Teilungspläne für Oberschlesien
Als Teilungspläne für Oberschlesien werden die verschiedenen Vorschläge zur Teilung der preußischen Provinz Oberschlesien nach der Volksabstimmung in Oberschlesien vom 21. März 1921 bezeichnet. Bei diesem gemäß Versailler Vertrag abgehaltenen Plebiszit unter der Kontrolle einer Interalliierten Regierungs- und Plebiszitskommission ging es um die Frage, welche Teile Oberschlesiens an das wiederbegründete Polen angegliedert und welche bei Deutschland verbleiben sollten.
Insgesamt wurden acht Teilungsvorschläge für die Region vorgebracht, die auch zeitgenössisch bereits nach ihren jeweiligen Urhebern benannt wurden. In der zeitlichen Reihenfolge ihrer Formulierung waren dies: die Korfanty-Linie, die Le-Rond-Linie, die Percival-de-Marinis-Linie (seltener auch: De-Marinis-Percival-Linie), sowie die beiden Sforza-Linien. Weiterhin brachten die französische und die britische Delegation bei der Pariser Friedenskonferenz jeweils überarbeitete Versionen der Le-Rond beziehungsweise der Percival-de-Marinis-Linie ein. Zuletzt entwickelte der Völkerbund einen eigenen Teilungsvorschlag.
Die deutsche Reichsregierung stellte nach dem Plebiszit die Forderung nach einem vollständigen Verbleib des Gebiets bei Deutschland, jedoch in dem Wissen, dass diese Maximalforderung von den in der Interalliierten Kommission vertretenen Staaten Frankreich, Großbritannien und Italien keinesfalls akzeptiert werden würde. Nach schwierigen Verhandlungen wurde schließlich am 20. Oktober 1921 von der Pariser Botschafterkonferenz der Teilungsvorschlag der Völkerbundkommission angenommen, der sich an die beiden Vorschläge von Sforza anlehnte. In Deutschland führte der Beschluss am Folgetag zum Rücktritt der Regierung.
Die tatsächliche Teilung Oberschlesiens wurde Mitte Juli 1922 vollzogen, nachdem Deutschland und Polen zuvor alle offenen Fragen in einem entsprechenden Abkommen miteinander geregelt hatten, das zum 15. Mai 1922 in Kraft trat.