Israelische Bodenoffensive im Südlibanon 2024
Die israelische Bodenoffensive im Südlibanon 2024 begann in der Nacht des 30. September auf den 1. Oktober, als Spezialkräfte und reguläre Bodentruppen der israelischen Streitkräfte (IDF) mit Panzer-, Artillerie- und Luftunterstützung der Israelischen Marine- und Luftstreitkräfte über die Blaue Linie in den Südlibanon eindrangen und Ziele der von der Islamischen Republik Iran unterstützten Terrororganisation Hisbollah attackierten. Es ist der bereits vierte Einmarsch israelischer Truppen in den Südlibanon nach 1978, 1982 und 2006.
Erklärtes Ziel der vom IDF-Generalstab als „Northern Arrows“ bezeichneten Operation war das Zurückdrängen der Hisbollah von der Nordgrenze Israels entsprechend der Resolution 1701 des UN-Sicherheitsrates. Sie wurde nach dem letzten Libanonkrieg 2006 vom UN-Sicherheitsrat verabschiedet, um eine Entmilitarisierung südlich des Litani-Flusses sicherzustellen, der sich rund 30 Kilometer nördlich der libanesisch-israelischen Grenze befindet. Dabei erhielt die United Nations Interim Force in Lebanon (UNIFIL) den Auftrag, die Streitkräfte des Libanons zu ermächtigen, die vollständige Kontrolle über diese rund 1.000 Quadratkilometer große Grenzregion zu Israel zu übernehmen, was allerdings zu keinem Zeitpunkt umgesetzt wurde. Die entgegen der Resolution im Süden des Libanon operierende Hisbollah und verbündete Terrorgruppen hatten zuvor seit 8. Oktober 2023 zur Unterstützung der Hamas im Gazastreifen nahezu täglich den Norden Israels vorwiegend mit Raketen und Drohnen unter Beschuss genommen, weshalb im Laufe der Monate über 60.000 Israelis aus den nördlichen Grenzregionen evakuiert wurden, deren ausbleibende Rückführung zu heftiger Kritik an der israelischen Regierung führte. Nach israelischen Angaben soll die Hisbollah zudem eine Invasion des nördlichen Territoriums des Staates Israel geplant haben.
Die internationale Staatengemeinschaft, darunter die Europäische Union und die USA, forderten einen Waffenstillstand und eine diplomatische Lösung des Konflikts. Im Zuge der Kampfhandlungen drangen israelische Truppen in mehrere südlibanesische Dörfer bis zu 10 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt vor und erreichten im Osten des Libanon den Fluss Litani, wobei die IDF in den erreichten Gebieten die militärische Infrastruktur und Ausrüstung der Hisbollah zerstörten oder erbeuteten. Begleitet wurde der Vormarsch von schweren israelischen Luftangriffen auf Ziele im gesamten Libanon, darunter im Süden und dem Zentrum der Hauptstadt Beirut, wobei auch die zivile Infrastruktur getroffen und hunderte Opfer unter der Zivilbevölkerung zu beklagen waren. Darüber hinaus kam es zu einzelnen, von Israel und der Hisbollah als Versehen bekundeten Angriffen auf libanesische Truppen und Einrichtungen der UNIFIL. Ein aus Gründen der Sicherheit durch Israels Ministerpräsident Netanjahu geforderter Rückzug der UNIFIL wurde abgelehnt. Das Hohe Kommissariat der Vereinten Nationen für Menschenrechte und Amnesty International bezeichneten den unterschiedslosen Beschuss Israels mit Raketen und Drohnen durch die Hisbollah, sowie die israelischen Luftangriffe in dicht besiedelten Gebieten und auf zivile Objekte im Libanon mit keinen oder unrealistischen Evakuierungsaufrufen als Verstöße gegen das Humanitäre Völkerrecht und mögliche Kriegsverbrechen.
