. Bundesamt für Naturschutz: LRT 9160 – Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder (PDF; 912 kB)
  5. Ronja Heise, Jana Ballenthien: Sonntags im Hambacher Forst Mit geführten Spaziergängen bringt Michael Zobel Menschen den gefährdeten Wald näher. vom 5. September 2018, abgerufen am 9. November 2018.
  6. Deutsche Welle, Hambacher Forst: Kampf um Kohle, Wald und Klima, 5. September 2018
  7. Antje Grothus: „Ganz klare Stimmungsmache von RWE“, zeit.de vom 7. September 2018 (abgerufen am 16. September 2016)
  8. Braunkohlentagebau Hambach Bezirksregierung Arnsberg genehmigt Hauptbetriebsplan 2018–2020. Bezirksregierung Arnsberg, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 27. Februar 2021; abgerufen am 29. April 2021.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  9. Neue Klage gegen Tagebau Hambach, wdr.de vom 20. April 2018 (abgerufen am 14. September 2018)
  10. RWE: Weitere Barrikaden im Hambacher Forst werden entfernt. In: Die Zeit Online. 6. September 2018, abgerufen am 6. September 2018.
  11. Dieses kleine Stück Wald, taz.de vom 7. Februar 2016 (abgerufen am 17. September 2018)
  12. pad/mxw/dpa: Hambacher Forst: Räumung von Baumhäusern war rechtswidrig. In: Der Spiegel. 8. September 2021, abgerufen am 8. September 2021.
  13. Räumung von Baumhäusern im Hambacher Forst war rechtswidrig. In: Tagesspiegel. 8. September 2021, abgerufen am 9. September 2021.
  14. Beamte abgezogen – So viele Stunden war die Polizei im Hambacher Forst. In: General-Anzeiger Bonn. 8. Oktober 2018 (general-anzeiger-bonn.de [abgerufen am 8. Oktober 2018]).
  15. Kohle-Unternehmen erhalten Milliarden. In: Tagesschau.de. 16. Januar 2020, abgerufen am 16. Januar 2020.