Das General-Postamt in Washington

Schloß Kurburg mit dem Ortles Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Zwanzigster Band (1859) von Friedrich Hofmann
Das General-Postamt in Washington
Antikes Theater bei Taormina
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GENERAL POST-OFFICE
(WASHINGTON)

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Das General-Postamt in Washington.




Zu den großartigsten Instituten öffentlichen Nutzens einerseits, zu den wirksamsten und gefährlichsten Werkzeugen politischer Parteiherrschaft und Corrumpirung andererseits in den Vereinigten Staaten gehört das Postwesen. Nur durch den bereits gewonnenen großen Einfluß und den anerkannten hohen Werth dieser Institution als Waffe in den Händen der Parteien ist es zu erklären, daß ein dem demokratischen Geist der nordamerikanischen Staatsverfassung so zuwiderlaufendes System noch aufrecht erhalten wird. Es werden nämlich alle Stellen im Postdienst vom Präsidenten besetzt, und man kann sich leicht vorstellen, welchen Einfluß auf die öffentliche Meinung und welchen Druck auf die freie Willensäußerung ein wohlorganisirtes Corps von 27,000 über das ganze Land verbreiteter Privat-Beamten des Präsidenten ausübt, aber auch was für eine Armee von Parteigängern einem Präsidentschafts-Kandidaten bloß durch das Versprechen oder die Aussicht zugeführt wird, bei der Vergebung so zahlreicher einträglicher Stellen (Spoils, Beute, nennt’s das Volk) bedacht zu werden. Abgesehen davon, daß durch ein solches System die Macht der Central-Regierung gerade da gestärkt wird, wo sie nur gefährlich und schädlich wirken kann, leidet noch der Dienst selbst empfindlich darunter, daß er, anstatt fähigen und erfahrenen Händen anvertraut zu sein, nur als „Spoil“ einer feilen Prätorianerbande behandelt und auf das gewissenloseste während der kurzen Zeit des ungestörten Besitzes (alle vier Jahre erfolgt ein Kabinets- und Stellenwechsel) ausgebeutet wird. [66] So wird die politische Moral vor Aller Augen geschändet, und dennoch scheut sich jede Partei, der Schlange auf den Kopf zu treten, aus Furcht, das einflußreiche Mittel zur Herrschaft im günstigen Fall selbst entbehren zu müssen. So sehr übertäubt dort bereits das Parteiwesen die öffentliche Stimme, daß in einer so wichtigen Frage wie dieser das allgemeine Rechtsbewußtsein nicht mehr zur Geltung kommen kann.

Von der höchst interessanten vergleichenden Statistik im amerikanischen Postwesen läßt uns der Raum nur wenige Zahlen erwähnen. Nach der Unabhängigkeits-Erklärung (1776) verwaltete Benjamin Franklin, der erste General-Postmeister, nur 75 Poststellen, mit einem Budget von 22,000 Dollars. 1814, bei Herabsetzung des Porto’s, war die Zahl der Postämter auf 3000 und die Revenuen des Staats auf 300,000 Dollars gewachsen. 1850 wurde abermals das Porto ermäßigt, und zählte man bereits 15,000 Postmeister und eine Einnahme von 5,495,000 Dollars. Seitdem sank das Porto auf das Minimum von 3 Cent für den Brief nach jedem Theil der Vereinigten Staaten und hat sich damit, bei den 27,000 Poststellen, die beförderte Korrespondenz verfünffacht und die Einnahme verdoppelt. Es spricht nichts beredter für das System billigen Porto’s sowohl, als auch für die wachsende Intelligenz und das Erkennen der geistigen Bedürfnisse in den Vereinsstaaten. Kein Land der Erde hat eine solche hohe Entwickelung seines Post-Verkehrswesens aufzuweisen. Wohl dem Volke, trotz alledem, das sich ihrer erfreut. –

Das Gebäude des General-Postamts ist eine der schönsten Zierden Washingtons. Es wurde 1841 aus weißem Marmor gebaut, der im Wetter eine gelbe Farbe angenommen hat. Die Kosten betrugen 600,000 Dollars. Es umfaßt 80 Bureaus, in denen 150 Clerks beschäftigt sind.