Palästinenser

Als Palästinenser (seltener Palästiner, arabisch فلسطينيون, DMG Filasṭīnīyūn, von altgriechisch Φιλισταίοι PhilistaioiPhilister und arabisch فلسطين, DMG Falasṭīn [falasˈtˁiːn] oder Filasṭīn [filasˈtˁiːn] – Palästina) werden heute zumeist Arabisch sprechende Bewohner Palästinas bezeichnet, insbesondere die Bevölkerung des Westjordanlands und des Gazastreifens sowie die Nachkommen der 1948 im Palästinakrieg Geflohenen und Vertriebenen, die heute in der Diaspora leben. Nicht hinzugerechnet werden arabischsprachige Juden, die oder deren Vorfahren aus Palästina oder anderen Regionen der arabischen Welt stammen und in Palästina ansässig waren; sie werden in der Regel als palästinensische Juden, irakische Juden, marokkanische Juden etc. bezeichnet. Araber mit israelischer Staatsbürgerschaft werden oft als israelische Palästinenser, arabische Israelis oder israelische Araber bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch in Israel wird Letzteres bevorzugt und Palästinenser vorwiegend zur Bezeichnung der Bürger der Palästinensischen Autonomiegebiete verwendet. Von 1920 bis 1948 galten alle Bewohner des britischen Mandatsgebiets Palästina unabhängig von ihrer Sprache und Religion in rechtlicher Hinsicht als Palästinenser. Ihre Selbst- und Fremdbezeichnungen jedoch variierten, meist wurde in der Bezeichnung von Gruppen und Individuen nach Konfession und Ethnie unterschieden in Briten, Juden und Araber oder Briten, Juden und arabische Christen und Muslime.

In der Selbstsicht der Araber der gesamten arabischsprachigen Welt unterscheidet man traditionell zwischen den einzelnen arabischen Regionen oder Nationen, etwa Marokkanern, Ägyptern und Jeminiten, und der arabischen Nation, die alle Araber zusammen bilden (siehe auch Umma). Zwischen diesen beiden Polen schwankt die Selbstwahrnehmung des Individuums. Traditionell wurde Palästina ebenso wie der Libanon als Teil eines größeren Syrien begriffen, mit dem die Bewohner Palästinas und des Libanons in vielfältigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bezügen standen, sodass keine klare Abgrenzung zu Syrien und einer syrischen Nation bestand (siehe auch „Bilad al-Scham“, Großsyrien).

Das Entstehen einer palästinensischen Identität wurde gefördert durch die politisch-rechtliche Abtrennung Palästinas (1920/1922) von Syrien im Zuge der Aufteilung der Region in eine britische und eine französische Einflusszone, die als Palästina bzw. Syrien bezeichnet wurden und aus denen in der Folge außerdem die gesonderten Territorien Jordaniens und Libanons hervorgingen. In welcher Ausprägung sich seither eine palästinensische Nationalidentität herausgebildet hat, ist in der Forschungsliteratur nicht eindeutig beschrieben. Im politischen und medialen Diskurs bezeichnen sich die Araber Palästinas heute durchweg als Araber und Palästinenser; mit Einschränkung trifft dies auf die israelischen Araber zu. In rechtlicher Hinsicht spielt außerdem die Staatsbürgerschaft eine Rolle; erhebliche Teile der palästinensischen Bevölkerung sind staatenlos oder Bürger Libanons, Jordaniens, Israels etc. und werden damit – zusammen mit den zuvor genannten Fremd- und Selbstbezeichnungen – auch als Libanesen, Jordanier, Israelis etc. wahrgenommen.

  1. Mia Gröndahl: The Dream of Jerusalem – Lewis Larsson and the American Colony Photographers, S. 134.