Brescia in Italien
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BRESCIA
Brescia leitet seinen Ursprung bis in die griechische Heroenzeit hinan und die Stadt nennt Herkules ihren Erbauer. Die ersten Einfälle der Gallier verwüsteten sie; Brennus stellte sie wieder her. Reich und groß geworden unter der Republik und unter den Kaisern, blühte sie fort bis zum Einfall der Barbaren unter Attila, der ihr römisches Leben vertilgte. Gothen herrschten dann und Longobarden siedelten auf ihren Trümmern; letztere machten sie zur Hauptstadt eines Herzogthums. Brescia ging auf und nieder in den spätern Jahrhunderten, während welchen Oberitalien, nach Perioden der Ruhe, von Krieg und Verheerung und allen Leiden heimgesucht ward, die sich an häufige Veränderungen der Herrschaft knüpfen. Als die lombardischen Städte ihr Haupt gegen die Kaiser erhoben, da war Brescia eine der vordersten und ersten. Sein Kampf um die Freiheit war an Großthaten reich. Eben so tapfer und entschlossen als die Brescianer sie erfochten, eben so fest und ausdauernd vertheidigten sie ihren Besitz. Im 14. Jahrhundert widerstanden sechstausend Bürger einem sechsfachen deutschen Heere unter der Führung König Heinrichs, des Luxemburgers; 1412 vertheidigten die Frauen, die Heldin Brigitte Avogadro an der Spitze, die Stadt mit Erfolg gegen das stürmende Heer des Piccinino während der Abwesenheit der Männer, welche fern von der Heimath zu Felde waren. 1426 gerieth Brescia unter die Hoheit Venedigs, das, zu seinem Schutze zu schwach, die Stadt nach der Schlacht bei Aguadello 1509 den Franzosen überließ. Nach 3 Jahren schüttelte sie das fremde Joch zwar ab; aber ein französisches Heer unter Gaston de Foix rückte ein und nahm die Stadt im Sturm wieder. Das Schicksal der Ueberwundenen war grausam. Die fremde, rohe Soldateska überließ sich allen Greueln. Von den Einwohnern wurden 9000 in den Straßen und Häusern erschlagen und nach 7tägiger Plünderung die Stadt angezündet und gänzlich verheert.
Dennoch erhob sie sich wieder durch die Energie des Geistes und Willens, welche dem Brescianer innewohnt seit den ältesten Zeiten. Die Freiheit war verloren; der Fleiß eroberte einen fest begründeten Wohlstand, und dieser hat sich erhalten und ist zum Reichthum angewachsen bis in die neueste Zeit. Selbst die Hand welche die Brescianer für ihre Ausdauer im letzten Kampfe Italiens gegen Oesterreich so entsetzlich züchtigte und die niedergeworfene Stadt dem Schwerte und den Flammen überlieferte, vermochte nur die Trauer in alle Familien zu tragen, nicht aber die Quellen des Erwerbs zu verwüsten, die der Stadt in dem Seidenbau, in der trefflichen Stahl- und Eisenfabrikation der Gegend, in den Filaturen und Webereien, in ihren berühmten Waffenfabriken etc. beständig fließen.
[125] Brescia ist am Fuße der rhätischen Alpen, am Rande der fruchtbaren Poebene, hingebaut, – in einer lachenden Gegend mit mildem südlichem Klima und geschützt durch die Mauern der Gebirge vor den rauhen Winden aus Nord und Ost. Stundenweit ist um Brescia alles Land Ein Garten, wo Orange und Citrone im Freien reifen, wo Oliven und Maulbeerbäume, von Reben umschlungen, die Höhen und Gelände bekleiden. Die Anlage der Stadt ist großartig. Sie ist von breiten Straßen durchschnitten und hat eine Menge Plätze und Märkte, welche Denkmäler und Springbrunnen zieren, viele derselben aus Marmor, manche Meisterwerke der Kunst. Die Einwohner gelten als streitsüchtig, leidenschaftlich und tapfer bis zur Verwegenheit. Ihre Liebe zur Freiheit ist der rothe Faden, der sich durch das schicksalreiche Leben der Stadt zieht. Sie hat ihr oft Kampf, immer Ruhm, nicht selten Verderben gebracht. Die Zahl der Einwohner übersteigt 40,000. Das alte Schloß auf dem nächsten Hügel ist jetzt zur Festung umgeschaffen und hält mit eiserner Faust die Brescianer in Ruhe und Unterwürfigkeit. – Brescia ist Bischofssitz, es hat ein Seminar, Gymnasium, Lyceum, Athenäum, eine musikalische Akademie und viele kostbare Sammlungen; ein Museum der Naturgeschichte, botanischen Garten, öffentliche Bibliothek von 50,000 Bänden mit vielen Handschriften, die bis in’s sechste Jahrhundert reichen; Gemäldegallerie, Kupferstichkabinet etc. Das merkwürdigste Gebäude ist der alte Dom, noch aus der longobardischen Zeit, vordem ein römischer Tempel, aus dem eine Menge Bildwerke übrig waren, die aber ein Senatsbeschluß im 15. Jahrhundert zerstört hat; der neue Dom ward im 16. Jahrhundert aus Marmor erbaut. – Viele andere Kirchen sind prächtige Werke und bewahren einen Gemäldeschatz großer Meister; von Tizian, Pau, Veronese u. A. sind mehre der berühmtesten Bilder in den Kirchen, in dem Rathhause (della Loggia) und in den Palästen Tosi und Zechiferari zu suchen. Der Freund des Alterthums findet in Brescia einen antiken Tempel, und unter den ausgegrabenen Bildwerken ist eine Bronzestatue der Viktoria unter die besten zu rechnen, die auf die Gegenwart gekommen sind.