Herzogtum Böhmen
Das Herzogtum Böhmen (lateinisch Ducatus Bohemiæ, tschechisch České knížectví), war eine Monarchie und ein Fürstentum des Heiligen Römischen Reiches in Mitteleuropa während des Früh- und Hochmittelalters. Es wurde um 870 von Tschechen als Teil des Großmährischen Reiches gebildet. Böhmen trennte sich vom zerfallenden Mähren, nachdem Herzog Spytihněv 895 dem ostfränkischen König Arnolf die Treue geschworen hatte. Während die böhmischen Herzöge der Přemysliden zunächst auf der Prager Burg und der Burg Levý Hradec regierten und weitere Güter unter ihre Kontrolle brachten, wurde die von den Brüdern Kyrill und Method eingeleitete Christianisierung von den fränkischen Bischöfen des Bistums Regensburg und Bistums Passau fortgesetzt. Im Jahr 973 wurde das Bistum Prag durch die gemeinsamen Bemühungen des böhmischen Herzogs Boleslaus II. und des Römisch-deutschen Kaisers Otto I. gegründet. Herzog Wenzel I. von Böhmen, der 935 von seinem jüngeren Bruder Boleslaus getötet wurde, wurde zum Schutzpatron des Landes bestimmt.
Während die Länder vom polnischen König Bolesław I. besetzt waren und interne Kämpfe die Přemysliden-Dynastie erschütterten, erhielt Herzog Wladiwoj 1002 Böhmen als Lehen aus den Händen des ostfränkischen Königs Heinrich II. Dadurch wurde das Herzogtum Böhmen ein Reichsfürstentum. Das Herzogtum Böhmen wurde zum (Erb-)Königreich Böhmen erhoben, als Herzog Ottokar I. 1198 seine Erhebung durch den deutschen König Philipp von Schwaben sichergestellt hatte. Die Přemysliden blieben während des gesamten Hochmittelalters an der Macht. Mit dem Tod des letzten Königs Wenzel III. im Jahre 1306 erlosch die Dynastie der Přemysliden.
- ↑ George Bradshaw: Bradshaw's illustrated hand-book to Germany. 1867 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 7. Oktober 2022]).
- ↑ Petr Chotěbor: Prague Castle : detailed guide. 2nd complemente ed Auflage. Prague Castle Administration, Prague 2005.
- ↑ Kamil Krofta: Bohemia to the Extinction of the Premyslids. 6. Auflage. Cambridge University Press, 1957, S. 432.