Am 27. November 2024 um 4 Uhr Ortszeit trat ein von den USA und Frankreich vermitteltes Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und dem Libanon in Kraft und beendete die seit fast 14 Monaten anhaltenden Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah. Dem Abkommen nach wurde den israelischen Truppen 60 Tage für den Rückzug aus dem Libanon eingeräumt. Nachdem diese Frist verstrichen war, verweigerte Israel den vollständigen Rückzug mit der Begründung, dass die Bedingungen des Waffenstillstandes vom libanesischen Staat bisher nicht vollständig durchgesetzt worden seien. Selbst nach dem Ablauf einer Verlängerungsfrist bis zum 18. Februar 2025 verblieben israelische Truppen an fünf als strategisch bezeichneten Stützpunkten im Libanon entlang der gemeinsamen Grenze. Bis zum 6. August 2025 wurden nach israelischen Armeeangaben seit Inkrafttreten des Waffenstillstandes über 230 Hisbollah-Mitglieder im Libanon bei israelischen Militäroperationen getötet. Laut Hohem Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte wurden seit dem Waffenstillstand bis Ende September 2025 zudem 103 Zivilisten im Libanon durch israelische Angriffe getötet, während auf Seiten Israels keine Opfer durch Beschuss aus dem Libanon verzeichnet worden seien.
Am 7. August 2025 wurde ein Vorschlag der Vereinigten Staaten im libanesischen Kabinett diskutiert, der unter anderem die vollständige Entwaffnung der Hisbollah bis Jahresende, sowie eine bis dahin garantierte Einstellung sämtlicher israelischer Militäroperationen im Libanon vorsieht. In einer späteren Phase des Vorschlages ist der vollständige Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon und die Durchführung einer Wirtschaftskonferenz zur Organisation des Wiederaufbaus des Landes geplant.
Im Zuge des am 28. Februar 2026 begonnenen Irankrieges flammten ab 2. März 2026 auch die Kampfhandlungen zwischen der Hisbollah und Israel wieder auf, worauf israelische Truppen im Libanonkrieg erneut in den Südlibanon einmarschierten.
- ↑ Christoph Leonhardt: Die Hisbollah und der Nahostkonflikt. The Pioneer, 4. November 2024, abgerufen am 16. November 2024.
- ↑ Christoph Leonhardt: Libanon als „Failed State“ – wie stark ist die Hisbollah wirklich? Berliner Zeitung, 8. Oktober 2024, abgerufen am 16. November 2024.
- ↑ Emanuel Fabian: IDF announces name of military offensive against Hezbollah: Northern Arrows. In: The Times of Israel, Liveblog Auf www.timesofisrael.com.
- ↑ PM vows Israel to continue striking Hezbollah ‘until all our objectives are met’
- ↑ EU calls on Israel and Hezbollah to show restraint in ‘moment of truth’ for Lebanon
- ↑ US and allies call for 21-day ceasefire across Lebanon-Israel border
- ↑ Über 270 Tote: Libanon wirft Israel „Zerstörungsplan“ vor. 23. September 2024, abgerufen am 17. Oktober 2024.
- ↑ Salzburger Nachrichten: Israel griff UNIFIL-Soldaten laut Netanyahu nicht absichtlich an. 14. Oktober 2024, abgerufen am 17. Oktober 2024.
- ↑ Lebanon: Israeli attacks on financial institutions are possible war crimes
- ↑ Middle East: Letter ahead of Foreign Affairs Council and European Council
- ↑ UN experts alarmed by Israel-Lebanon conflict, strongly condemn escalation and urge immediate protection for civilians
- ↑ Israel-Hezbollah ceasefire takes effect, bringing a halt to fighting after almost 14 months
- ↑ IDF says Hezbollah operative killed in overnight drone strike in eastern Lebanon
- ↑ UN rights chief urges maintaining Lebanon ceasefire amid continued Israeli strikes on Hezbollah targets
- ↑ US proposal sees Hezbollah disarmed by year-end, Israeli withdrawal from Lebanon