Klimakompensation

Klimakompensation (auch CO2-Kompensation, selten Emissionskompensation, engl. climate compensation, carbon offsetting) soll Treibhausgas-Emissionen ausgleichen. Dafür werden die Emissionen eines Produktes, einer Dienstleistung, eines Unternehmens oder eines Staates bilanziert und für die ausgestoßenen Treibhausgase auf einem Kompensationsmarkt CO2-Gutschriften (engl. carbon credits oder carbon offsets) gekauft. Diese Gutschriften verbriefen Emissionsminderungen aus andernorts durchgeführten Klimaschutzprojekten. Für solche Klimaschutzprojekte gibt es im Wesentlichen drei Optionen: Emissionen zu vermeiden, also beispielsweise Wälder vor Abholzung zu bewahren, Kohlenstoff mit natürlichen Kohlenstoffsenken zu binden, beispielsweise durch den Aufbau einer Humus-Schicht in Böden, oder Kohlenstoff endzulagern, z. B. in Form von Graphit oder kohlenstoffhaltigen chemischen Verbindungen. Die Einnahmen aus den Gutschriften tragen zur Finanzierung der Klimaschutzprojekte bei.

Es wird unterschieden zwischen der Kompensation, die zur Erfüllung der Klimaschutzpflichten von Staaten und Unternehmen beiträgt, und der freiwilligen Kompensation, an der auch Privatpersonen teilnehmen können, etwa zum freiwilligen Ausgleich von Flügen. CO2-Gutschriften für verpflichtende Kompensation werden auf sogenannten Verpflichtungsmärkten (compliance markets) gehandelt, solche für freiwillige Kompensation auch auf Voluntary Markets. Auf der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow wurde im Jahr 2021 ein internationales Regelwerk für einen Mechanismus zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung unter dem Pariser Übereinkommen verabschiedet, durch den für den Clean Development Mechanism (CDM), einem internationalen Kompensationsmarkt, Normen definiert werden.

Bei einer rechnerisch vollständigen Kompensation werden Produkte, Unternehmen oder Staaten auch als „klimaneutral“ bezeichnet. Die Wirksamkeit der Kompensation hängt aber von der zutreffenden Bilanzierung, Zusätzlichkeit und Dauerhaftigkeit der Emissionseinsparungen aus den Klimaschutzprojekten ab. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass für die meisten Kompensationsprojekte deutlich mehr CO2-Gutschriften ausgegeben werden als sie tatsächlich an Emissionsminderungen bewirken. Viele Umwelt- und Verbraucherschutzverbände lehnen Klimakompensation ab. Einerseits bestehe die Gefahr eines Ablasshandels: Unternehmen müssten ihre Emissionen nicht senken, um sich klimaneutral zu nennen. Es reiche, dass sie Kompensationsgutschriften kaufen, ohne Geschäftspraktiken zu ändern. Andererseits würde Kompensation genutzt, um klimaintensive Produkte wie Öl oder Rindfleisch „grün zu waschen“.

  1. UNFCCC: COP26 Outcomes: Market mechanisms and non-market approaches (Article 6). In: unfccc.int. UNFCCC, 19. Juni 2022, abgerufen am 19. Juni 2022.
  2. Gregory Trencher, Sascha Nick, Jordan Carlson, Matthew Johnson: Demand for low-quality offsets by major companies undermines climate integrity of the voluntary carbon market. In: Nature Communications. August 2024, doi:10.1038/s41467-024-51151-w.
  3. Raphael Calel, Jonathan Colmer, Antoine Dechezleprêtre, Matthieu Glachant: Do Carbon Offsets Offset Carbon? In: American Economic Journal: Applied Economics. Band 17, Nr. 1, Januar 2025, doi:10.1257/app.20230052.
  4. Report: foodwatch fordert Verbot von irreführender Klimawerbung. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
  5. vzbv fordert Verbot von Werbung mit „Klimaneutralität“. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
  6. WWF: Unternehmen müssen irreführende CO2-Kompensation endlich abschreiben. Abgerufen am 14. Dezember 2022 (deutsch).
  7. VWs Bluff mit der Klimaneutralität | Greenpeace. Abgerufen am 14. Dezember 2022.
  8. Deutsche Umwelthilfe e. V.: Werbeversprechen Klimaneutralität: Wie sich unternehmen ein grünes Image kaufen. Abgerufen am 14. Dezember 2022.