Notker II.
Notker II. (* um 900; † 12. November 975 in St. Gallen) war Benediktinermönch. Zur Unterscheidung trägt er auch die Beinamen Medicus, Physicus bzw. der Arzt und Piperisgranum bzw. Pfefferkorn.
Er war der Tradition nach ein berühmter Arzt und Maler des Benediktinerklosters in St. Gallen. Zeitgenössische Quellen wie die Vita sanctae Wiboradae und die von Ekkehard IV. verfassten Casus sancti Galli nennen ihn ausdrücklich medicus. In Urkunden erscheint er 956/57 als cellararius (Verwalter) und 965 als hospitarius (Gastmeister) des Klosters. Neben seiner Tätigkeit als Arzt wirkte er als Maler und Buchkünstler, er schmückte die Klosterkirche und mehrere Handschriften mit Gemälden und Buchschmuck und verfasste lateinische, vor allem liturgische Verse und Gesänge.
Bekannt war er für die besonders strenge Auslegung der Ordensregeln Benedikts, was ihm den Beinamen „Pfefferkorn“ einbrachte, der in den Casus sancti Galli als piperisgranum überliefert ist. Notker war Onkel des Abtes Notker (reg. 971–975) und wirkte auch als Lehrer; zu seinen Schülern zählt Balther von Säckingen, der Verfasser der Fridolinsvita.
Von Notker sind Behandlungsberichte überliefert, die ihn als einen der profiliertesten Vertreter der Klostermedizin im frühmittelalterlichen St. Gallen ausweisen.
- ↑ Johannes Duft: Notker der Arzt. St. Gallen 1972.