Das Paxbrot

Zur ältesten Ansicht der Stadt Dresden Das Paxbrot (1909) von Otto Richter
Erschienen in: Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912)
Fürstenbesuche in Dresden. Teil 2
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Das Paxbrot

ist eine Brotspende, die seit alter Zeit aus landesherrlichen Mitteln alljährlich an Dresdner Arme verteilt wird. Vor einigen Jahren erklärte die Staatsregierung, die Spende einziehen zu wollen; sie hielt sich dazu für berechtigt, weil es sich nicht um eine Stiftung, sondern nur um eine jederzeit widerrufliche Gnadenbewilligung der Landesherren handle. Dies führte zu einem Streite mit der Stadtverwaltung, der schließlich durch einen Vergleich beendet wurde. In einem von mir erstatteten Gutachten konnte ich es als nahezu gewiß erweisen, daß die Brotspende eine uralte geistliche Stiftung ist. Man hatte seit dem 18. Jahrhundert den Ursprung des Paxbrotes darin gesucht, daß es nach dem Dreißigjährigen Kriege von den Landesherren aus Dankbarkeit für den wiedergewonnenen Frieden (pax) gestiftet worden sei. Diese Annahme wurde aber hinfällig, als sich ergab, daß die Spende schon in der Rechnung des Dresdner Rentamts vom Jahre 1579 (die älteren sind leider nicht erhalten) verzeichnet war. Es war nun nicht abzusehen, an welchen andern Frieden der Name anknüpfen sollte. In der Tat hat das Paxbrot mit dem Worte pax, der Friede, überhaupt nichts zu tun, sondern der Name ist offenbar herzuleiten von dem mittellateinischen paxema oder paxematicus panis, das ist ein zweimal gebackenes Brot, ein Brotzwieback, den man im Mittelalter besonders in den Klöstern herstellte, wo er jedenfalls auch an Arme ausgespendet wurde. Dieser Ursprung des Namens, der bereits im 17. Jahrhundert nicht mehr bekannt war, deutet allein schon darauf hin, daß die Paxbrotstiftung sehr früh, jedenfalls noch im Mittelalter, entstanden ist, und daraus erklärt es sich auch, daß sich in den Archiven weder eine Stiftungsurkunde noch eine sonstige ursprüngliche Nachricht vorfindet. Aber einen wichtigen Hinweis gibt die erwähnte Rechnung des Rentamts von 1579; in dieser ist das Paxbrot gebucht unter der Bezeichnung „Ausgabe für die geistlichen Zins zu Verrichtung der Spende und Almosen“. Das kann nichts andres heißen, als daß die Kornlieferung zum Paxbrot als Entschädigung für eingezogene geistliche Zinsen auf das kurfürstliche Amt übernommen worden ist. Man darf vermuten, daß die Paxbrotspende ursprünglich in einem der hiesigen Klöster ausgeteilt und bei dessen Aufhebung zur Zeit der Reformation von den Landesherren, die die Güter und Einkünfte des Klosters einzogen, fortgesetzt worden ist. Etwas Genaueres darüber wird sich, bei der Lückenhaftigkeit der Akten gerade aus jener Zeit, schwerlich feststellen lassen, aber wenn man in Betracht zieht, daß solche Rechnungsvermerke wie der erwähnte in alter Zeit ganz besonders zuverlässig und nicht selten die einzige Grundlage für bestehende Rechtsverhältnisse waren, wird sich an der Tatsache kaum rütteln lassen, daß die Paxbrotspende ursprünglich eine geistliche Stiftung gewesen ist.

O. R.