Intermittierende explosible Störung
| Klassifikation nach ICD-11 | |
|---|---|
| 6C73 | Intermittierende explosible Störung |
| ICD-11: Englisch • Deutsch (Vorabversion) | |
Die intermittierende explosible Störung (IES) ist eine psychische Störung, die sich durch wiederkehrende, explosive Ausbrüche von Wut oder Gewalt äußert. Diese stehen in keinem Verhältnis zur auslösenden Situation (z. B. impulsives Schreien, Brüllen oder übermäßiges Zurechtweisen, ausgelöst durch relativ unbedeutende Ereignisse). Die aggressiven Impulse können nicht adäquat kontrolliert werden. Impulsive Aggression ist nicht vorsätzlich und definiert sich durch eine unverhältnismäßige Reaktion auf jede Provokation, ob real oder wahrgenommen, die oft mit einem cholerischen Temperament in Verbindung gebracht wird. Einige Personen berichten von affektiven Veränderungen vor einem Ausbruch, wie z. B. Anspannung, Stimmungsschwankungen und Energieveränderungen.
Die Störung wird derzeit im DSM-5 unter der Kategorie „Störungen des Sozialverhaltens, Impulskontrollstörungen und Verhaltensstörungen“ und in der ICD-11 unter den „Störungen der Impulskontrolle“ eingeordnet. Die Störung selbst ist nicht leicht zu charakterisieren und tritt häufig zusammen mit anderen Stimmungsstörungen, insbesondere der bipolaren Störung, auf. Personen, bei denen eine IES diagnostiziert wurde, berichten, dass ihre Ausbrüche kurz sind (weniger als eine Stunde dauern) und dass ein Drittel von ihnen über verschiedene körperliche Symptome (Schwitzen, Stottern, Engegefühl in der Brust, Zuckungen, Herzklopfen) berichtet. Die aggressiven Handlungen werden häufig als mit einem Gefühl der Erleichterung und in einigen Fällen sogar mit Freude einhergehend beschrieben, jedoch folgt oft später Reue. Personen mit IES können je nach Schweregrad und Art ihrer Persönlichkeitsmerkmale unterschiedliche Herausforderungen erleben.
- ↑ Susanne Bründl, Johannes Fuss: Impulskontrollstörungen in der ICD-11. In: Forensische Psychiatrie, Psychologie, Kriminologie. Band 15, Nr. 1, Februar 2021, ISSN 1862-7072, S. 20–29, doi:10.1007/s11757-020-00649-2 (springer.com [abgerufen am 8. November 2025]).
- ↑ McElroy SL: Recognition and treatment of DSM-IV intermittent explosive disorder. In: J Clin Psychiatry. 60. Jahrgang, Suppl 15, 1999, S. 12–6, PMID 10418808 (englisch).
- ↑ McElroy SL, Soutullo CA, Beckman DA, Taylor P, Keck PE: DSM-IV intermittent explosive disorder: a report of 27 cases. In: J Clin Psychiatry. 59. Jahrgang, Nr. 4, April 1998, S. 203–10; quiz 211, doi:10.4088/JCP.v59n0411, PMID 9590677 (englisch).
- ↑ Tamam, L., Eroğlu, M., Paltacı, Ö. (2011). "Intermittent explosive disorder". Current Approaches in Psychiatry, 3(3): 387–425.
- ↑ Nicole K. Ciesinski, Deborah A. G. Drabick, Mitchell E. Berman, Michael S. McCloskey: Personality Disorder Symptoms in Intermittent Explosive Disorder: A Latent Class Analysis. In: Journal of Personality Disorders. 38. Jahrgang, Nr. 1, Februar 2024, ISSN 0885-579X, S. 34–52, doi:10.1521/pedi.2024.38.1.34, PMID 38324246, PMC 11323261 (freier Volltext) – (englisch).